Dr. Heide und Dipl.-Kfm. Erich Wilts
„Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.“
Dieser Spruch stammt von einer klugen Frau, der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach. „Das soll uns nicht passieren!“ haben wir
vor 20 Jahren beschlossen und unsere bürgerlichen Berufe aufgegeben, um auf der Südhalbkugel zu segeln. Vor fünf Jahren sind
wir – nach gründlicher, aufwändiger und anstrengender Überholung der FREYDIS – erneut von Deutschland aufgebrochen: Diesmal
waren unsere Ziele die Aleuten und das Beringmeer, der Golf von Alaska und Britisch Kolumbien. Vor zwei Monaten haben wir nun auf dem Rückweg San Diego erreicht und damit den Kreis geschlossen.
Den Törnplan für 2009 gibt es Auf Wiedersehen!
1. Stürmischer Empfang auf den Aleuten ***
„17 Fuß ? “ „Nein, Erich, Du hast richtig gehört, 17 Meter hohe Schneeverwehungen sind hier nach den Schneefällen der letzten
Wochen gemessen worden“ tönt es am anderen Ende der Leitung aus Alaska. Es wird für uns offensichtlich höchste Zeit, einmal
nach dem Rechten zu schauen, schließlich liegt die FREYDIS schon seit September letzten Jahres unbeaufsichtigt zwischen zwei
Schwimmstegen im kleinen Fischereihafen von Cordova, in der östlichen Ecke des Prince William Sound, auf 60° nördlicher Breite.
Als wir Ende Februar mit dem Flieger in Anchorage ankommen, hat sich die Wetterlage geändert. Jetzt erleben die Alaskaner gerade einen
ungewöhnlichen Kälteeinbruch mit Temperaturen zwischen minus 20 und 25 Grad Celsius, dazu stürmische Winde, die drei Wochen lang zwischen
40 und 95 Knoten (kein Schreibfehler) pendeln. Durch den Windchill kommt man dann leicht auf minus 40° C. Bei diesen Temperaturen wird Kälte
lebensbedrohend, auch bei noch so guter Kleidung. Permanente Warnungen in den Wetterberichten, die Bewohner lassen sich draußen nicht mehr blicken und haben sich in ihre Häuser zurückgezogen.
Unser gesamtes Gepäck mit aller Wärmekleidung ist beim Umsteigen in Denver nicht in unserem Flieger nach Anchorage gelandet, sondern fliegt
fehlgeleitet in die Gegenrichtung nach San Francisco in die Wärme. Bis es wieder bei uns ist, habe ich mir natürlich eine schwere Erkältung zugezogen.
In der ersten Nacht übertönt unser Zähneklappern die Windgeräusche in der Takelage, dann bekommen wir die Heizsysteme in Gang. Ein kleiner
Elektroquirl und die Eberspächer Warmluftheizung geben ihr Bestes – es reicht, um Messe und Vorkammer einigermaßen zu erwärmen. Aber so
richtig gemütlich wird es an Bord nicht. Erinnerungen an unsere Überwinterung in der Antarktis werden wach. Unsere Durchhalteparole: Gelobt sei, was hart macht.
Ein Gutes hat die trockene Kälte in Alaska: Bei Tiefkühltemperaturen gibt es keine Korrosion. Hauptmaschine und Aggregate laufen einwandfrei.
Nur auf das Trinkwassersystem müssen wir verzichten, da Tanks und Leitungen eingefroren sind. Aber wozu brauchen wir auch Wasser? Zum
Waschen haben wir eh keine große Lust und das bisschen Trinkwasser hole ich vom Hafenamt in Kanistern, denn die Leitungen auf den Steganlagen sind natürlich schon vor Monaten stillgelegt worden.
Sehr freundlichen und hilfsbereiten Leuten begegnen wir in Cordova. Wir sind die einzigen Fremden in der kleinen Gemeinde und werden oft
eingeladen. Der Fischer Ken Adams grillt sogar bei minus 20° C im Sonnenschein vor der Haustür für seine Freunde und uns Berge von Lachs.
Kennen gelernt haben wir ihn und seine Frau Debra (sie unterrichtet auf der kleinen Highschool) auf Empfehlung von Otto und Hanni Zimmermann,
die mit ihrer ASTRONOTUS (Typ Hydra und der FREYDIS sehr ähnlich) um die Erde gesegelt sind und sich bei ihrem langen Aufenthalt in Cordova ein paar Jahre zuvor mit Ken und Debra angefreundet hatten.
Unser heimlicher Traum, zu zweit mit der FREYDIS einen Abstecher zum Columbia-Gletscher zu machen, erfüllt sich nicht. Obwohl der Prince
William Sound auch im strengen Winter nicht zufriert – Ursache sind die Ausläufer warmer Meeresströmungen – ist uns das Abenteuer bei der
Kälte und den Stürmen doch zu gefährlich. In jeder Wettervorhersage wird auf die Gefahr gefrierender Gischt hingewiesen, die zu Decksvereisung
und Kopflastigkeit führt. Nein Danke! Der Spaß am Segeln würde uns wahrscheinlich schnell vergehen!
So fliegen wir dann in der dritten Woche zurück nach Anchorage. Nachdem wir wieder aufgetaut sind, geht die Zeit schnell um mit
Museumsbesuchen, mit Einkäufen bei West Marine (u.a. kaufen wir ein neues Schlauchboot und einen neuen Gasherd) und mit einem Besuch bei
Jill und Doug, einem Paar, das im Winter im Bear Valley bei Anchorage lebt, dort Schnee- und Lawinenexpertisen für die Regierung erstellt und in
den Sommermonaten der letzten 20 Jahre in zwei Einer-Ruderbooten die gesamten Küsten Alaskas, Labradors, Spitzbergens und Teile von
Grönland bereist hat. Jill hat über ihre ungewöhnlich abenteuerlichen Unternehmungen ein Buch geschrieben, das auch ins Deutsche übersetzt
worden ist. Seit über einem Jahr stehen wir schon über E.-Mail in Verbindung, wollten uns bereits im letzten Jahr an der Alaska-Halbinsel treffen. Jetzt kriegen wir uns endlich zu fassen.
Als krönenden Abschluß unseres Alaska-Aufenthaltes verbringen wir die letzten Tage in tiefer Wildnis im Blockhaus unseres guten Bekannten Fred
Huith, das er selber in jahrelanger Arbeit errichtet hat. Er stammt aus Bayern, lebt und arbeitet aber schon seit drei Jahrzehnten als Farmer in den
USA und hat sich mit seinem Refugium an einem Lachsfluss seinen ganz persönlichen Lebenstraum erfüllt. Der Fluss ist übrigens in den zehn
Jahren, die Fred hier lebt, das erste Mal ganz zugefroren, aber wir ertragen die Kälte besser als in Cordova. Der schneidende Wind fehlt und die
Sonne scheint bei unseren Wanderungen durch die verschneite Wildnis von morgens bis abends. Nach diesem kurzen Rückblick ein Blick in die unmittelbare Zukunft:
Ende April/Anfang Mai werden sich bei uns in Heidelberg die Crews der in diesem Jahr anstehenden Etappen treffen. Diese Zusammenkünfte
dienen dem persönlichen Kennenlernen. Heide und mir sind fast alle von früheren Reisen mit der FREYDIS gut bekannt. Auf den Zusammenkünften
werden wir gemeinsam die einzelnen Törns vorbereiten. Denn, wie Ihr vielleicht wisst, haben wir uns für dieses Jahr einiges vorgenommen: Wir
wollen noch einmal ein Stück den Weg in Richtung Aleuten zurück, den wir im letzten Jahr gekommen sind, um dann zweimal das Beringmeer und
die Beringstrasse zu durchkreuzen. Uns reizt der Besuch seiner entlegenen Inseln mit einem Abstecher nach Sibirien. Die Reisen sind eine große Herausforderung und wir hoffen, sie werden sehr interessant.
Bei unseren Streifzügen durch die Museen und Läden von Anchorage sind wir immer wieder auf Reste von Mammuts gestoßen, die von den Inseln
im Beringmeer und aus Sibirien stammen. Man kann sie in einigen Läden sogar für viele harte Dollar erstehen. Aber Selbersuchen und –finden
setzt natürlich viel mehr Glückshormone frei als profaner Kauf. Heide will deshalb ein kleines fossiles Mammut ausgraben und als
Bordmaskottchen mitnehmen. „KNUT“ soll es heissen. Ich fand das eine gute Idee. Wir haben deshalb in Anchorage sechs Spitzhacken, sechs
Spaten und sechs Schaufeln geordert und stellen uns vor, dass wir in Sibirien mit den Crews auf Mammutsuche gehen. Heide steckt die Claims ab
und ordnet die Fundstücke nach wissenschaftlichen Kriterien, die Crews hacken, spaten und schaufeln was das Zeug hält und ich selber sichere
das Gelände gegen aufdringliche Grisslys und Eisbären sowie gegen möglicherweise aufgebrachte Eskimos, die uns ja allesamt nur bei der Arbeit
behindern würden, mit Hilfe von Pfefferspray, Tröte und Signalmunition. Letztere haben wir an Bord, Pfefferspray haben wir bereits in der Waffenabteilung vom WalMart in Anchorage gekauft.
Nicht nur Heide hat ihre Wünsche, sondern auch ich. Bei mir wurden sie ausgelöst durch die Schilderungen von Jill und Doug, die oben erwähnten
Ruderer. Sie hatten eines Tages am Ufer des Beringmeers einen verendeten Walrossbullen gefunden. Der hatte nicht nur zwei mächtige Stosszähne aus Elfenbein, sondern noch ein anderes Liebhaberstück für Sammler, einen „
Oosik, den eindrucksvoll großen Penisknochen, der so viele Menschen fasziniert…“ (in Jills Buch S.121).
So ein männliches Walrossgerippe wollen wir auch finden, die Zähne kann Heide haben, der Knochen ist für mich. Übrigens heute schreiben wir
den 1. April. Im Laufe des Monats werde ich 65 und damit ein „rüstiger Greis“. Und wer weiß, was dann noch kommt – es ist sicher gut, für die Zukunft einige Vorkehrungen zu treffen und sich „Stützen“ bereitzulegen.
Bereits Ende Mai bilde ich das Vorauskommando, um die FREYDIS betriebsbereit zu machen. Soweit Ihr nicht auf einer der Etappen in diesem
Sommer mitsegelt, hören oder lesen wir dann erst wieder im Herbst des Jahres voneinander. Dann stellen wir auch den neuen Törnplan für 2008
vor. So wie es aussieht, werden wir die Chance nutzen und noch ein weiteres Jahr in Alaska und in Britisch-Kolumbien verbringen. Heide und ich wünschen Euch eine erlebnisreiche Segelsaison voller glücklicher Momente.
Herzliche Grüße aus Heidelberg von
Wir sind auf dem Wege vom Midway-Atoll zu den Aleuten. Von Klaus, unserem Ornithologen aus Leidenschaft, erhalten wir via Kurzwelle eine Mail
an Bord:“…30 Meilen von Dutch Harbor entfernt brütet auf den Baby Islands ein seltener Vogel, der Whiskered Auklet. Ich habe die Inseln in der Karte nicht gefunden, mein Wunsch wäre, da unbedingt vorbeizusegeln…“
Als Klaus dann in Dutch Harbor zu uns stößt, winken wir erst einmal ab. Zu gefährlich! Wir sind froh, dass wir durch den Seguam Pass unbeschadet
in das Beringmeer gelangt sind und das Seehandbuch verheißt über die Strömungen rund um die Baby Inseln nichts Gutes: „… zur Springzeit (und
wir hatten gerade Vollmond) erzeugen die Strömungen so schwere Stromkabbelungen, und das auch bei ruhigem Wetter, dass man auf Brecher
gefasst sein muß, die auf Deck einsteigen…Stromseen von 4,5 m Höhe sind beobachtet worden…besonders gefährlich für kleinere Fahrzeuge, auch
ohne Wind und Seegang…”. Warum sollten wir uns das antun? Aber auf so interessante Inseln und Vögel verzichten? Die Versuchung ist so groß
wie die Herausforderung. Wir befragen die Fischer in unserer Nachbarschaft und den Hafenkapitän, studieren Detailkarten und Tidenkalender.
Heide navigiert uns mit Hilfe unserer neuesten Errungenschaft, den elektronischen Seekarten samt GPS-Maus zwei Tage lang metergenau durch
die berüchtigten Pässe. Es ist spannend, aber nicht gefährlich und Klaus ist happy, er bekommt seinen Vogel und wir anderen haben unser kleines Abenteuer bestanden.
Und weil wir gerade bei den Vögeln sind, noch ein Wort zu unseren Superfliegern, den Albatrossen, den sanftmütigsten und größten aller
Seevögel: Sie verbindet man im Allgemeinen mit der Südhabkugel, aber auch auf der Nordhalbkugel kommen drei Arten von ihnen vor. Klaus
verspricht uns für jede Art, die er zu Gesicht bekommt, eine Flasche Champagner. Zehn Jahre vorher, auf dem Südpazifik, wurde er auf diese
Weise 6 Flaschen los. Natürlich halten wir eifrig Ausschau, doch kein einziger lässt sich sehen. Dabei war es doch zwei Wochen vorher noch so
einfach gewesen: Auf dem vorangegangenen Abschnitt liefen wir mit der Vorcrew das Midway-Atoll an, einen einsamen Landkrümel im Ozean,
1.300 Seemeilen von Hawaii entfernt. Dort konnten wir fünfhunderttausend Albatrospaare beim Aufziehen ihres Nachwuchses beobachten, das sind
je 500. 000 Vogelväter, Vogelmütter und Küken = insgesamt 1,5 Mio Albatrosse. (Auf einen mehr oder weniger will ich mich aber nicht genau festlegen).
Midway ist ein Naturparadies, wie es schöner nicht sein kann – für uns alle ein unvergessliches Erlebnis.
Von Mexiko bis Midway waren wir einige tausend Meilen Richtung Westen gesegelt. Nun führt unser Kurs entlang dem 177sten Längengrad circa
1800 Seemeilen nach Norden. Wie im Zeitraffer vollzieht sich der Wechsel der Klimazonen von den Tropen über die gemäßigten Breiten in die
Zone der stürmischen Westwinde, die Wassertemperatur – anfangs noch 28°C - fällt auf 5°C. Unsere Wetterfrösche auf dieser langen Strecke
über den nordpazifischen Ozean sind unsere Freunde Jochen aus Düsseldorf und Günther aus dem Taunus. Über Kurzwelle erhalten wir fast täglich
E.-mails (für die Spezialisten unter Euch: System Pactor III und SailMail) mit den aktuellen Wetterdaten und mit Ratschlägen für unseren Kurs. Als
wir bei der Annäherung an die Aleuten von zwei schweren Sturmtiefs in die Zange genommen werden, zieht Jochen aus Sorge um die Freydis und
ihre Crew Oberwetterfrosch Meeno Schrader hinzu. Der rät „Den Kurs sofort auf W-Kurs ändern und dem Tief entgegenfahren… und dann auf
NW-Kurs so schnell wie möglich aus dem Trog heraussegeln.“ Als wir endlich eine Kurzwellenverbindung aufbauen können, ist es aber schon zu
spät für diese vorgeschlagene Kursänderung, denn das Tief hat uns erreicht und wir liegen bereits beigedreht unter drei Reffs. Viele von Euch
wissen aus den Erfahrungen des Südpolarmeers, dass sich die Freydis beigedreht ganz prächtig verhält, Einen Tag später können wir unsere Reise nach Durchzug des Tiefs unbeschadet fortsetzen.
Jochen und Günther haben sich viel Mühe gemacht. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle bei ihnen nochmals ganz herzlich auch im Namen unserer Mitsegler bedanken.
Als wir auf den Aleuten ankommen, liegen die großen Ozeanpassagen hinter uns. Wir segeln die nächsten zwei Monate, meist in
Tagesabschnitten, entlang den Küsten der Aleuten, der Alaska-Halbinsel, der Insel Kodiak, der Kenai-Halbinsel und des Prince William Sundes.
Landschaftlich und klimatisch erinnert uns dieser Teil Alaskas mit seinen Fjorden, Gletschern und Vulkanen immer wieder an Patagonien und
Feuerland. Darüber hinaus sind wir beeindruckt von dem außerordentlich reichen Tierleben. So viele Wale wie im Norden von Kodiak auf dem Wege
zur Vulkaninsel Augustine haben Heide und ich auf allen Reisen zusammen nicht gesehen. Braunbären gibt es auf der Alaskahalbinsel weit mehr
als Einwohner. Für uns ist es ein Privileg, etliche Bärenfamilien im Katmai National Park von Bord und vom Dingi aus wenigen Metern Entfernung beobachten zu können.
Besonders angetan sind wir von dem Interesse und der Gastfreundschaft der Menschen, die wir in den Siedlungen und Ankerbuchten entlang der
Küste antreffen, das erinnert uns an unsere frühen Reisen ins Europäische Nordmeer in den Sechziger und Siebziger Jahren. Viele tolle
zwischenmenschliche Erfahrungen! Auf der langen Reise zwischen Dutch Harbor und dem Prince William Sound treffen wir nur auf zwei weitere
Yachten. Diese Region liegt abseits der üblichen Touristenströme und wird auch nur von wenigen Yachties besucht. Das ist wohl auch mit ein
Grund für den herzlichen Kontakt, den wir zu den Menschen, überwiegend Fischer oder in der Fischverarbeitung tätig, bekommen.
Die ganze Küste ist ein Eldorado für Angler und Fischer. Wir schwelgen in Lachs und Heilbutt. Die Freydis wird zum 3 Sterne Fischrestaurant.
Das Jahr 2006 brachte uns eine lange und abwechslungsreiche Saison: Sie begann für Heide und mich im November 2005 mit den
Vorbereitungsarbeiten auf der Freydis in La Paz/Mexiko und endete – mit zweimonatiger Unterbrechung auf Kauai – Ende August 2006 in
Cordova/Golf von Alaska. An den Törns von Mexiko bis zum Golf von Alaska nahmen insgesamt 30 Leute teil, 24 von Ihnen waren bereits auf
früheren Reisen mit der Freydis dabei, meist in der Kap Hoorn Region und im Südpolarmeer. Nach spätestens einer Woche waren wir wieder ein
eingespieltes Team. Heide und ich bedanken uns bei allen Mitseglern für ihren Einsatz und ihre Kameradschaft. Besonders bedanken möchten wir
uns bei Peter Chmella, der auf dieser Reise am längsten an Bord war, nämlich ganze acht Wochen, i m m e r ansprechbar und hilfsbereit bei
etwaigen Problemen an der Maschine oder an Deck (wie oft, lieber Peter, haben wir beide die verdammten Dieselfilter reinigen müssen, nachdem
der mexikanische Reservediesel bereits bei +13,5°C geliert war?) . Unser besonderer Dank gilt auch unserem Freund Albert Strobl, der in Cordova
bis zum ganz zum Schluß an Bord blieb und uns noch die letzte Woche beim Aufklaren und Einmotten der Freydis geholfen hat - das auch noch
unter den lausigsten Wetterbedingungen (ähnlich wie in Deutschland war der August im Golf von Alaska außerhalb der Norm total verregnet).
Außer Dauerregen hat uns in Cordova noch der erste Herbststurm mit 65 Knoten erwischt. Aus Sorge um unser Schiff haben wir es nach allen
möglichen Seiten verkettet und vertäut. Jetzt hoffen wir, dass die Freydis die Winterstürme, die durch den Golf von Alaska toben, gut übersteht. Die Saison 2007 wird kürzer :
An unsere Freunde und Mitsegler: "A COLLISION AT SEA CAN RUIN YOUR WHOLE DAY"...
Der zweite Akt war etwas beschwerlicher: Kaum hatte unsere Crew die Heimreise angetreten, liefen die Ausläufer der Winterstürme im Nordpazifik
in nicht enden wollender Zahl über die Inseln Hawaiis. In die scheinbar sichere Radio Bay, zum Meer nicht nur abgeschirmt durch das vorgelagerte
Riff, sondern auch durch einen hohen Steinwall darauf, rollten die Brecher in voller Breite hinein. Heide und ich hatten schon vorher die gesamten
80 Meter Kette ausgebracht. In der Nacht waren wir der drei Meter hohen Betonpier im Rücken trotzdem bedrohlich nahe gekommen, so dass wir
die Reservekette, ebenfalls 13mm stark, aus der Bilge zerrten - noch mal 70 Meter. Jetzt hielten zwar beide Anker. Nachdem aber eine unserer
Nachbaryachten an die Betonpier geschmettert worden war und das schlechte Wetter kein Ende nehmen wollte, entschlossen wir uns, die FREYDIS
hier keinesfalls zwei Monate unbeaufsichtigt liegen zu lassen. Wir hatten bereits mit dem Leihwagen erfolglos alle anderen Häfen auf Big Island
inspiziert und flogen deshalb für ein paar Tage zur westlichsten Insel, Kauai. Dort hatten wir Glück: Im kleinen Hafen Nawiliwili bekamen wir mit
viel gutem Willen der Behörden (es gibt dort keine privat betriebenen Marinas) endlich eine sichere Box. Dort liegt sie nun, die FREYDIS, und wird
bewacht von dem Hafenmeister Richard (hat u.a. deutsche Vorfahren), dem Stegnachbarn Kamal Salibi (ein gebürtiger Libanese) und Renate aus
Oberbayern, die vor ein paar Jahren mit ihrem Mann Bernd auf der Segelyacht NANUK die Erde umrundet hatte und sich nun hier auf Kauai als
Ethnologin in einem pädagogischen Projekt engagiert, welches die Wiederbelebung traditioneller polynesischer Seefahrt fördert und u.a. den
Nachbau alter Polynesischer Segelkanus zum Ziel hat, dem Vaka Taumako Projekt. (Wer sich von Euch für dieses Thema interessiert, findet mehr unter
Die fünf Wochen, die Heide und ich für die Hawaii-Inseln eingeplant hatten, waren jedenfalls schnell vorbei. Zur Zeit weilen wir in Heidelberg. Am
8. Mai bilde ich das Vorauskommando und mache die FREYDIS für den Törn zu den Aleuten einsatzbereit. Mit Crew geht es dann Ende Mai los.
Zuerst zum Midway-Atoll, das wir anlaufen dürfen, nachdem Heide in Honolulu beim U.S. Fish & Wildlife Service eine Sondergenehmigung für uns
erwirkt hat, dann nach Unalaska/ Dutch Harbor. Über die Aleuten wollen wir zur Alaska-Halbinsel und nach Kodiak und von dort über die
Kenai-Halbinsel zum Prince William Sound. Dort wird die FREYDIS voraussichtlich überwintern, vielleicht bleiben Heide und ich ebenfalls während des Winters 2006/2007 eine Zeitlang an Bord.
Im September des Jahres sind wir wieder in Heidelberg. Dann werden wir uns kurzfristig bei Euch mit dem Törnplan für 2007 melden. Diesen jetzt
schon zu erstellen macht wenig Sinn, da wir 2007 im Revier von Alaska bleiben wollen und deshalb noch die Erfahrungen aus den Törns der
kommenden Monate in die Planung einfließen lassen möchten. Vielleicht segeln wir in 2007 einen Teil der Strecke bis Dutch Harbor zurück. Es reizt
uns auch ein Abstecher zur Beringstraße und über den Polarkreis nach Kotzebue und zur russischen Seite der Beringsee. Auf dem Wege dahin
liegen eine Reihe interessanter Inseln und Eskimosiedlungen und Tierparadiese, die zu besuchen sich sicherlich lohnt.
Ein kleines Jubiläum steht im Juni dieses Jahres an: Dann ist es 30 Jahre her, dass Heide und ich mit der ersten FREYDIS (eine Reinke „Super
Secura" von 11,30 mtr Länge, Marke Selbstausbau) losgesegelt sind. Auf ihrer Jungfernreise brachten wir unsere erste „Eiserne Lady" mit Freunden
von Leer nach Kiel und von dort segelten wir zu zweit über Bornholm, Kalmar und die Aland Inseln nach Uusikaupunki an der finnischen Küste und zurück.
Von der Mittsommernacht in Mariehamn ist mir nur die erste Stunde in Erinnerung geblieben. Wir waren am späten Nachmittag angekommen,
müde, verschwitzt, glücklich und durstig. Heide bereitete eine Kleinigkeit zu Essen und ich genehmigte mir einen nicht zu kleinen Gin Tonic auf
den gelungenen Landfall. „Der schmeckt sehr intensiv" war mein Kommentar nach dem ersten großen Schluck. „Du musst ihn verdünnen"
kommentierte Heide aus der Kombüse. Ich schenkte kräftig aus der Tonicflasche nach. Vergessen hatte ich, dass wir dem rigiden schwedischen
Zoll in Kalmar ein Schnippchen geschlagen und vor der Kontrolle zwei Flaschen Gordons in leere Schweppesflaschen umgefüllt hatten.
Wir wünschen den Seglern unter Euch eine tolle Segelsaison 2006 ! ! Euch allen: Ohren stiev hollen ! !
Guten Tag, Ihr Lieben !RAZO-LERCHE ! Wer kann schon mit diesem Vogel etwas verbinden? Also i c h kann es und sechs weitere Mitsegler, die auf der Atlantiküberquerung Anfang des Jahres dabei waren – und natürlich ORNI(thologe) KLAUS, der uns dazu angestiftet hat, den Inselkrümel RAZO in der Kap -Verden - Gruppe anzulaufen und zu entern (wie schon weiland Sala y Gomez und andere Inseln im Südpazifik, wo Klaus das erste Mal dabei war). Diese Lerche existiert nur noch in wenigen Exemplaren auf RAZO und es ist ein großes Glück für den, der diesen äußerst seltenen Vogel auf der schroffen, schwer zugänglichen Insel nicht nur beobachten, sondern sogar fotografieren kann und dazu eine Reihe anderer Vögel, denen dieser kleine Flecken im Meer zum Überleben dient. Die Weiterreise stand unter einem guten Stern. Zwar war der Passat übellaunisch - zweimal brach im Masttop der Umlenkblock des Spifalls mit der Folge, dass einer der beiden Spibäume zu Bruch ging – aber wir erreichten Grenada nach 16 Tagen in bester Verfassung. Die Einzelkämpfer des Beginns waren am Ende zu einer Crew zusammengewachsen, die am liebsten gleich die Reise geschlossen fortgesetzt hätte. Mit neuer Crew folgten zwei Supertörns entlang der venezolanischen Küste mit attraktiven Inseln, Riffen und Lagunen. Am Ende dieser Abschnitte der Clou: Wir durften einen Blick ins Paradies werfen und sogar darinnen segeln, im San Blas Archipel vor der Küste von Panama. Dieses wirklich einzigartige Revier mussten wir leider schon nach gut einer Woche verlassen. Dafür durften wir uns mit korrupten Behörden in Panama wegen unserer Passage durch den Kanal herumquälen (ein Kapitel für sich). Ein Gutes hatte die lange Wartezeit für Yachten aber doch : Sie machte die Rückkehr zu den San Blas möglich und wir haben die vielen Stunden und Tage, die wir in den Coco Bandero Cays mit anderen Yachties aus Österreich, der Schweiz und DL verbracht haben, in allerschönster Erinnerung. Kein Paradies ohne Hölle. Sie tat sich auf, nachdem wir den Kanal passiert hatten. Der Passat fiel aus, es wurde entsetzlich heiß und schwül, und das auf dem ganzen Weg von Panama bis Acapulco. Da halfen auch keine geöffneten Luken, keine Windsäcke, keine Ventilatoren und keine Kühlbox. Unsere Mitsegler und Heide kamen damit ganz gut klar, aber ich hätte mich am liebsten ins kühle Naß gestürzt und den Haien zum Fraß vorgeworfen, denn in Costa Rica hatte ich mir zu allem Unglück auch noch einen Mittelfußknochen gebrochen. Nur – das Naß war nicht kühl sondern piwarm (31 – 32 Grad) und die Haie pflegmatisch wie ich selbst. Unser spindeldürrer, asketischer OLDIE Gerhard Niemann dagegen schien von einem Hitzeschutzschild umgeben zu sein. In den sechs Wochen von Panama bis Acapulco habe ich keinen Schweißtropfen an ihm wahrgenommen, während sich unter mir - egal, wo ich lag oder stand – sofort eine Pfütze bildete. (Beim Abschied in Acapulco zieht Gerhard Bilanz: „Das war meine achte Reise mit der Freydis und mein 30. Segeltörn insgesamt – und noch nie habe ich Ölzeug oder Stiefel gebraucht.“ Das mach´ ihm mal erst einer nach! Ab Acapulco hatten Heide und ich es dann eilig, schnell nach Norden in kühlere Gefilde zu kommen. Tatsächlich nahmen die Wasser- und Lufttemperaturen jeden Tag um ca 1 Grad ab und in La Paz an der Südspitze der Kalifornischen Halbinsel konnten wir befreit aufatmen. Wir hatten unser Ziel erreicht. Fast 10.000 sm hatte die Freydis seit Ihrem Start im August des vergangenen Jahres zurückgelegt und das Tor nach Hawaii und Alaska ist jetzt aufgestoßen. Die Freydis liegt die nächsten Monate aufgebockt in einer soliden Bootswerft und wir sind sicher, dass sie dort die Hurrikansaison gut überstehen wird. Eberhard Wolff, Stützpunktleiter von Trans-Ocean, und die kleine deutsche Gemeinde, die wir schnell kennen gelernt haben, wollen auch ein Auge auf unseren Schatz werfen. Sechs Törns und sechs Crews von den Kap Verden bis La Paz: Das Zusammenleben und Zusammensegeln war auf allen Abschnitten erfreulich und hat uns Spaß gemacht. Ob eine Crew zusammenpaßt, stellt sich ja immer erst während eines Törns heraus.
Guten Tag, Ihr Lieben !Am 6. August 2004 sind wir von Leer aus mit der FREYDIS zu unserer 7. Weltreise gestartet. (Unsere erste begann übrigens auch in Leer an einem 6. August, und zwar vor 23 Jahren,1981, damals, als wir das erste Mal mit ihr loszogen rund Südamerika und als erste Deutsche in die Antarktis segelten.) Unserem erneuten Start war über ein Jahr harte Arbeit an der FREYDIS vorangegangen, die inzwischen 25 Jahre alt geworden ist und weit mehr als 200.000 Meilen auf dem Buckel hat, das entspricht 10 Runden um den Globus. Wir wussten, was auf uns zukam: eine gewaltige Arbeit und wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, die „Freydis“ wieder auf Vorderfrau zu bringen. Dazu kam unser Umzug von Cuxhaven nach Heidelberg und die Renovierung und Einrichtung unseres neuen 300 Jahre alten Hauses. Und am Ende waren wir völlig erschöpft und ausgelaugt – wir sind älter geworden, und das spüren wir. Zuerst der Stahlrumpf: Viele Teile wurden ausgewechselt, das Cockpit z.B. ganz aus Niro erneuert. Neue Hauptmaschine samt Getriebe, neues Stevenrohr mit Welle und Propeller, neue Aggregate, neue Luken, neue Fenster, neue Steuersäule und Ruderanlage, neuer Decksbelag, neue Seeventile, innen neue Isolierung, neue Verschalung, neue sanitäre Einrichtungen, neue Heizungssysteme, neue Kühlung, neuer Gasherd mit Leitungen, die gesamte Elektrik und Elektronik erneuert, neue Segel, neues Tauwerk, Schwenkkiel überholt und Umlenkung erneuert, Hilfsdiesel und Generator generalüberholt. Der ganze Rumpf wurde gesandstrahlt und der Anstrich neu aufgebaut. Kein Zentimeter altes Kabel oder alter Schlauch sind im Schiff verblieben. Da fragt sich mancher: Lohnt denn der ganze Aufwand? Doch wir haben vorher „ja“ gesagt und sind auch jetzt noch davon überzeugt, das für uns Richtige getan zu haben. Es ist eine Entscheidung, die wir nicht mit dem Kopf getroffen haben, sondern mit dem Herzen. Die „Freydis“ ist einen langen Abschnitt unseres Lebens mit uns durch „Dick und Dünn“ gegangen. Wir hängen an ihr, sind mit ihr bestens vertraut. Jetzt hoffen wir, dass sie noch für weitere 10 – 12 Jahre fit ist und wir hoffen das auch von uns. Jedes Jahr ist ein Geschenk – das wissen wir sehr wohl. Beide 62 Jahre alt sind wir jetzt wieder unterwegs. Zu Beginn erwischte uns ein Hoch, das zur Freude unserer Mitsegler auch noch wie ihr Skipper „Erich“ hieß und durch die ganze Nordsee und den Ärmelkanal anhielt - soviel Flaute haben wir in diesem Revier in über 40 Jahren nicht erlebt. Für die neue Maschine, einen Mercedes 6-Zylinder, und mit 126 PS doppelt so stark wie ihre Vorgängerin, war das eine leichte Übung, aber für uns schon eine arge Zumutung. Als dann der erste schwere Sturm kam, der vorher als Hurrikan „Bonnie“ schreckliche Verwüstungen in der Karibik angerichtet hatte, lagen wir sicher vertäut im winzigen Fischerhafen von Lampaul auf unserer Lieblingsinsel Ouessant am Ausgang des Kanals und ließen die französiche Küche hochleben in dem Inselrestaurant „Duchesse Anne“, während es draußen heulte und stürmte. Die Biskaya überquerten wir anschließend bei moderatem Wind und von Lissabon über Madeira und die Kanaren kam dann der heißersehnte Nordostpassat, zuerst mäßig und etwas unbeständig in Richtung und Stärke. Er zwang zu vielen Segelmanövern und hielt die Crew auf Trab. Von den Kanaren an legte er zu und wehte dann zum Schluß der Reise stark bis stürmisch, so dass wir zeitweise nur noch mit zwei Reffs im Groß und kleinem Vorsegel steuern konnten. Aber das mag die fast dreißig Tonnen schwere „Freydis“, und wir mögen das auch. Im kleinen Hafen La Restinga auf der Insel Hierro, der westlichsten Kanareninsel, legten wir einen Gedenkstop ein. Schließlich war Hierro für Jahrhunderte das Ende der damals bekannten Welt und durch ihren Leuchtturm lief in der Ära der Spanier und Portugiesen der Nullmeridian bis die Engländer ihn kurzerhand durch die Sternwarte von Greenwich legten. Außer uns lag hier noch eine weitere Yacht unter dem Stander von Trans-Ocean, die „Summertime“. Mit dem Deutsch-Österreichischen Eignerpaar Klaus und Edith freundeten wir uns an und segelten gemeinsam die 750 Seemeilen bis zur Kap Verden Insel SAL. „Mackern“ heißt das in der Sprache des Seemanns. Die „Summertime“ startete einen halben Tag später, wog aber nur die Hälfte der „Freydis“ bei größerer Segelfläche. In jedem Fahrtensegler steckt bekanntlich auch ein kleiner Regattafan und der kommt bei solcher Gelegenheit zum Vorschein. Regattafieber breitete sich auf der „Freydis“ aus. Zuerst holte die „Summertime“ schnell auf, aber mit zunehmendem Wind konnte die „Freydis“ in den letzten beiden Tagen dennoch ihren knappen Vorsprung behaupten. An der Nordspitze von SAL trafen wir uns wieder und fotografierten unsere Schiffe gegenseitig in voller Aktion, bevor wir in der Bucht von Palmeira auf der Insel SAL gemeinsam vor Anker gingen. In Leer hatten wir die „Freydis“ generalüberholt und in Ostfriesland zahlreiche Vorträge über unsere Reisen gehalten. Darüber hinaus hatten wir in „OMA“, dem „Ostfriesland Magazin“ in Reportagen über unsere Abenteuer berichtet. So war es nicht verwunderlich, dass auf den vier Teilabschnitten von Leer bis zu den Kap Verden über die Hälfte unserer Mitsegler aus waschechten Ostfriesen und Butenostfriesen bestand. Klar, dass auf einigen Törns Platt die Umgangssprache wurde. Da waren Thilo, unser treuer Freund aus Weener, der die „Freydis“ seinerzeit mitgebaut hatte und schon vor 23 Jahren als Student mit uns in die Antarktis gesegelt war, und Richard aus Logabirum, der uns für die Überholung der „Freydis“ sein Betriebsgelände und seine Werkstätten zur Verfügung gestellt hatte, wobei er uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Zur Crew war auch Helmut gestoßen, Gründer eines Shanty-Chors und bekannt als „der singende Ostfriese“. Er sorgte auf der Biskaya für die nötige Stimmung mit Musik von seiner CD und mit „Life“- Einlagen vom „Ostfriesenlied“ bis zum Lied „vom alten Leuchtturmwärter, der hinter sich das Licht ausmacht“. Nach einem Vortrag in Leer kam zu uns ein Landwirt aus Middelsterborg, ein Namensvetter, wie sich herausstellte, aber nicht mit uns verwandt. Sein Sohn habe nun den Hof übernommen und jetzt zöge es ihn auf die See. Nun nehmen wir eigentlich keine Segelunkundigen mit auf die Reise, aber, stur, wie Ostfriesen nun einmal sind, ließ er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Schließlich gaben wir nach. Unseren Vorschlag, an dem ersten Abschnitt teilzunehmen - Ems, holländische Küste und Kanal - weil wir dachten, dass wir ihn jederzeit in einem Hafen absetzen könnten, falls es nicht hinhaute, lehnte er ab: Er wollte „richtiges Meer“ und er hatte sich den Abschnitt über die Biskaya nach Lissabon in den Kopf gesetzt. Und so geschah es dann. Der Skipper nahm ihn auf seine Wache und führte ihn in die Geheimnisse des Steuerns ein und es wurde für ihn ein „Bombentörn“ und er plant schon seine nächste Reise auf der „Freydis“. Unverhofft meldete sich ein Volker aus Wiesmoor, der jahrelang zur See gefahren war. Der richtige Mann: Trotz unerträglicher Sommerhitze und Aufbruchstress half er uns selbstlos in den letzten zwei Wochen vor dem Start bei der Ausrüstung und Verproviantierung. Und dann kam da noch die Christa mit Hans-Jörg, Ihrem Mann, dazu. „Kennst Du mich noch?“ fragte sie schelmisch nach einem Vortrag in Logabirum, „wir waren Nachbarn auf der Nesse in Leer und haben als Kinder zusammen auf der Straße gespielt“. Nun lag das zwar 50 Jahre zurück, aber auch der Skipper konnte sich gut an das schlacksige Blondschopftöchterlein vom Gastwirt Huneke auf dem Viehhof erinnern. Die Ostfriesen sind immer noch ein Volk von Seefahrern, sie waren Walfänger und Fischer, sie stellten und stellen immer noch Kapitäne und Besatzungen in der Handelsschifffahrt – und der Skipper, dessen Vorfahren aus der Gegend von Marienhafe stammen, behauptet, dass Klaus Störtebeker, der von dort aus seine Kaperfahrten unternahm, sein Ahnherr war - und es kamen so viele Ostfriesen auf die „Freydis“, bis alle Kojen auf den vier Etappen belegt waren. Zwei Tage, bevor wir die Kap Verden erreichten, zogen rötliche Wolken über uns hinweg. Es waren riesige Heuschreckenschwärme, die vom stürmischen Passat von der 300 Seemeilen entfernten afrikanischen Küste aufs offene Meer getrieben worden waren. Viele versuchten, auf der „Freydis“ notzulanden. Zu unserem Glück misslangen die meisten ihrer Manöver. Durch die Windströmung an den Segeln stürzten die Heuschrecken ins Meer. Viele, ja Millionen, waren vorher schon entkräftet und streckenweise war die Meeresoberfläche mit ihren Körpern wie von einem rötlichen Teppich bedeckt. Seit diesem Erlebnis haben wir eine sehr konkrete Vorstellung von dieser „Biblischen Plage“. Wir sammelten die im Segel und auf Deck herumkrabbelnden Heuschrecken ein. Aber der Vorschlag des Skippers, sie mit Knoblauch in Olivenöl zu rösten und sie wie Langostinos zu genießen, stieß auf wenig Begeisterung. In der letzten Nacht auf See hatten wir Neumond. Bei Starkwind rauschte die „Freydis“ durch die pechschwarze Finsternis . In der aufgewühlten See hatte der Rudergänger Mühe, das Schiff auf Kurs zu halten und wurde alle halbe Stunde am Ruder abgelöst. Die „Summertime“ saß uns im Nacken und die „Freydis“ trug soviel Segel, wie gerade noch vertretbar. An Deck war es trotz des Windes warm, denn wir segelten ja längst in den Tropen. Im Schiff war die Hitze kaum zu ertragen und wir hatten die Messeluke einen Spalt geöffnet, damit Durchzug entstehen konnte. Nachts um vier plötzlich ein Schrei und Tumult in der Doppelkoje, wo Hans-Jörg und Christa eben noch friedlich schliefen, wegen der Hitze dürftigst bekleidet. Ein Fliegender Fisch, 25 cm lang, zappelte hilflos auf Christas Bauch. Er war von der „Freydis“ aufgescheucht worden, hatte bei der Flucht im Dunkeln die Orientierung verloren und war durch den Lukenspalt in die Messe gesegelt. Es dauerte eine Weile, bis Hans-Jörg den glitschigen Fisch eingefangen und wieder in sein Element zurück befördert hatte. Auf diesen Schreck genehmigte sich die Crew einen Schluck Folts Krüden, Christa deren zwei. Originalton im Logbuch am 15. Oktober: Diese Nacht regnet es Fliegende Fische. Einer landet durch die Messeluke auf Christa´s Bauch. Großes Juhu. 8 Uhr: Gespräch mit Klaus über UKW: „Summertime“ hat die Nacht mit 4 Reffs im Groß überstanden. Sie segelt 8 Meilen hinter uns im Kielwasser. 13:30 Drehen bei an der NW-Ecke von Sal am Kap Punta Preta 14:30 Die Summertime hat uns erreicht. Gemeinsame Fotosession bei 6 – 7 Bft, zunehmend 8 und dann ab in den Hafen Palmeira unter Landschutz. Fröhliches Wiedersehen mit Karl-Heinz Lange, dem Trans-Ocean Stützpunktleiter, der die Freydis in den nächsten zwei Monaten betreuen wird. Abends Skipperessen bei Carlita, leider überschattet von dem Diebstahl der Pässe und belichteten Filme aus dem offenen Leihwagen unserer Mitsegler Hans und Marion. Jetzt dümpelt die Freydis in der Obhut des Trans-Ocean Stützpunktleiters Karl-Heinz Lange, den wir bereits vor zwei Jahren auf unserer Rückreise nach Deutschland kennen gelernt hatten, im Hafen von Palmeira auf der Insel SAL. Die Kap Verden sind ein heißes Pflaster – immerhin sind wir bzw unsere Mitsegler in den vergangenen Jahren bei vier Besuchen dreimal bestohlen worden - aber Karl-Heinz sorgt mit dafür, dass Palmeira ein sicherer Hort für Weltumsegler bleibt und jede Nacht schlafen zwei Söhne des Fischers Frank an Bord, damit sich nicht Inhalt und Ausrüstung der „Freydis“ verselbständigen und neue Liebhaber finden. Wir brauchen sie noch. Wir haben die Reise für zwei Monate unterbrochen, denn noch ist Hurrikan-Saison in der Karibik, die in diesem Jahr bereits mehrfach von Wirbelstürmen heimgesucht wurde. Aber Weihnachten wollen wir weiter. Zuerst über den Atlantik nach Grenada, dann über die venezolanische Küste, die ABC-Inseln und die St. Blas-Inseln nach Panama. Von da entlang der Küste von Mittelamerika und Mexiko bis zum Golf von Kalifornien. Hier werden wir Mitte bis Ende 2005 wieder eine Hurrikan-Saison aussetzen und dann in 2006 über Hawaii nach Alaska, dem Höhepunkt auf dieser Reise, weitersegeln. Für die Erkundung von Alaska und Britisch-Kolumbien werden wir uns viel Zeit nehmen und danach wahrscheinlich zurück in die Südsee steuern. Schaun wir mal! .
Guten Tag, Ihr Lieben !Herzliche Weihnachtsgrüße von Bord der Freydis. Nach einem langen heißen, arbeitsreichen Sommer haben sich die Außentemperaturen endlich auf angenehme 0 bis 7 Grad Celsius eingependelt. Die Freydis liegt immer noch unterm Dach unseres Freundes Richard Hartema in Leer auf 53°14,6´ Nord und 07°31´Ost. Wir kommen mit der Überholung gut voran und sind zur Zeit dabei, die neue Maschine einzubauen – wieder ein Mercedes, aber diesmal ein 6-Zylinder vom Typ OM 366 mit entsprechend höherer Leistung als ihre Vorgängerin, die zwar 25 Jahre durchgehalten hat, aber zu schwach war, wenn es darauf an kam. Während ich mich vornehmlich um die Generalüberholung der Freydis kümmere, hat Heide ihr neues erzählendes Buch „Wilder Stiller Ozean“ vollendet, den vierten und letzten Band über unsere siebenjährige Antarktisumrundung. Es ist jüngst zur Buchmesse in Frankfurt erschienen. Einen Prospekt haben wir beigefügt und legen Euch das neue Werk warm ans Herz. „Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die Zeit vorbei, in der man kann“. Wir arbeiten darauf hin, dass dieser weise Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach sich auch ein weiteres Mal nicht bei uns beiden bewahrheitet und blasen schon jetzt zum neuen Aufbruch im August nächsten Jahres: Unser Fernziel ist Alaska, und wir wollen es in kleineren Etappen via Kanaren, Karibik, Panamakanal, Mexiko und Hawaii erreichen. Die ersten drei Törns haben wir schon festgelegt. Danach soll eine mehrmonatige Pause folgen. Wer von Euch Lust hat, uns auf einem der Abschnitte zu begleiten, ist herzlich willkommen. Törnplan und weitere Einzelheiten findet Ihr auf der Rückseite dieses Briefes. Im Laufe der letzten Monate haben wir zahlreiche (Rück-)meldungen aus Euren Reihen bekommen. Wir freuen uns immer wieder über ein Lebenszeichen und es ist schön, dass auch nach Abschluss unserer großen Reise weiterhin Kontakte zu vielen von Euch bestehen. Wir hoffen, dass das auch künftig der Fall sein wird. Seid herzlich gegrüßt, kommt gut ins neue Jahr, und hoffentlich auf Wiedersehen in alter Frische .
Guten Tag, Ihr Lieben !Die Reise unseres Lebens ist zuende. Am 20. Juli dieses Jahres machten wir die Leinen fest am Steg des SV Leer, von wo wir 12 Jahre zuvor aufgebrochen waren. Unsere Leeraner Freunde bereiteten uns einen herzlichen Empfang, wofür wir uns, auch im Namen unserer auf dem letzten Teilstück mitsegelnden Freunde Heiner, Karl und Erhard vielmals bedanken. Ein schöner Abschluß war das! Gleich zweimal sind wir auf dem Heimweg von Kapstadt nach Leer über den Atlantik gesegelt: Zu zweit im SE-Passat von Walvis Bay/Namibia über St. Helena und Ascension nach Joao Pessoa im Nordosten Brasiliens und anschließend mit wechselnden Crews von Brasilien über die Kap Verden und die Azoren zu unserer Lieblingsinsel Ouessant bei Brest. Der erste Teil war durchweg entspannend, der zweite Teil oft ätzend wegen der Schwüle und Flauten in den Kalmen am Äquator und dem bis zu den Azoren meist von vorne blasenden NE-Passat. In Rauschefahrt ging es bei strammen Winden aus dem westlichen Quadranten von den Azoren zum Eingang des Ärmelkanals. Aber auf dem allerletzten Teilstück von Oostende bis Borkum riß unsere Glücksträhne und eine harte Zielkreuz gegen starken bis stürmischen Nordostwind blieb uns nicht erspart. Wir waren froh, als wir Borkum nach 330 Seemeilen Schinderei endlich zu fassen hatten. Beim Einlaufen schwächelte das Getriebe - nicht nur bei uns war die Luft raus. Heides runden Geburtstag feierten wir im Yachtclub von Walvis Bay, Erichs ebenso runden beim Überqueren des Äquators. Auf der Freydis wurden schon Ehen gestiftet, Kinder gezeugt und auch der Grundstein für Trennungen gelegt. Trotzdem gelang es unserem Mitsegler und SMS-Experten Candidus aus Graz beim Anlaufen der Ile d'Ouessant uns zu überraschen: An der Pier erwartete ihn und uns seine Frau Annelies aus einem ganz besonderen Anlaß: Ihr 50. Hochzeitstag stand vor der Tür und wir feierten ihn gebührend an Bord der Freydis. Die Freydis hat Glück gehabt. Sie fand nach der Reise Unterschlupf bei Richard Hartema in Logabirum auf seinem Betriebsgrundstück am Rande von Leer. Überdacht und mit trockenen Lagerräumen für all das an Ausrüstung, was wir aus ihrem Bauch geholt haben, wartet sie nun darauf, dass wir sie von Grund auf überholen. Unsere Entscheidung für die "Eiserne Lady" und gegen eine neue, moderne Version aus Alu wurde weniger vom Verstand und mehr vom Herzen diktiert. Wir haben beschlossen, gemeinsam alt zu werden. Die Reise ist vorüber, die Freydis zurück. Keine ernsthaften Verletzungen in all den Jahren, weder bei uns noch bei einem der rund 300 Mitsegler. Wir dürfen zufrieden sein. Bleibt uns zum Schluß nur noch die angenehme Pflicht, vielen zu danken. Ganz besonders unseren Freunden und Mitseglern, die auf einem oder mehreren Abschnitten dabei waren, Freud und Leid mit uns geteilt und wesentlich zum guten Gelingen des Unternehmens beigetragen haben; ausdrücklich nennen möchten wir Erhard Schorge und Heiner Borgmann wegen ihres Mutes während des Brandes bzw. nach der Strandung, den zahlreichen Trans-Ocean Stützpunktleitern rund um den Globus, die uns mit Rat und Tat unterstützt haben, Günther Hirschberg von Intermar für die Wetterprognosen, auch wenn sie oft schaurig-schön waren, Kommodore Helmut Bellmer und Frau Sonnhild Sallmann von Trans-Ocean für ihre Betreuung, last not least Herrn Thilo von Cölln für seine Freundschaft. Krönender Abschluß der 12 jährigen Reise war die Verleihung des Trans-Ocean -Preises vor ein paar Wochen. (Die Laudatio haben wir diesem Rundbrief als Anlage 2 beigefügt). Wir haben den Preis 1982 das erste Mal bekommen. Also haltet Euch fit: In zwanzig Jahren sind wir wieder dabei ! Frohe Weihnachten, guten Rutsch und Auf Wiedersehen wünschen Euch.
Guten Tag, Ihr Lieben !Wir sind nur zu einem kurzen Zwischenaufenthalt in Deutschland und setzen unsere Heimreise nach Cuxhaven mit der Freydis wie geplant Anfang Januar von Kapstadt aus fort. Über das, was hinter uns liegt und das, was wir nun vorhaben, wollen wir kurz berichten: Happy Sailing ist den Weltumseglern beim Überqueren des Indischen Ozeans selten oder gar nicht vergönnt - da machte Rasmus bei uns keine Ausnahme. Trotzdem haben wir unsere Entscheidung, um die Südspitze Afrikas zu segeln, statt durchs Rote Meer, nicht bereut. Denn im Indik gibt es im Vergleich zum Pazifik zwar weit weniger Inseln, aber die sind wirklich einzigartig. Auf diesem Kurs konnten wir besuchen: Scott Reef, Bali, Christmas und Cocos-Keeling sowie Rodriguez, Cargados Carachos Shoals, Mauritius, Reunion und Madagaskar. Seit wir das erste Mal vor über 30 Jahren in "Hundeleben in Herrlichkeit" von Ernst Jürgen Koch über die meisten dieser Inseln gelesen hatten, träumten wir davon, sie eines Tages selbst zu besuchen. Enttäuscht worden sind wir nicht, auch wenn sich in der Zwischenzeit vieles geändert haben mag. Von ausgedehnten Sandriffen über phantastische Atolle und Lagunen bis hin zum Hochgebirge und aktiven Vulkanen wurde uns alles geboten. Jede der bewohnten Inseln hat ein eigenes Flair und eine eigene Kultur, je nachdem, welchen Einflüssen sie ausgesetzt war, asiatischen, afrikanischen, australischen oder europäischen. Auch heute wird Gastfreundschaft noch groß geschrieben; überall waren wir willkommen. Von Darwin im Norden Australiens nach Bali in Indonesien standen zwei unterschiedliche Kurse zur Auswahl. Der erste führt auf direktem Wege (etwa 1000 sm) nach Bali und verspricht herrlich entspanntes Passatsegeln mit einem Zwischenstop auf dem Ashmore Reef auf halber Strecke. Der zweite ist zwar ein erheblicher Umweg (ca. 1600 sm), aber dafür entschied sich die Crew: Entlang dem unberührtesten Küstenstreifen Australiens , der wilden Kimberley Coast zur Hafenstadt Broome und von dort über das Scott Reef nach Bali. Die spektakulären Flussfahrten auf dem King George River und dem Prince Regent River über Sandbarren und Stromschnellen zu gigantischen Wasserfällen zwischen hundert Meter hohen Steilwänden, und zwischen Mangroven und Mondlandschaften wird keiner von uns vergessen. Aber natürlich war es auch anstrengend, in der Hitze durch ein Revier zu manövrieren, das z.T. noch nicht einmal kartografiert ist. Ins Wasser springen oder fallen durfte auch keiner. Die überall auf Beute lauernden "Salties", die Salzwasserkrokodile, hätten sich gefreut. In diesem Revier hat sich die Freydis mit ihrem Drehkiel und ihrer dicken Bodenplatte wieder einmal bestens bewährt, z.B. als wir eines Abends auf acht Meter Wassertiefe ankerten und zu unserer Überraschung wenige Stunden später trockenfielen. Der INDIK: Da wir zur besten Jahreszeit, also im Südwinter segelten, profitierten wir vom SO Passat, der durchweg mit 20 bis 25 Knoten wehte, aber auch Sturmstärke erreichte. Auf dem Teilstück von Bali über Christmas und Cocos nach Mauritius segelten wir beide allein. Das Vergnügen an der schnellen über 3000 Seemeilen langen Ozeanpassage wurde durch eine unangenehme Querdünung getrübt, die auf dieser Strecke, von Stürmen im Südpolarmeer erzeugt, unaufhörlich aus Süd bis Südwest heranrollt, Mensch und Material strapaziert und das Segeln für uns manchmal zu einer Tortur werden ließ. Von zwei befreundeten Yachten, die im gleichen Zeitraum wie wir auf diesem Abschnitt unterwegs waren, verlor die eine ihren Schwenkkiel und bei der anderen brach die Selbststeueranlage. "Ankommen ist das Schönste" war denn auch unsere Meinung, als wir den kleinen Naturhafen auf Rodriguez nach vielen Wochen auf See ohne größere Blessuren erreicht hatten. Ab Mauritius folgten drei sehr schöne Zwei- und Dreiwochentörns mit Crews, mit Zwischenaufenthalten in Reunion und Madagaskar und entlang der südafrikanischen Küste von Durban bis Kapstadt, wo die Freydis jetzt liegt und auf uns wartet. Bei allen Teilnehmern auf den Crewetappen möchten wir uns für den Einsatz und die Kameradschaft sehr herzlich bedanken. Wir erinnern uns gerne an die gemeinsam bestandenen Abenteuer und die vielen schönen und geselligen Stunden an Bord und an Land. Ich bin dabei, das Bildmaterial zu sortieren und werde wie versprochen allen Crews einen Satz mit den besten Fotos zur Verfügung stellen - als kleines Dankeschön. Wie geht es weiter ? Mit Crew starten wir Anfang Januar von Kapstadt nach Walvisbay/Namibia zu unserer siebenmonatigen Rückreise nach Cuxhaven. Die Atlantiküberquerung über St. Helena und Ascension nach Natal/Brasilien werden wir wieder alleine segeln. Danach folgen Törns mit Crews mit Stops auf den Kap Verden, den Azoren und Brest. In Cuxhaven beenden wir unseren doppelten Salto um die Erde Ende Juli/Anfang August. Wir hoffen, viele von Euch im Herbst des Jahres 2002 beim Treffen der Trans-Ocean Segler in Cuxhaven wiederzusehen, soweit Ihr nicht auf einem der Atlantiktörns dabei seid. Aber bevor wir hierzu einladen, möchten wir erst einmal heil und gesund zurück sein. Wir wünschen Euch allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vor allem bleibt gesund! Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, an Bord oder in Cuxhaven freuen sich Eure .
Guten Tag, Ihr Lieben !Wir melden uns zurück von unserer diesjährigen Reise durch das Grosse Barriere Riff im Osten Australiens. Wir haben alles gut überstanden und hoffen, dass auch Ihr gesund und munter seid. Was wir erlebt haben - zuerst allein und dann mit Crew - war unbeschwertes Segeln vom Feinsten, vom schwülen, heißen Finale in Darwin und den Salzwasserkrokodilen in der Torresstraße, die uns zum Fressen gerne hatten, einmal abgesehen. Wir hatten uns auf eine knifflige Navigation durch die unzähligen Riffe eingestellt, aber mit guten Karten, Radar und GPS kann man sich auch nachts bewegen, solange man das gut befeuerte Hauptfahrwasser nicht verlässt. Neunhundert Seemeilen im Passat, ungezählte schöne und interessante Inseln auf dem Wege und viele Ankerplätze im Riff zum Schnorcheln - ein Hochgenuß! Gerade mit dem Flugzeug in Australien angekommen erkrankte Heide und musste sich in einer Klinik in Townsville einer schweren Operation unterziehen. Es ist halt nicht selbstverständlich, dass immer alles problemlos und nach Wunsch verläuft. Den vierwöchigen Aufenthalt in Townsville haben wir dazu genutzt, die FREYDIS auf der Werft gründlich zu überholen. Hier hatte Heinrich Eichenbrenner, Trans-Ocean Stützpunktleiter und Teilhaber an der Rosshaven Marine, maßgeblichen Anteil. Er wusste, worauf es ankam, war er doch selber vor einigen Jahren zusammen mit seiner Frau um die Welt gesegelt. Die FREYDIS liegt jetzt während der heißen Monate (es ist Taifunsaison) in der Obhut von Bekannten in der Cullen Bay Marina in Darwin. Zu Beginn der kühleren Jahreszeit Mitte April 2001 fliegen wir dorthin zurück, bringen die FREYDIS auf Vordermann, um Anfang Mai unsere Reise über Bali, Christmas- und Cocos Island , Mauritius, Madagaskar nach Durban und Kapstadt fortzusetzen. Die Crews für die Törns über den Indik liegen weitgehend fest. Wie es danach weitergeht? Wir sind auf Heimatkurs und wollen nach 12 Jahren und zwei Weltumsegelungen in Folge zurück in den heimatlichen Hafen nach Cuxhaven. Der Törnplan für die letzten Etappen im Süd- und Nordatlantik steht (siehe auch unter "Törns"). Wir würden uns über Beteiligung an den Törns aus Euren Reihen freuen. Ihr seid wie immer herzlich willkommen.
Prost Neujahr, Ihr Lieben !Lang ist's her, dass wir uns das letzte Mal bei Euch gemeldet haben. Viele Briefe von Euch, die uns im letzten Jahr im Südpazifik erreicht haben, konnten wir noch nicht beantworten. Wir haben uns über diese sehr gefreut und sagen "Danke Schön". Ein Kraftakt liegt hinter uns. Als wir kurz vor Weihnachten in Townsville/Queensland das andere Ende des Ozeans erreicht hatten, waren wir deshalb sehr glücklich: Alle Teilnehmer waren heil und gesund geblieben und die FREYDIS hatte die gut 16.000 Seemeilen (Erdumfang 21.600 sm) ohne nennenswerte Schäden überstanden. 18 Monate vorher waren wir mitten im Winter am Kap Hoorn aufgebrochen und hatten die FREYDIS etappenweise mit wechselnden Crews und auch zu zweit durch Feuerland, Patagonien, Polynesien und Melanesien - mit nur kurzer Unterbrechung während der Hurrikansaison - über den gesamten Südpazifik gesegelt. Kern unserer Unternehmung war eine viermonatige Expedition in Melanesien mit drei Journalistenteams des Reportagemagazins GEO, die mit der FREYDIS und uns entlegene und schwer zugängliche Inseln und Volksstämme in Vanuatu, den Salomonen und Papua-Neuguinea aufsuchen wollten. Wir hatten das gleiche Anliegen wie sie. Denn auch uns fasziniert und fordert immer wieder heraus der Besuch entlegener, schwer zu erreichender Winkel unseres Planeten und die Begegnung mit Menschen dort, die oft noch sehr abgeschieden leben. Die anspruchsvolle Produktion (lt.GEO "aufwendigste in ihrer Geschichte" ) erforderte entsprechend großen Einsatz aller Teilnehmer und war nicht immer einfach, denn die äußeren Bedingungen waren alles andere als ideal: Hitze, Schwüle, Gewitterstürme und unbeständige Winde im Kalmengürtel des Äuators; hohe Gesundheitsrisiken, malariaverseuchte Inseln und Hai- und krokodilverseuchte Gewässer; ein riffgespicktes, strömungsreiches Segelrevier mit ungenauen Seekarten und oft nur unzureichend geschützten Ankerplätzen; erbitterte Bürgerkriege in der Hauptstadt und auf der Hauptinsel der Salomonen sowie auf der Insel Bougainville in Papua - Neuguinea; schlechte Versorgungsmöglichkeiten für die Mannschaft und noch schlechtere Reparaturbedingungen für die FREYDIS; last not least der permanente Zeit- und Erfolgsdruck unter dem die GEO-Teams (und damit auch wir) standen, von denen keiner segelerfahren und etliche seekrank waren. DAS FAZIT : Alle sind gesund und die FREYDIS ist unversehrt. Nach ersten Informationen aus der Redaktion haben alle drei Teams erfreulicherweise sehr gutes Bild- und Textmaterial nach hause gebracht, das jetzt zu einer vierteiligen Serie in den ‚Grünen Heften' verdichtet wird und in den Monaten August bis November 2000 erscheint. Hat sich auch für uns die Mühe gelohnt ? Diese GEO-Expedition war kein Urlaubstörn wie die vorangegangenen Törns in Polynesien und die Schlussfahrt von Papua - Neuguinea nach Australien mit einigen von Euch. Es war ein schweißtreibendes Unternehmen mit hohem Einsatz und vielen Risiken. Und es war ein Blick in eine schon vergangen geglaubte Welt mit einer Fülle ungewöhnlichster Eindrücke und Begegnungen. Abgesehen von den oben genannten Widrigkeiten - und vielleicht auch als Lohn für sie - war auch für uns diese Expedition ein großer Gewinn mit Erlebnissen und Erfahrungen, die wir uns nicht hätten träumen lassen. Wir sind froh, dass wir sie gemacht haben. Die Reise war den "Schweiß der Edlen wert". Und wir bedanken uns bei denen von Euch, die mit uns geschwitzt haben. Bleibt gesund, habt eine schöne Segelsaison und auf Wiedersehen!
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