Erich Wilts,
Dipl.-Kaufmann, geb. 1942 in Lübeck, wuchs in Leer/Ostfriesland auf. Nach dem Studium in Hamburg war er
23 Jahre in der freien Wirtschaft tätig, die letzten sieben Jahre als Geschäftsführer eines Einkaufs- und Marketingverbundes in Düsseldorf.
Segeln von Kindesbeinen an, als Schüler mit seiner eigenen gaffelgetakelten Holzjolle auf Ems und Dollart. Das
Hochseesegeln erlernte er während des Studiums von der Pieke auf den damals motorlosen Yachten "HAMBURG" und
"ORTAC" des 1904 von Albert Ballin ins Leben gerufenen "Hamburgischen Vereins Seefahrt" . Seine Leidenschaft für
abenteuerliches Segeln in hohen Breiten entdeckte er 1964 auf seiner ersten Reise rund Island als Crew der Oldtimer Rennyacht "ORTAC"
. 1965 Crewmitglied im ersten deutschen Team beim Segeln um den "Admiral's Cup" im Ärmelkanal.
Später zog es ihn zusammen mit seiner Frau auf Urlaubstörns mit ihrer Yacht FREYDIS immer wieder in die Gewässer von Island, Grönland und Spitzbergen. Erster Vorstoß in die Antarktis 1981/82.
Seit 1990 haben sich Erich Wilts und seine Frau Heide ganz der Segelei verschrieben und sind seitdem auf den
Weltmeeren unterwegs. Ihre gemeinsamen Reisen dokumentiert Erich Wilts in außergewöhnlichen Fotos. Seine Bilder
erschienen unter anderem in GEO, Stern, Life, Times, Le Figaro, Terres Sauvages, No Limits und zahlreichen
Segelzeitschriften des In- und Auslands. Für seine Bilder wurde er in Mailand mit dem internationalen Fotopreis Marian Skubin/No Limits Award ausgezeichnet.
Dr. Heide Wilts, 1942 in Stuttgart geboren, wuchs in Deutschland und Südamerika auf und ist Ärztin für
Allgemeinmedizin und Radiologie. Seit 40 Jahren segelt sie mit ihrem Mann Erich in die extremsten Gebiete der
Erde. Ihre Freude am Segeln, an ursprünglicher Natur mit ihren wildlebenden Tieren, aber auch die mit solchen
Reisen verbundenen Strapazen, Gefahren und Ängste spiegeln sich lebhaft in ihren spannenden Reportagen und Büchern wider. International bekannt wurde die Autorin durch ihre
Bücher "Weit im Norden liegt Kap Hoorn"(1984), "Wo Berge
segeln"(1988), "Gestrandet in der weissen Hölle"(1992), "Auf der Route der Albatrosse"(1996), "Segeln ans
Ende der Welt"(2000), „Wilder Stiller Ozean“(2004) und „Inseln jenseits der Zeit“(2008). Gemeinsam mit ihrem
Mann verfasste sie die großformatigen Bildbände "Sternstunden auf allen Ozeanen"(1994), "Segelziele voller
Wunder"(1997), "Segelabenteuer im Südpazifik"(1999) und „Inseln voller Magie“(2002).
Heide Wilts erhielt 1996 einen Förderpreis der Kreuzer-Abteilung des DSV mit folgender Begründung:
“Die Jury war sich einig, dass gerade Ihr Buch ein ganz ungewöhnliches Buch ist - in jeder Hinsicht ‚Klasse'. Es
besticht durch die Ehrlichkeit, mit der Gefühle und Erleben in der aufgerührten Natur, mit Angst oder Unwohlsein, nicht heruntergespielt wurden.
Wir alle ahnen, dass dahinter eine menschliche und seemännische Leistung steht, die ihresgleichen sucht..."
Das Ehepaar Wilts wurde für seine seglerischen Leistungen mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. dem Schlimbach-, dem Trans-Ocean-Preis und dem Goldenen Kompaß der SKWB.
Die Wilts unternahmen insgesamt 13 Reisen zum Kap Hoorn, segelten sechsmal ins Europäische Nordmeer/Nordpolarmeer,
sechsmal in die verschiedenen Teilgebiete der Antarktis und zuletzt (2005-2009) 4 Jahre in Alaska und Britisch Kolumbien. Die zurückgelegten Seemeilen übersteigen den Erdumfang um mehr als das dreizehnfache.
.
Oft werden die beiden Segler gefragt, warum sie immer wieder zu gefahrvollen Reisen in die Extremgebiete aufbrechen.
Heide: Zugegeben, das Segeln in hohen Breiten birgt mehr Gefahren als etwa auf der sogenannten Barfussroute. Aber wir leben nun mal gern
intensiv, spannend und anregend. Und deshalb nehmen wir auch ein erhöhtes Quantum an Unwägbarkeiten und - wohlkalkulierten! - Risiken in Kauf.
Hemingway schreibt in `Schnee am Kilimandscharo' über das Gerippe eines Leoparden, das unterhalb des Gipfels liegt: "Niemand weiß, was der
Leopard in jener Höhe suchte. Dieser Leopard ist Symbol unbezwingbarer Abenteuerlust, die auch heute noch die Menschen treibt." Zum
Beispiel auch uns mit dem Segelboot immer wieder in die Antarktis.
Noch relativ weiße Flecken unserer Erdkugel reizen uns halt, und wir hoffen, auf entlegenen, unzugänglichen, weitgehend unerforschten Eilanden
noch eine Ursprünglichkeit von Landschaft und Tierleben zu finden. Dort haben wir das Staunen gelernt und eine Demut, die zufrieden und
glücklich macht. Da war die ungebändigte Natur, die uns bedrohte, aber auch die großartige Schönheit, die wir genießen durften. Schon bei den
alten Römern galt per aspera ad astra, auf rauen Wegen zu den Sternen, und unsere Sterne liegen eben eher in extremen Breiten.Ein Portrait von Erich und Heide Wilts aus dem Magazin
Geo Saison kann hier herunter geladen werden.
Laudatio bei der Vergabe des TO-Preises 2002: |
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Laudatio bei der Vergabe des Trans-Ocean-Preises 2002 auf dem 33. Treffen von Trans-Ocean, Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V. am 23. November in Cuxhaven durch den Kommodore Helmut Bellmer :
“Wie seit 32 Jahren üblich, wissen nur die Vorstandsmitglieder, die Mitglieder der Jury und der Geschäftsstelle,
wer heute Abend den TOP 2002 erhält. Die Verschwiegenheit und damit die Überraschung für den Gewinner ist Tradition.
Sie haben schon alle bereits ausgezeichneten Weltumsegler genau betrachtet und sicher auch geraten, wer mag es sein ?
Unserer Jury bereitete die Frage keine Schwierigkeiten. Den TOP 2002 erhält der Schiffer der „FREYDIS“, Erich Wilts.
Das 60-jährige Eigner-Ehepaar Erich und Dr. Heide Wilts hat auf dieser Langfahrt mit der 1979 in Leer gebauten 15
m Stahlsloop wohl über 100.000 Seemeilen seemännisch vorbildlich zurückgelegt. Nach fast immer tage- und
wochenlangen Seetörns zwischen einzelnen Etappenzielen meist an unwirtlichen Küsten, hat sie vor einsamen Inseln und oft unter abenteuerlichen Bedingungen vor Anker gelegen.
Die jetzt beendete Reise ist eine deutsche und international hochbeachtete Erstleistung. Über die einzelnen Etappen dieser zwölfjährigen Langfahrt, die Erlebnisse auf
diesen Reisen und deren seemännische Erfahrung liegt eine umfangreiche Dokumentation vor, die z.B. in den betreffenden Büchern des Verlages Delius Klasing,
deutschen Segler-Zeitschriften und in internationalen Magazinen einem weltweiten Leserpublikum vermittelt wurde.
Das Eigner-Ehepaar hat auf seinen zwei Weltumsegelungen in den Jahren 1990 bis 2002 einer Vielzahl von Hochseeseglern die Möglichkeit gegeben, auf einzelnen Etappen
in entlegenen Revieren gegen eine entsprechende Unkostenbeteiligung mitzusegeln. Insgesamt sind es wohl rund 300 Hochseesegler - von denen die Mehrzahl auf zwei
bis sieben Abschnitten dabei waren - die in den 12 Jahren von der „Freydis“- Besatzung auf ihren Reisen aus- bzw. weitergebildet wurden.
Nach ihrer Überwinterung und der anschließenden Umrundung der Antarktis - verbunden mit den Besuchen der an ihrer Peripherie gelegenen Inseln und Archipele in den
Jahren 1990 bis 1998 - ging die große Reise in den Folgejahren auf der klassischen Passatroute vom Kap Hoorn in Ost-West-Richtung über den Pazifik, durch das Great
Barrier Reef, die Torres-Straße, über den Indischen Ozean und um das Kap der Guten Hoffnung zurück nach Deutschland. Und nun sind sie in Cuxhaven.”
- 1990:
Ende unserer bürgerlichen Berufe am 30.04.1990.
Start zur 1. Weltumsegelung am 12.05.1990. Anreise über Kanaren, Kap Verden und Brasilien nach Feuerland und zum Kap Hoorn , Brand in Mar del Plata , Törns in Feuerland. Sylvester am Kap Hoorn. (9.998 sm)
- 1991:
Zehnmonatige Überwinterung zu zweit im Kratersee der Insel Deception am Rande der Antarktischen Halbinsel, Strandung am 24. Mai, provisorische Reparatur
und Ende Dezember Rückkehr nach Südamerika. (3.782 sm)
- 1992:
Mehrmonatige Reparatur mit den Feuerlandindianern in Puerto Williams am Beagle Kanal. Am Ende des Winters Testfahrt zur Staateninsel und zum Kap Hoorn. (1.165 sm)
- 1993:
Atlantik vom Kap Hoorn/Südamerika über die Falklands, Südgeorgien, Südsandwich-Inseln und Tristan da Cunha nach Kapstadt/Südafrika; Im Südwinter Abstecher
zu den Komoren und nach Madagaskar. (10.110 sm)
- 1994:
Indik von Richardsbay über die Prince Edwards, Crozet, Kerguelen, Heard, St. Paul nach Fremantle, Im Südwinter Große Australische Bucht, Bass-Straße,
Tasmanien und Tasmansee bis Nelson/Neuseeland. (10.760 sm)
- 1995:
Rund Neuseeland (Nordinsel, Südinsel und Stewart Insel) Höhepunkte sind die drei Besuche der Vulkaninsel White Island, Neuseelands aktivster Vulkan; auf ihr
feiern wir unsere Silberhochzeit. (3807 sm)
- 1996:
Die Reise zum Rossmeer und zur Scott Insel; Auf dem Hin- und Rückweg besuchen wir als erste Yacht überhaupt sämtliche subantarktischen Inseln von
Neuseeland und Australien (Snares, Aucklands, Macquarie, Campbell, Antipoden, Bounty und Chatham). (8.685 sm)
- 1996/97
: Pazifik von Neuseeland über Kermadecs, Beveridge, Cooks, Gesellschaftsinseln, Tuamotus, Gambier, Pitcairn, Osterinsel, Sala y Gomez, Phantominsel Podesta,
Juan Fernandez nach Valdivia/Südamerika Anschließend durch die Patagonischen Kanäle und Feuerland zum Kap Hoorn. (1997: 7.376 sm)
- 1998:
Die letzte - und seit 1982 sechste - Antarktisexpedition führt uns wieder zur Antarktischen Halbinsel und zum Schluß zur Insel Deception, in deren Kratersee wir
sechs Jahre zuvor überwintert hatten. (9.481 sm)
- 1. Juli 1998 bis 22. Juli 2002: Die zweite Weltumsegelung von Ost nach West auf der klassischen Route Ausgelöst hat diese zweite Weltumsegelung die
Einladung des GEO-Magazins zu einer viermonatigen Expedition mit uns und der Freydis in Melanesien. 1.Juli 1998 bis 31. Juli 1999: Anreise zum Einsatzort
Noumea/Neukaledonien vom Kap Hoorn über Feuerland, die Patagonischen Kanäle, Robinson Crusoe, San Felix und Ambrosio, Marquesas, Tuamotus, Gesellschaftsinsel, Cooks, Niue, Tonga, Fidji nach Noumea.
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1999:
Viermonatige GEO-Expedition mit drei Teams durch Melanesien Nach Beendigung der Expedition brachten wir die Freydis nach Townsville/Australien. (1999: 8.672 sm)
- 2000:
Australien: Großes Barriere-Riff, Torres-Straße, Arafura-See, Darwin. (1.719 sm)
- 2001:
Indischer Ozean von Darwin über die Kimberley-Küste, Broome, Bali, Christmas I., Cocos-Keeling, Rodrigues, Cargados Carachos Shoals, Mauritius, Reunion,
SE-Madagaskar nach Durban/Südafrika, von dort entlang der Küste nach Kapstadt. (2001: 7.937 sm)
- 2002:
1.Teil: Atlantischer Ozean von Ost nach West, Von Kapstadt/Südafrika über Walvis Bay/Namibia (Heides 60. Geburtstag), St. Helena, Ascension, Joao
Pessoa/Brasilien, 2. Teil: Atlantischer Ozean von West nach Ost, Von Brasilien nach Fernando Noronha, dann über den Äquator - Äquatortaufe und Erichs 60. Geburtstag
fielen zusammen - Kap Verden - Azoren - Scilly-Inseln - Ile d'Ouessant bei Brest - Ärmelkanal - St. Malo - Oostende - Borkum nach Leer. (2002: 10.771 sm)
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