Überwinterung und Strandung im Vulkankrater der Antarktisinsel Deception (1992)
Fünf Tage dauert es, bis die Welt von der Katastrophe erfährt. Da haben die Wilts schon das Schrecklichste überstanden. Eine Höllennacht bei tosendem Sturm, minus 60 Grad, und schließlich den Entschluß: runter vom gestrandeten Schiff, ins eisige Wasser, um – vielleicht – das eigene Leben zu retten. Wie es zur Katastrophe kam, wie die Wilts überlebten und warum sie ihre Reise trotz allem nicht bereuen, erzählt “Gestrandet in der weißen Hölle”.
Bildergalerie
Eine Bilderserie in zehn Akten: Die Strandung und die Folgen.
Leseprobe
Prolog
Die Temperatur ist auf antarktische Tiefen gesackt, zusammen mit dem Wind wird es bestialisch kalt. Das Heulen des Sturmes, die wütenden Angriffe der Brecher und die ständigen Grundberührungen des Schiffsrumpfes zermürben meine Nerven. Noch nie habe ich mich Naturgewalten so hilflos ausgeliefert gefühlt, noch nie die Natur so sehr als Feind empfunden. Unaufhaltsam steigt das Wasser im Schiff. Wie gelähmt sitzen wir auf der oberen Messekoje in voller Montur, miteinander verbunden durch ein langes Tau. Kälte, Hunger und Erschöpfung machen uns benommen, apathisch. Unter uns wölben sich die Polster nach oben, als würden sie von Geisterhand bewegt, und beginnen aufzuschwimmen. Spülmittelflaschen, Handschuhe, Wollsocken, Wasserkanister, Suppentüten, eingeschweisste Notraketen, Taschenlampen, das abgerissene Echolot, Federkissen, Bodenbretter – alles schwappt hin und her wie ein großer Eintopf.
„Wir müssen jetzt von Bord, wenn wir nicht erfrieren wollen“, entscheidet Erich.
Jetzt, da es ernst wird, erfaßt mich panische Angst. In der Sturmnacht durch die tosende Brandung? Das Wasser ist eiskalt, niemand kann darin länger als ein paar Minuten überleben…
Mir ist, als würde ich am Strick zum Schafott geführt. Mein Herz klopft bis zum Hals, als wir über die Schottbretter ins Cockpit steigen. Tonnen von Eis überziehen die FREYDIS, Brecher schlagen über uns zusammen, der Wind wirft mich fast von Bord.
„Bis gleich“, brüllt Erich und springt in die schäumenden Fluten… Ich lasse mich einfach fallen und strample um mein Leben.
Habe ich alles nur geträumt, oder ist das die Wirklichkeit – das Ende ?
Ich möchte dieses Buch bestellen, was muss ich tun ?