{"id":7490,"date":"2022-04-25T19:25:15","date_gmt":"2022-04-25T18:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=7490"},"modified":"2022-04-25T19:27:12","modified_gmt":"2022-04-25T18:27:12","slug":"2020-trans-ocean-segelvita-wer-weiss-ob-die-passatwinde-wehen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/2020-trans-ocean-segelvita-wer-weiss-ob-die-passatwinde-wehen\/","title":{"rendered":"2020 &#8211; Trans-Ocean: Segelvita &#8211; Wer wei\u00df, ob die Passatwinde wehen?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Portr\u00e4t Heide &amp; Erich von Kirsten P.- Gunkel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Jubil\u00e4um der besonderen Art: 50 Jahre gemeinsam durch Dick und D\u00fcnn.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wollte immer einen Mann mit Boot\u201c, erinnert sich Heide Wilts noch heute mit einem strahlend-verschmitzten L\u00e4cheln im Gesicht, bei dem sich schon erahnen l\u00e4sst, wie es zu dem gro\u00dfen Funkenschlag damals vor inzwischen 50 Jahren auf einer kleinen ostfriesischen Insel kam: Ein Strandspaziergang im Bikini am Inselende von Norderney in totaler Einsamkeit. Blick nach unten, Muscheln sammeln. Dann ein Boot, eine Jolle, ein junger Mann. Sie bemerkt ihn nicht \u2013 die Muscheln verlangen ganze Aufmerksamkeit. Er bemerkt sie durchaus. Und er interessiert sich pl\u00f6tzlich auch f\u00fcr Muscheln, findet aber nur einen Babyschnuller. \u201eSuchen Sie so etwas auch?\u201c Heide lacht, verneint &#8211; nimmt aber dann seine Einladung zu einer Partie mit seiner Einmannjolle auf die Nordsee hinaus an. Er war aufgeregt, f\u00e4hrt eine Patenthalse, ihr knallt der&nbsp;Baum&nbsp;an den Kopf. Dann l\u00e4uft das Boot auf Grund. Er rei\u00dft intuitiv das Schwert hoch ohne zu beachten, dass sie rittlings auf dem Schwertkasten sitzt. Dann tranken sie vor seinem Zelt in der Mulde der \u201eRattend\u00fcne\u201c den starken Ostfriesen Tee. \u201eDabei mag ich doch gar keinen Tee\u201c, l\u00e4chelt Heide \u00fcber das eigene Drehbuch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde sp\u00e4t, die Tide lief weg. Erich verbringt die Nacht in seiner Jolle auf einer Sandbank im Watt &#8211; gl\u00fccklich \u00fcber eine Verabredung in zwei Wochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet dann der erste Herbststurm Mitte September auf der Nordsee. Unter Lebensgefahr hat sich Erich mit der Jolle auf den Weg gemacht. Kurs Norderney, durchs Wattenmeer zur Insel, auf der Heide als junge \u00c4rztin in der Klinik arbeitet. Klitschnass steht er nach stundenlangem Marsch \u00fcber die n\u00e4chtliche Insel im Eingang des Golfhotels. \u201eJunge, wo kommst Du denn her?\u201c, fragt der Besitzer. \u201eVon dr\u00fcben, vom Festland.\u201c, \u201eBei dem Sturm?\u201c, ungl\u00e4ubiges Staunen, dann ein Anruf in der Klinik. Kurze Fahrt im alten K\u00e4fer, \u201eMein einziger Besitz damals\u201c, erinnert Heide.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sie erz\u00e4hlen, steuern ihre H\u00e4nde, Erichs linke, Heides rechte, zielstrebig aufeinander zu. H\u00e4ndchenhalten nach 50 Jahren und dabei in Erinnerungen schwelgen, beider Mimik spricht f\u00fcr sich und dabei vor allem vom gemeinsamen Wir. Viel haben die Ausnahmesegler in ihrem gemeinsamen Seglerleben erlebt und ausgestanden, doch das gr\u00f6\u00dfte Abenteuer scheint noch immer auf Norderney stattgefunden zu haben, damals w\u00e4hrend der Strandspazierg\u00e4nge, Sturmfluten und st\u00fcrmischen Segelfahrten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie geh\u00f6ren zusammen und erg\u00e4nzen sich, so wie jetzt, w\u00e4hrend sie von damals erz\u00e4hlen. Einer oder eine \u00fcbernimmt das Wort des anderen, der anderen, erg\u00e4nzt, f\u00fcgt hinzu, gibt wieder ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erich: \u201eMit 27 war ich mir eigentlich sicher gewesen, dass ich die Richtige nicht mehr finden w\u00fcrde.\u201c Sp\u00e4tes Gl\u00fcck Ende der 1960er-Jahre! Denn DIE Richtige hatte er gefunden und sie das Pendant dazu, den Richtigen.&nbsp;Schon ein halbes Jahr sp\u00e4ter heirateten sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sieht und sp\u00fcrt man auch heute noch, wenn die promovierte \u00c4rztin und der Betriebswirt, dessen Zukunft eigentlich auf die \u00dcbernahme des elterlichen Betriebes programmiert war, von damals erz\u00e4hlen, vom Kennenlernen, vom Planen, vom Entscheiden, vom Segeln, Losfahren und von ihren Abenteuern. Er der Segelbegeisterte, der nicht ohne sein Meer sein konnte und den es auch w\u00e4hrend norddeutscher Herbstst\u00fcrme noch aufs Wasser zog, und sie, die die See ebenfalls schon lange liebte, damals aber weder Luv noch Lee kannte. Das sollte sich schnell \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Heide wird erst einmal ins kalte Wasser geworfen, zwar mit schwimmendem Untersatz, aber ohne doppelten Boden. \u201eEigentlich bin ich in der ersten Zeit nur mitgesegelt, doch eines Tages sa\u00df ich schon vor Erich im Finn-Dinghy. Da hat er dem Boot einen kr\u00e4ftigen Sto\u00df versetzt und gerufen: \u2018So, jetzt fang mal an zu segeln!\u2018 Ich habe geschimpft wie ein Rohrspatz\u201c, erinnert sich Heide an ihre ersten selbstst\u00e4ndigen Schl\u00e4ge. Und davon musste sie jede Menge machen, denn Str\u00f6mung und Wind war ablandig, zur\u00fcck ans Ufer musste sie kreuzen. Es hat funktioniert, denn diese so unvorhergesehene Pr\u00fcfung, habe ihr schon vom ersten Augenblick an viel Sicherheit gegeben. Und schlie\u00dflich war sie es, die vorschlug ein Fahrtenschiff zu bauen: seet\u00fcchtig sollte es sein, solide und vor allem auch geeignet zum Trockenfallen im Watt. Binnen eines Jahres bauten die beiden ihre erste st\u00e4hlerne&nbsp;<em>Freydis<\/em>, 11.30 m lang, mit Schwenkkiel und 10mm starker Bodenplatte. Dann kam f\u00fcr Heide die Seefahrtsschule in Leer, Scheine wurden gemacht, der \u201eoffizielle\u201c Weg gegangen. \u201eSeitdem ist Heide unsere Navigatorin. Mit Sextant und Chronometer und an Hand von Tabellen haben wir damals zusammen die Positionen bestimmt.\u201c Das musste immer schnell gehen, denn beide leiden unter Seekrankheit \u2013 bis heute.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schwer vorstellbar, bei all den Abenteuern, die sie mit ihren&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;bestanden und den Revieren, die sie zusammen ersegelt haben. F\u00fcnfmal haben sie&nbsp;den&nbsp;Pazifik, zweimal den Indik, dreizehnmal den Atlantik \u00fcberquert; sechsmal waren sie in der Antarktis, mehr als zw\u00f6lfmal im Nordpolarmeer und ums Kap Hoorn ging es alles in allem dreizehnmal, von West nach Ost von Ost nach West, im Sommer und im Winter, bei Sturm und bei Flaute. \u00dcber 300.000 Seemeilen liegen in ihrem Kielwasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Die abgelegenen Reviere, die herausfordernden, geh\u00f6ren zu ihren Lieblingsregionen. Bei Erich, dem b\u00e4rtigen Wikinger, kann man sich das schon vorstellen. Aber bei Heide, die man so zart und schmal in fr\u00fcheren Jahren viel eher auf einem Ballettboden erwartet h\u00e4tte, als auf eisumschlossenen schwankenden Planken eines Segelschiffes?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die fremden, unentdeckten Regionen, die Einsamkeit abseits der ausgetretenen Pfade sind ihr Leben, wobei \u201eHeide schon eher die Wissenschaftlerin ist, immer auf der Suche nach besonderen Geschichten, nach Geschichte, Entdeckungen und Verkn\u00fcpfungen.\u201c \u201eJa, das stimmt wirklich, ich muss immer forschen, wie damals als ich&nbsp;Douglas Pitcairn, den Urururenkel von Robert Pitcairn \u2013 der hatte die nach ihm benannte Insel von der HMS Swallow&nbsp;als Erster gesichtet &#8211;&nbsp;am Chiemsee ausfindig gemacht habe.\u201c Er sei so fit gewesen, dass er mit seinen 92 Jahren immer noch jeden Tag im See baden ging. Was man sich bei den&nbsp;<em>Freydis-<\/em>Seglern durchaus auch vorstellen k\u00f6nnte. Doch bis dahin werden noch viele Jahre vergehen, so kommt es einem jedenfalls vor, wenn man sie von ihrem Leben erz\u00e4hlen h\u00f6rt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Douglas Pitcairn sollte die Begegnung mit Heide zu einem ganz besonderen Erlebnis f\u00fchren. Sein Leben lang hatte er davon getr\u00e4umt, diese Insel zu besuchen. Heide hatte einen guten Bekannten, Kapit\u00e4n Heinz Aye von der \u201eBremen\u201c oder \u201eHanseatic\u201c, den die beiden h\u00e4ufig trafen, wenn sich die Routen von \u201eGoliath\u201c und \u201eDavid\u201c kreuzten. Darauf angesprochen lud dieser den alten Herrn auf seinen Kreuzfahrer ein: Doch wer die Insel Pitcairn kennt oder von der abgelegenen S\u00fcdseeinsel gelesen hat, wei\u00df, dass sich oftmals das Wetter einer Anlandung entgegenstellt. Garantiert wird hier nichts. Auch dieses Mal nicht. Und so kam es, dass die Beiboote des Kreuzfahrers die Insel nicht anlaufen konnten. Soweit, so entt\u00e4uschend f\u00fcr die Passagiere und vor allem f\u00fcr Douglas. Doch als die Inselbewohner h\u00f6rten, wer da an Bord des Kreuzfahrers festsa\u00df, war klar, was geschehen musste. Der Bayer mit S\u00fcdseewurzeln wurde mit einem inseleigenen Longboat abgeholt und in riskanter Fahrt durch die Brandung auf die Insel seiner Tr\u00e4ume gebracht \u2013 Douglas Pitcairn hatte es geschafft, hatte sein Ziel erreicht \u2013 auch dank Heides Beharrlichkeit und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind ihre Geschichten, Geschichten, die sie oft unterwegs entdeckt &#8211; durch Recherchen in Universit\u00e4tsbibliotheken, wie etwa in Honolulu\/Hawaii oder Fairbanks\/Alaska, genauso wie in einsamen arktischen H\u00fctten, in Yachtclubs oder ganz unten versteckt in Stapeln oft gelesener B\u00fccher verstreut auf der ganzen Welt. Denn f\u00fcr die beiden hat das Segeln zwei Seiten: \u201eDie eine Seite ist der Sport und das Abenteuer, die andere ist der Stolz am selbst erreichten Ziel, das Einf\u00fchlen in fremde Kulturen, fremde Menschen und deren Geschichte und, ganz wesentlich, das Lebenselexir, das uns Wildnis und unber\u00fchrte Naturparadiese schenken. Mit ihren Recherchen w\u00fcrzt Heide mit wissenschaftlicher Akribie ihre Freude am Segeln, die f\u00fcr sie vor 50 Jahren am Strand von Norderney mit Erich begonnen hat, dem Ostfriesen, dem kein Sturm zu schwer, kein Regen zu nass war, um die Muschelsammlerin wiederzusehen und f\u00fcrs Segeln zu begeistern \u2013 erst auf der Nordsee, sp\u00e4ter auf allen Ozeanen der Welt. Auch wenn diese See oft ruppig und es nicht immer besonders gut meinte mit den Weltbeseglern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf&nbsp;f\u00fcnf- und sechsw\u00f6chigen&nbsp;Segelt\u00f6rns in der Biskaya und bis hinauf ins Nordmeer, folgte ein ganzes Jahr Auszeit von ihren Berufen, heute hei\u00dft das Sabbatical. Das erkl\u00e4rte Ziel der beiden war die Umrundung S\u00fcdamerikas mit einem Abstecher in die Antarktis und die Umrundung von Kap Hoorn. Dazu inspiriert wurden sie durch die B\u00fccher von Seglern wie dem Australier David Lewis (Icebird), den beiden Engl\u00e4nder H.W. Tilman und Tristan Jones (Gefangen im Eis), dem Franzosen Jerome Poncet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antarktis war damals ein unerh\u00f6rtes Ziel: Noch nie war eine deutsche Yacht dorthin gesegelt. Und der blo\u00dfe Gedanke einer Kap Hoorn Umrundung schien abwegig. F\u00fcr ihren Traum bauten sie extra ein neues Boot, noch gr\u00f6\u00dfer (14m lang) und solider: die&nbsp;<em>Freydis II<\/em>,&nbsp;eine modifizierte Reinke vom Typ Hydra, wieder mit Schwenkkiel. Ein Boot das&nbsp;f\u00fcr 33 Jahre und 248.000 Meilen ihr(e) Gef\u00e4hrt(in) werden sollte bis zu seinem Ende durch den Tsunami von Fukushima 2011 und dem anschlie\u00dfenden radioaktiven Outfall.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst aber klappte alles wie am Schn\u00fcrchen und ein Jahr sp\u00e4ter waren sie wieder zur\u00fcck in ihren Berufen. Aber sie hatten Blut geleckt. Neun Jahre sp\u00e4ter, mit 48 Jahren, hatten sie finanziell vorgesorgt. Der 30. April 1990 war f\u00fcr beide der letzte Tag in ihren b\u00fcrgerlichen Berufen, zw\u00f6lf Tage sp\u00e4ter waren sie erneut unterwegs. Diesmal war das Eis im Norden ihr Ziel. Doch Heide hatte einen wiederkehrenden Traum: \u201eEs war einfach schrecklich. Erich wurde darin von einem Eisb\u00e4ren angegriffen. Ich hatte zwar ein Gewehr, aber meine Finger waren viel zu kalt, um abzudr\u00fccken. Deshalb haben wir uns, statt der Eisb\u00e4ren, f\u00fcr die Pinguine entschieden.\u201c Es ging also wieder in die Antarktis, wo sie im Kratersee von Deception, den sie bereits neun Jahre zuvor schon besucht hatten, den Winter in einsamer Zweisamkeit verbringen wollten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das war der Einstieg in die Freiheit unter Segeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auf der anderen Seite war da auch die Vernunft, nicht dass man diese beim Segeln nicht brauchen w\u00fcrde, doch diesmal betraf sie das Land. Alles aufgeben, alles verkaufen, \u201enur noch\u201c auf dem Schiff leben? Erich h\u00e4tte nichts dagegen gehabt, doch Heide wollte ihren R\u00fcckzugsort in Deutschland behalten, falls etwas Unvorhergesehenes geschieht. Und es&nbsp;&nbsp;geschieht: Ein halbes Jahr sp\u00e4ter vernichtet ein Brand in Mar del Plata um ein Haar ihre&nbsp;<em>Freydis<\/em>, und nochmal ein halbes Jahr sp\u00e4ter strandet sie im Winter im Orkan, schl\u00e4gt leck und l\u00e4uft voll Seewasser und Eis. Die beiden \u00fcberleben sieben Monate in einer Noth\u00fctte. Mit gemeinsamer Anstrengung und einem unb\u00e4ndigen \u00dcberlebenswillen, haben sie auch diese wirklich brutale Herausforderung \u00fcberstanden und die&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>wieder flottbekommen. Und das im antarktischen Winter!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach neunmonatiger Reparatur der&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>mit Feuerlandindianern am Beaglekanal starten sie zur geplanten Antarktis-Umsegelung, wobei sie fast alle an ihrem Rande liegenden antarktischen und subantarktischen Archipele anlaufen. Naturgem\u00e4\u00df ist die Segelsaison in diesen Breiten&nbsp;&nbsp;sehr begrenzt. Sobald der S\u00fcdwinter nahte, mussten sie in w\u00e4rmere Gefilde ausweichen &#8211; eine willkommene Abwechslung, oft verbunden mit dem Besuch tropischer Inseln abseits aller Touristenstr\u00f6me. Die Umsegelung endete gut sieben Jahre sp\u00e4ter im M\u00e4rz 1998 wieder am Kap Hoorn. \u201eAus heutiger Sicht war es d i e `Reise unseres Lebens\u00b4\u201c, beteuert Heide. \u201eWir&nbsp;durften die Welt dort noch in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit und ihrer grandiosen Sch\u00f6nheit erleben. Die gnadenlose Grausamkeit haben wir nat\u00fcrlich auch nicht vergessen: die entsetzlichen St\u00fcrme, das Eis, die schneidende K\u00e4lte &#8211; jede Menge Attacken auf unser Leben. Aber wir haben all das bew\u00e4ltigt und darauf sind wir stolz. Ganz wichtig&nbsp;waren&nbsp;f\u00fcr uns dabei auch die menschlichen Kontakte auf wissenschaftlichen Stationen und auf Forschungsschiffen &#8211; noch heute, 25 Jahre danach, verbinden uns herzliche Freundschaften &#8211; und nat\u00fcrlich der Zusammenhalt in den Crews, auf vielen riskanten Etappen hatten wir Mitsegler und Freunde an Bord.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber noch einmal zur\u00fcck zum Anfang:&nbsp;Damals, 1990, als die beiden bereits abgelegt, ihre Jobs gek\u00fcndigt hatten, was Heide besonders schwerfiel, als Ober\u00e4rztin musste sie oft nachts raus oder blieb gleich in der Klinik. \u201eWir haben uns nur noch selten und viel zu kurz gesehen. Wir wollten mehr Zeit miteinander verbringen.\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben losgelassen f\u00fcr sich, f\u00fcr ihr gemeinsames Leben, an dessen Anfang die Muschelsuche stand und das sich auch heute noch mit der Suche nach dem Leben, der See, nach unentdeckten Inseln, nach geheimen Pl\u00e4tzen, nach Abenteuern und Erkenntnissen fortsetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es war nicht so einfach, wie es scheint. Es war nicht nur die Stelle in der Klinik, die aufgegeben werden musste, und damit die Sicherheit, die Kollegen, die Patienten, die Aufgabe. Nein, auch Erich musste sich entscheiden \u2013 Ja oder Nein. \u201eEin Ja f\u00fcr unser Leben auf See bedeutete auch der Verzicht aufs Erbe\u201c, erinnert er sich, scheinbar ganz ohne Gram. \u201eEs wurde uns nicht leicht gemacht, mein Vater handelte nach dem Motto \u2018Strafe muss sein\u2018, als preu\u00dfischer Offizier konnte er gar nicht anders.\u201c Es war eine schwere Entscheidung. Wie sie ausfiel, wissen wir und k\u00f6nnen sie dank all der spannenden, wissensreichen B\u00fccher, die Heide verfasst, und all der brillianten Fotos, die Erich geschossen hat, nachverfolgen und miterleben \u2013 detailliert und einf\u00fchlsam.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu lesen und zu erz\u00e4hlen gibt es viel, damals vor fast 30 Jahren, schon beim ersten Loslassen, das Feuer an Bord in Argentinien, die Strandung in der Antarktis, die Umrundung der Antarktis, das Anlaufen abgelegenster Inseln, die Kenterung im Orkan im S\u00fcdindik, die Havarien am Kap Hoorn, die Reise nach Japan, der Verlust der&nbsp;<em>Freydis II<\/em>&nbsp;im Tsunami vor Fukushima, die erneute Reise mit neuem Boot nach Japan und nach Alaska, die Durchquerung der Nordwestpassage (ganz ohne Eisb\u00e4renungl\u00fcck), die Rundung Gr\u00f6nlands von Polarkreis zu Polarkreis mit langen Gespr\u00e4chen mit Robert Peroni im Roten Haus in Tasiilaq und vielen Begegnungen mit den Inuit, und nat\u00fcrlich auch die S\u00fcdsee, die Expedition mit drei GEO-Teams durch Melanesien und immer wieder Kap Hoorn.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Segelleben zu zweit, ein gemeinsames Ablegen, Ankommen und immer wieder kr\u00e4ftiges Sch\u00fctteln, um nach einem Tiefschlag aufzustehen und weiterzumachen \u2013 f\u00fcr gemeinsame Zeit an Bord und an Land, dann wenn die&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>(inzwischen die dritte) wieder fit gemacht wird f\u00fcr den n\u00e4chsten T\u00f6rn. Nach ganz viel Nord-Eis wird dieser nun im Sommer erst einmal nach vielen Jahren wieder nach S\u00fcden f\u00fchren. N\u00e4chstes Ziel: Die Kanaren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es dann einmal mehr \u00fcber den Atlantik geht, wird sich zeigen. Es w\u00e4re dann das vierzehnte Mal, aber jedes Ablegen sei spannend und auch eine Atlantik\u00fcberquerung noch immer aufregend, auch wenn man nat\u00fcrlich inzwischen wisse, was zu tun sei und wie man sich vorbereiten m\u00fcsse. \u201eDas erste Mal ist zwar immer etwas Besonderes,\u201c sagt Heide, doch man wisse schlie\u00dflich nie, womit man rechnen m\u00fcsse, was genau auf einen zukommen werde. Es habe sich zwar in all den Jahren eine gewisse Routine eingestellt, doch jeder T\u00f6rn, jeder Schlag, jedes Ablegen und Aufbrechen sei immer wieder anders, immer wieder neu\u2026&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kirsten Panzer<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00e4sten (entnommen der SEGELVITA H+E V5 und gek\u00fcrzt)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstleistungen und besondere Reisen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1981\/1982 \u2013 Erster Vorsto\u00df einer deutschen Segelyacht in die Antarktis. W\u00e4hrend dieser Reise wird Heide Wilts zur ersten deutschen Yachtseglerin, die Kap Hoorn umrundet hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>1986 \u2013 Erste deutsche Segelyacht, die sich in den Scoresby-Sund, den gr\u00f6\u00dften Fjord der Erde, in Ostgr\u00f6nland wagt.<\/p>\n\n\n\n<p>1987 \u2013 Umrundung Spitzbergens im 2. Anlauf (1986 wegen Eis gescheitert)<\/p>\n\n\n\n<p>1991 Erste deutsche Segelyacht (und bisher einzige), die in der Antarktis \u00fcberwintert.&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;<em>II<\/em>&nbsp;strandete w\u00e4hrend eines Winterorkans im Kratersee von Deception, schlug leck und lief mit Seewasser und Eis voll. Heide und Erich Wilts \u00fcberleben in einer Noth\u00fctte und schaffen es, ihre&nbsp;<em>Freydis II<\/em>&nbsp;wieder zu reparieren.<\/p>\n\n\n\n<p>1990-1998 \u2013 Als zweite Yacht weltweit und erste deutsche gelang es der&nbsp;<em>Freydis II<\/em>&nbsp;die Antarktis zu umrunden, inklusive Besuch abgelegener Inseln und Archipele sowie einem Abstecher zum Rossmeer. Dr. Heide und Erich Wilts sind bis heute die einzigen Segler, die alle zu Neuseeland und Australien geh\u00f6renden subantarktischen Inseln angelaufen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>1998\/1999 \u2013 Expedition durch Melanesien gemeinsam mit einem Team des Magazins GEO. Laut GEO war es die \u201eaufw\u00e4ndigste Expedition in der Geschichte des Magazins.\u201c Die Reise f\u00fchrte zum Teil durch nicht kartographierte Seegebiete. Gestartet wurde im S\u00fcdwinter von Kap Hoorn aus.<\/p>\n\n\n\n<p>2007 &#8211; \u00dcber die Aleuten segeln sie durchs Beringmeer und die Beringstra\u00dfe in die Tschuktschensee und besuchen alle Inseln im Beringmeer.<\/p>\n\n\n\n<p>2017 \u2013 Durchquerung der Nordwestpassage von West nach Ost mit der neuen&nbsp;<em>Freydis III,&nbsp;<\/em>ebenfalls eine Reinke mit Schwenkkiel.<\/p>\n\n\n\n<p>2018 \u2013 Rundung Gr\u00f6nland vom westlichen Polarkreis um die S\u00fcdspitze herum zum \u00f6stlichen Polarkreis n\u00f6rdlich von Tasiilaq.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tiefschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1984 &#8211; Mastbruch auf ihrer Sommerreise \u201eEngland Rund\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1990 \u2013 Brand im Maschinenraum der Freydis II in Mar del Plata<\/p>\n\n\n\n<p>1991 \u2013 Strandung in der Antarktis<\/p>\n\n\n\n<p>1998 \u2013 Gegen Ende ihrer siebenj\u00e4hrigen Antarktisumrundung kommt es zur schweren Havarie in Diego Ramirez\/Drake Passage&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>11. M\u00e4rz 2011 Die&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;<em>II&nbsp;<\/em>wird nach 33 Segeljahren und 248.000 zur\u00fcckgelegten Seemeilen durch den verheerenden Tsunami in Japan aus der Iwaki-Sun-Marina \u00fcber alle Wellenbrecher hinweg aufs offene Meer gesp\u00fclt, anschlie\u00dfend strandet sie auf den Klippen von Onahama. Durch die Besch\u00e4digung des Kernkraftwerkes Fukushima kommt es zur radioaktiven Verstrahlung. Eine Bergung ist nicht mehr m\u00f6glich. Heide und Erich Wils befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf Heimaturlaub!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B\u00fccher von Heide+Erich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heide Wilts schrieb 10 Reiseb\u00fccher und gemeinsam verfassten Heide und Erich Wilts dazu noch vier Textbildb\u00e4nde. Eine \u00dcbersicht findet sich auf ihrer Homepage:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/buecher\">www.freydis.de\/wordpress\/buecher<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr werden dazu noch zwei weitere B\u00fccher \u00fcber ihre Erlebnisse und Erfahrungen in 160 St\u00fcrmen erscheinen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIM STURM &#8211; Segeln im Extremwetter, Band I: Strategie &amp; Taktik\u201c und \u201eIM STURM &#8211; Segeln im Extremwetter, Band II: Dramatische Tage\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auszeichnungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trans-Ocean-Preis 1981 und 2002; Trans-Ocean-Medaille 1981 und 2017; TO-Weltumseglerpreis 2002 und 2019; Schlimbach-Preis 1983; Goldener Kompass 1996, Ehren Award der Zeitschrift \u201eSegeln\u201c 2012 und dazu gab es von 1976 bis 1985 noch insgesamt zehn Plaketten der Kreuzerabteilung des DSV, die erste und die letzten sechs davon in Gold.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Portr\u00e4t Heide &amp; Erich von Kirsten P.- Gunkel Ein Jubil\u00e4um der besonderen Art: 50 Jahre gemeinsam durch Dick und D\u00fcnn.&nbsp; \u201eIch wollte immer einen Mann mit Boot\u201c, erinnert sich Heide Wilts noch heute mit einem strahlend-verschmitzten L\u00e4cheln im Gesicht, bei &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/2020-trans-ocean-segelvita-wer-weiss-ob-die-passatwinde-wehen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-7490","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7490"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7574,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7490\/revisions\/7574"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}