{"id":4166,"date":"2017-03-27T16:55:04","date_gmt":"2017-03-27T15:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=4166"},"modified":"2017-03-30T18:17:14","modified_gmt":"2017-03-30T17:17:14","slug":"leseprobe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/gestrandet-in-der-weissen-hoelle\/leseprobe\/","title":{"rendered":"Leseprobe &#8222;Gestrandet in der wei\u00dfen H\u00f6lle&#8220; (Heide Wilts)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/gestrandet-in-der-weissen-hoelle\/\">Zur Buchvorstellung<\/a> \u00a0\/\/ <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/\">Zur Buchserie<\/a><\/p>\n<h2>Leseprobe aus Kapitel 5 &#8222;Katzenspr\u00fcnge&#8220;:<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/cover03plus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3642 alignright\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/cover03plus-640x1024.jpg\" alt=\"Buch: Gestrandet in der wei\u00dfen H\u00f6lle (Band 3)\" width=\"250\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<span class=\"su-dropcap su-dropcap-style-flat\" style=\"font-size:1.5em\">K<\/span>aum stecken wir die Nase nach drau\u00dfen, frischt es auch schon wieder auf. Wind aus Ost genau von vorn, aber es ist ja nur ein Katzensprung. Allerdings ein recht langer, wie sich bald herausstellt, denn der Wind bl\u00e4st immer kr\u00e4ftiger. Unser Motor schafft es nur m\u00fchsam gegenan. Etwa auf halber Strecke verselbst\u00e4ndigt sich dann auch noch unser geschlepptes Dingi. Eine Viertelmeile entfernt sehe ich es pl\u00f6tzlich auf dem Wasser Purzelb\u00e4ume schlagen. Kein Wunder, heute ist der Dreizehnte und noch dazu April. Wir wenden sofort und k\u00f6nnen das Beiboot zum Gl\u00fcck wieder einfangen. Fluchtsicher wird es an Deck festgezurrt.<\/p>\n<p>Gegen Sonnenuntergang (etwa um siebzehn Uhr) ankern wir in der Potter Cove, einer von hohen Gletscherabbr\u00fcchen umgebenen Bucht. Am einzig unvergletscherten Uferabschnitt liegt die argentinische Station Jubany, die auch im Winter bewohnt wird. Der Ostwind hat so stark zugelegt, da\u00df an ein Anlanden im Dingi nicht zu denken ist. Die ganze Nacht werden wir vom Sturm gebeutelt, der uns auch noch den n\u00e4chsten Tag an Bord gefangenh\u00e4lt. Erst in der zweiten Nacht wird es ruhiger, so da\u00df wir am Morgen zur Station \u00fcbersetzen k\u00f6nnen, um endlich der \u00fcber UKW ergangenen Einladung zum argentinischen Fleischasado nachzukommen.<\/p>\n<p>Ad\u00e9lie, unsere Argentinierin, sollen wir unbedingt mitbringen, aber das ist gar nicht so einfach. Sie stellt sich furchtbar an. Ihre Kr\u00e4fte wachsen, bis sie denen eines kleinen Puma gleichen, ihre Krallen leider auch. Ad\u00e9lie liebt zwar das Land und die Stationen, aber nicht den Weg dorthin. Sie mag auch Fische, aber nicht das Element, in dem sie schwimmen. Sie ist keine &#8222;Meer&#8220;-Katze. Ich wickle sie trotzdem in meinen besten Faserpelzanzug, damit sie bei der \u00dcberfahrt nicht ausk\u00fchlt. Aber darin sieht sie nur eine Art Zwangsjacke, von der sie sich unbedingt befreien mu\u00df. Als ich sie von Bord zu Erich hinunterreiche, der schon startklar im Dingi sitzt, str\u00e4ubt sie sich so rabiat, da\u00df der Faserpelz ins Wasser f\u00e4llt und Erich bei dem Versuch, ihn herauszufischen, beinahe hinterher. Damit ist Erichs Geduld zu Ende, doch Ad\u00e9lies Widerstand noch lange nicht. Tagelang l\u00e4uft Erich mit Kratzspuren auf der Wange herum, w\u00e4hrend Ad\u00e9lie auf der Station die sanfte Heilige spielt. Aus der diskreten Art, wie manche Leute \u00fcber Erichs zerkratztes Gesicht hinwegsehen, l\u00e4\u00dft sich sogar vermuten, da\u00df sie mich f\u00fcr die \u00dcbelt\u00e4terin halten.<\/p>\n<p>Mit argentinischer Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden wir von den f\u00fcnfzehn \u00dcberwinterern in ihre rein m\u00e4nnliche Stationsfamilie aufgenommen. Zwei Tage und zwei N\u00e4chte \u00fcberlassen wir die <em>Freydis<\/em> allein dem Anker, dem Wind und den Wellen und f\u00fchlen uns bei ihnen so behaglich wie zu Hause. Stationsluxus, das hei\u00dft: Dusche, ein warmes Bett, eine Waschmaschine. Ad\u00e9lie genie\u00dft ihre Rolle als Stationsmaskottchen und wird von allen verh\u00e4tschelt.<\/p>\n<p>Als der Wind aber wieder zulegt, ziehen wir uns aus Sicherheitsgr\u00fcnden an Bord zur\u00fcck. Zum Gl\u00fcck, denn in der Nacht kommt erneut Sturm aus Ost auf, diesmal mit Schneetreiben. Ich liege stundenlang wach in der Koje. Der Wind heult, Eis schl\u00e4gt gegen die Bordwand, die <em>Freydis<\/em> zerrt an der Kette. Auch Erich findet keine Ruhe. Jeder neue Sturm ist brutaler als der vorangegangene, bringt neue Gefahren und mehr K\u00e4lte. Haben wir uns \u00fcbernommen? Meine Bef\u00fcrchtung ist, da\u00df wir Deception vielleicht gar nicht mehr erreichen werden, da\u00df es bereits zu sp\u00e4t im Jahr ist.<\/p>\n<p>Uns scheint es, als ob die <em>Freydis<\/em> sich ungew\u00f6hnlich stark und abrupt nach beiden Seiten \u00fcberlege. Das vermittelt ein Gef\u00fchl, als w\u00fcrde man seiltanzen. Werden wir topplastig? Sind wir drauf und dran zu kentern, oder spielen uns nur die schon etwas angekratzten Nerven einen Streich? Wir stehen auf, schauen nach. Durch den dichten Graupelschleier sind nicht einmal die hellen Nachtlichter von Jubany zu sehen. Im Cockpit liegt der Schnee einen halben Meter hoch. Ringsum ist die <em>Freydis<\/em> mit einem dicken Eispanzer besetzt, das Deck ist vereist, auch der untere Teil des Mastes mit den Winschen. In der kalten Luft erstarrt der Gischt sofort zu Eis. Das Thermometer im Cockpit zeigt minus zehn Grad Celsius. Drinnen im Schiff sind es immerhin plus zehn Grad, denn der Dieselofen brennt rund um die Uhr, aber richtig warm werde ich nur noch in meinem Daunenschlafsack. Wir warten auf die Helligkeit, als k\u00f6nnte sie die Erl\u00f6sung bringen. Und tats\u00e4chlich, gegen Morgen beruhigt sich der Wind, das w\u00fctende Heulen wird zum Jaulen, zum Wimmern und verzieht sich dann lautlos hinter den Gletscher. \u00dcbern\u00e4chtigt und ausgek\u00fchlt, klopfen wir das Eis, so gut es geht, vom Schiff ab und schaufeln den Schnee aus dem Cockpit. Zuletzt sieht alles wieder recht manierlich aus, das Gef\u00fchl tiefen Unbehagens werde ich aber nicht so schnell los. Die Bucht ist fast ganz mit Eis bedeckt, das Land tief verschneit. Und dabei haben wir erst Winteranfang.<\/p>\n<p>Erich steigt mit unseren argentinischen Freunden auf den Gletscher hinter der Station, wo die Twinotter, deren Flug wegen des schlechten Wetters schon mehrmals verschoben wurde, endlich landen kann. Jetzt bringt sie Ersatzteile, Frischobst, Gem\u00fcse und die hei\u00dfersehnte Post f\u00fcr die Station. Sie setzt nur ganz kurz auf, da es bei l\u00e4ngeren Aufenthalten schon vorgekommen ist, da\u00df die Kufen auf dem Gletschereis festfroren. Ich bleibe auf der <em>Freydis<\/em>, um meinen &#8222;Tennis-Ellenbogen&#8220; zu schonen. Diese schmerzhafte Sehnenentz\u00fcndung habe ich mir beim Schleppen schwerer Wasserkanister zugezogen. Wir m\u00fcssen sie immer wieder auf den Stationen f\u00fcllen, weil die Tankzuleitungen ungl\u00fccklicherweise eingefroren sind, obwohl wir st\u00e4ndig heizen.<\/p>\n<p>Herrlicher Sonnenschein am n\u00e4chsten Morgen! W\u00e4hrend der letzten vier Wochen war er wahrlich selten. Wir nutzen das Wetter zu ausgiebiger Gel\u00e4ndeerkundung. Obwohl hier schon fast Winter herrscht, gibt es noch immer eine ganze Menge Tiere zu beobachten: die Eselspinguine, die gesch\u00e4ftig durchs Stationsgel\u00e4nde marschieren, als geh\u00f6rten sie zum wissenschaftlichen Team, oder die Elefantenrobben, deren massige Leiber vereinzelt zwischen den Eisbrocken am Ufer liegen. Diese Kolosse k\u00fcmmert es wenig, wenn wir sie fotografieren, sie schlafen einfach weiter oder \u00f6ffnen allenfalls ein Auge, das sie aber nach einem kurzen taxierenden Blick sofort wieder schlie\u00dfen. Selbst wenn dreiste Pinguine auf ihrem Bauch oder R\u00fccken landen, l\u00e4\u00dft sie das kalt. Die Pelzrobben sind da schon etwas hei\u00dfbl\u00fctiger. Wenn wir ihnen aus Versehen zu nahe kommen, schimpfen sie emp\u00f6rt und laufen uns drohend entgegen. Mariano zeigt uns in der Station ein Video, das er im Oktober hier gedreht hat. Damals lagen \u00fcberall die fast schwarzen Elefantenrobbenbabys am Strand herum. Erbarmungsw\u00fcrdig mager sind sie, wenn sie zur Welt kommen. Aber die Robbenmilch ist so nahrhaft, da\u00df es nicht lange dauert, bis sie fast unbewegliche kleine Fetts\u00e4cke geworden sind.<\/p>\n<p>Hoch oben auf einem Felssims liegt der Nistplatz einiger Dutzend Riesensturmv\u00f6gel. Wahrhaftige Riesenv\u00f6gel sind das, mit Fu\u00dfabdr\u00fccken fast so gro\u00df wie meine eigenen. Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit sind viele der Jungen noch nicht fl\u00fcgge und sitzen in den kleinen Stein- und Schneenestern. Eisiger Wind fegt durch ihr Mauserkleid aus Daunen und Federn und bringt sie immer wieder aus dem Gleichgewicht, wenn sie ihre Riesenschwingen zur \u00dcbung ausbreiten.<\/p>\n<p>Es ist der 20. April, Erichs Geburtstag. Mit den argentinischen Freunden und den zuf\u00e4llig anwesenden G\u00e4sten aus Bellingshausen, Vladimir und Alexander, wird der Tag mit Wodka und argentinischem Wein ausgelassen gefeiert. Das Geburtstagskind wird schlie\u00dflich unter lautem Gejohle hinausgezerrt und im antarktischen Schnee herumgerollt: eine Art Antarktistaufe.<\/p>\n<p>Mit Mariano und zwei weiteren Argentiniern segeln wir am Tag darauf zur f\u00fcnfundzwanzig Meilen entfernten Admiralitybucht. Wir wollen gemeinsam die polnische Station Arctowsky besuchen und, wenn m\u00f6glich, auch die brasilianische Station Comandante Ferraz, die auf der anderen Seite dieser Bucht liegt. Beide Stationen sind auch im Winter besetzt. Das Wetter spielt mit. Bei hervorragender Sicht er\u00f6ffnen sich uns w\u00e4hrend der Fahrt immer wieder neue phantastische Ausblicke auf diese wilde, landschaftlich \u00fcberaus abwechslungsreiche Insel.<\/p>\n<p>Vorbei geht es an unz\u00e4hligen kleinen Buchten, Einschnitten, vorgelagerten Felsinselchen, aber auch an blinden Klippen, die sich nur durch sch\u00e4umenden Gischt verraten. Fast die gesamte Insel ist von einem riesigen Gletscher \u00fcberzogen, \u00e4hnlich einer Torte mit dickem Zuckergu\u00df. Nur ein paar Fleckchen an den R\u00e4ndern und einige Felskr\u00fcmel im Wasser sind eisfrei. Im letzten Tageslicht kommt ein malerischer Felsen mit einem kleinen Leuchtturm in Sicht, dahinter einige Stationsgeb\u00e4ude. Auf dem gr\u00f6\u00dften lesen wir: Henryk Arctowski \u2013 Polish Antarctic Station.<\/p>\n<p>Wir werden bereits erwartet, der Jubany-Funk hat uns angek\u00fcndigt. Dr. Gonera, Leiter der Station und Geomorphologe, empf\u00e4ngt uns wie alte Freunde. Schulenglisch, ein paar Brocken Deutsch und Spanisch gen\u00fcgen, damit wir uns schon nach wenigen Minuten auch mit den \u00fcbrigen Stationsbewohnern bestens verstehen. Gem\u00fctliche H\u00fcttenatmosph\u00e4re mit polnischer Liebensw\u00fcrdigkeit, Szegediner Gulasch und sogar polnischer Volksmusik, die uns der gute Geist der Station, der siebzigj\u00e4hrige Mechaniker Leon auf seinem Harmonium vorspielt, lassen uns fast vergessen, wo wir sind und da\u00df drau\u00dfen schon wieder der Wind heult.<\/p>\n<p>Die polnische Station, f\u00fcr mich die anheimelndste, bietet Platz f\u00fcr f\u00fcnfundzwanzig Mann im Sommer und f\u00fcnfzehn im Winter. Die Wissenschaftler arbeiten an Forschungsprojekten der Meteorologie, Meeresbiologie, Geologie, Humanbiologie und Geophysik. Im Sommer sind h\u00e4ufig auch Frauen unter den Wissenschaftlern, meist Biologinnen. Im Winter gibt es hier allerdings wenig f\u00fcr sie zu tun, weil die Tiere in den Norden gezogen sind. &#8222;Und au\u00dferdem&#8220;, meint der Leiter, &#8222;sobald Frauen hier sind, gibt es \u00c4rger und Eifers\u00fcchteleien unter den M\u00e4nnern, bis hin zu offenen Feindschaften. Im Winter k\u00f6nnte das gef\u00e4hrliche Ausma\u00dfe annehmen.&#8220; Ich kann nicht glauben, da\u00df dies den Tatsachen entspricht, und widerspreche ihm, wobei ich bedauernd feststelle, da\u00df ich bisher auf keiner Station Frauen unter den \u00fcberwinternden Wissenschaftlern fand. Aber mein Diskussionspartner lenkt diplomatisch von diesem Thema ab.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck an Bord. Es bl\u00e4st schon wieder mit sechs bis sieben Beaufort, und der Ankergrund ist schlecht. Gegen Morgen legt sich der Wind zum Gl\u00fcck wieder, sogar die Sonne blinzelt ab und zu durch die Wolkendecke. Also setzen wir unsere Goodwill-Segeltour in Richtung brasilianische Station fort, die keine f\u00fcnf Meilen entfernt liegt. Hier leben und arbeiten im Sommer rund f\u00fcnfzig Menschen, im Winter dagegen nur ein Dutzend. Gegenstand der Forschungen sind Stratosph\u00e4re, kosmische Strahlungen, Geomagnetismus und nat\u00fcrlich auch das Wetter, das hier auf King George wohl in jeder Bucht Neues hergibt.<\/p>\n<p>Zu unserem Erstaunen laufen die w\u00e4rmeverw\u00f6hnten Brasilianer alle in kurz\u00e4rmeligen T-Shirts herum. Sie haben ihre Station so stark geheizt, da\u00df wir uns eher in ein Tropeninstitut als in eine Antarktisstation versetzt glauben. Auch der Mittagstisch erinnert an Brasilien: Es gibt Palmenherzen, Guaven, Feigen, Kokosnu\u00dftorte \u2013 eine Tropeninsel im Eis! Es ber\u00fchrt mich ganz seltsam, da\u00df wir hier nur ein paar Meilen zu segeln brauchen und jedesmal andere Menschen mit anderen Sitten, anderen Sprachen und anderen Kulturen finden. &#8222;In 40 Tagen um die Welt&#8220;, nenne ich deshalb insgeheim unsere Segeltour zu den Stationen, die uns von Chile \u00fcber Ru\u00dfland, China und Uruguay nach Argentinien, Polen und Brasilien f\u00fchrte. Wo sonst ist das m\u00f6glich als auf Antarktika, dem einzigen Kontinent, wo man keinen Pa\u00df braucht, kein Visum, keine Schiffspapiere, keine Aus- und Einklarierung und keine Rechtfertigung? Ich f\u00fchle mich wohl und freue mich \u00fcber die friedliche, freundliche Atmosph\u00e4re unter den verschiedenen V\u00f6lkern dieser kleinen Insel. Das Leben der Menschen auf King George kommt mir vor wie ein Experiment im kleinen, mit dem bewiesen werden soll, da\u00df es auch in der gro\u00dfen Welt m\u00f6glich sein m\u00fc\u00dfte, ohne Grenzen zusammenzuleben, als friedliche Nachbarn mit gemeinsamen Zielen und gemeinsamer Verantwortung.<\/p>\n<p>Ad\u00e9lie haben wir wieder mit auf die Station genommen, weil wir dicht am Ufer ankern konnten. Zuerst verschwindet sie unter einem Durcheinander streichelnder H\u00e4nde und dann in den langen G\u00e4ngen und Zimmerfluchten des Stationsgeb\u00e4udes. Erst nach langem Suchen, an dem sich s\u00e4mtliche Stationsmitglieder mit detektivischem Eifer beteiligen, wird sie in einer Ecke des Fitne\u00dfraums aufgest\u00f6bert, wo sie Katz und Maus mit den Pingpongb\u00e4llen spielt.<\/p>\n<p>Die Brasilianer zeigen sich unserer <em>Freydis<\/em> gegen\u00fcber besonders aufgeschlossen. Eine Yacht hier, noch dazu in dieser Jahreszeit, sagen sie, komme ihnen vor wie eine Fata Morgana. Wir bitten sie an Bord und richten eine Art Pendelverkehr ein, da sie nicht alle auf einmal Platz finden w\u00fcrden. Daraus entsteht ein richtiger F\u00e4hrbetrieb vom Ufer zur <em>Freydis<\/em>.<\/p>\n<p>Mich ziehen die verlassenen Holzbauten in der N\u00e4he der Station an. Die \u00e4lteren und halb verfallenen Baracken stammen noch aus der Walf\u00e4ngerzeit, ebenso die gigantischen Skeletteile, auf die wir \u00fcberall am Strand sto\u00dfen. Andere H\u00fctten sind dagegen j\u00fcngeren Datums und noch recht gut erhalten. Sie wurden erst in den f\u00fcnfziger Jahren f\u00fcr englische Wissenschaftler erbaut und bereits Anfang der Sechziger nach mehreren Unf\u00e4llen wieder verlassen. Im Badezimmer dort finde ich ein Juwel: eine gro\u00dfe, wei\u00df emaillierte Badewanne. K\u00f6nnte ich die doch blo\u00df mit nach Deception nehmen! Ich w\u00fcrde sie mitten in die Fumarolen stellen und jeden Tag nackt in hei\u00dfem Wasser baden \u2013 die Robben w\u00fcrden ganz sch\u00f6n gucken!<\/p>\n<p>Wieder an Bord in meiner Koje, hoffe ich, da\u00df uns der Wind in dieser Nacht zufrieden l\u00e4\u00dft. Er tut&#8217;s. Erst am Morgen legt er wieder zu und kommt b\u00f6sartigerweise auch noch aus vorlicher Richtung. Das \u00fcppige Fr\u00fchst\u00fcck liegt uns wie ein Stein im Magen, als wir zur\u00fcck nach Jubany segeln. Unsere argentinischen Freunde h\u00e4ngen schon bald gemeinsam \u00fcber der kleinen Katzentoilette (eigentlich wollte Ad\u00e9lie sie ja benutzen, aber G\u00e4ste haben schlie\u00dflich Vortritt).<\/p>\n<p>Der Jubany-Meteorologe gibt uns am fr\u00fchen Morgen den Wetterbericht durch: n\u00f6rdliche Winde um f\u00fcnf Knoten, langsam zunehmend, leichter Schneefall, Temperatur um minus f\u00fcnf bis minus zehn Grad. Das h\u00f6rt sich gut an f\u00fcr unsere geplante Tour nach Arturo Prat, der \u00e4ltesten der drei chilenischen Stationen in der Antarktis, die auf der Insel Greenwich liegt, direkt an unserem Weg nach Deception. L\u00e4ppische drei\u00dfig Meilen ist sie nur von Jubany entfernt, aber in dieser Region will auch ein Katzensprung wohl\u00fcberlegt und vorbereitet sein. Noch ist es uns m\u00f6glich, von Bucht zu Bucht, von Insel zu Insel zu schippern, Stationen zu besuchen und Kontakte zu Menschen zu kn\u00fcpfen. Der Winter wird noch lang genug werden. Das Meer wird zufrieren und uns von der \u00fcbrigen Welt abschneiden. Vielleicht spricht auch ein wenig Angst vor der selbstgew\u00e4hlten Einsiedelei mit, die uns den Endspurt immer wieder aufschieben l\u00e4\u00dft. Der Hauptgrund aber ist, da\u00df uns niemand sagen kann, ob nach dem Winter, im Oktober oder November, wenn wir mit der <em>Freydis<\/em> wieder aufbrechen wollen, die K\u00fcsten frei oder noch so dichtgefroren sind, da\u00df wir niemanden mehr besuchen k\u00f6nnen. Deshalb wollen wir uns jetzt noch so lange wie m\u00f6glich in diesem einzigartigen Revier umsehen. Die Sonne l\u00e4\u00dft sich blicken und macht uns Mut. Also los, Anker auf mit der \u00fcblichen R\u00fcckenbrecherprozedur! Das gro\u00dfe Stationsboot von Jubany f\u00e4hrt vollbesetzt einige Abschiedsrunden um die <em>Freydis<\/em>. Tschau, tschau und suerte, viel Gl\u00fcck, rufen sie immer wieder. Ja, Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir brauchen. Wir verlassen King George.<\/p>\n<p>Wieder werden wir belohnt durch diese dramatisch sch\u00f6ne, stille Welt, die uns bald umringt. Wir segeln an kilometerlangen wei\u00dfen Gletscherw\u00e4nden entlang, aus denen kegelf\u00f6rmig die Spitzen dunkler Felsen ragen, die Nunataks. Das sieht so aus, als streckten Riesen ihre K\u00f6pfe aus gigantischen wei\u00dfen H\u00f6hlen. Wie Milchopale funkeln die Gletscherabbr\u00fcche, \u00fcber sich Galerien von Spalten, im Wasser davor Hunderte kleiner und gro\u00dfer Eisberge: eine M\u00e4rchenwelt aus dem Schnee von gestern. Aus der See steigen d\u00fcstere Felsen auf, die an Burgen, Wehrt\u00fcrme und Schl\u00f6sser erinnern. Meiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, ein Zauber scheint \u00fcber allem zu liegen.<\/p>\n<p>Nur die <em>Freydis<\/em> ist nicht verzaubert. Mit ihren an Deck zusammengepferchten diesel- und benzingef\u00fcllten Kanistern, mit zwei gro\u00dfen, leeren, blauen Kunststoff\u00e4ssern und zwanzig schneegef\u00fcllten Sperrholzkisten sieht sie wenig romantisch aus, sondern eher wie ein \u00fcberladener Frachter auf der falschen Route. Die F\u00e4sser und Kisten haben wir von den Stationen mitgenommen, um auf Deception Kohle von der Walf\u00e4ngerbucht zur Fumarolbucht zu transportieren. Unbeeindruckt von dem ganzen Ger\u00fcmpel, landet ein Kormoran wie ein kleiner Bordhelikopter auf dem Vorschiff und schaut sich dort um. Einige Kaptauben interessieren sich mehr f\u00fcr den orangeroten Sack an der Saling, unseren Auftriebsk\u00f6rper f\u00fcr den Fall einer Kenterung: So etwas Komisches haben sie ihr Lebtag noch nie gesehen.<\/p>\n<p>Wir biegen in die English Strait ein, die mit Eisbergen gespickte Wasserstra\u00dfe zwischen der Robert- und der Greenwich-Insel. Dann folgt die gro\u00dfe Discoverybucht, die gemeinsam mit der Bucht auf der anderen Seite der Insel Greenwich eine Wespentaille verpa\u00dft, und schon sind wir am Ziel. Zwischen zwei Eisberg-Giganten kommen die roten Stationsgeb\u00e4ude von Prat in Sicht, niedlich wie Spielzeugh\u00e4uschen sehen sie aus im wei\u00dfen Schnee. Hect\u00f3r hat uns \u00fcber Funk angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Die schmale Einfahrt zur kleinen, gesch\u00fctzten Lagune \u2013 einer Art Gletschersee mit \u00d6ffnung zum Meer \u2013 ist mit scharfkantigen Unterwasserklippen bewehrt. Das Echolot ist uns hier keine gro\u00dfe Hilfe. Bevor wir abdrehen k\u00f6nnen, rumpelt es schon f\u00fcrchterlich, ein Ger\u00e4usch, das mir stets unter die Haut f\u00e4hrt und kalte Schauer \u00fcber den R\u00fccken jagt. Erich scheint ein dickeres Fell zu haben, das hei\u00dft, er verl\u00e4\u00dft sich auf das dicke Fell der <em>Freydis<\/em> aus zwanzig Millimeter Stahl. Ad\u00e9lie ger\u00e4t eher nach mir. In heller Panik rast sie von einem Ende des Schiffes zum anderen und versteckt sich schlie\u00dflich unter meinem Schlafsack. Wenn ich das blo\u00df auch k\u00f6nnte! Zum Gl\u00fcck ist der Seegang nur schwach. Die Kollisionen bringen das Schiff nicht in ernsthafte Gefahr, beruhigt mich Erich.<\/p>\n<p>\u00dcber Funk lotst man uns schlie\u00dflich das letzte St\u00fcck bis in die Lagune hinein. &#8222;Leichter Schneefall, Wind langsam zunehmend&#8220;, hie\u00df es am Morgen. Von f\u00fcnfzig Knoten Wind und w\u00fcstem Schneetreiben hat keiner was gesagt. Als der Anker gerade unten ist, geht es richtig los. Nur gut, da\u00df wir in weiser Voraussicht schon sechzig Meter Kette gesteckt haben.<\/p>\n<p>An Landgang ist mal wieder nicht zu denken. Wie in Jubany bleibt unser erster Kontakt auch mit Prat auf Funk beschr\u00e4nkt. Wie w\u00e4re das jetzt gem\u00fctlich, warm und sicher auf der Station zu sitzen! Irgendwie bin ich es leid, st\u00e4ndig auf der Lauer zu liegen, ob der Wind zunimmt, ob er dreht, ob der Anker slippt, ob die an Land ausgebrachten Leinen rei\u00dfen, ob, ob, ob&#8230; \u00c4tzend! Aber bei wem soll ich mich beklagen? Wir wollen doch den antarktischen Winter erleben, und nun steht er vor der T\u00fcr. Immer h\u00e4ufiger werden die St\u00fcrme und die damit verbundene Anspannung, immer seltener die Stunden der Erholung. Eigentlich sind wir st\u00e4ndig in Alarmbereitschaft.<\/p>\n<p>Vierundzwanzig Stunden sp\u00e4ter ist die Welt wieder in Ordnung. Auch auf Prat erwartet uns ein warmherziger Empfang in eiskalter Umgebung. Carlos, der Kommandant, f\u00fchrt uns durch die ganze Station. Obwohl einige Geb\u00e4udetrakte noch von 1947 stammen, sind alle bestens in Schu\u00df. Carlos ist stolz auf sein antarktisches Schmuckk\u00e4stchen. Die Stationsmitglieder l\u00f6chern uns mit Fragen, auch weshalb wir im Winter ausgerechnet nach Deception wollen. Wie den meisten anderen, die wir auf den Stationen kennenlernten, bereitet es auch ihnen offensichtlich keine Schwierigkeiten, uns nachzuempfinden, warum wir einen Winter lang allein hier leben wollen. Schlie\u00dflich sind wir alle \u00dcberwinterer.<\/p>\n<p>Es tut mir unheimlich gut, als zwei Stationsmitglieder sagen, da\u00df sie es als wohltuend empfinden, eine Frau zu Gast auf der Station zu haben. Das sei wie ein Gru\u00df von zu Hause.<\/p>\n<p>Der Elektroniker Jos\u00e9 und der Mechaniker Zedric sind uns eine gro\u00dfe Hilfe beim Installieren einer zweiten GPS-Antenne am Heck. Die erste auf der Mastspitze hat offensichtlich durch den Brand Schaden gelitten. Auch eine Funkantenne basteln sie f\u00fcr uns, damit wir auf Deception auch an Land mit unserem Reserveger\u00e4t eine Funkstation in Betrieb nehmen k\u00f6nnen. Wenn wir sowohl vom Schiff als auch von Land aus Kontakt mit der Au\u00dfenwelt aufnehmen k\u00f6nnen, ist das f\u00fcr uns nicht nur bequemer, sondern im Notfall vielleicht sogar lebensrettend. Auf Prat finde ich zum erstenmal detaillierte Aufzeichnungen \u00fcber die letzten Vulkaneruptionen auf Deception, unter anderem auch \u00fcber den wagemutigen Einsatz chilenischer Hubschrauberpiloten bei der Rettung ihrer eigenen wie auch englischer Stationsmitglieder.<\/p>\n<p>Carlos ist mir bei der Suche nach Berichten in den Stationstageb\u00fcchern jener Jahre behilflich. Er bringt mir au\u00dferdem Unterlagen \u00fcber die chilenischen und norwegischen Walfanggesellschaften, die Anfang des Jahrhunderts ihren Sitz auf Deception hatten. Dort wird eine Norwegerin erw\u00e4hnt, die Frau eines Walfangkapit\u00e4ns, die als erste Frau \u00fcberhaupt in der Antarktis, und zwar auf Deception, \u00fcberwinterte. F\u00fcr all die Freundlichkeiten k\u00f6nnen wir uns ein wenig dadurch revanchieren, da\u00df wir mit unseren neuen Freunden Tagesausfl\u00fcge auf der <em>Freydis<\/em> unternehmen.<\/p>\n<p>Manchmal habe ich Angsttr\u00e4ume, zum Beispiel nach unserer Gletscherwanderung zu einem Holzkreuz hoch \u00fcber Prat. Man hat es zur Erinnerung an einen jungen Leutnant aufgestellt, der von einer Gletschertour nicht mehr zur\u00fcckkam. In der Nacht tr\u00e4ume ich, da\u00df ich in eine tiefe Gletscherspalte falle. Unter Donnergrollen schieben sich die Eisw\u00e4nde zusammen und drohen mich zu zerquetschen. Angstgepeinigt wache ich auf. Aber nur Ad\u00e9lie hockt als Alpdruck schwer auf meiner Brust und schnurrt bedrohlich laut in meine Ohren.<\/p>\n<p>Der Wind treibt das Gletschereis in der Lagune von einer Seite zur anderen, je nachdem, aus welcher Richtung er gerade weht. Wenn das Eis uns erreicht, poltert es so lautstark an die Bordwand, da\u00df man meinen k\u00f6nnte, eine Herde Schafe trampele \u00fcber die <em>Freydis<\/em> hinweg.<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr einer Stunde wird es dann wieder still: Die Eiskl\u00f6tze haben sich l\u00fcckenlos aneinandergedr\u00e4ngt und uns fest zwischen sich eingekeilt. Binnen weniger Stunden frieren sie zu einer fast begehbaren Eisdecke zusammen, nur eine kleine Stromrinne bleibt auf der anderen Seite der Lagune noch offen. Als wir eines Morgens aufwachen und die Bescherung sehen, wird uns himmelangst. Eilig setze ich mich mit Carlos in Verbindung. &#8222;Was hat das zu bedeuten? Habt ihr so was schon mal gesehen? Friert die Lagune endg\u00fcltig zu?&#8220; Beruhigend meint Carlos, das sehe schlimmer aus, als es sei. Sobald der Wind umschl\u00fcge, w\u00fcrde der Eisschrott mit dem Tidenstrom wieder hinausgetrieben. Und tats\u00e4chlich, schon nach einigen Stunden ist die ganze Eisfl\u00e4che verschwunden.<\/p>\n<p>Und dann erst die Sache mit dem Dieselofen&#8230; Bisher hat dieses Goldst\u00fcck immer zuverl\u00e4ssig gearbeitet, jedenfalls wenn die <em>Freydis<\/em> frei am Anker schwojte. Als wir nun aber nachts im Eis festsitzen und der Wind pl\u00f6tzlich umspringt, bl\u00e4st er den Qualm statt aus dem Schornstein durch die lose aufliegende Ofenklappe ins Schiff. Ad\u00e9lie versucht, sich aus dieser brenzligen Situation durch einen k\u00fchnen Sprung auf meinen Bauch zu retten, der mich schlagartig weckt. Da\u00df wir einer Rauchvergiftung entgehen, verdanken wir ausschlie\u00dflich unserer Katze. Von Stund&#8216; an wird auf den Dieselofen im Eis verzichtet, wenn der Wind nicht von vorn kommt. Dann werfen wir statt dessen die elektrische Warmluftheizung an, bei der dieses Problem nicht auftritt. Sie erf\u00fcllt ihren Zweck genausogut, allerdings verbraucht ihr Gebl\u00e4se Batteriestrom, so da\u00df wir damit nicht unbegrenzt heizen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Anfang Mai, zwei Tage vor unserer Abreise, sacken die Temperaturen bei anhaltend leichten Westwinden drastisch ab. Von Stunde zu Stunde w\u00e4chst das Eis in der Lagune und verfestigt sich zu einer zwanzig Zentimeter dicken, soliden Decke. Nun ist die Gefahr gro\u00df, da\u00df wir eingeschlossen und vielleicht den ganzen Winter hier festgehalten werden. Aber die <em>Freydis<\/em> ist schon startklar. Wir wollen die Fahrt nach Deception nun wirklich nicht l\u00e4nger aufschieben.<\/p>\n<p>Nach bew\u00e4hrter Eisbrechermethode lassen wir uns nach achtern sacken, um dann mit Anlauf und voller Kraft nach vorn zu sto\u00dfen. Eine Stunde dauert diese Prozedur, bis wir die Stromrinne erreichen, die zu einem schmalen Bach geschrumpft ist. Durch ein Gewirr von Schneeflocken, das uns fast die Sicht nimmt, sehen wir nur schemenhaft die vielen H\u00e4nde, die uns zum Abschied nachwinken. Dann sind wir allein und ein bi\u00dfchen traurig, denn es war ein Abschied auf lange Zeit. Jetzt haben wir nur noch uns selbst.<\/p>\n<p>Vieles ist anders gekommen als erwartet. Wir haben bef\u00fcrchtet, da\u00df uns in der Antarktis ein scharfer Wind, auch von den Stationen, entgegenwehen w\u00fcrde \u2013 denn die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert, seit wir zum erstenmal mit der <em>Freydis<\/em> hier aufkreuzten. Der Massentourismus hat inzwischen alle L\u00e4nder und Kontinente erreicht, und selbst zur Antarktis kann man bequeme Schiffspassagen buchen. Auch die Zahl der Segler insgesamt hat gewaltig zugenommen, obwohl sie im Vergleich zum \u00fcbrigen Tourismus immer noch verschwindend gering ist. Aber der Reiz der gro\u00dfen weiten Welt, den die Segler damals noch f\u00fcr die in der Antarktis stationierten Menschen mitbrachten, ist heute nichts Besonderes mehr. Vor zehn bis zwanzig Jahren waren die Menschen an entlegenen Pl\u00e4tzen noch dankbar f\u00fcr jede Anregung durch weitgereiste Segler und honorierten deren Extremleistungen mit Hilfe und gro\u00dfz\u00fcgiger Gastfreundschaft. Aber der Antarktistourismus und die Massenmedien haben den Boden f\u00fcr die Segler inzwischen eher aufgerauht.<\/p>\n<p>Das wu\u00dften wir und hatten deshalb zu Anfang gr\u00f6\u00dfte Bedenken, die Stationen \u00fcberhaupt anzulaufen. Auf keinen Fall wollten wir die Wissenschaftler von ihrer Arbeit abhalten, auch lag es uns fern, Versorgungsg\u00fcter oder \u00fcberhaupt irgendeine Art der Hilfe zu erwarten. Wir sind nicht als Wissenschaftler, sondern als Privatleute hier, ohne staatliche oder sonstige Unterst\u00fctzung \u2013 Touristen eben, wenn auch betraut mit ein paar wenigen anspruchsvollen Aufgaben des deutschen Polarinstituts und nun auch von Greenpeace. Aber wir wurden angenehm \u00fcberrascht und fanden alles so vor, wie wir es insgeheim zwar erhofft, aber eigentlich nicht mehr erwartet hatten. Nie hatten wir das Gef\u00fchl, als Touristen abgetan zu werden, eher wurden wir als Partner behandelt. Station auf Station lud uns ein und reichte uns weiter, und diese Einladungen, sogar zum Wohnen, waren ehrlich und ernst gemeint. \u00dcberall bot man uns spontan jede Unterst\u00fctzung an. Woran lag das? An unserem Verhalten? An meinen Spanischkenntnissen? Oder daran, da\u00df wir vor zehn Jahren bereits Erfahrungen in dieser Region gesammelt und uns deshalb besonders gut auf diese Reise vorbereitet hatten? Sicher spielten all diese Komponenten zusammen eine Rolle. Nicht alle Stationen, auf denen wir zu Gast waren, befa\u00dften sich mit wissenschaftlichen Arbeiten \u2013 zumindest nicht im Winter. Wo dies aber der Fall war, achteten wir peinlich darauf, nicht zu st\u00f6ren. Unsere Wi\u00dfbegier konnten wir trotzdem stillen, denn nach Feierabend gab es ausgiebig Gelegenheit zu Gespr\u00e4chen. Das Wichtigste aber waren f\u00fcr uns immer die menschlichen Kontakte, und die waren in dieser Umgebung besonders ausgepr\u00e4gt. Vielleicht weil die Menschen, die wir trafen, zur Natur eine ganz \u00e4hnliche Einstellung hatten wie wir?<\/p>\n<div class=\"su-button-center\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/gestrandet-in-der-weissen-hoelle\/#kaufen\" class=\"su-button su-button-style-default su-button-wide\" style=\"color:#111;background-color:#febd69;border-color:#cc9854;border-radius:5px\" target=\"_self\" title=\"Buch kaufen\"><span style=\"color:#111;padding:7px 20px;font-size:16px;line-height:24px;border-color:#ffd196;border-radius:5px;text-shadow:none\"><i class=\"sui sui-book\" style=\"font-size:16px;color:#111\"><\/i> Buch kaufen<\/span><\/a><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/gestrandet-in-der-weissen-hoelle\/\">Zur Buchvorstellung<\/a> \u00a0\/\/ <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/\">Zur Buchserie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Buchvorstellung \u00a0\/\/ Zur Buchserie Leseprobe aus Kapitel 5 &#8222;Katzenspr\u00fcnge&#8220;: aum stecken wir die Nase nach drau\u00dfen, frischt es auch schon wieder auf. 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