{"id":7523,"date":"2022-04-25T18:34:55","date_gmt":"2022-04-25T17:34:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=7523"},"modified":"2022-04-25T18:34:57","modified_gmt":"2022-04-25T17:34:57","slug":"2013-segelreporter-com-amphibisches-leben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/2013-segelreporter-com-amphibisches-leben\/","title":{"rendered":"2013 &#8211; Segelreporter.com: Amphibisches Leben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>SEGELREPORTER.COM<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Langfahrtsegler: Die Geschichte der Wilts und ihrer \u201cFreydis&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Amphibisches Leben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/segelreporter.com\/blogs\/langfahrtsegler-die-geschichte-der-wilts-und-ihrer-freydis\/\">06.12.2013<\/a>&nbsp;von&nbsp;<a href=\"http:\/\/segelreporter.com\/author\/erdmann\/\">Erdmann Braschos<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anl\u00e4sslich des neuen Buches \u00fcber die letzte Reise der \u201eFreydis II\u201c von Alaska nach Japan erinnert sich Erdmann Braschos an eine Begegnung mit dem ringsum gelassenen Blauwassersegler Erich Wilts, der gemeinsam mit seiner Frau mit dem dritten Schiff nach Australien segelte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keinen seltsameren Ort zur Begegnung mit dem Blauwassersegler Erich Wilts als die hektische Hamburger Innenstadt. Hier, an der Binnenalster wird an mancher roten Ampel allen Ernstes per Countdown die Wartezeit in Sekunden bis zum n\u00e4chsten 200 m Spurt angezeigt. Als ich den gro\u00dfen, ringsum gelassenen Mann das erste Mal sehe, denke ich an einen Werkkundelehrer, der als integre Pers\u00f6nlichkeit eine desinteressierte Kinder-Verwahranstalt mit wenigen Unterrichtsstunden in einen lebenswerten Ort verwandeln k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet in der Filiale einer nichtssagenden Kaffeekette sind wir verabredet. Nach der Begr\u00fc\u00dfung wird ger\u00e4tselt, wo wir uns mit unseren Bechern hinhocken k\u00f6nnten. \u201eNa, wo wir am wenigsten von diesem dauerfr\u00f6hlichen Gedudel hier bel\u00e4stigt werden\u201c rutscht es mir heraus. Die Kassiererin versteht das und gibt uns gleich eine Peilung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erz\u00e4hlt Wilts mitten in dieser hektischen, absurd k\u00fcnstlichen Plastikwelt mit leuchtenden Augen vom Segeln vor Alaska, vom Beringmeer und den Aleuten, wo er gerade herkommt. Wo der Pazifik einen langen Atem hat, es in der Wetterk\u00fcche dieser Breitengrade pl\u00f6tzlich st\u00fcrmt und so heftig weht, das man kaum aus dem Niedergang kommt. Wilts ist&nbsp;<em>hands on<\/em>, wie man im englischsprachigen Raum sagen w\u00fcrde. Ohne es zu betonen, klar und auf angenehme Weise geradeaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begegnung liegt eine Weile zur\u00fcck. Dennoch erinnere ich das etwa zweist\u00fcndige Gespr\u00e4ch, als w\u00e4re es gestern erst gewesen. Damals bereitete er sich gemeinsam mit seiner Frau Heide auf jene Reise von Alaska nach Japan vor, die mit dem Verlust der \u201eFreydis II\u201c endete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Staunen und Demut gelernt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viel ist passiert seitdem. Die Wilts segelten im Uhrzeigersinn die gro\u00dfe Runde um die n\u00f6rdliche Hemisph\u00e4re des Pazifik von Alaska s\u00fcdw\u00e4rts bis San Diego \u00fcber die Hawaii und Midway Inseln bis Japan, fanden in der Marina von Iwaki einen Liegeplatz und nahmen sich Zeit zur Erkundung Japans.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder bereiten sie w\u00e4hrend einer Bordlebenspause von Deutschland aus die Fortsetzung ihres T\u00f6rns \u00fcber die russische Halbinsel Kamchatka in den Norden vor. Erneut soll es in diese unwirtliche Gegend des Beringmeeres gehen, wo man das Wetter gut beobachten sollte, das Fahrtensegeln eine abenteuerliche Exkursionen ist und die entfesselten Elemente mit der st\u00e4bigen 25 Tonnen Slup Katz und Maus spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rei\u00dfende Gezeitenstr\u00f6me mit gef\u00e4hrlichem Seegang zwischen den Inseln, der Blick in den harten Alltag der Einheimischen, Begegnungen mit B\u00e4ren und die Ansteuerung schroffer Gletscher locken die Wilts mehr als komfortable Marinas, die Barfu\u00dfroute, der seglerische Mainstream. Es zieht die beiden immer wieder in jene Breitengrade, wo die Zivilisation ausfranst und in die Wildnis \u00fcbergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie segeln mit jener Begeisterung dorthin \u201edie Bergsteiger auf Gipfel treibt. Daf\u00fcr sind wir bereit Unw\u00e4gbarkeiten und Strapazen auf uns zu nehmen. Wir haben bei solchen T\u00f6rns das Staunen gelernt und eine Demut, die gl\u00fccklich und zufrieden macht. Solche Erlebnisse befriedigen zutiefst\u201c schrieb Heide Wilts einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sie ihre Ziele von langer Hand, mit cleverer Organisation und beharrlicher Vorbereitung verfolgen, wirken sie dabei ringsum gelassen. \u201eJeder nach seinem Gusto. Wem die Ostsee oder das Mittelmeer reicht, wunderbar\u201c meinte Wilts damals im Balzac.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Tsunami<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht vom 10. auf den 11. M\u00e4rz 2011 hat Heide Wilts im fernen Heidelberg einen Alptraum vom Verlust des Schiffes. Er wird mit dem Erdbeben und dem f\u00fcrchterlichen Tsunami Wirklichkeit, \u00fcberflutet die Ostk\u00fcste Japans teilweise, kostet vielen Menschen das Leben und l\u00f6st die Atomkatastrophe von Fukushima aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sog des Tsunami zerrt die \u201eFreydis\u201c zun\u00e4chst aus dem Hafen. Eine Woge sp\u00fclt sie unrettbar in die Felsen. Die Wilts haben mehr als einfach \u201enur\u201c ihr Schiff, sie haben ihre Arche, ihr schwimmendes Zuhause verloren, einen treuen Begleiter, mit dem sie durch dick und d\u00fcnn segelten, der ihnen einmal in S\u00fcdamerika ausbrannte und den sie vor Deception Island am Rand der Antarktis beinahe verloren h\u00e4tten, aber wieder flott machten.<\/p>\n\n\n\n<p>All das, den erlebnisreichen letzten gro\u00dfen T\u00f6rn der \u201eFreydis II\u201c von Alaska nach Japan, das Drama des verloren geglaubten, bald entdeckten, zun\u00e4chst rettbar geglaubten und schweren Herzens aufgegebenen Bootes<a href=\"http:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=1588\">&nbsp;schildert der soeben erschienene 230-seitige Band von Heide Wilts<\/a>. Das Buch ist im Ostfriesland-Verlag SKN erschienen. Es wird innerhalb Deutschlands kostenlos verschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Verlust ihres Schiffes haben die beiden Endsechziger nicht lange gez\u00f6gert und sich in einem Alter, wo die meisten l\u00e4ngst die Segel gestrichen haben oder aufh\u00f6ren, z\u00fcgig ihre dritte \u201eFreydis\u201c ausbauen lassen. Praktisch: das Kasko existierte in der gew\u00fcnschten Eisklasse. Damit sind sie seit 2012 unterwegs. Die Wilts halten einfach Kurs. Denn da ist ja noch die siebte Weltreise, die das sympathische Ehepaar weiter segeln m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre neue \u201eFreydis\u201c liegt derzeit in Bundaberg, das ist in der N\u00e4he von Brisbane an der Ostk\u00fcste Australiens. Von dort werden sie Anfang Januar ausgerechnet wieder in das gef\u00e4hrliche, von Seebeben und Tsunamis heimgesuchte Gew\u00e4sser Japans aufbrechen, um dann weiter nach Kamchatka und zu den Aleuten zu segeln. Dort, wo es noch ungem\u00fctlicher ist, als bei uns im Winter. Wo man beim Landgang auf Grizzlys achten muss. Wo es aber garantiert keine Ampeln mit Countdown bis zur Gr\u00fcnphase f\u00fcr den n\u00e4chsten 200 m Spurt und nat\u00fcrlich keine Kaffeeketten mit Muzak Musik gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wilts stillen einfach ihre Seenot. Noch ein paar Erledigungen in Heidelberg, ein paar Vortr\u00e4ge, Emails und Besorgungen, ein neuer Unterwasseranstrich, dann legen die segelnden Globetrotter wieder ab. Sie werden unterwegs 72 Jahre alt. Das neue Buch von Heide Wilts gibt Einblick in dieses beeindruckende Seglerleben. Empfehlens- und lesenswert!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Freydis III\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Reinke 16 M Ice Spezialversion, Konstruktion Kurt Reinke, Alu Rumpf und Deck gebaut von F. Benjamins in Emden, Ausbau M. Matzerath D\u00fcren, L\u00e4nge \u00fcber Alles 16,90 m, Rumpf 15,90 m, Breite 4,45 m, Tiefgang 2,60 \u2013 1,60 m, Verdr\u00e4ngung 28 t, acht Kojen in vier Kaj\u00fcten, 2000 l Diesel, 1.400 l Frischwasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonderheiten: ein um 15 cm erh\u00f6hter Freibord, gr\u00f6\u00dferer Ballastanteil (9,5 t Blei als Innenballast), dreifacher Boden und Schwenkkiel zum Trockenfallen, durchgehender Skeg zum Schutz von Ruder und Schraube, geschlossenes Deckhaus mit dicken Verbundglasscheiben, zus\u00e4tzliche Steckschotten zur Verriegelung des Niedergangs, deutlich \u00fcberdimensioniertes Rigg mit gek\u00fcrztem Mast, doppelte Spib\u00e4ume, lattenloses 50 qm Gro\u00df, 85 qm Rollgenua, 160 qm Passatbesegelung (zwei Genuas), 44 qm Rollfock, 20,50 qm Trysegel an separater Mastschiene, 165 qm Blister, 200 und 250 qm Spinnaker, marinisierter 126 PS Mercedes OM 366 Diesel (wie beim vorigen Schiff).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.freydis.de\/wordpress\">Weitere Informationen, auch zu Mitsegelgelegenheiten<\/a>&nbsp;unter blog.freydis.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SEGELREPORTER.COM Langfahrtsegler: Die Geschichte der Wilts und ihrer \u201cFreydis&#8220; Amphibisches Leben 06.12.2013&nbsp;von&nbsp;Erdmann Braschos Anl\u00e4sslich des neuen Buches \u00fcber die letzte Reise der \u201eFreydis II\u201c von Alaska nach Japan erinnert sich Erdmann Braschos an eine Begegnung mit dem ringsum gelassenen Blauwassersegler &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/2013-segelreporter-com-amphibisches-leben\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-7523","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7523"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7524,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7523\/revisions\/7524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}