Mehr über Heide & Erich Wilts

Heide Wilts erhielt 1996 einen Förderpreis der Kreuzer-Abteilung des DSV mit folgender Begründung:

“Die Jury war sich einig, dass gerade Ihr Buch ein ganz ungewöhnliches Buch ist – in jeder Hinsicht ‚Klasse‘. Es besticht durch die Ehrlichkeit, mit der Gefühle und Erleben in der aufgerührten Natur, mit Angst oder Unwohlsein, nicht heruntergespielt wurden. Wir alle ahnen, dass dahinter eine menschliche und seemännische Leistung steht, die ihresgleichen sucht…“

Preise und Ehrungen

Das Ehepaar Wilts wurde für seine seglerischen Leistungen mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. dem Schlimbach-, dem Trans-Ocean-Preis und dem Goldenen Kompaß der SKWB.

Reisen

Die Wilts unternahmen insgesamt 13 Reisen zum Kap Hoorn, segelten sechsmal ins Europäische Nordmeer/Nordpolarmeer, sechsmal in die verschiedenen Teilgebiete der Antarktis und zuletzt (2005-2009) 4 Jahre in Alaska und Britisch Kolumbien. Die zurückgelegten Seemeilen übersteigen den Erdumfang um mehr als das dreizehnfache.

Oft werden die beiden Segler gefragt, warum sie immer wieder zu gefahrvollen Reisen in die Extremgebiete aufbrechen.

Heide: Zugegeben, das Segeln in hohen Breiten birgt mehr Gefahren als etwa auf der sogenannten Barfussroute. Aber wir leben nun mal gern intensiv, spannend und anregend. Und deshalb nehmen wir auch ein erhöhtes Quantum an Unwägbarkeiten und – wohlkalkulierten! – Risiken in Kauf.
Hemingway schreibt in `Schnee am Kilimandscharo‘ über das Gerippe eines Leoparden, das unterhalb des Gipfels liegt: „Niemand weiß, was der Leopard in jener Höhe suchte. Dieser Leopard ist Symbol unbezwingbarer Abenteuerlust, die auch heute noch die Menschen treibt.“ Zum Beispiel auch uns mit dem Segelboot immer wieder in die Antarktis.

Noch relativ weiße Flecken unserer Erdkugel reizen uns halt, und wir hoffen, auf entlegenen, unzugänglichen, weitgehend unerforschten Eilanden noch eine Ursprünglichkeit von Landschaft und Tierleben zu finden. Dort haben wir das Staunen gelernt und eine Demut, die zufrieden und glücklich macht. Da war die ungebändigte Natur, die uns bedrohte, aber auch die großartige Schönheit, die wir genießen durften. Schon bei den alten Römern galt per aspera ad astra, auf rauen Wegen zu den Sternen, und unsere Sterne liegen eben eher in extremen Breiten.

Ein Portrait von Erich und Heide Wilts aus dem Magazin Geo Saison kann hier herunter geladen werden.

Trans-Ocean-Preis

Die Laudatio bei der Vergabe des Trans-Ocean-Preises 2002 auf dem 33. Treffen von Trans-Ocean, Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V. am 23. November in Cuxhaven durch den Kommodore Helmut Bellmer :

“Wie seit 32 Jahren üblich, wissen nur die Vorstandsmitglieder, die Mitglieder der Jury und der Geschäftsstelle, wer heute Abend den TOP 2002 erhält. Die Verschwiegenheit und damit die Überraschung für den Gewinner ist Tradition. Sie haben schon alle bereits ausgezeichneten Weltumsegler genau betrachtet und sicher auch geraten, wer mag es sein ?

Unserer Jury bereitete die Frage keine Schwierigkeiten. Den TOP 2002 erhält der Schiffer der „FREYDIS“, Erich Wilts.

Das 60-jährige Eigner-Ehepaar Erich und Dr. Heide Wilts hat auf dieser Langfahrt mit der 1979 in Leer gebauten 15 m Stahlsloop wohl über 100.000 Seemeilen seemännisch vorbildlich zurückgelegt. Nach fast immer tage- und wochenlangen Seetörns zwischen einzelnen Etappenzielen meist an unwirtlichen Küsten, hat sie vor einsamen Inseln und oft unter abenteuerlichen Bedingungen vor Anker gelegen.

Die jetzt beendete Reise ist eine deutsche und international hochbeachtete Erstleistung. Über die einzelnen Etappen dieser zwölfjährigen Langfahrt, die Erlebnisse auf diesen Reisen und deren seemännische Erfahrung liegt eine umfangreiche Dokumentation vor, die z.B. in den betreffenden Büchern des Verlages Delius Klasing, deutschen Segler-Zeitschriften und in internationalen Magazinen einem weltweiten Leserpublikum vermittelt wurde.

Das Eigner-Ehepaar hat auf seinen zwei Weltumsegelungen in den Jahren 1990 bis 2002 einer Vielzahl von Hochseeseglern die Möglichkeit gegeben, auf einzelnen Etappen in entlegenen Revieren gegen eine entsprechende Unkostenbeteiligung mitzusegeln. Insgesamt sind es wohl rund 300 Hochseesegler – von denen die Mehrzahl auf zwei bis sieben Abschnitten dabei waren – die in den 12 Jahren von der „Freydis“- Besatzung auf ihren Reisen aus- bzw. weitergebildet wurden.

Nach ihrer Überwinterung und der anschließenden Umrundung der Antarktis – verbunden mit den Besuchen der an ihrer Peripherie gelegenen Inseln und Archipele in den Jahren 1990 bis 1998 – ging die große Reise in den Folgejahren auf der klassischen Passatroute vom Kap Hoorn in Ost-West-Richtung über den Pazifik, durch das Great Barrier Reef, die Torres-Straße, über den Indischen Ozean und um das Kap der Guten Hoffnung zurück nach Deutschland. Und nun sind sie in Cuxhaven.”

Ehren-Award der Redaktion SEGELN

…In einem Alter, in dem die Mehrzahl aller Menschen längst die Beine hochlegt und den guten alten Zeiten hinterher jammert, habt Ihr Euch entschlossen, die dritte „Freydis“ zu bauen und erneut für eine weitere Weltumsegelung zu starten. Ich und ebenso die Mitglieder des Seglerverein Leer e.V. sind stolz darauf, dass Ihr zu uns gehört und dass Eure Boote immer unter dem Stander des SVL die Weltmeere befahren haben. Wenn Ihr jetzt Eure neue „Freydis“ wieder in Leer zu Wasser bringt, werde ich Euch wieder einen Stander des SVL überreichen dürfen mit dem Wunsch für allzeit gute Fahrt.

Heute sollt Ihr, lieber Erich und liebe Heide Wilts, den Ehren-Award der Redaktion SEGELN für Euer Lebenswerk erhalten und deshalb bitte ich Euch, auf die Bühne zu kommen, um diesen Award entgegen zu nehmen.

Düsseldorf, 26. Januar 2012

Hermann Baxmann

Unsere Art zu segeln

Ein Interview in der YACHT aus dem Jahr 2002 gibt hierauf Antworten (PDF, 130 KB).

Zeittafel

2 Kommentare zu Mehr über Heide & Erich Wilts

  1. Grüß Gott Frau und Herr Wilts,
    seit Jahren bin ich ein begeisterter Leser und „Verfolger“ ihrer Reisen.
    Momentan bin ich jedoch als Geschäftsführer eines Outdoor-Instituts gut eingespannt. Das für unsere erlebnispädagogische Arbeit beschreibt ihre Leben ebenfalls ganz gut.
    Wer für´s Leben motivieren möchte, muss den Alltag abenteuerlich gestalten.
    Seit Jahrzehnten sind Sie in herrlichen Naturlandschaften unterwegs. Schöner und spannender geht es nicht! Ich bewundere ihre Kraft und Ausdauer und freue mich schon, wenn die Kinder aus dem Haus sind und ich ebenfalls in See steche. Ein kleines schönes Schiff (Corsair F 31 R) zum Üben hab ich schon mal. Schöne Grüße aus Regensburg Peter Alberter

  2. Astrid Seidl sagt:

    Liebe Frau und Herr Wilts,
    ich bin eine segelfanatische Bodenseeanwohnerin (Österreich) mit mehreren tausend Seemeilen auch international auf dem Buckel und habe jetzt die Gelegenheit mit Freunden von San Diego nach Hawaii mitzusegeln. (2000 bin ich mit einem 3-Master über den Atlantik mitgesegelt) Sie kennen das Revier Pazifik ja sehr gut, können Sie mir da ein paar Tips geben, wie ist das Wetter dort im Juni, ist der Passatwind konstant, wie lange braucht man für die 2500 Seemeilen. Auch über an- und Abreisetips würde ich mich freuen.
    Herzlichste Seglergrüße aus Bregenz/Bodensee,
    Astrid (Frau Erdmann habe ich auch schonmal die Hand geschüttelt;)

Kommentare sind geschlossen.