{"id":7528,"date":"2022-04-25T18:42:25","date_gmt":"2022-04-25T17:42:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=7528"},"modified":"2022-04-25T18:42:29","modified_gmt":"2022-04-25T17:42:29","slug":"2002-yacht-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/2002-yacht-interview\/","title":{"rendered":"2002 &#8211; YACHT: Interview"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Interview Yacht&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heide + Erich Wilts<\/h1>\n\n\n\n<p>(1990 sind wir mit unserer 15-Meter-Stahlyacht Freydis aufgebrochen, um erst am Rand der Antarktischen Halbinsel zu \u00fcberwintern und dann \u00fcber dee Meere der S\u00fcdhalbkugel zu segeln. Aus unserem Lebenstraum drohte schon kurz nach dem Start ein Alptraum zu werden: Zun\u00e4chst brannte die Freydis vor Argentinien fast v\u00f6llig aus, sp\u00e4ter strandete sie im Krater von Deception Island, schlug&nbsp;&nbsp;leck und wurde vom Eis begraben. Wir richteten sie wieder her und segelten damit fast zehn Jahre lang rund um Kap Hoorn nach S\u00fcdafrika, zu den Kerguelen, nach Tasmanien und Neuseeland sowie im Rossmeer und in die S\u00fcdsee. )&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Reise in den Meeren der S\u00fcdhalbkugel und die Umrundung der Antarktis hat rund zw\u00f6lf Jahre gedauert. Kann man da eigentlich noch von einer \u201eReise\u201c sprechen?<\/p>\n\n\n\n<p>Heide: \u201eWohl nicht mehr. Es ist eher eine Art Lebensstil. Alles hat sich radikal ver\u00e4ndert, als wir vor 12 Jahren unsere Berufe aufgegeben haben und aufs Boot gestiegen sind. Bis dahin haben wir zwar auch einige recht ausgedehnte Segelreisen unternommen, aber sie waren zeitlich durch den Urlaub begrenzt gewesen. Lediglich 1980\/81 hatten wir uns f\u00fcr ein Jahr ausgeklinkt, um das erste Mal die Antarktis zu besuchen und rund S\u00fcdamerika zu segeln. Jetzt haben wir zwar noch einen festen Wohnsitz \u2013 ein Haus in Cuxhaven \u2013 aber der Steg davor ist seit Jahren verwaist.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201e Apropos Lebensstil: Wir haben wir unser Leben ge\u00e4ndert, aber nicht uns selbst: Auch f\u00fcr unser \u201eLeben auf See\u201c waren Aufgaben und Ziele f\u00fcr uns wesentlich: Zuerst die \u00dcberwinterung in der Antarktis zu zweit, dann die Umsegelung der Antarktis mit dem Besuch fast aller an ihrer Peripherie liegenden Inseln \u2013 ein Unternehmen, das uns viele Jahre begeistert hat.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eWas hei\u00dft Aufgaben und Ziele?&nbsp;&nbsp;Es war doch unser Traum, doch er war ohne entsprechenden Einsatz eben nicht zu verwirklichen. Eine zus\u00e4tzliche Aufgaben, die sich eher ergeben hat, als dass wir sie uns gestellt h\u00e4tten, war das Schreiben und Fotografieren \u2013 aber das war genauso Freude und Befriedigung. Segeln allein h\u00e4tte uns auf so lange Zeit nicht ausgef\u00fcllt, so haben wir alte Hobbys aufgegriffen und ausgebaut. Alles zusammen war f\u00fcr uns \u201erund\u201c und spiegelte unseren Lebensstil wieder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(und auch Opfer bringen: auf vieles verzichten, was sonst selbstverst\u00e4ndlich scheint: auf Freunde, auf liebgewordene Allt\u00e4glichkeiten wie Zeitung lesen, E\u00dfgewohnheiten, auf jede Art von Luxus sowieso, muss sich finanziell einschr\u00e4nken etc. Da merkt man erst, was man alles \u00fcberhaupt nicht braucht!)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(12 Jahre auf See, das ist keine Reise mehr, sondern ein Lebensstil&#8230;und der ist f\u00fcr uns erst rund durch zus\u00e4tzliche Aufgaben, die wir uns stellen und an Bord auch realisieren k\u00f6nnen. Deshalb haben wir alte Hobbys aufgew\u00e4rmt&#8230;)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischendurch zog es Sie dann aber doch einmal ernsthaft wieder nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eJa, nach den 8 Jahren wollten wir tats\u00e4chlich nach Hause. Dass daraus nichts geworden ist, verdanken wir dem wissenschaftlichen Expeditionsleiter der \u201eGEO\u201c-Redaktion: Uwe George hat uns mit seiner Begeisterung f\u00fcr eine Segelexpedition zu den einsamsten Inseln Melanesiens (Vanuatu, Salomonen, Papua Neuguinea) angesteckt \u2013 nach Vanuatu, zu den Salomonen und nach Papua Neuguinea. Kurzentschlossen sagten wir unsere Teilnahme zu &#8211; vielleicht weil uns so eine Expedition wie auf den \u201eLeib geschrieben\u201c war &#8211;&nbsp;&nbsp;und drehten den Bug der Freydis am Kap Hoorn um 180 Grad erneut in Richtung Pazifik.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201e\u00dcbrigens ein Entschluss von gro\u00dfer Tragweite f\u00fcr uns \u2013 denn er bedeutete f\u00fcr uns nicht nur die 1 \u00bd&nbsp;&nbsp;Jahre f\u00fcr dieses Projekt, sondern eine zweite Umsegelung der Erde:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an die GEO Expedition sind wir durchs Gro\u00dfe Barriere Riff Australiens, durch die Torresstrasse und auf der Passatroute weiter in Ost-West Richtung ums Kap der Guten Hoffnung nach Hause gesegelt .\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2. Zwischendurch haben sie immer wieder Pausen eingelegt, mal freiwillig, mal unfreiwillig (\u00dcberwintern im Eis), mal l\u00e4nger; mal k\u00fcrzer. Waren Pausen notwendig um neue Kraft zu sch\u00f6pfen, wieder Lust zu bekommen f\u00fcr diese extremen Reviere, oder eher ein Zugest\u00e4ndnis, um den Kontakt nach Hause zu halten?<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eWir waren zirka neun bis zehn Monate im Jahr unterwegs an Bord und zwei bis drei Monate zu Hause in Deutschland. Das Schiff haben wir in diesen Zeiten an gesch\u00fctzten Pl\u00e4tzen zur\u00fcckgelassen. Auf die Pausen zu Hause haben wir uns immer gefreut&#8230; auf unsere Freunde, unsere Verwandten, auf Deutschland \u00fcberhaupt &#8230;\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eDie Pausen in Deutschland waren keine Kompromisse, sondern schlichtweg ein&nbsp;&nbsp;Bed\u00fcrfnis. Nat\u00fcrlich mussten wir nach schwierigen T\u00f6rns auch wieder Kraft sch\u00f6pfen. Aber unsere Pausen waren nie unfreiwillig, auch die im Eis nicht. Damit meine ich unsere \u00dcberwinterung in der Antarktis. Sie war lange geplant und vorbereitet. Wir kannten die Insel Deception. Wir hatten sie ja bereits 1981 mit der Freydis besucht. Unfreiwillig war allerdings die Art der \u00dcberwinterung, die sich dann aus der Strandung ergab. (und aus der Tatsache, dass wir ganz andere Wetterbedingungen im Winter vorfanden, als erwartet &#8211; damals konnten wir nirgends Informationen dar\u00fcber bekommen.)\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>3.&nbsp;<em>Antarktis, Indischer Ozean, Australien, Tasmanien, Neuseeland, Feuerland&#8230;die Liste der Stationen Ihrer Reise ist beeindruckend lang. Die Frage nach dem Sch\u00f6nsten ist oft schwer zu beantworten (und f\u00fcr den zweiten Teil geplant&#8230;) , deshalb: welches war das am h\u00e4rtesten erk\u00e4mpfte Ziel, welches die gr\u00f6\u00dfte Entt\u00e4uschung und welches die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eDie h\u00e4rteste Pr\u00fcfung war sicher, das mit Seewasser und Eis vollgelaufene und durch die Strandung ramponierte Schiff wieder flott zu kriegen und nach S\u00fcdamerika zur\u00fcckzusegeln (, unter anderem, weil wir mit versteckten M\u00e4ngel am Schiff rechnen mussten, die sich pl\u00f6tzlich auftun konnten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gefordert hat uns auch die Reise von S\u00fcdafrika nach Australien durch den S\u00fcdindischen Ozean, auf der wir die Prinz Edwards, die Crozets, die Kerguelen, die Insel Heard und St. Paul besuchten. Die Crozets habe ich noch in b\u00f6ser Erinnerung&#8230;\u201c)<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eAuf dieser Reise &#8211; mit 73 Tagen war sie die l\u00e4ngste in einem St\u00fcck gesegelte Distanz &#8211; haben wir den einzigen Knockdown in 25 Jahren mit der Freydis erlebt! Au\u00dferdem stellte sich auf halber Strecke ein Getriebeschaden ein, sodass wir nicht mehr auf die Maschine z\u00e4hlen konnten &#8211; besonders prek\u00e4r hat sich das beim Anlaufen der Inseln ausgewirkt. Die Strandung zuvor war klar unser gr\u00f6\u00dfter Tiefschlag. Die sch\u00f6ne geruhsame \u00dcberwinterung, die wir uns erhofft hatten, verwandelte sich schlagartig in einen Kampf ums \u00dcberleben.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das riskanteste Vorhaben aber war wohl unsere Reise zum Rossmeer: Sie f\u00fchrte weiter nach S\u00fcden (70\u00b0 S) , als alle anderen Reisen ins Eis: Sehr gro\u00dfe Entfernungen mussten \u00fcberwunden werden und die K\u00e4lte war ein unberechenbarer Feind, auf See schwer zu bek\u00e4mpfen &#8211; von einem Tag auf den anderen froren unsere Wasservorr\u00e4te ein! Dazu das Packeis, das uns immer wieder einschloss, es h\u00e4tte uns leicht zerquetschen k\u00f6nnen \u2013 ganz zu Schweigen von den heftigen katabatischen St\u00fcrmen (Fallwinde von der Antarktis).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yacht:Was w\u00fcrden Sie als die sch\u00f6nsten Momente Ihrer Reise bezeichnen?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eDie gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung im positiven Sinne war f\u00fcr mich immer wieder die Freundlichkeit, die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen wir in extremen Gebieten begegnet sind. Mitrei\u00dfend auch die unber\u00fchrte Natur&nbsp;&nbsp;auf den menschenleeren Inseln: Die Tiere hatten keine Scheu vor uns, das war geradezu paradiesisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erich<strong>:&nbsp;<\/strong>\u201eEine Insel voller faszinierender \u00dcberraschungen war f\u00fcr uns&nbsp;&nbsp;&nbsp;S\u00fcdgeorgien: diese grandiose Mischung aus landschaftlichen Superlativen und unvorstellbar reichem Tierleben. \u00dcberw\u00e4ltigend.\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>4.&nbsp;<strong>Auf vielen Etappen haben sie zahlende G\u00e4ste an Bord. Ist das \u2013 gerade in so teilweise extremen Revieren \u2013 nicht oft eine gro\u00dfe Belastung?&nbsp;<\/strong>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eIm Gegenteil.&nbsp;&nbsp;Eine eingespielte Crew verringert vor allem in anspruchsvollen Revieren das Risiko f\u00fcr Schiff und Mannschaft betr\u00e4chtlich und erlaubt sportliches Segeln. Eine gute Crew schuf erst die Vorraussetzungen daf\u00fcr, dass wir viele schwer zug\u00e4nglichen Inseln besuchen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00fchrt das Segeln mit Crew auch zu einer Einschr\u00e4nkung unserer pers\u00f6nlichen Freiheit. Als Eigner und Skipper \u00fcbernehmen wir f\u00fcr unsere Mitsegler eine gro\u00dfe Verantwortung. Das Schiff f\u00fchren hei\u00dft: Die Crew anleiten, lenken, Entscheidungen treffen. F\u00fcr viele mag das eine Last sein, f\u00fcr mich war\u00b4s fast immer eine Lust.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem empfinden wir die Geselligkeit an Bord und das gemeinsame Erleben als eine wertvolle Bereicherung. Abgesehen davon werden die aufw\u00e4ndigen Reisen \u00fcber die T\u00f6rngeb\u00fchren mitfinanziert.\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Kurz: In schwierigen Segelrevieren ist es besser mit Mannschaft zu segeln.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Au\u00dferdem hilft die Crew bei der Finanziwerung diese exspeditionsartigen Reisen.&nbsp;&nbsp;Gemeinsames Erleben hat seinen besonderen Reiz, eine wertvolle Bereicherung.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yacht: W\u00e4ren Sie manchmal dennoch nicht lieber allein gewesen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eNa ja, wir haben uns schon einige Male gew\u00fcnscht, nur zu zweit zu sein. In extremen Gebieten, wenn wir endlich irgendwo sicher vor Anker lagen, da h\u00e4tten wir uns bei aller Freundschaft und Sympathie f\u00fcr unsere Mitsegler gern ab und zu ausgeklinkt. Das dichte Zusammenleben kostet einfach Kraft und Zweisamkeit entlastet.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Und so widersinnig es scheinen mag: In den Passatregionen, in denen Schiff und Crew oft nicht besonders gefordert wurden, wie zum Beispiel der S\u00fcdsee, kann das Zusammenleben gelegentlich durchaus anstrengend werden. Wenn etwa die&nbsp;&nbsp;Vorstellungen und Interessen zwischen uns und einzelnen Mitseglern allzu stark auseinander klaffen. Ich erinnere mich an eiin kleines Atoll mit wunderbarer Lagune, mit palmenbesetzten Riffinseln voller V\u00f6gel und einem kleinen Eingeborenendorf. Aber es gibt keinen Flugplatz, kein Restaurant, keine Bar. F\u00fcr die einen liegt hier \u201eder Hund begraben\u201c, sie wollen so rasch wie m\u00f6glich zur\u00fcck in die Zivilisation, f\u00fcr die anderen (wie auch f\u00fcr uns) erf\u00fcllt sich hier der Traum vom Paradies. Spannungen waren unausweichlich.)<\/p>\n\n\n\n<p>Erich :&nbsp;&nbsp;(\u201eDeshalb versuchen wir schon bei der Zusammenstellung der Crews und bei vorangehenden Crewtreffen einen m\u00f6glichst gro\u00dfen gemeinsamen Nenner zu finden, damit die Reise f\u00fcr alle ein Gewinn wird. )<\/p>\n\n\n\n<p>Auf langen Passatstrecken im Atlantischen, Indischen und Pazifischen Ozean segeln wir allerdings am liebsten zu zweit. Zweisamkeit war uns auch wichtig w\u00e4hrend der \u00dcberwinterung im Eis..\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heide: \u201eWir begeistern, uns an denselben Dingen. Das schlie\u00dft nicht aus, dass wir auch mal die Klingen kreuzen<strong>.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>12 Jahre lang unterwegs, zweimal um den Globus, einmal rund Antarktis. Feuer an Bord, Strandung, Knockdown&#8230;nicht nur stressfreies Segeln. Aber in kritischen Momenten gab es nie Spannungen, eher schon mal \u201ebeim lockeren Segeln unter blauem Himmel (in der S\u00fcdsee) etwa \u00fcber die richtige Segelf\u00fchrung&#8230;\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schiff ist kein \u201eKatalysator\u201c f\u00fcr Meinungsverschiedenheiten in einer Partnerschaft, die gibt es an Land genauso. Obwohl auf schwankendem Schiffsboden, haben sie eine solide Basis &#8211; wir begeistern uns an denselben Dingen und das schwei\u00dft uns zusammen&#8230;schlie\u00dft aber nicht aus, dass wir auch mal die Klingen kreuzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie lange segeln sie bereits zusammen?&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;Seit wir zusammen sind, also seit 1969 &#8211; 33 Jahre \u2013 zuerst auf meiner Einmann \u2013 Yolle, einem Finn; 1975 haben wir dann die erste \u2013 kleinere &#8211; Freydis gebaut, 1978\/79 unsere jetzige Freydis.<\/p>\n\n\n\n<p>5.&nbsp;<strong>Yacht: Sie und Erich sind also seit Jahren ein eingespieltes Team, wie sieht da eigentlich \u2013 gerade mit G\u00e4sten an Bord \u2013 die Arbeitsteilung aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Segeln wir allein, l\u00f6sen wir uns \u00fcber Nacht ab: Die eine H\u00e4lfte \u00fcbernimmt Erich, die andere ich. Braucht einer Hilfe bei einem Man\u00f6ver, so fordert er sie beim anderen an. Bei Man\u00f6vern arbeitet Erich vorzugsweise am Mast und auf dem Vorschiff, w\u00e4hrend ich die Winschen im Cockpit bediene und das Boot&nbsp;&nbsp;steuere. Beim Ankerman\u00f6ver das gleiche: ich am Steuer und an der Maschine, Erich vorn an der Ankerwinsch. Auch die Arbeit mit den schweren Spib\u00e4umen auf dem Vorschiff f\u00e4llt Erich zu, w\u00e4hrend ich Schoten, Achter- und Niederholer&nbsp;&nbsp;bediene. Beim Gro\u00dfsegel-Reffen sind wir meist beide im Einsatz.&nbsp;&nbsp;Mit der Rollreffanlage des Vorsegels kann einer allein fertig werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;&nbsp;\u201eNavigation ist Aufgabe des jeweils Wachhabenden. Ich bin der Maschinist.&nbsp;&nbsp;Kochen ist vorwiegend Heides Dom\u00e4ne, daf\u00fcr \u00fcbernehme ich den Abwasch.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Crew Mit Crew kennen wir in Bezug auf Arbeitsteilung jedoch keine starren Regeln, sondern \u00fcberlegen von Mal zu Mal wieder neu. Meist bilden wir drei Wachen \u00e1 zwei Leute, der Siebente kocht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitsteilung ist jedoch abh\u00e4ngig von der Erfahrung der Crew und vom Segelrevier. Jede Wache arbeitet f\u00fcr sich und bekommt, wenn n\u00f6tig, Unterst\u00fctzung von der Folgewache \u2013 das ist jedenfalls unser Ziel. Ich \u00fcbernehme immer eine Wache, Heide \u00fcbernimmt je nach den Erfordernissen eine Wache, manchmal kocht sie auch nur oder \u00fcbernimmt die Navigation, ohne in den Wachrhythmus eingebunden zu sein. Auch wenn wir klare Verantwortungen schaffen, so kann doch jeder an alle Aufgaben heran. Vor T\u00f6rnbeginn \u00fcberlegen wir beide sehr genau, wie wir die Wachen besetzen, damit die Reise m\u00f6glichst reibungslos verl\u00e4uft, Entlastung f\u00fcr uns bringt, Gefahren minimiert und eine m\u00f6glichst gute Stimmung an Bord garantiert.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6.&nbsp;<\/strong><strong><em>Manche der Reiseabschnitte, z.B. S\u00fcdsandwich Inseln oder Patagonien waren vom Seglerischen her extrem anspruchsvoll und brachten sie an ihren Grenzbereich. Was zieht sie in diese unwirtlichen Gegenden?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eVon \u201eGrenzbereichen\u201c kann man schon sprechen: Ein Schiff&nbsp;&nbsp;<strong>ist&nbsp;<\/strong>an seiner Grenze, wenn Eispressung, Schiffsvereisung oder Durchkenterung in schwerer See drohen &#8211; und eine Crew, wenn sie enormer Beanspruchung und enormen Strapazen &#8211; K\u00e4lte, Seekrankheit, Schlaflosigkeit etc.- ausgesetzt ist, wie das \u00f6fter bei uns der Fall war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eEs ist wohl die gleiche Leidenschaft, die auch Bergsteiger auf Gipfel treibt. Per aspera ad astra, auf rauen Wegen zu den Sternen \u2013 gilt auch beim Segeln.&nbsp;&nbsp;(ganz einfach Herausforderung, Abenteuer&#8230;s.d.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber nicht hei\u00dft, dass wir der \u201eSonnenseite des Segelns\u201c nichts abgewinnen k\u00f6nnten: Die S\u00fcdsee zum Beispiel, in der wir uns immerhin 6 \u00bd Jahre aufgehalten haben, bringt die andere Seite in uns zum Klingen, die sich nach Entspannung, Heiterkeit und unbeschwertem Leben sehnt: nach W\u00e4rme, Sonne, Palmenstr\u00e4nden, schillernden Lagunen, freundlichen Menschen&#8230;das alles lieben wir sehr; unsere \u201eHerzenslandschaft\u201c aber sind nun mal die antarktischen und subantarktischen Gebiete.\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>7. Ist das \u201eHarte\u201c ihres Segelns eigentlich auch ein bisschen Selbstzweck oder nur der unvermeidliche Weg zu den Pl\u00e4tzen, die sie reizen?<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eSelbstzweck im Sinne einer Herausforderung (zu sportlichem Segeln): Nat\u00fcrlich &#8211; zu vielen Orten h\u00e4tte man weit weniger strapazi\u00f6s gelangen k\u00f6nnen. Im Laufe der Jahre hat sich jedoch unsere Einstellung ge\u00e4ndert &#8211; vor allem bei Erich. Immer weniger wurde das Segeln an sich zur Herausforderung und immer mehr die wundervollen Naturerlebnisse:<\/p>\n\n\n\n<p>Das kleine Boot gab uns die M\u00f6glichkeit, sie selbst an den entlegensten Winkeln der Erde aufzusp\u00fcren \u2013 tats\u00e4chlich w\u00e4ren viele interessante Pl\u00e4tze auf andere Weise gar nicht oder nur schwer zu erreichen gewesen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>8. Gab es eigentlich auch Situationen wo sie dachten: jetzt ist es aus vorbei! Wie geht man mit so etwas um?<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eJa, leider: Als die Freydis nach der Strandung voll Salzwasser lief und wir das Boot verlassen mussten, weil wir sonst darin ertrunken oder erfroren w\u00e4ren. Oder in der Crozetbucht, als Heide und zwei Mitsegler eine Nacht bei schwerstem Sturm in einer Bucht voller Klippen an Bord verbringen mussten w\u00e4hrend ich mit der \u00fcbrigen Crew gezwungen war auf der gottverlassenen, eisigen Insel zu biwakieren, weil wir nicht mehr zur Freydis zur\u00fcck konnten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eDamals; als die Ankerkette brach, machten wir unser Testament! Ich habe mir damals geschworen, nie wieder im S\u00fcdindischen Ozean zu segeln.&nbsp;&nbsp;Lange hat mich diese Situation gequ\u00e4lt, das muss ich zugeben. Wie man mit so was umgeht? Ich habe mich meinem Tagebuch anvertraut, mir meine Angst von der Seele geschrieben. Das hat geholfen \u2013 es ist meine Art, solche Dinge zu verarbeiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>9. In den letzten Jahren hatten Sie auch modernste Kommunikationsmittel (Iridium) an Bord, waren so am letzten Winkel der Erde erreichbar. Fluch oder Segen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;&nbsp;\u201eWir sind im Vergleich zu anderen Weltumseglern eher kommunikationsfaul. Iridium hatten nur die GEO Teams an Bord f\u00fcr die Koordination. Vor 1 1\/2 Jahren haben wir uns jedoch das Orbcomm System&nbsp;&nbsp;(satellitengest\u00fctzter E-Mail-Verkehr) angeschafft, weil Heide in Verbindung mit ihrer betagten Mutter bleiben wollte.&nbsp;Leider geriet die Firma in Konkurs, sodass das System nicht funktionierte (es soll jetzt wieder arbeiten und ist dann sicher eine preiswerte Alternative, weil man kurze E-Mail senden und empfangen kann).<\/p>\n\n\n\n<p>Seit \u00fcber 20 Jahren haben wir Kurzwelle an Bord und konnten damit \u00fcber K\u00fcstenfunkstellen nach Hause telefonieren. Aber dieses System ist umst\u00e4ndlich und teuer. Eine Lizenz f\u00fcr Amateurfunk besitzen wir nicht und auch kein Immersat-Ger\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kommunikation an Bord ist sicher aber auch ein Fluch. In den letzten zwei Jahren haben wir es einige Male erlebt wie an Bord die Handy-(Mobile-) Telefonitis ausbrach &#8211; zum Beispiel in den k\u00fcstennahen Zonen Australiens und Afrikas. Pl\u00f6tzlich kamen alle beruflichen und privaten Probleme an Bord und beeinflussten die Stimmung. Die Abgeschiedenheit war dahin! Dass jeder jeden Punkt der Erde telefonisch von Bord aus erreichen kann, das ist f\u00fcr mich eine Horrorvision.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dann muss der Gebrauch der mobilen Telefone an Bord genauso geregelt werden wie der Konsum von Alkohol oder Zigaretten. Andererseits kann Kommunikation auch ein Segen sein. Wie gesagt, man muss einen Kompromiss finden, zum Beispiel Regeln aufstellen. \u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>10. Seit 12 Jahren sind sie mittlerweile mit der \u201eFreydis\u201c unterwegs in vielen extremen Revieren der S\u00fcdhalbkugel. Wie h\u00e4lt so ein Schiff das eigentlich aus, ist man da nicht nur am reparieren? Und: F\u00fcr die S\u00fcdhalbkugel war \u201eFreydis\u201c ein sicheres Schiff, aber w\u00fcrden sie auch einmal gerne mit einem modernen, schnelleren Boot auf T\u00f6rn gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eWie h\u00e4lt ein Schiff das aus? Fragen Sie doch lieber, wie halten wir das aus! Tats\u00e4chlich fallen st\u00e4ndig \u00dcberholungsarbeiten und Reparaturen an; und in unserer T\u00f6rnplanung sehen wir daf\u00fcr auch immer ausreichend Zeit vor und w\u00e4hlen geeignete Orte aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der starken Beanspruchung in den zw\u00f6lf Jahren ist das Boot ann\u00e4hernd 100.000 Seemeilen gesegelt (insgesamt \u00fcbrigens mehr als das Doppelte&#8230;etwa 10 X um die Erde: Erdumfang 21.600 Seemeilen\/ Seemeile =1,853 Kilometer) und extrem belastet worden. Da haben wir nat\u00fcrlich einen hohen Materialverschlei\u00df. Vor allem infolge des Brandes und der Strandung in den ersten beiden Jahren war immense Arbeit auf uns zu gekommen. An den Folgen der Sch\u00e4den haben wir bis heute zu knabbern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yacht: Haben Sie jemals dar\u00fcber nachgedacht, die schwere Stahlyacht gegen ein modernes Boot zu tauschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201e Tats\u00e4chlich sind fast alle Yachten, denen wir begegnen, moderner, schnittiger und auf Am-Wind-Kursen sicher auch schneller. Wir staunen oft \u00fcber den Luxus, mit dem sie ausger\u00fcstet sind: Immersat, Computer, Waschmaschine, Mikrowelle, Entsalzungsanlage und so weiter. Aber diese ganze Elektronik, Hydraulik und Telekommunikation, so wohltuend sie auch sein mag, wenn sie funktioniert, bringt wieder die Abh\u00e4ngigkeit an Bord, von der man sich doch gerade befreien wollte: Anh\u00e4ngigkeit vom Strom, von der Hauptmaschine, vom Generator. Wehe, wenn der ausf\u00e4llt! Abh\u00e4ngigkeit auch von Zivilisation. Denn in den seltensten F\u00e4llen kann man St\u00f6rungen der komplizierten Systeme selbst beheben. Die \u201edo it yourself\u201c &#8211; Technik auf der Freydis ist oft sehr unbequem und m\u00fchsam, hat sich auf unseren Reisen aber zigfach bew\u00e4hrt.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;&nbsp;\u201eNoch vor 20 Jahren, als wir das erste Mal in die Antarktis gesegelt sind, gab es weder Satellitennavigation, noch hatten wir Radar an Bord \u2013 das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen &#8211; aber wir navigierten noch wie zu Cooks Zeiten! Als wir vor 12 Jahren wieder auf die Gro\u00dfe Reise gingen, haben wir uns GPS und Radar angeschafft: Auf beides w\u00fcrden wir nicht mehr verzichten wollen. Sie machen die Navigation problemloser und sicherer. Tatsache ist aber auch, dass dadurch etwas Entscheidendes verloren gegangen ist. Die Navigation ist heute keine Kunst mehr, wie sie es tats\u00e4chlich fr\u00fcher war \u2013 gewachsen aus viel \u00dcbung und langj\u00e4hriger Erfahrung. Sie ist entzaubert. Das Gl\u00fccksgef\u00fchl und der Stolz, wenn man sein Ziel genau dort auftauchen sah, wo man es erwartete, stellen sich heute nicht mehr ein.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch um auf Ihre Frage nach einer moderneren Yacht zur\u00fcckzukommen: Einmal haben wir allen Ernstes erwogen, uns ein neues Boot zuzulegen. Dann Dann brachten wir es aber doch nicht fertig, uns von der&nbsp;&nbsp;\u201eFreydis\u201c zu trennen.&nbsp;&nbsp;Wir h\u00e4ngen sehr an dem Schiff.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heide:&nbsp;\u201eDie Freydis zum alten Eisen? Das geht doch einfach nicht! Wir werden sie wieder aufm\u00f6beln!\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li><strong>Mit Ihrer Ankunft hier in Cuxhaven geht ein entscheidender Abschnitt Ihres Lebens zu Ende. Hat man da schon Pl\u00e4ne f\u00fcr etwas Neues im Kopf?<\/strong>&nbsp;oder f\u00e4llt man jetzt erst mal in eine Art Loch, oder haben sie jetzt erst mal ein Jahr vom Segeln die Nase voll? Und: nach all den Eindr\u00fccken von den sch\u00f6nsten Winkeln dieser Erde, ist da Deutschland \u00fcberhaupt noch eine Heimat f\u00fcr Sie oder k\u00f6nnen Sie sich vorstellen endg\u00fcltig einmal die Zelte hier abzubrechen um nur noch auf dem Boot zu leben?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Erich: \u201eKonkrete Segelpl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft haben wir nicht. Erst einmal muss die Freydis, wie gesagt, gr\u00fcndlich \u00fcberholt werden. Auch unser Haus wollen wir herrichten und unsere Erlebnisse der letzten Jahre aufarbeiten. Danach werden wir weiter sehen. In ein Loch fallen wir nicht: Es gibt genug neue Herausforderungen. Wir haben das Gef\u00fchl, dass ein Leben l\u00e4ngst nicht ausreicht, um all das zu sehen, was wir gerne noch sehen m\u00f6chten. Sicher ist jedoch: wir werden nicht mehr so viel segeln, wie bisher.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heide: \u201eDas viele Segeln in den letzten Jahren hat mich viel Kraft gekostet, deshalb ist mir eine l\u00e4ngere Pause jetzt auch sehr willkommen. Wie lange sie dauern wird, das wei\u00df ich noch nicht. Ich freue mich auf ein bisschen Ruhe: nicht mehr st\u00e4ndig auf dem Sprung sein und nicht mehr \u201eaus dem Seesack\u201c leben m\u00fcssen. Selbst in den Pausen zu Hause waren wir doch immer in Gedanken beim Boot, immer am Planen und am Packen. Und ich freue mich auch wieder mehr Zeit zu haben f\u00fcr meine Freunde, meine Familie &#8211; vor allem&nbsp;&nbsp;f\u00fcr meine Mutter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das trifft wohl auch schon den letzten Teil Ihrer Frage: Gerade w e i l&nbsp;&nbsp;wir so viel unterwegs waren, haben wir unser Nest immer gebraucht \u2013 das steht in Deutschland und da wird es auch bleiben.\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>12.&nbsp;&nbsp;Durch neun B\u00fccher und viele Reportagen in der \u201eYacht\u201c, in GEO und anderen&nbsp;&nbsp;Zeitschriften sind sie zu bekannten Personen in der Fahrtenseglerszene geworden. Freut Sie das oder bereuen Sie das manchmal?<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;\u201eSelbstverst\u00e4ndlich freuen wir uns \u00fcber Anteilnahme, die wir erfahren. In Reportagen und B\u00fcchern ver\u00f6ffentlichen wir aus diesem Grunde auch unsere Erlebnisse und Erfahrungen, und wir freuen uns, wenn sie gelesen werden. Dadurch erlangt man nat\u00fcrlich auch eine gewisse Bekanntheit. \u00dcber Vortr\u00e4ge und Ver\u00f6ffentlichungen sto\u00dfen auch immer wieder neue Segler zu unserer Stammcrew hinzu. Aber: Medienauftritte und Rummel sind nicht unser Ziel.&nbsp;&nbsp;F\u00fcr so etwas sind wir auch nicht sehr geeignet.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Das Interview f\u00fchrte Andreas Fritsch)<\/p>\n\n\n\n<p>Gefahren:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gefahren und Risiken in der Natur sind nat\u00fcrlich bedrohlich, k\u00f6nnen dramatisch, ja t\u00f6dlich sein. Wenn man aber mit diesen Gefahr rechnet, sie mit einplant, dann hat man \u2013 meistens jedenfalls \u2013 auch eine reelle Chance. Andererseits gibt es auch in der \u201eabgesicherten\u201c Zivilisation genug Gefahren. Und im Gegensatz zur Natur, die \u201eehrlich\u201c und einem nichts vormacht, sind diese subtiler, vor allem zielgerichtet und deshalb nicht weniger zerst\u00f6rerisch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sch\u00f6nste beim Segeln:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unabh\u00e4ngigkeit, die Weite oder der Raum, die Macht der Natur \u2013 Vulkane\/Gletscher\/Tierkolonien\/St\u00fcrme\/Eis&#8230;) die stumm macht, Frieden schafft in einem selbst und eine Art Fatalismus, der nicht l\u00e4hmt, sondern gl\u00fccklich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Meer: Es hatte f\u00fcr mich schon immer etwas Anziehendes. Allein die Tatsache, dass alles Leben daraus entstanden ist, macht es geheimnisvoll und interessant. Das Auf und Ab der Wellen, das Kommen und Gehen in den Gezeiten, die Str\u00f6mungen, die Tiere &#8211; uns fremd wie von einem anderen Planeten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Partner &#8211;&nbsp;Strandung: zeigte uns vorauf es eigentlich ankommt: dass man sich auf den anderen verlassen kann \u2013 hundertprozentig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcche.&nbsp;Ich wei\u00df wo alles zu finden ist und ich habe genug Erfahrung. Bei der Schaukelei muss es manchmal auch sehr schnell gehen. Seekrankheit&#8230;oder vor einem Sturm ist Eile geboten&#8230;. Aber sonst wie in einem Wohnwagen, stelle ich mir vor &#8230;.der allerdings schaukelt. Man muss ein bisschen kreativ sein, weil man unterwegs nichts Frisches kaufen kann, aber sonst&#8230;der Bauch der Freydis fasst einen kleinen Supermarkt, au\u00dferdem haben wir eine ger\u00e4umige K\u00fchltruhe. An die Maschine angeschlossenes K\u00fchlsystem.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arzt:&nbsp;Weener, Westerstede&#8230;H\u00e4ufig sind R\u00fcckenbeschwerden\/Bandscheibe, auch ich schon total blockiert&#8230;Strandung. Eine Mitseglerin hat sich sogar einen Wirbel an Bord gebrochen, ein anderer Mitsegler einen Finger mit der Anerkette, Schnittwunden, Verbrennungen (Schot durch die H\u00e4nde gerauscht) etc. Nat\u00fcrlich Seekrankheit. Nichts Ansteckendes in kalten Gebieten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir lagen vor Madagaskar und hatten nicht die Pest, aber Malaria an Bord und in der S\u00fcdsee bekam er Denguefieber&#8230; Unterwegs auf anderen Schiffen, in Melanesien \u2013 keine \u00c4rzte, keine Krankenh\u00e4user, keine Medikamente.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Freydis:&nbsp;hat uns \u00fcber alle Meere getragen und mit uns zusammen alle St\u00fcrme gemeistert \u2013 bis auf das eine Mal&#8230;hat uns eine F\u00fclle von Erlebnissen gebracht. F\u00fcr uns war es wie ein Wunder, dass wir mit diesem kleinen Boot s.o.<\/p>\n\n\n\n<p>Kalmen:&nbsp;(Doldrums, Mallungen): Windarme Zone in der \u00e4quatorialen Tiefdruckrinne zwischen den Passatg\u00fcrteln der Nord und S\u00fcdhalbkugel bis 20\u00b0 N und S (calme oder calma = still).<\/p>\n\n\n\n<p>Rossbreiten: Windschwache Zonen des subtropischen Hochdruckg\u00fcrtels (Azorenhoch!) (25\u00b0-35\u00b0N und 30\u00b0-40\u00b0S) Zwischen Passaten und Westwindg\u00fcrtel.<\/p>\n\n\n\n<p>Bezeichnung geht auf die Segelschiffahrt zur\u00fcck. Weil die Fahrt verlangsamt wurde, gingen bei Pferdetransporten nach S\u00fcdamerika viele Pferde wegen Futtermangel ein und wurden entsprechend \u00fcber Bord geworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Cuxaven 5.8.02<\/p>\n\n\n\n<p>Heide Wilts&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00c4nderung eines Textauszuges von Sigrid Hechensteiner:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Blauwassersegler Heide und Erich Wilts waren 12 Jahre lang unterwegs, zweimal um den Globus, einmal rund Antarktis. Feuer an Bord, Strandung, Knockdown&#8230;sicher nicht nur stressfreies Segeln. Aber, so Heide Wilts, in besonders kritischen Momenten habe es nie Spannungen gegeben, eher schon mal \u201ebeim lockeren Segeln in der S\u00fcdsee etwa \u00fcber die richtige Segelf\u00fchrung.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Ansicht der Wilts ist ein Schiff \u201ekein Katalysator\u201c f\u00fcr Meinungsverschiedenheiten in einer Partnerschaft: \u201edie gibt\u2019s an Land genauso.\u201c Obwohl auf schwankendem Schiffsboden, haben sie eine solide Basis: \u201eWir begeistern uns an denselben Dingen und diese haben uns auch zusammengeschwei\u00dft. Das schlie\u00dft nicht aus, dass wir auch mal die Klingen kreuzen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview Yacht&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heide + Erich Wilts (1990 sind wir mit unserer 15-Meter-Stahlyacht Freydis aufgebrochen, um erst am Rand der Antarktischen Halbinsel zu \u00fcberwintern und dann \u00fcber dee Meere der S\u00fcdhalbkugel zu segeln. 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