{"id":4178,"date":"2017-03-27T17:04:20","date_gmt":"2017-03-27T16:04:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=4178"},"modified":"2017-03-30T18:17:15","modified_gmt":"2017-03-30T17:17:15","slug":"leseprobe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/wilder-stiller-ozean\/leseprobe\/","title":{"rendered":"Leseprobe &#8222;Wilder Stiller Ozean&#8220; (Heide Wilts)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/wilder-stiller-ozean\/\">Zur Buchvorstellung<\/a> \u00a0\/\/ <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/\">Zur Buchserie<\/a><\/p>\n<h2>Leseprobe aus Kapitel 12 &#8222;Feuerland&#8220;:<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/cover06plus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3642 alignright\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/cover06plus-640x1024.jpg\" alt=\"Buch: Wilder Stiller Ozean (Band 6)\" width=\"250\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<span class=\"su-dropcap su-dropcap-style-flat\" style=\"font-size:1.5em\">I<\/span>n Puerto Natales r\u00fcsten wir uns f\u00fcr die bevorstehenden Wochen. Unser Plan: ein Segelt\u00f6rn durch die &#8222;Tierra del Fuego&#8220; \u2013 Feuerland. Unser Ziel: Kap Hoorn. Routiniert bereiten wir uns und das Schiff auf die Zeit in der Wildnis vor, in der wir ganz auf uns gestellt sein werden. Obwohl auch im Sommer heftige St\u00fcrme die S\u00fcdspitze S\u00fcdamerikas heimsuchen, k\u00f6nnen wir jetzt, im Januar, zumindest mit langen Tagen und ertr\u00e4glichen Temperaturen rechnen. Die gr\u00f6\u00dfte Sicherheit beim Segeln in diesem Gebiet aber ist ausreichend Zeit. Und die haben wir uns genommen f\u00fcr die 600-Seemeilen-Strecke von Puerto Natales ums Kap Hoorn nach Puerto Williams. Es ist schlie\u00dflich nicht das erste Mal, dass wir uns in diese windigste Ecke der Welt wagen wollen. Beinahe w\u00e4re es jedoch unser letztes Mal geworden&#8230;<\/p>\n<p>Unsere Crew ist komplett, wir legen ab. An Bord: Hans, der auf der <em>Freydis<\/em> bereits um die beiden s\u00fcdlichen Kaps von Afrika (Kap Agulhas und Kap der Guten Hoffnung) gesegelt ist und au\u00dfer uns als Einziger \u00fcber gen\u00fcgend Blauwasser-Erfahrung f\u00fcr ein solches Revier verf\u00fcgt. Ferner unser Frauenpaar Elisabeth und Elke, beides Psychotherapeutinnen. Auf der Ostsee haben sie ein kleines Boot. Und schlie\u00dflich Inge mit ihrem Verlobten Sigi. Sie arbeitet als Segellehrerin auf Binnengew\u00e4ssern, er, Finanzberater in Dresden, stammt vom Bodensee.<\/p>\n<p>Gleich beim \u00dcberqueren des Golfo Almirante stellt uns das Wetter auf die Probe. St\u00fcrmischer Wind schr\u00e4g von vorn bricht mit Macht \u00fcber uns herein. Die Crew muss rasch mit der <em>Freydis<\/em> vertraut gemacht werden: Elke steht am Ruder, Hans am Mast, Sigi und Inge an den Winschen und Elisabeth an der Karte. Mit dichtgeknallten, stark gerefften Segeln laufen wir gegen eine kurze, hackige See an. Da passiert&#8217;s, querab der Isla Focus! Vielleicht hat Sigi mit zu viel Elan die Riesenwinsch gekurbelt, vielleicht Erich zu sp\u00e4t &#8222;Stop!&#8220; gebr\u00fcllt, vielleicht war das Segel nicht gut genug: Mit lautem Knall explodiert die Genua. Was eben noch ein nagelneues Segel war, ist blo\u00df noch ein nutzloses Stoffkn\u00e4uel: Nicht die N\u00e4hte sind gerissen \u2013 das lie\u00dfe sich reparieren \u2013, sondern das Tuch, gleich mehrfach durch alle Bahnen!<\/p>\n<p>Trotzdem erreichen wir rechtzeitig zum Tidenwechsel den Canal Kirke (von Juan Ladrillero 1557 entdeckt). Erich h\u00e4lt zu meinem Entsetzen auf den &#8222;Malpaso&#8220;, das schlechteste und engste der drei Nadel\u00f6hre, zu. Mit bis zu 14 Knoten zw\u00e4ngt sich hier das Wasser zwischen steilen Klippen hindurch. Vor 16 Jahren haben mir schon bei der Passage des breitesten &#8222;paso&#8220; die Haare zu Berge gestanden! Wie ein Wildwasserkanu wird die <em>Freydis<\/em> durch sch\u00e4umende Wirbel gerissen. Gewaltige Strudel drohen das Boot querzuschlagen und gegen die Felsen zu rammen. Wir halten den Atem an. Wie von Geisterhand geleitet, erreicht das Schiff auch diesmal unbeschadet ruhigeres Wasser. Der Skipper freut sich \u00fcber seine gelungene Einlage \u2013 aber nicht lange.<\/p>\n<p>In der N\u00e4he eines quer verlaufenden Gebirgszuges, auf den wir zuhalten, scheint das Wasser noch viel heftiger zu kochen: meterhoch wird es aufgepeitscht. Pl\u00f6tzlich treffen uns Williwaws, orkanartige Fallb\u00f6en, mit solcher Wucht, dass das Gro\u00dfsegel aus den Lieken zu rei\u00dfen beginnt. Mit M\u00fche und Not k\u00f6nnen wir das Tuch herunterzerren. Nur f\u00fcr ein paar Mastrutscher kommt die Rettung zu sp\u00e4t, sie sind gebrochen. Unter Maschine qu\u00e4len wir uns vorw\u00e4rts, fieberhaft nach einem halbwegs gesch\u00fctzten Ankerplatz Ausschau haltend. Doch \u00fcberall nur schrundige Steilk\u00fcste, nirgends eine Bucht, in der das Boot in den Orkanb\u00f6en, die aus den unterschiedlichsten Richtungen auf uns niedersausen, vor Anker frei schwojen k\u00f6nnte. Wir n\u00e4hern uns dem Ancon sin Salida, zu deutsch &#8222;Winkel ohne Ausweg&#8220; \u2013 eine Art Blinddarm am Ende des Fjords, von Ladrillero so genannt, weil es dort bei Nordweststurm f\u00fcr ein Segelboot keine Entkommen gibt.<\/p>\n<p>Doch gerade dieser &#8222;Winkel&#8220; erweist sich f\u00fcr uns nicht als Falle, sondern als ideales Schlupfloch. Hinter einem der Inselchen am Scheitel des Ancon \u00f6ffnet sich vor uns eine kleine trichterf\u00f6rmige Sandbucht (52\u00b010,9&#8217;S,073\u00b017,1&#8217;W) mit gutem Ankergrund, die in keiner Karte verzeichnet ist.<\/p>\n<p>Inge, nach dem Inferno v\u00f6llig erledigt, f\u00e4llt in Sigis tr\u00f6stende Arme. Zur allgemeinen Entspannung h\u00f6ren wir Musik, schauen einer schwarzwei\u00dfen Andengans zu, die ihre Jungen am Ufer entlang spazieren f\u00fchrt. In der Nacht beleuchtet der Mond \u00fcber d\u00fcsteren H\u00fcgeln dahinhuschende Wolken und verwandelt die in Kaskaden von den H\u00e4ngen herabst\u00fcrzenden Wasser in pures Silber.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Intermezzo mit Winddrehung auf S\u00fcdwest und Wetterbesserung bl\u00e4st es am Morgen erneut aus Nordwest. Der Zeiger des Barografen kritzelt sich in den Abgrund. Eine neue Front zieht durch, unentwegt pfeift der Sturm \u00fcber die Insel. Wir sind heilfroh, in der Abdeckung zu liegen! Hier gelingt es uns sogar, die zerrissene Genua gegen die einzig verbliebene, leider wesentlich kleinere Genua auszuwechseln. Hans vollbringt das Wunder in der Mastspitze. Fast drei Tage liegen wir in dieser verwunschenen Nische, warten auf Wetterbesserung und nutzen die Zeit zu ausgiebigen Landg\u00e4ngen \u00fcber das wilde Eiland. Nie werde ich seine windgebeugten, verkr\u00fcppelten B\u00fcsche und B\u00e4ume vergessen, deren Kronen alle nach Nordosten weisen, seine schwammigen Moorwiesen voller kleiner Bl\u00fcten und Beeren, seine Schilffelder und vor allem seine unergr\u00fcndlichen, dunklen Seen. Als ich nicht l\u00e4nger widerstehen kann und schlie\u00dflich in einem von ihnen bade, habe ich es nur ein paar langen Wurzeln, die sich vom torfigen Ufer aus in meine N\u00e4he reckten, zu verdanken, dass man mich nicht in 5000 Jahren als Moorleiche herausfischt.<\/p>\n<p>Im Smith-Kanal bl\u00e4st uns danach wieder Starkwind mit Nieselregen auf die Nase, nur gelegentlich erhellen Regenb\u00f6gen oder Sonnenstrahlen die d\u00fcstere Stimmung des patagonisch-feuerl\u00e4ndischen Sommers. Als h\u00e4tte die Zeit hier stillgestanden, ragt noch immer mitten im Kanal das gro\u00dfe rostige Wrack aus dem Wasser, an dem wir schon vor 16 Jahren vorbeigesegelt sind. Bei der Isla Tamar haben wir den Wind endlich im R\u00fccken. Wir l\u00f6sen die Reffs, baumen das Vorsegel aus und rauschen in der Finsternis durch den Paso del Mar, den westlichen Teil der von Fernando Magellan 1520 entdeckten Verbindung zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean, die wir bei Kap Edgeworth wieder verlassen.<\/p>\n<p>Hatte sich f\u00fcr Magellan das Land s\u00fcdlich der von ihm entdeckten Stra\u00dfe noch als ein zusammenh\u00e4ngendes &#8222;Feuerland&#8220; gezeigt, so offenbarte es sich dem Freibeuter Francis Drake auf der zweiten Erdumsegelung 1577 bereits als ein Labyrinth aus Inseln und Kan\u00e4len. Nachweislich besuchte er Eilande s\u00fcdlich der Magellan-Stra\u00dfe \u2013 darunter h\u00f6chstwahrscheinlich auch die Kap Hoorn-Insel.<\/p>\n<p>Im Canal Barbara qu\u00e4len wir unser Schiff mit voller Motorkraft gegen den Ebbstrom durch die Engen. Aus dem Seno Helado leuchtet uns zwar verhei\u00dfungsvoll die grellwei\u00dfe Zunge des 1350 Meter hohen Gletschers der Isla Santa In\u00e9s entgegen, Schutz f\u00fcr die Nacht suchen wir jedoch erst in der Bah\u00eda Bedford, und das zusammen mit Scharen von Dampfschiffenten. Mit ihren Stummelfl\u00fcgeln wirbeln sie wie kleine Schaufelraddampfer durchs Wasser und sind dabei so schnell, dass nicht einmal &#8222;Superdampfschiffente&#8220; Hans beim Ausbringen der Festmacherleinen im Dingi mithalten kann.<\/p>\n<p>Fr\u00fchmorgens passieren wir den Einschnitt Punta Dresden, in dem der kleine Kreuzer <em>Dresden<\/em>, das einzige noch \u00fcbrig gebliebene Schiff vom Geschwader des Vizeadmirals Graf Spee nach der Seeschlacht bei den Falkland-Inseln im Ersten Weltkrieg, ein erstes Versteck fand. Dass die <em>Dresden<\/em> im Inselgewirr Feuerlands lange unentdeckt bleiben konnte, beweist, wie weitl\u00e4ufig und un\u00fcbersichtlich dieses von allen Schiffen der Welt seit jeher am meisten gef\u00fcrchtete, auch heute noch teilweise unvermessene Gebiet ist.<\/p>\n<p>Mit dem Verlassen der Magellan-Stra\u00dfe wagen wir uns auf verbotenes Terrain, denn damit weichen wir von der offiziell vorgeschriebenen Route ab. Von nun an segeln wir ohne Genehmigung der chilenischen Marine auf eigenes Risiko. Zwar tolerieren die Beh\u00f6rden manchen eigenm\u00e4chtigen Schlenker der Yachties, aber wehe, es passiert etwas. Dann drohen Geldstrafen, Gef\u00e4ngnis und die Beschlagnahmung des Schiffes. Wir m\u00fcssen also vorsichtig sein in diesen nur vage vermessenen Gew\u00e4ssern. Der Grund f\u00fcr unsere Kurs\u00e4nderung ist ein ganz besonderes Ziel, das wir uns auf unserem Weg zum Kap Hoorn gesteckt haben: die Isla Noir, eine kleine Insel weit drau\u00dfen vor der K\u00fcste, auf der es laut Seehandbuch einen gesch\u00fctzten Ankerplatz geben soll. Aufgrund ihrer isolierten Lage \u2013 eineinhalb Breitengrade n\u00f6rdlich und 250 Seemeilen westlich vom Kap Hoorn \u2013 vermuten wir dort noch unverf\u00e4lschte Natur mit reichem Tierleben.<\/p>\n<p>Drei\u00dfig Seemeilen sind es bis zur Isla Noir, also nur ein kleiner Tagest\u00f6rn. Der allerdings hat es in sich, laut Alberto M. De Agostini, 1924: &#8222;Zwischen der K\u00fcste und der Schwarzinsel (Isla Noir)&#8230; dehnt sich eine Kette von klippenreichen Untiefen, welche die Strecke im Verein mit dem W\u00fcten des Meeres und der Winde \u00fcberaus gefahrvoll machen. Kein Schiff wagt dort eine Durchfahrt. Es ist das unbestrittene Reich der Seel\u00f6wen und der in Legionen hier lebenden Pinguine. Wohl landen zuweilen Robbenj\u00e4ger, doch viele sind es nicht, die wiederkehren und ihre tollk\u00fchnen Abenteuer berichten k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Wir haben zun\u00e4chst fantastische Sicht und k\u00f6nnen unser Ziel schon von weitem erkennen. Mittags tr\u00fcbt es sich stark ein, die Luft wird immer schw\u00fcler, der Wind nimmt kontinuierlich zu. Eine Aufgleitfront? Ein Blick auf die abknickende Barokurve best\u00e4tigt den Verdacht. Wir behalten den Kurs bei, reffen aber vorsorglich. Die Sonne ist nur noch als fahle Scheibe zu erkennen, die Inseln um uns herum verschwinden im Dunst. Eine hohe Altsee aus S\u00fcdwest fordert erste Opfer der Seekrankheit. Als wir den Nordostzipfel der Insel zu fassen bekommen, hat sich der Wind bereits zum Sturm ausgewachsen. Die Ankerbucht Rada Noir, die in der einzig erh\u00e4ltlichen Spezialkarte dieser Insel eingezeichnet ist und die wir ansteuern, erweist sich als v\u00f6llig ungeeignet f\u00fcr die <em>Freydis<\/em>: viel zu ausgesetzt und tief, fast offenes Meer, \u00fcberall wei\u00dfe Schaumkronen. Nur gro\u00dfe Schiffe k\u00f6nnen hier einen gewissen Schutz vor Winden aus Nordwest bis S\u00fcdwest finden. Eskortiert von Pinguinen, Kormoranen, Seeschwalben und Albatrossen hangeln wir uns an der Felsk\u00fcste entlang und halten konzentriert Ausschau nach blinden Klippen, die sich oft nur durch brechende Seen verraten, vor allem aber nach einem geeigneten Schlupfloch. Wir entdecken eine kleine Einbuchtung mit Sandstrand, wagen uns aber ohne Detailkarte und Beschreibung nicht durch ihre schmale, von hoher Brandung ges\u00e4umte Einfahrt. Die Spezialkarte zeigt noch eine gr\u00f6\u00dfere Bucht im S\u00fcdwesten, die sich zirka eine Meile ins Inselinnere zieht, davor lauern jedoch viele Untiefen. Trotzdem steuern wir sie an, in der Hoffnung, mit hochgeholtem Kiel in die Bucht einlaufen zu k\u00f6nnen. Als wir ankommen, hat der Wind so zugelegt, dass wir selbst unter voller Motorkraft nicht mehr weiterkommen. Uns bleibt keine Wahl: Wir m\u00fcssen in die Bucht.<\/p>\n<p>Eine felsengespickte Einbuchtung voller Brecher wird sichtbar, eine Art Vorhafen zur inneren Lagune. Hinter einer schmalen Flaschenhals\u00f6ffnung winkt in etwa einer Meile Entfernung ein goldgelber Sandstrand am Fu\u00dfe gr\u00fcner H\u00fcgel: Dort zu ankern w\u00e4re ideal. Vorsichtig arbeiten wir uns vor, \u00fcberall ragen kelpbewachsene Felsklippen aus dem Wasser. Das Sturmgeheul und das Donnern und Br\u00fcllen der sich an den nahen Felsen brechenden Seen zerren an unseren Nerven. Erich steht auf dem Deckshaus, um besseren \u00dcberblick zu haben, ich am Ruder. Doch es hilft nichts, es kommt, wie es kommen muss: Nachdem wir uns an einigen Klippen erfolgreich vorbeigeschl\u00e4ngelt haben, kracht es! Die <em>Freydis<\/em> zittert und sitzt fest, kommt mit der n\u00e4chsten B\u00f6 aber wieder frei. Wir nehmen einen neuen Anlauf und versuchen unser Gl\u00fcck an anderer Stelle. Ich w\u00fcrde mich gern in eine Schiffsecke fl\u00fcchten, mir Augen und Ohren zuhalten. Doch bevor ich den Gedanken zu Ende denken kann, kracht es wieder, diesmal noch heftiger. In voller Fahrt schiebt sich das Schiff auf eine blinde Klippe und kommt nicht mehr frei.<\/p>\n<p>Immerhin sind wir fast in der Bucht. Durch Klippen und Kelp ist der Schwell gebremst, sodass er uns nicht mehr viel anhaben kann. Erich stellt den Motor ab, damit das vom Propeller klein gehackte Kelp nicht die Zuleitung zur Auspuffk\u00fchlung verstopft. Unsere Chancen, in absehbarer Zeit aufzuschwimmen, stehen schlecht: Die Gezeitentafeln verraten, dass wir im Mittagshochwasser aufgelaufen sind. Das n\u00e4chste Hochwasser ist in der Nacht zu erwarten. Aufgrund einer Anomalie wird das Wasser etwas h\u00f6her auflaufen als mittags. Au\u00dferdem wird sich die Springtide \u2013 wir haben Vollmond \u2013 st\u00e4rker bemerkbar machen. Dennoch: Bei Dunkelheit und Sturm aufzuschwimmen, ist alles andere als ein beruhigender Gedanke.<\/p>\n<p>Doch bis dahin ist es noch lange. Jetzt m\u00fcssen wir erst einmal das Schiff sichern. Hans und Sigi bringen mit dem Dingi zwischen zwei Sturmb\u00f6en Leinen zum Ufer aus und binden sie an Kr\u00fcppelb\u00e4umen fest. Zur Sicherheit ist das Dingi mit den beiden durch eine d\u00fcnne Leine mit der <em>Freydis<\/em> verbunden. Stunden sp\u00e4ter, gegen 18 Uhr, ist das Wasser so weit gefallen, dass der obere Teil des Felsens, auf dem die <em>Freydis<\/em> liegt, sichtbar wird. Der Sturm hat sich mittlerweile zum Orkan entwickelt. Das Boot zittert bei jeder B\u00f6. Der Puls ist bei allen deutlich erh\u00f6ht. Erich: &#8222;Ich wei\u00df, 25 Tonnen k\u00f6nnen nicht einfach wegwehen, aber ich habe trotzdem das Gef\u00fchl, die <em>Freydis<\/em> hebt gleich ab!&#8220; Unser Dingi hebt tats\u00e4chlich ab: Wie ein Drachen steigt es aus dem Wasser und schwebt, von der Festmacherleine gehalten, \u00fcber dem Cockpit. Nur mit M\u00fche kann es geb\u00e4ndigt werden. Alle Mann arbeiten fieberhaft. Wir sichern Sigi und Hans im Dingi mit einer Leine, w\u00e4hrend sie zus\u00e4tzlich den Anker mit Kette auf der R\u00fcckseite der Klippe in einer Felsspalte verkanten. Inge, wie Odysseus am Mast festgebunden, ruft die heranrasenden B\u00f6en rechtzeitig aus, die am hoch gischtenden Wasser zu erkennen sind. Immer wenn sie ruft, werfen wir uns aufs Deck, und die beiden M\u00e4nner auf den Klippen klammern sich an die Kette.<\/p>\n<p>Eine Schreckensnacht liegt vor uns. Vor allem Erich steht unter Druck: Obwohl die Crew dem unerlaubten Inselabstecher zugestimmt hat, tr\u00e4gt er als Skipper doch die volle Verantwortung! Alle halbe Stunde steht er auf und h\u00e4lt Ausschau.<\/p>\n<p>Er malt sich aus, dass nach dem Frontdurchlauf \u2013 die Tiefs ziehen in dieser Region normalerweise rasch durch und wir rechnen bereits in der Nacht mit einer Winddrehung von Nordwest auf S\u00fcdwest \u2013 vielleicht noch st\u00e4rkere B\u00f6en einsetzen und entweder die Festmacherleine zum Land rei\u00dft oder der Anker aus der Spalte rutscht und wir auf die Klippen an Steuerbord geworfen werden. Wir w\u00fcrden dann zwar nicht in akute Lebensgefahr geraten und voraussichtlich w\u00fcrde auch die <em>Freydis<\/em> diese Karambolage \u00fcberstehen, aber wir k\u00f6nnten nie mehr aus eigener Kraft tieferes Wasser erreichen, m\u00fcssten Hilfe anfordern, mit Strafen rechnen, auf jeden Fall w\u00e4re die Reise zu Ende!<\/p>\n<p>Das Wasser kommt fr\u00fcher als erwartet zur\u00fcck. Logbuch: Um 01.00 Uhr nachts schwimmen wir auf, h\u00e4ngen nun vor Anker mit 30 Metern Kette und 30 Metern 25-mm-Ankertrosse sowie an der Schwimmleine zum Ufer. Wind aus Nordwest mit zw\u00f6lf Beaufort. 02.00 Uhr: Der Orkan hat vor\u00fcbergehend etwas nachgelassen, seine Richtung aber nicht ge\u00e4ndert und legt nun wieder zu. Das Baro f\u00e4llt und f\u00e4llt.<\/p>\n<p>02.30 Uhr: Wir verl\u00e4ngern die Ankerkette um weitere 30 Meter, da wir der Leine nicht mehr trauen. Temperatur deutlich k\u00e4lter, richtiger Sturz.<\/p>\n<p>Obwohl wir alle unter Anspannung stehen, bleibt unser Umgangston doch sehr freundschaftlich. Besonders Hans mit seiner lockeren Art hellt die Stimmung auf. Ihm scheint jede Strapaze recht, wenn er nur ums Kap Hoorn kommt. Das wollen auch unsere beiden Psychologinnen, denen die Unsicherheit zwar sichtlich zusetzt, die aber besonnen mit der Situation umgehen. Sigi, von Natur aus ein ruhiger Typ, l\u00e4sst sich wenig anmerken, w\u00e4hrend Inge oft still vor sich hin weint. Sp\u00e4ter schreibt sie ein Gedicht \u00fcber diese Tage:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Sturm, heulend,<br \/>\nunertr\u00e4glich sich steigernd,<br \/>\nwerde ich klein unter ohnm\u00e4chtiger Angst.<br \/>\nSchutzsuchend an deiner Schulter,<br \/>\nweggesto\u00dfen durch deine eigene Angst,<br \/>\nergebe ich mich und weine.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Noch wissen wir nicht, dass zu diesem Zeitpunkt auch Lona, Nils und Carsten mit ihrer <em>Celtic<\/em> nicht weit von uns entfernt auf einem Ankerplatz in den feuerl\u00e4ndischen Kan\u00e4len in schwere Bedr\u00e4ngnis geraten sind. Verzweifelt k\u00e4mpfen sie gegen eine Strandung ihres Schiffes, wobei ihnen der Sturm den Windgenerator aus der Halterung rei\u00dft. Sie sind so geschockt, dass sie anschlie\u00dfend ihre geplante Kap Hoorn-Umrundung nicht vollenden, sondern auf k\u00fcrzestem Weg an der argentinischen K\u00fcste entlang nach Norden segeln.<\/p>\n<p>Der Blick hinaus in die Nacht offenbart ein brodelndes Chaos hoch aufsch\u00e4umender Wassermassen. Wehe dem, der jetzt drau\u00dfen auf See ist! Der Wind hat seine Richtung noch immer nicht ge\u00e4ndert, v\u00f6llig atypisch f\u00fcr diese Region. Im Nachhinein sind wir geradezu dankbar, dass wir bei dem Orkan hoch und trocken sa\u00dfen \u2013 wer wei\u00df, was sonst alles passiert w\u00e4re.<\/p>\n<p>Am Morgen dann etwas Sonne, blauer Himmel. Ab und zu besucht uns ein mutiger Magellanpinguin am Boot. Ger\u00e4dert von dem st\u00e4ndigen Sturm, der nun auch noch mit Hagel- und Regeng\u00fcssen aufwartet, schlafen wir abwechselnd \u00fcber Tag. Erst gegen Abend sind wir wieder alle ansprechbar. Hans und Sigi bringen eine weitere Leine an Land aus. Inge findet das Sturmgeheul unertr\u00e4glich. Um sich abzulenken, r\u00e4umt sie die Komb\u00fcse auf und kocht uns eine warme Suppe. Das Baro f\u00e4llt weiter. Die n\u00e4chste grauenvolle Nacht naht.<\/p>\n<p>Vollmond hinter schwarzen, dahinjagenden Wolkenfetzen, Sturmgeheul, Brandungsget\u00f6se, prasselnde Hagelschauer und immer noch diese entsetzlichen Hammerb\u00f6en, die unsere <em>Freydis<\/em> wie ein Spielzeugschiffchen auf die Seite packen. Die Front scheint uns zwar endlich passiert zu haben, der Wind hat auf West gedreht, doch die Festmacherleinen bleiben zum Zerrei\u00dfen gespannt. Geben sie dem Druck nach, sitzen wir sofort auf den Felsen, die \u00fcberall um uns herum auf der Lauer liegen.<\/p>\n<p>Dicht gedr\u00e4ngt sitzen wir am Morgen im offenen Deckshaus, das uns gegen Wind und Regen sch\u00fctzt und doch unmittelbar am Geschehen unserer Umgebung teilhaben l\u00e4sst. Ein Skuap\u00e4rchen be\u00e4ugt neugierig unseren Fr\u00fchst\u00fcckstisch und bem\u00fcht sich, im Flug die zugeworfenen Brocken aufzuschnappen. Aber die B\u00f6en machen selbst den Experten einen Strich durch die Rechnung: Brocken und Skuas landen meist im Wasser. Aus dem Kelpg\u00fcrtel am Eingang taucht immer wieder ein riesiger schwarzer Kopf mit gro\u00dfen Kulleraugen auf. Erich warnt die Damen in der Achterkammer vor dem &#8222;Spanner&#8220;, der sich bald darauf als kapitaler Seel\u00f6wenbulle enttarnt. Wir taufen ihn Oskar. Die zwei Seeotter \u2013 Max und Moritz \u2013 scheinen uns dagegen gar nicht wahrzunehmen, so unbek\u00fcmmert frech spielen sie auf den umliegenden Klippen Fangen. Und die scheuen Dampfschiffenten halten sowieso auf Diskretion. &#8222;Es ist hier wie im Zoo, nur dass wir die Eingesperrten sind&#8220;, freut sich Inge, sichtlich aufgemuntert von den tierischen Attraktionen.<\/p>\n<p>Mit einer Miene, die &#8222;Miss Marple&#8220; gut zu Gesicht gestanden h\u00e4tte, erkl\u00e4rt Elisabeth beim Nachmittagstee: &#8222;Oskar ist ein Massenm\u00f6rder!&#8220; Und dann sehen wir es mit eigenen Augen: Im Kelpdickicht des Buchteinganges lauert er Pinguinen auf, schnappt sie, schl\u00e4gt sie aufs Wasser und frisst einige seiner Opfer. Die anderen \u00fcberl\u00e4sst er \u2013 tot oder lebendig \u2013 einer Meute von Riesensturmv\u00f6geln, die das Schlachtfest vollenden. Max und Moritz genie\u00dfen w\u00e4hrenddessen &#8222;Brotzeit&#8220; auf Otternart: Auf dem R\u00fccken im Wasser schwimmend, knacken sie die vom Grund heraufgeholten Muscheln zwischen den Pfoten und schl\u00fcrfen und lecken sie aus.<\/p>\n<p>Gegen Abend dieses zweiten Tages setzt sich die Sonne durch und die B\u00f6en lassen nach. In die Mannschaft kommt Leben. Freudig r\u00fcsten wir alle zum ersten Ausflug an Land: Ein Spaziergang wird es nicht. Der Boden ist aufgeweicht und glitschig, Gras und B\u00fcsche bilden einen dichten Minidschungel und jeder Schritt kostet Kraft. Einer von uns versackt in einem Loch, ein zweiter f\u00e4llt auf den Bauch, ein dritter auf den R\u00fccken. Ein paar Graurallen schauen unseren l\u00e4cherlichen Insel-Enterversuchen gelassen zu. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir aufgeben und uns stattdessen am steilen, felsigen Ufer entlanghangeln. Ein Otter zeigt uns zwar, wie&#8217;s gemacht wird \u2013 aber der steckt auch nicht in voller Segelmontur! Dass sich die Magellanpinguine auch nicht geschickter anstellen, schafft Sympathie. Einer stolpert sogar \u00fcber Elke, die sich zu einer Verschnaufpause in die Sonne gelegt hat. W\u00e4ren doch alle Hindernisse so weich! Trotzdem kehren wir fr\u00f6hlich und begl\u00fcckt vom gemeinsamen Erlebnis bei einbrechender Dunkelheit zur\u00fcck an Bord. Das Baro bleibt im Keller. Die Nacht \u00fcber und auch den ganzen n\u00e4chsten Tag wechselhaftes Wetter mit Sturm- und Hagelb\u00f6en sowie sintflutartigen Regenf\u00e4llen. Lufttemperatur mittags im Cockpit +3 \u00b0C: Hochsommer in Feuerland!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Hans und Inge es vorziehen, an Bord zu bleiben, wagen wir wieder einen Landausflug, diesmal zur anderen Seite der Bucht. Dort stecken wir allerdings auch nach 50 Metern im mannshohen Gestr\u00fcpp fest. Von wegen zur Au\u00dfenseite wandern und dort wie verhei\u00dfen zu den Kolonien von Felsenh\u00fcpferpinguinen, Sturmv\u00f6geln und Albatrossen! Nur der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt: Die Silhouette im S\u00fcdwesten der Insel erinnert an eine gro\u00dfe Burg mit hohem Turm und Kuppeln \u2013 oder vielleicht doch eher an Alcatraz? Auf der R\u00fcckfahrt werden wir in die raue Wirklichkeit zur\u00fcckgeholt: Wegen des vielen Kelps l\u00e4sst sich der Au\u00dfenborder nicht einsetzen, mit den Riemen aber kommen wir nicht gegen den Wind an. W\u00e4hrend der B\u00f6en m\u00fcssen wir uns mit aller Kraft an den Kelpstr\u00fcnken festklammern, um nicht geradewegs aus der Bucht hinaus aufs offene Meer geblasen zu werden. &#8222;Hans w\u00e4re bestimmt sauer, wenn wir jetzt ohne ihn ums Kap Hoorn gehen!&#8220;, br\u00fcllt Elisabeth, halb lachend, halb weinend, gegen den Wind an. Als die B\u00f6 endlich nachl\u00e4sst, rudern wir eilig zur\u00fcck zum Ufer. Es bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als das Dingi in einem langen, anstrengenden Marsch am Ufer entlang nach Luv zu treideln. Die Nacht bricht schon herein, als wir von dort, fast ohne Kurskorrektur, zur <em>Freydis<\/em> zur\u00fccktreiben. Hans und Inge haben sich bereits Sorgen um uns gemacht. Einsatzbereit stehen sie mit dem &#8222;Lasso&#8220; an der Reling, um uns notfalls einzufangen. Aber die Peilung stimmt. Hans freut sich, dass wir seine M\u00fctze, die ihm nachts vom Kopf geweht ist, an Land wiedergefunden haben. Erich behauptet steif und fest, er habe sie Oskar abgenommen.<\/p>\n<p>Am 16. Januar, nach vier st\u00fcrmischen Tagen in der Bucht, hat sich der Wind so weit gelegt, dass wir beschlie\u00dfen auszulaufen. Wir klaren das Boot auf und sammeln Anker, Kette und Festmacherleinen ein. Als wir die <em>Freydis<\/em> zwischen den Stolpersteinen hindurchlavieren wollen, setzt uns die Str\u00f6mung gleich wieder auf einen drauf. Zum Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir sie mithilfe einer zum Ufer ausgebrachten Leine rasch herunterwinschen. Dann kehren wir der Orkanbucht den R\u00fccken.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen empf\u00e4ngt uns gewaltiger Seegang und eine Mordsbrandung an der K\u00fcste, von der wir so schnell wie m\u00f6glich sicheren Abstand zu gewinnen suchen. Das Baro krebst noch immer auf 987 Hektopascal herum, Tendenz leicht fallend. Starkwind und Regenb\u00f6en lassen uns keine Ruhe. Unter Gro\u00df und ausgebaumter Genua segeln wir zur\u00fcck ins offizielle Fahrwasser der Kan\u00e4le Feuerlands, zun\u00e4chst in den Brecknock-Sund. An dessen Ende finden wir einen Ankerplatz im Schutz einer kleinen Insel. Nach einem gem\u00fctlichen Nachtessen unter Deck \u2013 auch der Skipper hat sich zur Entspannung ein paar Bier genehmigt \u2013 orgeln pl\u00f6tzlich wieder einmal Fallb\u00f6en von solcher St\u00e4rke auf uns herab, dass die Ankerkette nicht aufh\u00f6rt zu rumpeln. Erich st\u00fcrzt den Niedergang hoch, sieht durch die Finsternis eine Klippenwand auf sich zukommen und br\u00fcllt: &#8222;Anker auf!&#8220;, z\u00fcndet den Motor und schl\u00e4gt das Ruder ein. Jeder Handgriff sitzt \u2013 die Crew ist nicht umsonst durch die harte Isla-Noir-Schule gegangen! Binnen weniger Minuten tasten wir uns, noch immer angespannt, langsam unter Maschine und mit Scheinwerferlicht aus dem ungastlichen Ort in den Paso Aguirre hinein. Wie oft haben wir so etwas in Feuerland nun schon erlebt oder von anderen Yachten geh\u00f6rt! Mit gen\u00fcgend Kette glaubt man sicher zu liegen, und dann hat der Anker auf den kelp\u00fcberzogenen, glitschigen Felsen \u00fcberhaupt nicht gefasst und beim ersten Williwaw beginnt das Schiff zu treiben.<\/p>\n<p>Von dubiosen Ankerpl\u00e4tzen haben wir die Nase endg\u00fcltig voll und segeln trotz M\u00fcdigkeit die ganze Nacht durch. Im Brazo Noroeste, dem n\u00f6rdlichen Arm des Beagle-Kanals, in dem die in die Darwin-Kordillere einschneidenden Fjordarme alle vor imposanten Gletscherzungen enden, f\u00fchlen wir uns schon beinahe heimisch, so oft haben wir ihn besucht, und jedes Mal zieht es uns mit Macht wieder dorthin. Schon Darwin war von dieser Szenerie fasziniert: &#8222;Die hohen Berge an der n\u00f6rdlichen Seite bilden das R\u00fcckgrat des Landes und steigen k\u00fchn bis zu einer H\u00f6he von drei- bis viertausend Fu\u00df an, mit einem Pik von \u00fcber sechstausend Fu\u00df. Sie sind mit einem Mantel ewigen Schnees bedeckt, und zahlreiche Wasserf\u00e4lle ergie\u00dfen das Wasser durch die W\u00e4lder in die schmalen Kan\u00e4le darunter.&#8220;<\/p>\n<p>Wir biegen ab in unseren mehrfingrigen Lieblingsfjord zwischen Seno Ventisquero Espa\u00f1a und Seno Ventisquero Romanche. In der Karte tr\u00e4gt er noch immer keinen Namen, obwohl wir ihn doch schon vor zehn Jahren &#8222;Seno Freydis&#8220; getauft haben! Wenigstens werden wir durch eine Abordnung von Seel\u00f6wen begr\u00fc\u00dft, die auf einem glatt polierten Felsen am Ende einer Barre Posten bezogen haben \u2013 wenn auch in gewohnt kaltschn\u00e4uziger Manier. An den Ufern und Felssimsen wachsen schlanke Buchen, Zypressen und Myrten, und tief im Inneren verzaubert das glei\u00dfend wei\u00dfe, von Nebelschwaden geheimnisvoll verschleierte Nirwana einer gewaltigen Gletscherzunge die Landschaft ringsum.<\/p>\n<p>V\u00f6llig ersch\u00f6pft fallen wir in einen tiefen Schlaf. Nur Hans findet keine Ruhe, kann diese sch\u00f6ne kleine Bucht \u2013 unser Ankerplatz liegt in einer lauschig gr\u00fcnen Nische mit Strand und Wasserfall \u2013 nicht so recht genie\u00dfen. Er bangt um seine Kap Hoorn-Umsegelung. Durch das Forte im Ancon sin Salida und das Fortissimo auf der Isla Noir ist die Zeit weggelaufen und die Fahrt zu dem ber\u00fcchtigten Felsen am s\u00fcdlichen Zipfel Amerikas kaum noch zu schaffen. &#8222;Was soll ich meinen Enkeln erz\u00e4hlen?&#8220;, jammert er und entr\u00fcstet sich, als Erich ihm ersatzweise die Kap-Bilder fr\u00fcherer Reisen anbietet: &#8222;Sie sollen nicht mit einer Url\u00fcge aufwachsen!&#8220;<\/p>\n<p>Da kommt mir eine Idee: Vor 16 Jahren haben wir auf der R\u00fcckreise von der Antarktis eine Abk\u00fcrzung zum Beagle-Kanal gew\u00e4hlt, und zwar durch den engen Murray-Kanal. Erst viel sp\u00e4ter haben wir erfahren, dass das nicht erlaubt ist. Dieser Wasserweg ist von den Chilenen f\u00fcr alle ausl\u00e4ndischen Schiffe gesperrt worden, eine Ma\u00dfnahme, die wohl vor allem die Argentinier treffen sollte, mit denen die Chilenen sich in dieser Region jahrzehntelang um Grenzen und Inseln gestritten haben und denen dadurch der direkte Zugang zum offenen Meer verwehrt ist. Doch wer sagt uns, dass das immer noch so ist? In der Karte l\u00e4sst sich jedenfalls kein entsprechender Vermerk finden. Der Weg ums Kap Hoorn lie\u00dfe sich auf diese Weise erheblich verk\u00fcrzen.<\/p>\n[&#8230;]\n<div class=\"su-button-center\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/wilder-stiller-ozean\/#kaufen\" class=\"su-button su-button-style-default su-button-wide\" style=\"color:#111;background-color:#febd69;border-color:#cc9854;border-radius:5px\" target=\"_self\" title=\"Buch kaufen\"><span style=\"color:#111;padding:7px 20px;font-size:16px;line-height:24px;border-color:#ffd196;border-radius:5px;text-shadow:none\"><i class=\"sui sui-book\" style=\"font-size:16px;color:#111\"><\/i> Buch kaufen<\/span><\/a><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/wilder-stiller-ozean\/\">Zur Buchvorstellung<\/a> \u00a0\/\/ <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\/\">Zur Buchserie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Buchvorstellung \u00a0\/\/ Zur Buchserie Leseprobe aus Kapitel 12 &#8222;Feuerland&#8220;: n Puerto Natales r\u00fcsten wir uns f\u00fcr die bevorstehenden Wochen. 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