{"id":7568,"date":"2022-04-25T19:24:10","date_gmt":"2022-04-25T18:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?page_id=7568"},"modified":"2022-04-25T19:24:13","modified_gmt":"2022-04-25T18:24:13","slug":"2019-yacht-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/2019-yacht-interview\/","title":{"rendered":"2019 &#8211; YACHT: Interview"},"content":{"rendered":"\n<p>INTERVIEW, das wir der YACHT 2019 nach unserer R\u00fcckkehr gegeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Themenkomplex:<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>1. Wie lange segelt ihr bereits zusammen? Und wie seid ihr zum Segen gekommen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1. Seit wir zusammen sind (1969) &#8211; fast 50 Jahre!<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst hatten wir eine Ein-Mann-Yolle, ein Finn, dann ein Zwei-Mann-Finn, 1975 haben wir unsere erste, kleinere, Freydis gebaut,&nbsp;eine Reinke Super-Secura, nicht f\u00fcr gro\u00dfe Blauwasser-Fahrten gebaut, sondern vor allem, um im ostfriesischen und holl\u00e4ndischen Watten-Gebiet zu segeln und an unseren Wunschpl\u00e4tzen trocken zu fallen.&nbsp;1978\/79 haben wir dann unsere 15-Meter-Stahlyacht Freydis gebaut, mit der wir 33 Jahre segelten, bis wir sie in Fukushima verloren haben. Seit 2013 segeln wir auf unserer jetzigen Freydis III, eine Alu-Yacht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;-<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>2.<\/em><em>&nbsp;Die Liste eurer Reisen in den Meeren der S\u00fcd- und Nordhalbkugel ist lang, angefangen von eurer Umrundung der Antarktis mit dem Besuch fast aller Inseln an ihrem Rande, eure Umrundung Australiens und Neuseelands, die Reisen durch Polynesien, Melanesien, Japan, Alaska bis zur Nordwestpassage: Kann man da eigentlich noch von einer \u201eReise\u201c sprechen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 2. Tats\u00e4chlich ist es eher eine Art Lebensstil geworden seit wir vor etwa 30 Jahren unsere Berufe aufgaben und an Bord gingen&#8230;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin haben wir zwar auch ausgedehnte Segelreisen unternommen, aber unsere Freizeit war durch den Urlaub zeitlich begrenzt. Lediglich 1980\/81 hatten wir uns f\u00fcr ein Jahr ausgeklinkt, um das erste Mal die Antarktis zu besuchen und rund S\u00fcdamerika zu segeln.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;.Zur\u00fcck zum Lebensstil: Wir haben unser Leben tats\u00e4chlich radikal ver\u00e4ndert. Dabei aber unseren festen Wohnsitz in Deutschland immer beibehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil uns Segeln allein auf so lange Zeit nicht ausgef\u00fcllt hat, haben wir zus\u00e4tzlich alte Hobbys aufgegriffen und ausgebaut. Erich hat fotografiert, ich habe geschrieben. All das war f\u00fcr uns \u201erund\u201c und spiegelt unseren Lebensstil wieder.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>3. Fordert dieser Lebenstil an Bord nicht auch Opfer? Muss man nicht auf viele Annehmlichkeiten, die man an Land hat, verzichten?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 3. auf Freunde, Verwandte, auf liebgewordene Allt\u00e4glichkeiten wie Zeitunglesen, (heutzutage kann man sie an Orten mit Internetzugang herunterladen&#8230;.), Essgewohnheiten, viele Arten von Luxus, und oft muss man auch finanzielle Einschr\u00e4nkungen hinnehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits merkt man erst an Bord, was man alles n i c h t braucht! Und man lernt sparsam umzugehen mit dem, was man hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>4. Wart ihr in all den Jahren, die ihr mit diesen Reisen verbrachten, ununterbrochen unterwegs?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 4. Bis vor wenigen Jahren waren wir zirka neun bis zehn Monate im Jahr unterwegs und zwei bis drei Monate zu Hause in Deutschland. Das Boot haben dann an gesch\u00fctzten Pl\u00e4tzen zur\u00fcckgelassen. Auf diese Pausen zu Hause haben wir uns immer gefreut&#8230; auf unsere Freunde, Verwandten, auf Deutschland \u00fcberhaupt. Die Umstellung war kein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt waren wir nur noch etwa 4 Monate unterwegs, solange es eben die Segelsaison erlaubte &#8211; etwa in Alaska, oder durch die NWPassage nach Gr\u00f6nland und Island \u2013 die Sommermonate dort.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>5. Auf vielen Etappen haben sie Mitsegler an Bord. Was veranlasst Sie dazu?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 5. a) Geselligkeit an Bord, das gemeinsame Erleben, empfinden wir als eine wertvolle Bereicherung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: \u201e<em>Man muss sein Gl\u00fcck teilen, um es zu multiplizieren.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>b) Eine eingespielte Crew verringert vor allem in anspruchsvollen Revieren das Risiko f\u00fcr Schiff und Mannschaft betr\u00e4chtlich und erlaubt sportliches Segeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; schafft erst die Vorraussetzungen daf\u00fcr, dass wir viele schwer zug\u00e4nglichen Inseln besuchen konnten &#8211; auch die NWPassage wurde dadurch einfacher f\u00fcr uns.<\/p>\n\n\n\n<p>c) noch ein Punkt: \u00fcber die T\u00f6rngeb\u00fchren werden die expeditionsartigen Reisen mitfinanziert.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;-<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>6. Ist das Segeln mit fremden Menschen an Bord \u2013 gerade in extremen Revieren \u2013 nicht oft eine gro\u00dfe Belastung?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 6. Nat\u00fcrlich f\u00fchrt das Segeln mit Crew auch zu einer Einschr\u00e4nkung unserer pers\u00f6nlichen Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eigner und Skipper \u00fcbernehmen wir eine gro\u00dfe Verantwortung f\u00fcr unsere Mitsegler.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;-<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>7. Sie segeln oft viele Monate mit bis zu sechs Mitseglern, ist das Alleinsegeln an Bord dann auch eine Wohltat?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 7. Das enge Zusammenleben kostet Kraft. Bei aller Freundschaft und Sympathie f\u00fcr unsere Mitsegler freut man sich da schon, wenn man sich einmal ausklinken kann und Ruhe einkehrt. Dann kann man sagen: Ich bleibe noch ein paar Tage.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Crew hingegen muss man R\u00fccksicht nehmen auf die W\u00fcnsche der Leute und ihren Zeitplan &#8211; zum Beispiel gebuchte Fl\u00fcge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und so widersinnig es scheinen mag: Im Gegensatz zu den anstrengenden Extremreisen, kann das Zusammenleben in Passatregionen, in denen Schiff und Crew nicht besonders gefordert werden, gelegentlich anstrengend werden, wenn etwa die Vorstellungen und Interessen allzu stark auseinanderklaffen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;zum Beispiel in der S\u00fcdsee. Ich erinnere mich an ein kleines Atoll mit wunderbarer Lagune, palmenbesetzten Riffinseln voller V\u00f6gel und einem kleinen Eingeborenendorf. Aber es gibt keinen Flugplatz, kein Restaurant, keine Bar: F\u00fcr die einen liegt dort der Hund begraben, f\u00fcr die anderen erf\u00fcllt sich ein Traum. Spannungen sind dann unausweichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb versuchen wir schon bei der Zusammenstellung der Crews bei vorangehenden Treffen einen m\u00f6glichst gro\u00dfen gemeinsamen Nenner zu finden, damit die Reise f\u00fcr alle ein Gewinn wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>8. \u00dcber lange Strecken segelt ihr beide auch gern allein. Ist das 28 Tonnen-Schiff zu zweit zu beherrschen?&nbsp;Und welche Rollenverteilung habt Ihr an Bord &#8211; zu zweit oder mit Crew?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 8. Ja, das geht sehr gut &#8211; auf See geht das mit kleiner Crew in Sachen Bedienung sehr gut &#8211; wobei wir im Nachhinein ein Bugstrahlruder w\u00fcnschen w\u00fcrde, f\u00fcr bessere Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit in den kleinen H\u00e4fen. Aber es funktionierte schlie\u00dflich auch so, es gab keine verpatzten Situationen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ohne Crew bew\u00e4hrt sich die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit bei Decksalon und Cockpit. T\u00f6rns ohne Mitsegler verbringen wir ausschlie\u00dflich dort oben, schlafen auch dort&#8230;. &#8211; Und wenn Crew an Bord ist, dann ist der Decksalon das Zentrum, weil dort immer genug Platz ist, damit sich alle bequem aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Arbeitsteilung: Segeln wir allein, so l\u00f6sen wir uns \u00fcber Nacht ab: jeder \u00fcbernimmt die H\u00e4lfte. Braucht einer Hilfe bei einem Man\u00f6ver, so fordert er sie beim anderen an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Navigation ist Aufgabe des jeweils Wachhabenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Segel-Man\u00f6vern arbeitet Erich vorzugsweise am Mast und auf dem Vorschiff, w\u00e4hrend ich die Winschen im Cockpit bediene und das Boot steuere.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso beim Anker-Man\u00f6ver: ich bin am Steuer und an der Maschine, Erich vorn an der Ankerwinsch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Gro\u00dfsegel-Reffen sind wir meist beide im Einsatz. Mit der Rollreffanlage des Vorsegels kann einer allein fertig werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Passat segeln wir zu zweit gern mit Doppelgenua an zwei B\u00e4umen. Selbst bei wechselnden Windst\u00e4rken kann eine Person allein, auch nachts, die Segelfl\u00e4chen leicht ver\u00e4ndern, indem sie die Achterholer und die Rollreffleine der Genua \u00fcber die Winschen im Cockpit fiert oder dicht holt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit mit den schweren Spib\u00e4umen auf dem Vorschiff f\u00e4llt Erich zu, w\u00e4hrend ich Schoten, Achter- und Niederholer bediene.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Wind baumen wir den Blister (ca 160 qm)) aus oder fahren ihn als kleinen Spinnaker an zwei B\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Bei leichten und mittleren Winden auf Kursen von 50 bis 140 Grad scheinbarem Wind)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Tagestank f\u00fcllen, Filter, Watermaker&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Maschine ist Erichs Dom\u00e4ne.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er \u00fcbernimmt auch den Abwasch, w\u00e4hrend Kochen \u00fcberwiegend meine Aufgabe ist. Ich wei\u00df, wo alles gestaut ist, und ich habe genug Erfahrung. Bei unruhiger See oder bei Sturm bin ich sehr fix \u2013 schon weil ich sonst seekrank werde. Weil man unterwegs nichts kaufen kann, bin ich mit den Jahren recht kreativ geworden und kann aus allem, was da ist, etwas zaubern. Aber die Freydis ist meist gut best\u00fcckt, au\u00dferdem haben wir neben einer K\u00fchltruhe auch noch eine Gefriertruhe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Crew ist die Arbeitsteilung abh\u00e4ngig von der Erfahrung der Mitsegler und vom Segelrevier. Wir schaffen klare Verantwortungen, jeder kann aber alle Aufgaben wahrnehmen \u2013 da haben wir keine starren Regeln, sondern \u00fcberlegen von Mal zu Mal neu wie wir die Wachen besetzen, damit:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>auf der Reise die Gefahren minimiert werden,<\/p>\n\n\n\n<p>alles m\u00f6glichst reibungslos verl\u00e4uft,.<\/p>\n\n\n\n<p>eine m\u00f6glichst gute Stimmung an Bord garantiert wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Meist bilden wir drei Wachen \u00e1 zwei Leute. Der Siebte kocht und ist Springer. Jede Wache arbeitet f\u00fcr sich und bekommt, wenn n\u00f6tig, Unterst\u00fctzung aus der Folgewache. Erich \u00fcbernimmt immer eine Wache, ich je nach Erfordernissen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren bin ich meist verantwortlich f\u00fcr die Navigation, Komb\u00fcse und spring bei Man\u00f6vern ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Spinnaker (200 und 250qm) setzen wir grunds\u00e4tzlich nur mit erfahrener Crew und fahren sie Vor dem Wind an zwei B\u00e4umen. Dann stehen sie ruhiger und vert\u00f6rnen sich nicht, wenn der Ruderg\u00e4nger einmal ungenau steuert, was vor allem nachts leicht passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Voraussetzung f\u00fcrs Segeln mit Doppelgenua und Spi ist eine Ausr\u00fcstung des Bootes mit Schlitten und zwei Glocken am Mast, zwei Spi-B\u00e4umen, zwei Topnanten, zwei Niederholern, Achterholern und Schoten und zwei gut dimensionierten Winschen im Cockpit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>9. Wie wirkt sich das gemeinsame Segeln auf eure Beziehung aus?Und gibt es auch mal Unstimmigkeiten an Bord zwischen Ihnen beiden?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 9. Ein Leben auf See ist vielleicht h\u00e4ufiger kritischen Situationen ausgesetzt als ein Leben an Land &#8211;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>jedenfalls gab es in den 50 Jahren bei uns nicht nur stressfreies Segeln: Feuer an Bord, Strandung, St\u00fcrme, K\u00e4lte, Eis, Knockdown, Verlust unseres Bootes im Tsunami, Taifune in Japan, Nordwestpassage&#8230;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>kritische Momente, in denen es darauf ankommt, dass man sich 100%ig auf den Partner verlassen kann. Da gab bei uns nie Spannungen,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>eher schon mal beim lockeren Segeln unter blauem Himmel (in der S\u00fcdsee) \u00fcber Nichtigkeiten &#8211; etwa \u00fcber die richtige Segelf\u00fchrung oder auch anderes&#8230;\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Zwar auf schwankendem Schiffsboden, aber eine solide Basis \u2013 die sich mit den Jahren verfestigt hat: Wir begeistern uns an den gleichen Dingen und das schwei\u00dft uns zusammen. Das schlie\u00dft aber nicht aus, dass wir uns auch mal auf die F\u00fc\u00dfe treten.&nbsp;Ein Boot ist kein Katalysator, um Meinungsverschiedenheiten zu gl\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;-<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>10.&nbsp;Haben eure Reisen in den vergangenen Jahren die Strapazen rund um den Verlust der alten Freydis in Fukushima und den Neubau, den ihr damals immerhin mit Anfang 70 beide zusammen gestemmt haben, aufgewogen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 10. Ja, das haben sie &#8211; auf jeden Fall. Als wir 2012, also vor 6 Jahren starteten, waren wir ersch\u00f6pft und keineswegs sicher, ob wir uns in unserem fortgeschrittenen Alter nicht zu viel vorgenommen hatten. Heute wissen wir: Es war genau richtig!<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir nach drei Jahren das erste Mal wieder vor den Resten unserer alten Freydis standen, hat uns das sehr ber\u00fchrt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schmerz und Trauer waren in den Hintergrund getreten, und es war eher Dankbarkeit f\u00fcr die zweite Chance, die wir bekommen hatten &#8211; im Gegensatz zu den vielen japanischen Opfern der Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>11. Hat das nicht auch alles unglaublich viel Energie und Geld gekostet?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 11. Nat\u00fcrlich &#8211; wir haben uns damals v\u00f6llig verausgabt. Aber im Laufe der Reise waren wir dann doch wieder die &#8222;Alten&#8220;. Wir haben den Verlust nach und nach verarbeitet und unsere &#8222;Batterien&#8220; wieder aufgeladen. Dabei haben unsere Freunde und Mitsegler sehr geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Kosten: Das Geld f\u00fcr das neue Boot war nat\u00fcrlich weg und damit eine wesentliche S\u00e4ule unserer Altersvorsorge. Aber wir kommen klar und sind dabei auch noch gl\u00fccklich &#8211; und das ist doch die Hauptsache.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>12. Dein neues Buch ESKAPADE handelt unter anderem von der Nordwest-Passage. Was treibt euch in eurem Alter noch zu solchen H\u00f6chstleistungen an?&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 12.&nbsp;&nbsp;Zum Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir uns immer f\u00fcr solche Unternehmungen noch begeistern und wir haben noch die Kraft dazu. Was unsere Motivation dazu angeht, so ist es:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>eine Mischung aus verschiedenen Komponenten und bei uns beiden nicht unbedingt die gleichen, zumindest nicht gleich-gewichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind Motive, die alle Menschen antreibt: Entdeckerfreude, Neugier und Wissensdurst, sportliche Ambitionen, Herausforderung, denen man sich stellt, trotz Risiken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie treiben Wissenschaftler zum Mond, auch Bergsteiger auf Gipfel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nliches: Es war die wunderbare Erkenntnis, dass es uns mit diesem kleinen Boot m\u00f6glich war, die entlegensten Winkeln der Erde aufzusp\u00fcren. Viele w\u00e4ren auf andere Weise gar nicht, oder nur schwer zu erreichen gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit zunehmendem Alter hat sich das ein wenig ge\u00e4ndert:<\/p>\n\n\n\n<p>immer weniger sehen wir das Segeln an sich als Herausforderung &#8211; immer mehr sind es die einzigartigen Naturerlebnisse, die uns antreiben, und die Freude daran, unsere Erfahrungen und Erlebnisse zu teilen und mitzuteilen, indem wir Mitsegler mitnehmen, aber auch, indem Erich fotografiert und ich schreibe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere \u201eHerzenslandschaft\u201c sind die antarktischen und arktischen Gebiete. Aber nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir auch der \u201eSonnenseite des Segelns\u201c viel abgewinnen: Der S\u00fcdsee zum Beispiel, in der wir uns mehrmals und insgesamt viele Jahre aufgehalten haben. W\u00e4rme, Sonne, Palmenstr\u00e4nden, schillernden Lagunen, freundlichen Menschen&#8230;das alles lieben wir sehr. Wer sehnt sich nicht nach Entspannung, Heiterkeit, unbeschwertem Leben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em>&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>13. Gab es Situationen, wo ihr dachtet: Jetzt ist es aus, vorbei! Wie geht man mit so etwas um? (Grenzbereiche, h\u00e4rteste Pr\u00fcfung)<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 13. Ja, es gab etliche prek\u00e4re Situationen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schiff ist an seiner Grenze, wenn Eispressung, Schiffsvereisung, Durchkenterung in schwerer See oder Strandung droht&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>und eine Crew, wenn sie enormer Beanspruchung und enormen Strapazen ausgesetzt ist &#8211; K\u00e4lte, Seekrankheit, Schlaflosigkeit etc.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4rtesten Pr\u00fcfungen waren wohl, als wir 1990 aufbrachen, um erst am Rand der Antarktischen Halbinsel zu \u00fcberwintern und dann \u00fcber die Meere der S\u00fcdhalbkugel zu segeln. Erst brannte die Freydis in Argentinien fast v\u00f6llig aus, wenig sp\u00e4ter dann die Strandung im Krater von Deception, als sich die erhoffte geruhsame \u00dcberwinterung dort schlagartig in einen Kampf ums \u00dcberleben verwandelte. Und als wir das ramponierte Schiff im Fr\u00fchjahr wieder nach S\u00fcdamerika zur\u00fccksegeln mussten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>oder die Nacht in der Crozet-Bucht im S\u00fcdindischen Ozean, als in schwerstem Sturm die Ankerkette brach&#8230;. Ich war mit zwei \u00e4lteren Mitseglern allein an Bord, w\u00e4hrend Erich mit der restlichen Crew gezwungen war auf der gottverlassenen, eisigen Insel zu biwakieren, weil sie nicht mehr zur Freydis zur\u00fcck konnten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcdindischen Ozean hatten wir auch den einzigen Knockdown in all den Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr riskantes Vorhaben war auch unsere Reise zum Rossmeer bis 70\u00b0 S: die gro\u00dfen Entfernungen und die K\u00e4lte, die auf See schwer zu bek\u00e4mpfen war &#8211; ein unberechenbarer Feind: von einem Tag auf den anderen froren unsere Wasservorr\u00e4te ein! Dazu das Packeis, das uns immer wieder einschloss, es h\u00e4tte uns leicht zerquetschen k\u00f6nnen \u2013 ganz zu Schweigen von den heftigen katabatischen St\u00fcrmen (Fallwinde von der Antarktis).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Mikronesien und Japan bekamen wir es mit etlichen Taifunen zu tun \u2013 zwei zogen direkt \u00fcber uns hinweg;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>und nat\u00fcrlich war auch die Nordwestpassage mit einem hohen Risiko verbunden. Das Durchkommen ist immer noch ein Gl\u00fccksspiel mit unsicherem Ausgang.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht man damit um? So gut man eben kann. Danach habe ich mich oft meinem Tagebuch anvertraut, mir die Angst von der Seele geschrieben. die Situationen noch einmal zu reflektieren und verarbeiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>14. Habt ihr an Bord auch Ungl\u00fccksf\u00e4lle oder Krankheiten erlebt?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 14. Zum Gl\u00fcck ist bei uns bisher keiner auf See \u00fcber Bord gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von kleineren Verletzungen (Mitsegler ungl\u00fccklich gest\u00fcrzt, Schraube vom Masttop auf den Kopf gefallen, Schnittwunden oder Verbrennungen &#8211; Schot ist durch die H\u00e4nde gerauscht etc&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>gab es schon mal Knochenbr\u00fcche \u2013 Wirbel-, Finger- Rippen &#8211; meist in Extremsituationen bei Ankeraufman\u00f6vern oder an der Winsch. Dann auch R\u00fcckenbeschwerden, Bandscheibensch\u00e4den.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Strahlenschaden am Fu\u00df (in Fukushima) mit schwer heilender Wunde.<\/p>\n\n\n\n<p>In kalten Regionen nichts Ansteckendes, aber Erfrierungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den Tropen: \u201elagen wir vor Madagaskar und hatten &#8211; nicht die Pest an Bord -, mein Skipper hatte Malaria; in der S\u00fcdsee (Gambier) bekam er Denguefieber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf vielen Inseln in Melanesien gibt es keine \u00c4rzte, und Krankenh\u00e4user allenfalls in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten. Da kann ich dann ein bisschen helfen oder wenigstens beraten. Es gibt auch keine Apotheken und nur wenig Medikamente im Supermarkt zu kaufen &#8211; und schon gar keine teuren \u2013 zum Gl\u00fcck kann Malaria nun sehr billig mit Artemisinin kuriert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Seekrankheit will ich auch nennen, sie kann einem die Reise t\u00fcchtig vermiesen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>15. Wenn ihr die Jahre mit eurem neuen Boot &#8211; also ab 2012 Revue passieren lasst &#8211; was war anders als auf euren vielen Weltreisen zuvor?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 15. Kurzfassung: Da ist als erstes das Wetter zu nennen. So etwas haben wir noch nicht erlebt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wetter hat uns von Deutschland bis Alaska (drei Jahre) regelrecht maltr\u00e4tiert. Seit der Ausreise im Juli 2012 hatten wir Windverh\u00e4ltnisse, die v\u00f6llig untypisch waren. Sch\u00f6nes Passatsegeln, wie wir es kennen und wie es \u201enormal\u201c ist, gab es weder auf dem Atlantik noch auf dem Pazifik. Gleichm\u00e4\u00dfigen Wind gab es nicht f\u00fcr zwei Tage am St\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>40 Jahre haben wir es geschafft Wirbelst\u00fcrme zu vermeiden. Als wir nun von der Barfu\u00dfroute abbogen, um durch Melanesien und Mikronesien nach Japan zu segeln, bekamen wir es gleich mit sechs Taifunen zu tun.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Schon von der Ems bis nach Lissabon hatten wir den Wind permanent aus SW bis W, weil das Islandtief monatelang nicht an seiner \u00fcblichen Stelle lag, sondern 1000 Meilen s\u00fcdlicher \u00fcber Irland. Dann hielt ein tropischer Sturm von Madeira aus auf Portugal zu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bestimmte wochenlang der riesige Hurrikan &#8222;Sandy\u201c das Wettergeschehen auf dem Nordatlantik. Und auf dem T\u00f6rn \u00fcber den Atlantik herrschten statt des Nordostpassats \u00fcberwiegend umlaufende Winde und Flauten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und auf dem Pazifik ging es genau so verr\u00fcckt weiter. Auf der Strecke von den Galapagos zu den Marquesas \u2013 \u00fcber 3000 Seemeilen \u2013 sie gilt vielen Seglern als sch\u00f6nste Passatstrecke \u00fcberhaupt, hatten wir diesmal kaum Wind, oft totale Flaute. Immer wieder musste die Maschine herhalten. In der Kalmenzone nistete sich ein Tiefdruckgebiet ein und brachte uns nichts als b\u00f6ige Walzen und Regen. Ein wilder Ritt mit drei Reffs im Gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Und keine Nacht, die wir in den Tuamotus nicht gezittert haben. Wir lagen einmal vor 75 Meter Kette an einem eigentlich sicheren Ankerplatz, dabei die ganze Nacht halbwach im Cockpit mit einer Hand am Z\u00fcndschl\u00fcssel. Bis Australien haben wir keine einzige halbwegs normale Wetterlage erlebt. Dabei war das Timing optimal.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen vom Wetter, bei den Bewohnern:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den entlegenen Inseln in Melanesien bemerkten wir einen Niedergang der alten Kulturen, ein ersatzloses Ablegen von Traditionen, Glauben und Werten. Handys und Kleidung aus China, aber keine echte Verbesserung der Lebensbedingungen \u2013 eher Verunsicherung (in Melanesien genauso wie etwa auf den Inseln im Beringmeer).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch beim Segeln: ein moderner Technikwahn hat Einzug gehalten an Bord: das Spartanische ist gehobener Lebensart gewichen mit all seinen Folgen (\u00fcber den Mikrokosmos der eigenen Yacht hinaus.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Langfahrtsegeln ist viel st\u00e4rker kommerzialisiert und reglementiert als fr\u00fcher. In der Segelwelt spielt Geld eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle \u2013 ob in Marinas, bei der Passage durch den Panamakanal, auf den Galapagos-Inseln oder in den Hochburgen Franz\u00f6sisch-Polynesiens.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 40 Jahren, als wir das erste Mal in die Antarktis segelten, navigierten wir noch fast wie zu Cooks Zeiten! weder Satellitennavigation noch Radar an Bord \u2013 das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Auf dem Masttop prangte ein Goniopeiler! Es gab keine Serienbooten, keine Charterboote und von Globalisierung oder Klimawandel war noch keine Rede.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Navigation ist entzaubert. Sie ist keine Kunst mehr, wie sie es tats\u00e4chlich fr\u00fcher war &#8211; gewachsen aus viel \u00dcbung und langj\u00e4hriger Erfahrung. Aber auch das Gl\u00fccksgef\u00fchl und der Stolz, wenn man am Horizont sein Ziel auftauchen sah, wo man es erwartet hatte, stellen sich heute nicht mehr ein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>16. Was w\u00fcrdet ihr als die sch\u00f6nsten Momente eurer Reisen in extreme Gebiete bezeichnen? Die Frage nach d e m Sch\u00f6nsten ist wohl schwer zu beantworten.&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 16. Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung im positiven Sinne war f\u00fcr mich immer wieder die Freundlichkeit, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen wir in extremen Gebieten begegnet sind \u2013 sowohl auf den wissenschaftlichen Stationen in der Antarktis, als auch in den arktischen Ortschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Faszinierend auch die unber\u00fchrte Natur auf menschenleeren Inseln: Die Tiere, die keine Scheu vor uns zeigten&#8230;&nbsp;<em>In dieser Hinsicht haben wir auch&nbsp;<\/em>in der Wildnis Alaskas unvergessliche Eindr\u00fccke gesammelt<em>&nbsp;\u2013&nbsp;<\/em>B\u00e4ren, W\u00f6lfe, Gletscher, Vulkane.<\/p>\n\n\n\n<p>Inseln voller faszinierender \u00dcberraschungen in der Subantarktis waren f\u00fcr uns S\u00fcdgeorgien und die (aktiven) Vulkaninseln der S\u00fcdsandwich: diese grandiose Mischung aus landschaftlichen Superlativen und unvorstellbar reichem Tierleben ist \u00fcberw\u00e4ltigend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Landschaftlich ist aber auch Alaska oder Gr\u00f6nland ein fantastisches Revier.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>17.&nbsp;W\u00fcrdet ihr noch mal mit dem Segeln anfangen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 17. Ein viertes Boot bauen, w\u00fcrden wir sicher nicht mehr &#8211; alles hat einmal ein Ende! Aber wenn wir jung w\u00e4ren \u2013 zweifellos. Wir bereuen nichts!<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>18. Welche Ziele habt ihr f\u00fcr die Zukunft ?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 18. Es gibt noch genug Herausforderungen f\u00fcr uns. Wir haben das Gef\u00fchl, dass ein Leben l\u00e4ngst nicht ausreicht, um all das zu sehen, was wir gerne noch sehen m\u00f6chten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind jetzt 77 und planen nur noch f\u00fcr ein Jahr im voraus. Sicher ist: wir werden nicht mehr so viel segeln wie bisher. In unserem Alter muss man haushalten mit seinen Kr\u00e4ften.<\/p>\n\n\n\n<p>Das viele Segeln in den letzten Jahren hat uns viel Kraft gekostet, st\u00e4ndig auf dem Sprung sein, st\u00e4ndig \u201eaus dem Seesack\u201c leben. Selbst in den Pausen zu Hause waren wir doch immer in Gedanken beim Boot, immer am Planen und am Packen. Ich freue ich mich auf ein bisschen mehr Ruhe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>19. D<\/em><em>ie Liste der Stationen Ihrer Reise ist lang. Was waren die am h\u00e4rtesten erk\u00e4mpften Ziele, welches die gr\u00f6\u00dfte Entt\u00e4uschung und welches die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die sub- und die antarktischen Inseln, vor allem auch unsere Reise zum Rossmeer, unsere beiden Reisen nach Japan und durch Japan, die anschlie\u00dfende Reise zu den Aleuten und durch die Aleutenkette, und nat\u00fcrlich die Nordwestpassage.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Negativ: Nat\u00fcrlich, dass wir unsere Freydis II durch den Tsunami in Fukushima verloren haben. Vielleicht auch damals im Rossmeer, dass wir nur bis auf 70 Grad S\u00fcd kamen und nicht nach Mc. Murdo. Die Station h\u00e4tten wir damals sehr gern besucht.<\/p>\n\n\n\n<p>b) Positiv: dass wir mit unserem kleinen Boot auch die hintersten Winkel der Erde besuchen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>20. In den letzten Jahren hatten Sie auch modernste Kommunikationsmittel (Sat-phone) an Bord, waren also auch am letzten Winkel der Erde erreichbar. Fluch oder Segen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 20. Kommunikation an Bord ist sicher beides \u2013 Fluch und Segen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind eher kommunikations-faul, haben jedoch die letzten Jahre ein Sat-Phone an Bord, mit dem wir Wetterdaten empfangen und in besonderen F\u00e4llen auch telefonieren oder kurze E-Mails senden k\u00f6nnen. Ein Immersat-Ger\u00e4t haben wir nicht an Bord.<\/p>\n\n\n\n<p>(Seit \u00fcber 20 Jahren haben wir Kurzwelle an Bord und konnten damit \u00fcber K\u00fcstenfunkstellen nach Hause telefonieren. Aber dieses System ist umst\u00e4ndlich und teuer.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben es seit 1999 immer wieder, wie in den k\u00fcstennahen Zonen die Handy-(Mobile-) Telefonitis ausbricht. Pl\u00f6tzlich kommen alle beruflichen und privaten Probleme an Bord und beeinflussen die Stimmung. Die Abgeschiedenheit ist dahin! Vielleicht muss der Gebrauch mobiler Telefone an Bord genauso geregelt werden wie der Konsum von Alkohol oder Zigaretten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits kann Kommunikation auch ein Segen sein \u2013 f\u00fcr uns etwa bei den Taifunen, die uns in Mikronesien und Japan bedrohten. Man muss einen Kompromiss finden, vielleicht sogar Regeln aufstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;-<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>21. Nach all den Eindr\u00fccken von den sch\u00f6nsten Winkeln dieser Erde, ist da Deutschland \u00fcberhaupt noch eine Heimat f\u00fcr Sie?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 21. Gerade w e i l wir so viel unterwegs sind, haben wir unser Nest in Deutschland immer gebraucht, es war unser Fels in der Brandung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>22. Seit 50 Jahren sind sie mittlerweile mit der \u201eFreydis\u201c unterwegs in vielen extremen Revieren. Wie h\u00e4lt so ein Schiff das eigentlich aus &#8211; ist man da nicht nur am reparieren?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 22. Tats\u00e4chlich fallen st\u00e4ndig \u00dcberholungsarbeiten und Reparaturen an; und in unserer T\u00f6rnplanung sehen wir daf\u00fcr auch immer ausreichend Zeit vor und w\u00e4hlen geeignete Orte aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der alten Freydis sind wir 33 Jahre unterwegs gewesen und sind etwa 248.000 Seemeilen gesegelt (Erdumfang 21.600 Seemeilen\/ Seemeile =1,853 Kilometer). Sie war extrem belastet worden, deshalb hoher Materialverschlei\u00df gehabt. Vor allem infolge von Brand und Strandung war damals immense Arbeit auf uns zu gekommen. Wir hatten nach so vielen Jahren allen Ernstes erwogen, uns ein neues Boot zuzulegen &#8211; brachten es dann aber doch nicht fertig, uns von der \u201eFreydis\u201c zu trennen. Unsere alte Freydis war nicht gerade schnittig und auch nicht die schnellste. Aber wir hingen an dem Schiff. Wir \u00fcberholten es komplett, wobei es aber recht spartanisch eingerichtet blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam der Tsunami, und wir haben nun ein neues Boot, unsere jetzige Freydis: etwas gr\u00f6\u00dfer, etwas schneller und nicht mehr ganz so spartanisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben zwei K\u00fchltruhen und eine&nbsp;Tiefk\u00fchltruhe, in der wir w\u00e4hrend unseres langen Alaska-Aufenthaltes die Lachse und Heilbutte untergebracht haben, die wir nicht gleich verzehren konnten. Dazu die Navigationsger\u00e4te und die Selbststeuerung,&nbsp;ein&nbsp;Hei\u00dfwasserboiler mit Dusche und eine Entsalzungsanlage &#8211;&nbsp;also genug Stromfresser&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten halten wir es mit Antoine de St. Exuperie: \u201e<em>Technische Perfektion ist nicht erreicht, wenn man nichts mehr hinzuf\u00fcgen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Einschub:&nbsp;<\/em>Obwohl wir nur wenige gr\u00f6\u00dfere Verbraucher haben &#8211; Autopilot, K\u00fchl- und Tiefk\u00fchtruhe \u2013 reichen Windgenerator und Wassergenerator w\u00fcrden zur Stromerzeugung reichen, aber &#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p>an der Hauptmaschine zwei starke Lichtmaschinen mit Spezialregler. Um die Maschinenlaufzeit auf See aber m\u00f6glichst gering zu halten, setzen wir, wenn das Wetter es zul\u00e4sst, noch einen mobilen 5 PS Benzin-Generator an Deck ein, der Strom in das starke 220 V Ladeger\u00e4t (100 Amp\u00e8re\/Stunde) einspeist. )&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir staunen oft \u00fcber den zus\u00e4tzlichen Luxus, mit dem andere Yachten ausger\u00fcstet sind: Immersat, Computer, Waschmaschine,&nbsp;Trockner,&nbsp;Elektroherd, Mikrowelle, Bugstrahlruder, elektrischen Schotwinschen und hydraulische Gangway&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die ganze Elektronik, Hydraulik und Telekommunikation, so wohltuend sie auch sein mag, wenn sie funktioniert, bringt wieder Abh\u00e4ngigkeit an Bord, von der man sich doch gerade befreien wollte:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>a) Abh\u00e4ngigkeit vom Strom (Hauptmaschine, Generator).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>b) Abh\u00e4ngigkeit von Spezialisten, wenn etwas ausf\u00e4llt! Denn in den seltensten F\u00e4llen kann man St\u00f6rungen der komplizierten Systeme selbst beheben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>23. Was ist f\u00fcr Sie das Sch\u00f6nste am Segeln:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 23. Dass wir mit dem kleinen Schiff \u00fcberall hin k\u00f6nnen, autark sind. Es ist diese tolle Unabh\u00e4ngigkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der unverstellte Blick auf das Meer, auf die Sonnenunter- und Sonnenaufg\u00e4nge, das Erlebnis der Natur, die wir besuchen: ihre Macht, ihre Grandiosit\u00e4t, ihre Sch\u00f6nheit: Meer, St\u00fcrme, Eis, Vulkane\/ Gletscher\/ Tiere&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4sst einen stumm werden, schafft Frieden in uns und eine Art Fatalismus, der nicht l\u00e4hmt, sondern gl\u00fccklich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>(Das Meer: Es hatte f\u00fcr mich schon immer etwas Anziehendes. Allein die Tatsache, dass alles Leben in ihm entstanden ist, macht es geheimnisvoll und interessant. Auch das Auf und Ab seiner Wellen, sein Kommen und Gehen im Takt der Gezeiten, seine gewaltigen Str\u00f6mungen, seine Tiere \u2013 eine fremde Welt wie auf einem anderen Planeten. )&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>24. Als sie 2011 durch den Tsunami in Fukushima Ihr Boot verloren, waren sie bereit 70. Woher nahmen Sie die Kraft, noch einmal neu zu beginnen und ein Boot auszubauen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 24. Pl\u00f6tzlich war kein Boot mehr da; all unsere Tr\u00e4ume zerplatzten wie Seifenblasen. Was sollten wir tun? in Anbetracht unseres Alters das Segeln beenden, in der Erinnerung leben? Oder doch noch unseren Traum weiterleben? Dann war ein eigenes Boot unverzichtbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(In diesem Jahr hatten wir vor, von unserem Winterliegeplatz auf Honshu \u00fcber Hokkaido nach Kamtschatka\/Sibirien zu segeln, dann \u00fcber die Kommandeur-Inseln und die Aleuten wieder zur Alaska-Halbinsel und zum Golf von Alaska, wo wir die n\u00e4chsten Jahre verbringen wollten. Alle Vorbereitungen waren l\u00e4ngst abgeschlossen, unsere Mitsegler hatten ihre Fl\u00fcge gebucht. Aber der Tsunami in Japan und die anschlie\u00dfende Reaktorkatastrophe zerst\u00f6rten die&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;und machten all unsere Pl\u00e4ne zunichte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mitf\u00fchlende Freunde boten uns an, bei ihnen mitzusegeln, sogar Teilhaberschaften wurden uns angetragen, was uns ber\u00fchrt und getr\u00f6stet hat. )&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>25.&nbsp;Hat sich das neue Boot mit Aluminiumrumpf auf der Reise in Alaska und durch die Nordwestpassage bew\u00e4hrt?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 25.<em>&nbsp;<\/em>Das Boot hat unsere Erwartungen sogar noch \u00fcbertroffen. Es ist solide und praktisch, und es verf\u00fcgt \u00fcber hervorragende Segeleigenschaften. Nicht umsonst sind unsere Erfahrungen aus 50 Jahren Segeln in seinen Bau eingeflossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bei aller Sorgfalt gab es auf neuen Booten auch viele Kinderkrankheiten: Sie alle aufzuz\u00e4hlen w\u00fcrde zu weit f\u00fchren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>( Die alternative Energie-Erzeugung klappte nur zum Teil, die Wassergeneratoren fielen aus, viel \u00c4rger hatten wir mit der Elektronik und mit den Bordbatterien auf Grund eines Fehlers in der Regeltechnik. Das Gro\u00dfsegel ging bereits nach zwei Jahren wegen Materialfehlers in Fetzen, die elektronischen Selbststeueranlagen gingen wegen fehlerhafter Montage zu Bruch, einer der beiden Trinkwassertanks platzte, da nicht fachgerecht eingebaut usw. Die Liste ist lang und wir hatten unterwegs genug zu tun, um alle Sch\u00e4den zu beheben)<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8211;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>26. Statt durch den Panamakanal oder \u00fcber die S\u00fcdsee, Australien und S\u00fcdafrika nach Europa zur\u00fcckzukehren, hattet ihr euch nach gr\u00fcndlicher \u00dcberlegung f\u00fcr die k\u00fcrzere, aber auch sehr viel anspruchsvollere Variante entschieden: f\u00fcr die legend\u00e4re Nordwestpassage. Kein anderer Seeweg ist so schwer zu bezwingen wie diese ber\u00fcchtigte Passage. Wie kam es dazu?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 26.&nbsp;<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>a) Wir befanden uns mit der Freydis bereits in Kodiak\/Alaska, als wir die Entscheidung trafen. Es war der k\u00fcrzeste Weg zur\u00fcck in den Atlantik &#8211; sonst gab es nur den Panamakanal, die lange Reise um Kap Hoorn oder die noch l\u00e4ngere nach Australien und ums Kap der Guten Hoffnung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>b) Der Klimawandel&nbsp;und die verbesserte Wetter- und Eisvorhersage&nbsp;hatte die Durchquerung dieser&nbsp;5000 Seemeilen langen Strecke, die n\u00f6rdlich des amerikanischen Kontinents den Atlantischen Ozean mit dem Pazifischen Ozean verbindet,&nbsp;in manchen Sommern m\u00f6glich gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>c) Wir glaubten, dass wir sie mit unserem Boot die Voraussetzungen dazu hatten, um die Passage&nbsp;in Angriff zu nehmen, die trotz Klimawandel eine enorme Herausforderung f\u00fcr ein kleines Boot ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor uns lag eine gewaltige Strecke, die in dem kurzen arktischen Sommer bezwungen werden musste. Wir haben sie in vier Abschnitte unterteilt, wobei uns jeweils sehr erfahrene Mitsegler begleitet haben. So konnten wir die Belastungen auf mehrere Schultern verteilen und schnell vorankommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte uns das Eis nicht passieren lassen, w\u00e4ren wir gezwungen gewesen, ein Jahr vielleicht irgendwo unter extremen Bedingungen zu \u00fcberwintern &#8211; Im schlimmsten Fall h\u00e4tte das Eis die Freydis zerquetscht. Dieses Risiko mussten wir eingehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>27. Die NW-Passage bedurfte sicherlich akribischen Vorbereitung. Was mussten Sie dabei besonderes bedenken, was bei anderen T\u00f6rns keine Rolle spielt?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 27. Wir&nbsp;mussten mit vielen Risiken rechnen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren komplett auf uns allein gestellt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir mussten alles Notwendige an Bord mitnehmen (kaum Superm\u00e4rkte oder Gelegenheiten zu Tanken).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Boot musste durchhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Crew musste durchhalten \u2013 keiner durfte ernsthaft krank werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Crew-Wechsel m\u00fcssen zeitlich genau eingehalten werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>28. Sie sind Ende Mai in Alaska gestartet und haben im September Gr\u00f6nland erreicht. Gr\u00f6nland kannten Sie ja bereits: Vor \u00fcber 30 Jahren waren Sie mit der alten \u201eFreydis\u201c schon einmal dort.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ad 28.<em>&nbsp;<\/em>Das erste Mal waren wir 1986 an der Westk\u00fcste Gr\u00f6nlands &#8211; dann auch an der Ostk\u00fcste bis zur ScoresbySund (und an der Westk\u00fcste Spitzbergens nach Norden bis zur Packeisgrenze auf 80 Grad Nord.)&nbsp;Damals war Gr\u00f6nland f\u00fcr Segler fast noch \u201eterra incognita\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>1988 waren wir erneut in Gr\u00f6nland und wollten \u00fcber den Polarkreis bis zur Diskobucht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Maschinenschaden zwang uns, in der Hauptstadt Nuuk zu bleiben, um den Schaden zu beheben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2017, im Anschluss an die NWPassage, klappte es dann mit der Diskobucht, und 2018 sind wir auch noch einmal ausgiebig in dieser unglaublich sch\u00f6nen Bucht gesegelt &#8211; anschlie\u00dfend&nbsp;um Kap Farvel auf die Ostseite nach Tassilaq im S\u00fcden der Insel Amassalik, wo wir auch auf den Inlandeis-\u00dcberquerer Robert Peroni antrafen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6nl\u00e4ndische K\u00fcste war und ist f\u00fcr uns wirklich spektakul\u00e4r.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>29. Durch vierzehn B\u00fccher und viele Reportagen in der \u201eYacht\u201c, in GEO und anderen Zeitschriften sind sie zu bekannten Personen in der Fahrtenseglerszene geworden. Freut Sie das oder bereuen Sie das manchmal?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich freuen wir uns \u00fcber die Anteilnahme, die wir erfahren. In Reportagen und B\u00fcchern ver\u00f6ffentlichen wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen und wir freuen uns, wenn sie gelesen werden. Dadurch erlangt man nat\u00fcrlich auch eine gewisse Bekanntheit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Vortr\u00e4ge und Ver\u00f6ffentlichungen sto\u00dfen auch immer wieder neue Segler zu unserer Stammcrew hinzu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>30. Woher nehmen Sie den Mut, diese Strecke zu wagen?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer nicht wagt, der nicht gewinnt \u2013 so einfach ist das.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>31. Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Reise, ist auch Ihre Beobachtung der schnell schmelzenden Gletscher in Alaska gewesen?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Gletscher, die wir in Alaska besuchten, so schnell wie nie abschmelzen, sind Ausdruck des Klimawandels. Er erfasst in besonderem Ma\u00dfe die Polarregionen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erst dadurch wurde die NWP f\u00fcr Yachten befahrbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>1. Sie haben die Erfahrung aus 50 Segeljahren und \u00fcber 300 000 Meilen in den Bau Ihrer \u201eFreydis\u201c einflie\u00dfen lassen. Anderthalb Jahre und eine halbe Weltumsegelung sp\u00e4ter: Wie lautet Ihre Bilanz?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1. Nachdem wir den Atlantik und den Pazifik achteraus haben und durch die NWPassage wieder im Atlantik sind \u2013 wir liegen derzeit in Island \u2013, kann ich sagen: konzeptionelle Fehler haben wir nicht gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>2. Der klobige Kasten unter dem Rumpf, der den Schwenkkiel aufnimmt, hat bei einigen Skeptikern, nun ja, eher f\u00fcr Heiterkeit gesorgt.&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>2. Auch wir waren gespannt, ob das alles so funktioniert. Ob das Schiff zum Beispiel mit luv- oder leegierigkeit reagiert, oder ob die Box negativen Einfluss hat auf Abdrift oder Steuerverhalten, das musste sich erst in der Praxis zeigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wurden positiv \u00fcberrascht, das Schiff l\u00e4sst sich viel besser steuern als seine Vorg\u00e4ngerin. Es springt leichter an und geht nicht so beh\u00e4big durch die Wellen. Die Segeleigenschaften leiden also \u00fcberhaupt nicht unter der Kielbox. Wir sind transatlantik im Verbund mit einer neuen Hallberg-Rassy 49 gesegelt, der \u201eRainbow\u201c, die nur das Teuerste und Beste an Bord hatte, inklusive Segel. Sie lief nat\u00fcrlich mehr H\u00f6he, aber das war vorher klar. Sie war auch bei mittleren Winden schneller, weil sie erheblich leichter ist als die \u201eFreydis\u201c. Aber wenn wir die bunten Segel setzen konnten, haben wir sie abgeh\u00e4ngt. Da gab es kein Halten mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>3. Und die gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftigen Proportionen der Yacht? Die \u201eFreydis\u201c ist \u00e4u\u00dferst hochbordig, das Deckshaus ragt drei Meter aus dem Wasser.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>3. Mehr Ballast im Kiel. Die \u201eFreydis\u201c segelt deutlich trockener, das ist bequemeres Segeln. Die Bef\u00fcrchtungen, dass sie bei Starkwind leichter und heftiger kr\u00e4ngt oder dass es ungem\u00fctlich schaukelt, waren unberechtigt. Das Konzept ist sicher gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, beschert uns aber eine Menge Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viel Platz, und unsere Mitsegler haben es komfortabler als fr\u00fcher. Trotzdem fehlt Stauraum. Denn wir haben ihn anders genutzt. z.B. ist der Maschinenraum bequem begehbar. Aber was ich heute von der Aufteilung her sicher anders machen w\u00fcrde: einen Platz mit einer separaten Steckdosenleiste einrichten. Die Sitzecke im Salon ist meistens komplett belegt mit irgendwelchen Ladekabeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>4. Das Schiff entstand unter dem Leitgedanken: Alles eine gute Nummer gr\u00f6\u00dfer dimensionieren, als man es normalerweise macht \u2013 ist das eine kluge Entscheidung?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>4. Unbedingt, auch wenn es nat\u00fcrlich mehr Gewicht an Bord gebracht hat. Wir hatten schon manches Mal Zweifel, ob wir das allein schaffen in unserem Alter, den Umgang mit den riesigen B\u00e4umen und mit dem Gro\u00df, das immerhin 50 Prozent mehr Fl\u00e4che hat als das alte. XXXXDa wirken schon andere Kr\u00e4fte, und es war anfangs nicht klar, ob wir immer alles im Griff behalten. Aber es ist ein Meisterst\u00fcck, was Selden da als Rigg geliefert hat: vom Handling klasse, von den Anordnungen sinnvoll und vern\u00fcnftig dimensioniert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben mehrere gro\u00dfe Filter f\u00fcr den Diesel, die haben uns manchen \u00c4rger erspart. Verunreinigter Kraftstoff wird zunehmend zu einem Problem, das ist wirklich auff\u00e4llig, ein ganz zentrales Thema unter Blauwasserseglern. Der Diesel gelangt durch die Filter in einen Tagestank, und alles, was dann noch an Schmutz darin ist, kann man dort problemlos ablassen und beseitigen. Auch haben wir mit Additiven nicht gespart.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>5. Was h\u00e4tten Sie besser machen k\u00f6nnen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>5. Da ist in den 8 Jahren unterwegs ein ganzer Schwung zusammengekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Antifouling war eine Katastrophe &#8211; in Lissabon zum ersten und in Panama zum zweiten Mal erneuern. Ein amerikanisches Produkt, das offenbar kaum noch etwas gegen den Bewuchs enth\u00e4lt, dazu sehr teuer. Wir haben uns dann in Panama Farbe aus der Berufsschifffahrt geholt. Wenn der Bewuchs runter ist, l\u00e4uft das Schiff, als h\u00e4tte man eine Handbremse gel\u00f6st.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bordelektronik funktioniert nicht st\u00f6rungsfrei, Plotter, einer der Autopiloten, Windanzeiger und Logge. Und dann war da noch die Geschichte mit dem Wassertank.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir lagen auf Gran Canaria und hatten Besorgungen zu machen. Die Crew sollte in der Zwischenzeit Frischwasser bunkern. Als wir ungef\u00e4hr nach zwei Stunden wiederkamen, standen die Mitsegler immer noch auf der Pier und unterhielten sich fr\u00f6hlich, das Wasser lief. Da habe ich mit das Schiff angesehen und gesagt: \u201eLeute, wo ist denn unser Wasserpass geblieben.\u201c Die \u201eFreydis\u201c war mittlerweile ordentlich vollgelaufen, die Bodenbretter schwammen schon, das Wasser stand direkt an der Maschine. Das h\u00e4tte auch ganz anders ausgehen k\u00f6nnen. Wir sind froh, dass wir den Elektriker seinerzeit davon abhalten konnte, die Zentraleinheiten f\u00fcr die Elektronik tief unten im Schiff zu installieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist passiert?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben einen 800-Liter-Kunststoff-Tank, und der war beim Einbau nicht richtig fixiert und stabilisiert worden. Im Seegang ist diese Masse dann in Bewegung geraten, und irgendwann riss der Tank auf 50 Zentimeter L\u00e4nge. Mit den Tanks haben wir nicht so richtig Gl\u00fcck gehabt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt auch f\u00fcr Kraftstoff. Beim ersten Einf\u00fcllen dr\u00fccke ich die Zapfpistole, und peng, fliegt mir der Diesel ins Gesicht. Da hatten die Tischer beim Einbau der Verschalung ein Entl\u00fcftungsrohr abgeknickt. Aber finden Sie solch eine Ursache mal! Und finden Sie eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum wir in einen 2000-Liter-Tank nur 1500 Liter hineinbekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwo muss eine gewaltige Luftblase sein. Wenn nach dem Tanken einigen Kurven drehen, bekomme ich anschlie\u00dfend noch 150 Liter hinein. Wir wissen bis heute nicht, wo sich diese Blase befindet. An die Stelle m\u00fcsste wohl noch eine Entl\u00fcftung. Ansonsten gibt es keine gr\u00f6\u00dferen Baustellen, eher das \u00fcbliche: defekter Herd, gebrochene Toilettenpumpe, Riss im Gro\u00df, leckende Stopfbuchse, so etwas.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>6. Sie haben zwei Windgeneratoren, zwei Wassergeneratoren, verzichten aber auf Solarenergie. Haben sie genug Strom an Bord?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>6. Die Windgeneratoren arbeiten sehr gut, aber sie k\u00f6nnen den Bordstrombedarf nicht zu 100 Prozent decken. Bei st\u00e4ndig mehr als 20 Knoten sogar das fast geschafft. Mit den Wassergeneratoren hatten wir Probleme, sie waren im Betrieb ungeheuer laut, das war insbesondere in den Achterkammern schwer auszuhalten. Da mussten wir zur Ger\u00e4uschd\u00e4mmung eine Gummipuffer-Konstruktion zur Bordwand hin nachr\u00fcsten. Abgesehen von dem Krach arbeiteten sie gut, lieferten Strom im \u00dcberschuss. Es reichte locker f\u00fcr den Betrieb von zwei K\u00fchlschr\u00e4nken, einer Tiefk\u00fchltruhe und den Autopiloten &#8211; die vier st\u00e4rksten Verbraucher an Bord. Allein mit Wasser- und Windgeneratoren kann man den Energiebedarf auf unserem Boot gut decken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>16. Sie haben auch mit GEO eine Reise durch Melanesien unternommen ?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>16. Das war 2007 und es ging zu den einsamsten Inseln Melanesiens (Vanuatu, Salomonen und Papua Neuguinea). Damals drehten wir den Bug der Freydis am Kap Hoorn um 180 Grad wieder in Richtung Pazifik. Letztlich f\u00fchrte diese Reise zu unserer zweiten Erdumsegelung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an die GEO Expedition sind wir durchs Gro\u00dfe Barriere Riff Australiens, durch die Torresstrasse und auf der Passatroute weiter in Ost-West Richtung ums Kap der Guten Hoffnung nach Hause gesegelt .\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p>Freydis: hat uns \u00fcber alle Meere getragen und mit uns zusammen alle St\u00fcrme gemeistert \u2013 bis auf das eine Mal&#8230;hat uns eine F\u00fclle von Erlebnissen gebracht. F\u00fcr uns war es wie ein Wunder, dass wir mit diesem kleinen Boot s.o.<\/p>\n\n\n\n<p>Kalmen: (Doldrums, Mallungen): Windarme Zone in der \u00e4quatorialen Tiefdruckrinne zwischen den Passatg\u00fcrteln der Nord und S\u00fcdhalbkugel bis 20\u00b0 N und S (calme oder calma = still).<\/p>\n\n\n\n<p>Rossbreiten: Windschwache Zonen des subtropischen Hochdruckg\u00fcrtels (Azorenhoch!) (25\u00b0-35\u00b0N und 30\u00b0-40\u00b0S) Zwischen Passaten und Westwindg\u00fcrtel.<\/p>\n\n\n\n<p>geht auf die Segelschiffahrt zur\u00fcck. In den Flauten gingen auf Pferdetransporten nach S\u00fcdamerika viele Pferde aus Futtermangel ein und wurden \u00fcber Bord geworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Der kurze Weg zur neuen Yacht<\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir auf den Kursen um die Erde immer noch Lust haben am Entdecken abseits der Trampelpfade und Marinas, muss es absolut hochseet\u00fcchtig sein. Unsere Stahlslup&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;hat unz\u00e4hligen St\u00fcrmen getrotzt: Ein einziger Knock Down in 33 Jahren \u2013 das spricht f\u00fcr sich. Auch ihr gesch\u00fctztes Ruder und ihre gesch\u00fctzte Schraube haben sich bew\u00e4hrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Soll es ein Boot nur f\u00fcr uns beide sein? In unserem Alter ist man nicht mehr so anpassungsf\u00e4hig und auch nicht mehr so tolerant. Und wir wollen nicht mehr so unter Zeitdruck stehen, die Reisen nicht mehr bis ins Letzte planen und statt dessen lieber nach Lust und Laune segeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Soll es trotzdem ein Boot sein, in dem wir mit Crew segeln k\u00f6nnen? Dann k\u00f6nnen wir auch weiterhin Inseln und Archipele anlaufen, die schwer zu erreichen und noch schwerer zu betreten sind. Und wir segeln in Gesellschaft, k\u00f6nnen unsere Erlebnisse mit anderen teilen. Ohne Mitsegler w\u00e4ren unsere Reisen \u00e4rmer &#8211; nicht so interessant und abwechslungsreich gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrden wir ohne Crew segeln, so w\u00e4re ein 13-14 Meter Boot, auch f\u00fcr die gro\u00dfe Fahrt, v\u00f6llig ausreichend. Mit Crew (wir beide und 4-5 Mitsegler) reicht das, nach unseren Erfahrungen, nicht aus, selbst wenn wir das nur abschnittsweise vorhaben. Auf der&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>waren wir all die Jahre oft zu siebt unterwegs, obwohl sie daf\u00fcr eigentlich nicht eingerichtet war: Es gab eine Vorkammer f\u00fcr uns und eine Achterkammer f\u00fcr zwei Mitsegler. Alle weiteren Mitsegler wurden in der Messe untergebracht. Dort gab es zwar genug Platz, aber keine abgetrennten Bereiche, also keine R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit au\u00dfer den eigenen Lotsenkojen. Besonders auf Langfahrten &#8211; die l\u00e4ngste dauerte 73 Tage! &#8211; erwies sich das manchmal doch als st\u00f6rend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Rolle bei unseren \u00dcberlegungen spielen die Kosten und die Zeit. Der Verlust unserer nicht versicherten&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;ist gewaltig, vor allem weil wir sie erst vor wenigen Jahren general-\u00fcberholt und neu ausger\u00fcstet hatten. Ein neues Boot ist kaum zu verkraften, auch weil wir auf die 70 zu gehen und nicht mehr die Zeit haben, jahrelang eigenh\u00e4ndig ein Boot zu bauen. Daher schien es uns sinnvoll, nach einem geeigneten Gebrauchtboot Ausschau zu halten, oder auch nach einem Kasko, den wir mit fremder Hilfe ausbauen k\u00f6nnen. Dabei sind wir uns nat\u00fcrlich bewusst, dass sich ein Boot mit jedem Meter L\u00e4nge \u00fcber-proportional verteuert: Von&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;I (11,30 m) auf&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;II (14,40 m) war die Schiffsl\u00e4nge um 25% angestiegen, das Volumen hatte sich aber ann\u00e4hernd verdoppelt und entsprechend auch die Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Verlust unserer&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>bekamen wir viele Angebote. Zwei Segler wollten uns sogar ihr Boot oder ihren Rumpf schenken. Das eine war ein 13 Meter langer Stahlrumpf in Mexiko, den wir dort h\u00e4tten ausbauen m\u00fcssen, das andere die&nbsp;<em>Astronotus&nbsp;<\/em>von unserem Trans-Ocean Kameraden Otto Zimmermann. Er und seine Frau Hanni waren damit drei mal um die Erde gesegelt. Das Boot hatte sich auch auf den Extremreisen der beiden Segler gl\u00e4nzend bew\u00e4hrt. Der Haken f\u00fcr uns: die<em>Astronotus&nbsp;<\/em>war eine Stahlyacht vom Typ \u201eHydra\u201c mit festem Kiel und ohne Deckshaus und innen nur f\u00fcr das Eignerpaar ausgelegt. Au\u00dferdem h\u00e4tte sie von Grund auf restauriert werden m\u00fcssen. Was das bei einem Stahlboot hei\u00dft, wissen wir nur zu gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;mussten wir im Laufe von 33 Jahren schon einige Male \u00fcberholen &#8211; zuletzt vor acht Jahren: Damals haben wir mit Ausnahme des Riggs wirklich alles wieder in Stand gesetzt oder erneuert. Trotz Unterst\u00fctzung von verschiedenen Seiten f\u00fchrte das zu immensen Kosten (180.000 Euro!) und obendrein zu ca. 2000 Stunden Eigenarbeit. Erich, der die Hauptlast trug, f\u00fchlte sich am Ende so ersch\u00f6pft und ausgelaugt wie eine tief-entladene Batterie. Das darf nicht wieder passieren: Wir sind deutlich \u00e4lter und m\u00fcssen mit unseren Kr\u00e4ften besser haushalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war wie ein Wink des Schicksals: Unter den zahlreichen Angeboten war auch eine ganz spezieller Schale: Ein Nachbau jenes Typs, den Konstrukteur Reinke sen. vor vielen Jahren nach unseren Vorgaben, in die all unsere Erfahrungen eingeflossen waren, aus seiner 15 M modifiziert hatte. Diesen Typ, der ganz besonderen Anforderungen gen\u00fcgen sollte, hatte er \u201e16 M Ice\u201c genannt. Wir lie\u00dfen den Alukasko bauen &#8211; das fertige Boot w\u00e4re zweifellos moderner und schneller gewesen als unsere alte&nbsp;<em>Freydis<\/em>. Aber abgesehen von den Kosten f\u00fcr den Ausbau, gab es da ein psychologisches Hindernis: Wir hingen an der&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;und konnten sie nicht zum \u201ealten Eisen\u201c werfen. Deshalb hatten wir sie erneut aufgem\u00f6belt und den neuen Rumpf verkauft. Doch auf derselben Werft, die unseren Rumpf gebaut hatte, wurde auch ein Schwesternrumpf in Auftrag gegeben, der aber nicht ausgebaut wurde. Und genau dieser Rumpf stand nun zum Verkauf!<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Gewichts- und Kosten-Ersparnis und um die Leichtwind-Eigenschaften einer Yacht nicht zu verschlechtern, gehen Konstrukteure beim Ballast oft an die untere Grenze. Wenn dann allerdings noch Topp-Gewichte an Deck oder im Rigg hinzukommen und kein Ausgleich daf\u00fcr geschaffen wird, ist das Risiko durchzukentern und sich nicht wieder aufzurichten entsprechend gr\u00f6\u00dfer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die besonderen Merkmale der neuen&nbsp;<em>Freydis<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Aspekte, unter denen man eine Standard-Variante der Typyacht 15 M ver\u00e4ndern, ausbauen und ausr\u00fcsten kann; genauso viele Ansichten gibt es im Hinblick auf das was richtig und was gut ist. Was wir hier dokumentieren erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollst\u00e4ndigkeit. Es sind lediglich die Kriterien, die auf unseren ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen basieren und die in den Bau und Ausbau des Rumpfes einflie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Material:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rumpf ist aus Aluminium &#8211; Kunststoff kommt f\u00fcr uns nicht in Betracht. In einsamen Gebieten mit kaum kartierten K\u00fcstenstrichen und nicht vermessenen Buchten und in Gew\u00e4ssern, in denen Kollisionen drohen mit Gletschereis, Korallen oder Baumst\u00e4mmen (Alaska oder Europ\u00e4isches Nordmeer), ist Kunststoff einfach nicht stabil genug. Statt Stahl (wie bei Freydis I und II) haben wir diesmal Aluminium gew\u00e4hlt. Der Vorteil: Gewichtsersparnis (ein Alurumpf kann etwa 40 Prozent leichter sein als ein Stahlrumpf, ohne an Festigkeit einzub\u00fc\u00dfen) und deutlich weniger Korrosion. Viele Alu-Yachten segeln sogar \u201eblank\u201c, ohne Farbanstrich. Die Instandhaltungs-Arbeiten und -Kosten sind dadurch merklich geringer. Zinkanoden?<\/p>\n\n\n\n<p>Kleinere und mittlere Fischerboote werden heute weltweit fast ausschlie\u00dflich in Alu gebaut. Stahl ist \u201eout\u201c. Sandstrahlen ein Umweltproblem, und nur unter strengen Auflagen m\u00f6glich. In Alaska und Britisch Kolumbien haben wir die letzten Jahre vergeblich nach einer Werft gesucht, die unsere Freydis sandstrahlen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachteil liegt im Preis, Aluminium ist teurer als Stahl. Und darin, dass man trotz der speziellen Legierungen, die beim Schiffbau eingesetzt werden, gegen die Elekrolyse besondere Vorkehrungen treffen muss. Es ist sinnvoll, beim Einbau von Hauptmaschine und Wellenanlage Fachleute zu Rate zu ziehen, denn die Aggregate m\u00fcssen unbedingt vom Rumpf abisoliert sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Unterwasserschiff<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Freydis I, eine Super-Secura, hatten wir 1975 nicht f\u00fcr gro\u00dfe Blauwasser-Fahrten gebaut, sondern vor allem, um im ostfriesischen und holl\u00e4ndischen Watten-Gebiet zu segeln und an unseren Wunschpl\u00e4tzen trocken zu fallen. Auf der R\u00fcckfahrt von ihrer Jungfernreise nach Finnland ging es wieder die Ems aufw\u00e4rts. In der Zeit unserer Abwesenheit war an der Knock bei Emden jedoch eine neue Steinbuhne fertiggestellt worden, auf deren Ende nur noch die Bake fehlte. Nat\u00fcrlich brummten wir bei Hochwasser in voller Fahrt die Buhne hoch. Als unser Boot nach Minuten des Entsetzens wieder herunter rutschte und nur eine belanglose kleine Delle am Bug zeigte, war unser Vertrauen zum Schwenkkiel gefestigt. Auch auf&nbsp;<em>Freydis II,&nbsp;<\/em>einer modifizierten \u201eHydra\u201c, hat er uns nie entt\u00e4uscht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vorteile des Schwenkkiels sind geringer Tiefgang, gesch\u00fctzte Schraube und gesch\u00fctztes Ruder und die M\u00f6glichkeit trocken zu fallen. Deshalb hatten wir uns jetzt bei dem Alurumpf wieder<em>&nbsp;<\/em>f\u00fcr einen solchen Kiel mit durchgehender Ruderhacke entschieden. Diesmal ist der Schwertkasten in eine dreifachen Bodenplatte eingearbeitet, die breit genug ist, um sich trocken fallen zu lassen. Der dreifache Boden besteht aus der eigentlichen Bodenplatte, die den Bleiballast tr\u00e4gt, einem Zwischenboden, der den Bleiballast abdeckt und dem eigentlichen Boden des Schiffsrumpfes, an den die Unterkonstruktion angeschwei\u00dft ist. Der Raum zwischen der Abdeckplatte des Bleis und dem Schiffsrumpf wird als Dieseltank genutzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Reinke senior hatte diese Version der Kielkonstruktion zu Beginn seiner \u201eTypyachten\u201c Anfang der siebziger Jahre favorisiert, und wir haben damit ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht. Aber einige Selbstbauer haben die Pl\u00e4ne so mangelhaft umgesetzt, dass sie ihr Boot beim Auflaufen auf Buhnen oder Riffe versenkten. Danach wandte sich Reinke von Schwenkkiel und Hubkiel ab und bevorzugte stattdessen den Kimmkiel (bei ihm \u201eTwinkiel\u201c) als Kompromiss.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir auch an einen Twinkiel gedacht. Trockenfallen kann man damit auch. Aber ein Kimmkieler hat keinen gesch\u00fctzten Propeller und das hervorstehende Ruderblatt ist auch nur unzureichend durch einen Skeg gesch\u00fctzt. In Gew\u00e4ssern mit Korallenk\u00f6pfen und Riffen sind das die Schwachstellen. (s. Skizze Reinke !!).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Hubkiel stand bei uns zur Diskussion &#8211; selbst so renommierte Konstrukteure wie Judel und Vrolik bauen Boote mit Hubkiel (Hubkieler laufen schneller und auch h\u00f6her am Wind). Doch der Gedanke, dass man auf See oder in K\u00fcstengew\u00e4ssern unvermutet mit ausgefahrenem Kiel auf ein Unterwasser-Hindernis l\u00e4uft, h\u00e4lt unsere Begeisterung f\u00fcr diese Konstruktion in engen Grenzen: Die Gefahr, dass das Boot dabei Schaden nimmt oder gar auseinanderbricht, ist einfach zu gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Schwenkkiel haben wir diese Probleme nicht. Wie oft sind wir auf Barren, Felsen und Riffe gelaufen oder sind dar\u00fcber gehoppelt! Selbst wenn das Schwertfall dabei einmal rei\u00dfen sollte, kann man es leicht auswechseln. Aber nat\u00fcrlich hat auch ein Schwenkkiel seine Nachteile: Abgesehen vom h\u00f6heren Aufwand beim Bau des Schwertkastens muss das Boot wegen des geringen Tiefgangs mehr Innenballast f\u00fchren. Bei der von Reinke f\u00fcr uns konstruierten \u201e16 M Ice\u201c macht das immerhin zwei Tonnen Blei aus (8,5 statt 6,5!). Das kostet Geld und die h\u00f6here Verdr\u00e4ngung drosselt die Geschwindigkeit. Doch zum Thema Geschwindigkeit bei Fahrtenyachten kommen wir in einem sp\u00e4teren Kapitel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Heckform<\/p>\n\n\n\n<p>Auf unserer&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;hatten wir wenig Raum im Achterschiff und keine Stehh\u00f6he. Das haben wir immer sehr bedauert. Als uns auf unseren Reisen dann die ersten Yachten begegneten mit negativem Spiegel und eingearbeitetem Stufenheck, das auf eine Badeplattform f\u00fchrte, schien uns das ein toller Fortschritt im Yachtbau. Die Vorteile einer Badeplattform liegen auf der Hand: beim Baden, beim Fische pr\u00e4parieren, beim An- und Ablegen mit dem Dingi, bei Mann \u00fcber Bord Man\u00f6vern usw.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folge davon war, dass wir statt des senkrechten Spiegels mit gro\u00dfen achterlichen Fenstern, das Heck des Rumpfes der \u201e15M\u201c um ca. einen Meter verl\u00e4ngerten und eine Badeplattform einplanten. Dadurch wurde im Achterschiff auch viel Raum gewonnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6heres Freibord<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere gute&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>war, man kann es nicht leugnen, an der Kreuz und in schwerem Wetter das reinste U-Boot.<em>&nbsp;<\/em>Unsere Neue soll trockener werden, vor allem soll das Vorschiff nicht so viel Wasser \u00fcbernehmen. Dann m\u00fcssen auch die Luken nicht mehr so zeitig geschlossen und dichtgeknallt werden, was vor allem in hei\u00dfen Gegenden von Nachteil ist. Deshalb kriegt sie ein 15 Zentimeter h\u00f6heres Freibord &#8211; den h\u00f6heren Wind-Widerstand m\u00fcssen wir in Kauf nehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorteil des h\u00f6heren Freibords (und Decks) wirkt sich auch im Bootsinneren positiv aus: Denn im Achterschiff hat man nun fast \u00fcberall Stehh\u00f6he. Ebenso vorteilhaft ist der Gang, der dadurch erm\u00f6glicht wird und die Messe mit dem Achterschiff verbindet, was den Umweg \u00fcber den Deckshaus-Salon erspart. Die Innenseite des Ganges gibt bequemen Zugang zum Maschinenraum und auf der Au\u00dfenseite ist Platz f\u00fcr eine zweite Toilette und ein \u00d6lzeugschapp.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Rigg<\/p>\n\n\n\n<p>Wie oft muss das Rigg einer Fahrtenyacht, die stark beanspucht wird, erneuert werden? Alle 5 Jahre wie wir \u00f6fter gelesen haben oder alle 12 Jahre wie namhafte Mastbauer vorschlagen? Keiner wei\u00df es genau. Das Rigg auf der Freydis hat 33 Jahre gehalten. In dieser Zeit wurde der Mast nur zwei mal gelegt, einmal freiwillig und einmal unfreiwillig: Das erste Mal nach 5 Jahren, als ein Freund zu Beginn der Sommerreise die frisch errichtete Klappbr\u00fccke an der Seeschleuse \u00fcbersah. Crew und Freunde halfen den Mast zu sch\u00e4ften, elektrische Leitungen und Antennen zu erneuern und schon 24 Stunden sp\u00e4ter konnten wir die Reise fortsetzen. Das zweite Mal nach 25 Jahren, um die&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>von Grund auf zu \u00fcberholen. Dabei wurden am Mast nur die Elektrik und Elektronik erneuert. Alles andere war noch in gutem Zustand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Bau unserer ersten&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;hielten wir uns beim Rigg an die Vorschl\u00e4ge des Konstrukteurs, sowohl bei der Takelung (Slup), als auch bei den Abmessungen des Mastes und der Dimensionierung des stehenden Gutes. Unser Mast erwies sich jedoch als zu weich und zu wenig verstagt. Wir waren in st\u00e4ndiger Sorge, er k\u00f6nnte von oben kommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch unsere zweite&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>segelten wir die ersten Jahre als Slup, allerdings mit zwei Vorstagen aus Gr\u00fcnden der Sicherheit und auch um ein zweites Segel unterschlagen zu k\u00f6nnen. Im Laufe der Jahre ist uns zweimal ein Vorstag an seiner schw\u00e4chsten Stelle, dem unteren Walzterminal, gebrochen. Deshalb sicherten wir den Mast, als wir sp\u00e4ter die erste Rollreff-Anlage anbrachten, zus\u00e4tzlich mit einem Fockstag. Daran konnte bei schwerem Wetter auch die Sturmfock gefahren werden. Die Kr\u00e4fte des Fockstags wurden nach achtern durch zwei Backstagen aufgefangen, wobei das lufseitige Backstag durch eine Cockpitwinsch steif geholt wird. Es wird auch dann gefahren, wenn wir nur unter Genua und Blister segeln.<\/p>\n\n\n\n<p>neuen&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>mit der bew\u00e4hrten Kuttertakelung zur\u00fcckgreifen. Je eine Rollreff-Anlage f\u00fcr Genua und Schwerwetterfock sind vorgesehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rigg-Material: Kein Konstrukteur will in den Ruf geraten, er baue \u201elahme Enten\u201c. Deshalb geht er meist bei Mast- und Bauml\u00e4nge an die obere, bei Materialst\u00e4rken an die untere Grenze. Das macht das Schiff schneller und spart Top-Gewicht (und nat\u00fcrlich auch Kosten).<\/p>\n\n\n\n<p>Unser zweites Schiffes bauten wir schon in der Absicht S\u00fcdamerika zu umrunden. Konsequenzen f\u00fcrs Rigg: Der Mast wurde 1 \u00bd Meter k\u00fcrzer (16,50 statt 18.00), das Material zwei Stufen st\u00e4rker. Statt eines einzigen Achterstags gab es zwei, die Oberwanten hatten einen Durchmesser von 12 mm (statt 10mm), und ein Babystag versteifte zus\u00e4tzlich den Mast. Das Rigg hat 33 Jahre gehalten &#8211; auch die Strandung in der Antarktis und in Fukushima hat es \u00fcberstanden. Verst\u00e4ndlich, dass wir an die neue&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>\u00e4hnliche Ma\u00dfst\u00e4be anlegen: Masth\u00f6he 17,80m (statt 19,50), ein st\u00e4rkeres Profil f\u00fcr Mast und Baum, als vom Konstrukteur berechnet, st\u00e4rkere Oberwanten,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor und Achterstagen &#8211; zus\u00e4tzliche Backstagen und ein Babystag.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besegelung<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei der Besegelung stellen wir auf Schwerwetter-Segeln ab. Die Devise: lieber st\u00e4rkeres Segeltuch, das haltbarer ist und sich nicht so leicht verformt. 1986 haben wir in einer einzigen sturmreichen Saison im Nordatlantik ein nagelneues Gro\u00dfsegel deformiert und verschlissen. Seitdem bewegen sich unsere Tuchst\u00e4rken um 450 g\/qm. Auch in einem weiteren Punkt weichen wir vom Standard-Gro\u00dfsegel ab, was vor allem mit dem schwierigen Reffen bei achterlichen Winden liegt. Vor allem, wenn pl\u00f6tzlich viel Wind aufkommt und das Gro\u00dfsegel rasch verkleinert werden muss. Allzu leicht verhaken sich dann die Segellatten hinter den Wanten und brechen sogar, oder die N\u00e4hte der Lattentaschen rei\u00dfen auf. Irgendwann waren wir\u00b4s Leid und bestellten das n\u00e4chste Gro\u00dfsegel ohne Latten. Fortan waren die Reff-Man\u00f6ver leichter und die Lebensdauer des Segels hat sich verdoppelt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei zunehmendem Sturm kommt man an den Punkt, an dem trotz drei Reffs im Gro\u00dfsegel noch zu viel Tuch steht. Dann wechseln wir auf das Trysegel, das in einer eigenen Schiene am Mast schon fr\u00fchzeitig untergeschlagen werden kann, um das Man\u00f6ver zu erleichtern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Fockb\u00e4ume und \u00e4hnliche Spieren wie der \u201eTrekker\u201c von Reinke sen. geh\u00f6ren f\u00fcr uns nicht aufs Vorschiff, genauso wenig wie Sch\u00e4kel in die Schoth\u00f6rner von Fock und Genua. Die Verletzungsgefahr bei schlagenden Vorsegeln erscheint uns zu gro\u00df (der Gro\u00dfbaum und Spi-b\u00e4ume sind ein notwendiges \u00dcbel).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Passat segeln wir zu zweit gern mit Doppelgenua an zwei B\u00e4umen. Auch bei wechselnden Windst\u00e4rken kann eine Person allein, auch nachts, die Segelfl\u00e4chen leicht verkleinern, indem sie die Achterholer und die Rollreffleine der Genua \u00fcber die Winschen im Cockpit fiert oder dichtholt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei leichten und mittleren Winden arbeiten wir mit Blister (ca 160 qm) auf Kursen von 50 bis 140 Grad scheinbarem Wind. Vor dem Wind baumen wir den Blister aus oder fahren ihn als kleinen Spinnaker an zwei B\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spinnaker (200 und 250qm) setzen wir grunds\u00e4tzlich nur mit erfahrener Crew ein und fahren sie Vor dem Wind an zwei B\u00e4umen. Dann stehen sie ruhiger und vert\u00f6rnen sich nicht, wenn der Ruderg\u00e4nger einmal ungenau steuert, was vor allem nachts leicht passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Voraussetzung f\u00fcrs Segeln mit Doppelgenua und Spi ist eine Ausr\u00fcstung des Bootes mit Schlitten, zwei Glocken am Mast, zwei Niederholern, zwei Topnanten, zwei Spi-B\u00e4umen und im Cockpit mit zwei gut dimensionierten Winschen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Maschine<\/p>\n\n\n\n<p>Lange galt die Maschine auf Segelbooten als \u201eHilfsmotor\u201c. Doch die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert: Ohne Maschine geht heutzutage \u2013 fast \u2013 nichts mehr. Anlege- und Anker-Man\u00f6ver ohne Maschine sind die gro\u00dfe Ausnahme. GPS und Radar ermutigen zu Kursen an der K\u00fcste selbst bei Nacht- und Nebel, die einzuschlagen sich vor wenigen Jahren noch keiner getraut h\u00e4tte. Wenn es dann aber unter Segeln riskant wird, muss die Maschine herhalten. Das Sicherheitsbed\u00fcrfnis bei Seglern ist gr\u00f6\u00dfer geworden: Man\u00f6ver des \u201eletzten Augenblicks\u201c oder \u00dcberbord-Man\u00f6ver sind ohne Maschine kaum noch vorstellbar. Auch als Flautenschieber und Beschleuniger zunehmend unter Zeitdruck segelnder Mannschaften will keiner mehr auf sie verzichten. Deshalb ist sie l\u00e4ngst zu einem anerkannten Bestandteil einer Segelyacht geworden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier gilt der Trend auf Yachten: Die Motoren werden immer leistungsst\u00e4rker, leichter, platzsparender und preiswerter. Das erreichen die Hersteller durch modernes \u201eMotormanagement\u201c, was soviel hei\u00dft wie \u201emoderne elektronische&nbsp;Regelung und \u00dcberwachung von Motorfunktionen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewicht und Platz spielen bei uns allerdings eine eher untergeordnete Rolle, und der Motor darf im Vergleich sogar etwas teurer sein. Denn wir haben andere Priorit\u00e4ten: Der Motor muss robust sein, nicht zu kompliziert und st\u00f6ranf\u00e4llig. Dar\u00fcber hinaus sollte er m\u00f6glichst ohne Spezialwerkstatt und in allen Teilen der Erde repariert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit unserer ersten&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;sind wir bei Mercedes gelandet, und die zweite&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;bekam ebenfalls einen marinisierten vierzylinder Mercedes, nur entsprechend st\u00e4rker (68 PS statt 36 PS). Dieser Motor ist 25 Jahre ohne zu Murren gelaufen \u2013 nur einmal haben wir in Gr\u00f6nland die Einspritzd\u00fcsen wechseln m\u00fcssen, weil \u00fcber einen defekten Tankverschluss Seewasser in den Treibstoff geraten war. Und selbst die Strandung in der Antarktis, als er einige Tage unter Seewasser stand, hat er \u00fcberlebt. Nicht einmal den Zylinderkopf mussten wir abnehmen. Wir haben lediglich das gefrorene Seewasser mit hei\u00dfen \u00d6l-Einl\u00e4ufen aus dem Motor entfernt, und wir haben den Anlasser auseinander genommen und gereinigt. Das klingt zwar recht archaisch, hatte aber Erfolg. Herr Dr. Zetsche, damals noch Boss von Mercedes S\u00fcdamerika, war sehr beeindruckt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Motor lief dann weitere 11 Jahre ohne dass wir die Ventile auch nur einmal nachgestellt h\u00e4tten. Trotzdem: Bei der General\u00fcberholung vor 8 Jahren musste er einem sechzylinder Saugmotor (nicht Turbo) mit doppelter Leistung Platz machen. Daf\u00fcr gab es einen einfachen Grund: 68 PS f\u00fcr einen Verdr\u00e4nger von 30 to sind zu wenig. Fr\u00fcher war die Faustregel: 2Kw (3PS) pro Tonne Verdr\u00e4ngung ist ausreichend f\u00fcr eine Segelyacht. Doch wenn wir bei SW 6 bis 7 aus Helgoland auslaufen wollten, stand unsere&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;schon in der Einfahrt. Auch die Strandung in der Antarktis und einige andere heikle Situationen w\u00e4ren uns mit mehr PS wohl erspart geblieben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Deckshaussalon und Cockpit<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein gl\u00fccklicher Zufall, dass Erich bei seiner allerersten Blauwasser ausgerechnet auf der Ylva anheuerte, einem 1934 in Schweden gebauten Bermudakutter, der ein nach achtern offenes Deckshaus besa\u00df, was damals sehr ungew\u00f6hnlich war f\u00fcr eine so schnittige Yacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Klassische Segelyachten hatten einen niedrigen Kaj\u00fct-Aufbau und allenfalls ein Kinderwagen-Verdeck \u00fcber der bzw. den Luken, um Wasser vom Niedergang abzuhalten. Man sitzt ungesch\u00fctzt im Cockpit, allen Unbilden ausgesetzt. Der eigentliche Aufenthaltsraum ist der Salon und befindet sich unten im Schiff. Auf einer solchen Yacht ist Erich sp\u00e4ter als Student f\u00fcnf Jahre lang als Crew gesegelt. Doch seit der Ylva \u2013 ihr Konstrukteur war offensichtlich seiner Zeit voraus &#8211; ist Erich ein Deckshaus-Fan. Berechtigt, denn in einem Deckshaus sitzt man statt im \u201eKeller\u201c, in der ersten Reihe &#8211; sowohl auf See als auch im Hafen oder in einer Bucht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das war auch der Grund, warum wir auf der&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>ein nach achtern offenes Deckshaus hatten. Stets war es der gesellige Mittelpunkt auf See oder am Liegeplatz, unabh\u00e4ngig vom Wetter. Hier spielte sich das \u201eLeben\u201c ab, und auch auch die Mahlzeiten wurden hier eingenommen. Unten im Schiff waren zwar Komb\u00fcse und Navigation, aber es wurde R\u00fccksicht auf die ruhebed\u00fcrftige Freiwache genommen. Der Steuerstand achtern im Cockpit war dagegen ungesch\u00fctzt, sodass der Ruderg\u00e4nger ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Wind und Wellen behielt und auch die Segelstellung immer im Auge hatte. Auf langen T\u00f6rns gingen wir meist Wachen zu zweit. Abl\u00f6sung erfolgte in halbst\u00fcndigem Wechsel und der Abgel\u00f6ste fand dann Unterschlupf und Schutz im offenen Deckshaus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der neuen&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>gehen wir noch einen<em>&nbsp;<\/em>Schritt weiter, denn wir verwandeln das offenen Deckshaus in ein geschlossenes. Das bedeutet weiteren Komfort, wir gewinnen einen absolut gesch\u00fctzten Raum, in dem wir sogar die Navigationsger\u00e4te unterbringen k\u00f6nnen. Abweichend von der Standard-Version \u201e15M\u201c wird es jedoch keinen Innensteuerstand geben. Wie bisher bleibt der Mann am Rohr au\u00dfen vor. Die Gr\u00fcnde sind bekannt s.o.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Einrichtungsplan vom Bug zum Heck<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Unter dem L-Sofa ist eine K\u00fchltruhe, wie schon auf der letzten Freydis, eingebaut und es bleibt auch noch Platz zum Stauen von Dosenproviant.<\/p>\n\n\n\n<p>(<em>die Vorkammer benutzen wir, wenn wir mit Crew segeln. Wenn wir allein unterwegs sind, h\u00e4lt einer von uns Wache im Cockpit oder Deckshaus, der andere schl\u00e4ft in der Messe auf dem breiten L-Sofa. Zum einen, ist dies auf See der ruhigste Liegeplatz, zum anderen ist der Schlafende dort in Rufweite des Wachg\u00e4ngers.<\/em>)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"5\"><li><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"6\"><li><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"7\"><li><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>8. Cockpit: Zu beiden Seiten Sitzb\u00e4nke, zwei Meter lang, damit man liegen kann. (<em>Es gibt im Cockpit keine Backskisten, weil der Platz unter den B\u00e4nken auf der Steuerbordseite f\u00fcr den Gang, auf der Backkbordseite f\u00fcr die Kojen gebraucht wird.<\/em>) Achtern eine Ausbuchtung mit Sitz f\u00fcr den Ruderg\u00e4nger, davor die Steuers\u00e4ule.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"9\"><li><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Komfort an Bord<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, dass dem Komfort an Bord heutzutage nur noch durch den Geldbeutel Grenzen gesetzt seien. Unterwegs haben wir zunehmend Yachten getroffen mit Ausstattungen, \u00fcber die wir alte Salzbuckel nur staunen konnten. Das ging vom Elektroherd, Mikrowelle, Geschirrsp\u00fclmaschine \u00fcber Waschmaschine, Trockner, TV und Video bis zu Bugstrahlruder, elektrischen Schotwinschen und hydraulischer Gangway.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tendenz auf der&nbsp;<em>Freydis&nbsp;<\/em>war \u00fcber die Jahre hinweg eher gegenl\u00e4ufig: Da wurde die Sitzbadewanne ausgebaut und verschrottet, den Hei\u00dfwasser-Durchlauferhitzer ereilte das gleiche Schicksal, den Watermaker haben wir unbenutzt verkauft und von den anfangs drei Heizsystemen (Zentralheizung am Motorkreislauf, Refleks-Dieselofen, Ebersp\u00e4cher Warmluft-Heizung) ist uns nur die Ebersp\u00e4cher geblieben. Unsere Devise: \u201esimplify your life\u201c galt auch hier. Einen Luxus haben wir uns allerdings geleistet: Zus\u00e4tzlich zur vorhandenen K\u00fchltruhe wurde eine Tiefk\u00fchltruhe angeschafft, in der wir w\u00e4hrend unseres langen Alaska-Aufenthaltes die Lachse und Heilbutte unterbrachten, die wir nicht gleich verzehren konnten. Und ein paar Holzf\u00e4llersteaks fanden auch noch Platz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind wir dabei die Ausr\u00fcstung der neuen Freydis zu planen. Wir diskutieren, ob wir nicht doch einen Hei\u00dfwasserboiler mit Dusche und dazu einen Watermaker einbauen sollten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten halten wir es mit Antoine de St. Exuperie: \u201e<em>Technische Perfektion ist nicht erreicht, wenn man nichts mehr hinzuf\u00fcgen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Voraussetzung f\u00fcr das Betreiben aller elektischen und elektronoischen Ger\u00e4te an Bord ist eine ausreichende Stromversorgung (nicht in der Marina, sondern auf See). Obwohl wir nur wenige gr\u00f6\u00dfere Verbraucher haben &#8211; Autopilot, K\u00fchl- und Tiefk\u00fchtruhe \u2013 reichen Windgenerator und Solarzellen als alleinige Stromerzeuger nicht aus, also kommen an die Hauptmaschine zwei starke Lichtmaschinen mit Spezialregler. Um die Maschinenlaufzeit auf See aber m\u00f6glichst gering zu halten, setzen wir, wenn das Wetter es zul\u00e4sst, noch einen mobilen Benzin-Generator an Deck ein, der Strom in das starke 220 V Ladeger\u00e4t (100 Amp\u00e9re\/Stunde) einspeist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erich:&nbsp;Das Schiff f\u00fchren hei\u00dft: Die Crew anleiten, lenken, Entscheidungen treffen. F\u00fcr viele mag das eine Last sein, f\u00fcr mich war\u00b4s fast immer eine Lust.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem empfinden wir die Geselligkeit an Bord und das gemeinsame Erleben als eine wertvolle Bereicherung. Abgesehen davon werden die aufw\u00e4ndigen Reisen \u00fcber die T\u00f6rngeb\u00fchren mitfinanziert.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(Kurz: In schwierigen Segelrevieren ist es besser mit Mannschaft zu segeln. Au\u00dferdem hilft die Crew bei der Finanzierung der expeditionsartigen Reisen. Gemeinsames Erleben hat seinen besonderen Reiz, eine wertvolle Bereicherung.)<\/p>\n\n\n\n<p>12 Jahre lang unterwegs, zweimal um den Globus, einmal rund Antarktis. Feuer an Bord, Strandung, Knockdown&#8230;nicht nur stressfreies Segeln. Aber in kritischen Momenten gab es nie Spannungen, eher schon mal \u201ebeim lockeren Segeln unter blauem Himmel (in der S\u00fcdsee) etwa \u00fcber die richtige Segelf\u00fchrung&#8230;\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Segeln wir allein, l\u00f6sen wir uns \u00fcber Nacht ab: Die eine H\u00e4lfte \u00fcbernimmt Erich, die andere ich. Braucht einer Hilfe bei einem Man\u00f6ver, so fordert er sie beim anderen an. Bei Man\u00f6vern arbeitet Erich vorzugsweise am Mast und auf dem Vorschiff, w\u00e4hrend ich die Winschen im Cockpit bediene und das Boot steuere. Beim Ankerman\u00f6ver das gleiche: ich am Steuer und an der Maschine, Erich vorn an der Ankerwinsch. Auch die Arbeit mit den schweren Spib\u00e4umen auf dem Vorschiff f\u00e4llt Erich zu, w\u00e4hrend ich Schoten, Achter- und Niederholer bediene. Beim Gro\u00dfsegel-Reffen sind wir meist beide im Einsatz. Mit der Rollreffanlage des Vorsegels kann einer allein fertig werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLangsam sind tats\u00e4chlich fast alle Yachten, denen wir begegnen, moderner, schnittiger und auf Am-Wind-Kursen sicher auch schneller. Wir staunen oft \u00fcber den Luxus, mit dem sie ausger\u00fcstet sind: Immersat, Computer, Waschmaschine, Mikrowelle, Entsalzungsanlage, etc. Aber diese ganze Elektronik, Hydraulik und Telekommunikation, so wohltuend sie auch sein mag, wenn sie funktioniert, bringt wieder die Abh\u00e4ngigkeit an Bord, von der man sich doch gerade befreien wollte: Anh\u00e4ngigkeit vom Strom, von der Hauptmaschine, vom Generator (wehe, wenn der ausf\u00e4llt!) Und auch von der Zivilisation, denn in den seltensten F\u00e4llen kann man St\u00f6rungen in den komplizierten Systemen selbst beheben. Die \u201edo it yourself\u201c &#8211; Technik auf der Freydis ist oft sehr unbequem und m\u00fchsam, hat sich auf unseren Reisen aber zig -fach bew\u00e4hrt.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNoch vor 40 Jahren, als wir das erste Mal in die Antarktis gesegelt sind, gab es weder Satellitennavigation, noch hatten wir Radar an Bord \u2013 das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen &#8211; aber wir navigierten noch wie zu Cooks Zeiten! Als wir vor 12 Jahren wieder auf die Gro\u00dfe Reise gingen, haben wir uns GPS und Radar angeschafft: Auf beides w\u00fcrden wir nicht mehr verzichten wollen. Sie machen die Navigation problemloser und sicherer. Tatsache ist aber auch, dass dadurch etwas Entscheidendes verloren gegangen ist. Die Navigation ist heute keine Kunst mehr, wie sie es tats\u00e4chlich fr\u00fcher war \u2013 gewachsen aus viel \u00dcbung und langj\u00e4hriger Erfahrung. Sie ist entzaubert. Das Gl\u00fccksgef\u00fchl und der Stolz, wenn man sein Ziel genau dort auftauchen sah, wo man es erwartete, stellen sich heute nicht mehr ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von \u201eGrenzbereichen\u201c kann man schon sprechen: Ein Schiff ist an seiner Grenze, wenn Eispressung, Schiffsvereisung oder Durchkenterung in schwerer See drohen &#8211; und eine Crew, wenn sie enormer Beanspruchung und enormen Strapazen &#8211; K\u00e4lte, Seekrankheit, Schlaflosigkeit etc.- ausgesetzt ist, wie das \u00f6fter bei uns der Fall war.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sind im Vergleich zu anderen Weltumseglern eher kommunikationsfaul. Iridium hatten nur die GEO Teams an Bord f\u00fcr die Koordination. Vor 1 1\/2 Jahren haben wir uns jedoch das Orbcomm System (satellitengest\u00fctzter E-Mail-Verkehr) angeschafft, weil Heide in Verbindung mit ihrer betagten Mutter bleiben wollte. Leider geriet die Firma in Konkurs, sodass das System nicht funktionierte (es soll jetzt wieder arbeiten und ist dann sicher eine preiswerte Alternative, weil man kurze E-Mail senden und empfangen kann).<\/p>\n\n\n\n<p>Seit \u00fcber 20 Jahren haben wir Kurzwelle an Bord und konnten damit \u00fcber K\u00fcstenfunkstellen nach Hause telefonieren. Aber dieses System ist umst\u00e4ndlich und teuer. Eine Lizenz f\u00fcr Amateurfunk besitzen wir nicht und auch kein Immersat-Ger\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kommunikation an Bord ist sicher aber auch ein Fluch. In den letzten zwei Jahren haben wir es einige Male erlebt wie an Bord die Handy-(Mobile-) Telefonitis ausbrach &#8211; zum Beispiel in den k\u00fcstennahen Zonen Australiens und Afrikas. Pl\u00f6tzlich kamen alle beruflichen und privaten Probleme an Bord und beeinflussten die Stimmung. Die Abgeschiedenheit war dahin! Dass jeder jeden Punkt der Erde telefonisch von Bord aus erreichen kann, das ist f\u00fcr mich eine Horrorvision.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dann muss der Gebrauch der mobilen Telefone an Bord genauso geregelt werden wie der Konsum von Alkohol oder Zigaretten. Andererseits kann Kommunikation auch ein Segen sein. Wie gesagt, man muss einen Kompromiss finden, zum Beispiel Regeln aufstellen. \u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>10. Seit 12 Jahren sind sie mittlerweile mit der \u201eFreydis\u201c unterwegs in vielen extremen Revieren der S\u00fcdhalbkugel. Wie h\u00e4lt so ein Schiff das eigentlich aus, ist man da nicht nur am reparieren? Und: F\u00fcr die S\u00fcdhalbkugel war \u201eFreydis\u201c ein sicheres Schiff, aber w\u00fcrden sie auch einmal gerne mit einem modernen, schnelleren Boot auf T\u00f6rn gehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erich: \u201eWie h\u00e4lt ein Schiff das aus? Fragen Sie doch lieber, wie halten wir das aus! Tats\u00e4chlich fallen st\u00e4ndig \u00dcberholungsarbeiten und Reparaturen an; und in unserer T\u00f6rnplanung sehen wir daf\u00fcr auch immer ausreichend Zeit vor und w\u00e4hlen geeignete Orte aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der starken Beanspruchung in den zw\u00f6lf Jahren ist das Boot ann\u00e4hernd 100.000 Seemeilen gesegelt (insgesamt \u00fcbrigens mehr als das Doppelte&#8230;etwa 10 X um die Erde: Erdumfang 21.600 Seemeilen\/ Seemeile =1,853 Kilometer) und extrem belastet worden. Da haben wir nat\u00fcrlich einen hohen Materialverschlei\u00df. Vor allem infolge des Brandes und der Strandung in den ersten beiden Jahren war immense Arbeit auf uns zu gekommen. An den Folgen der Sch\u00e4den haben wir bis heute zu knabbern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Yacht: Haben Sie jemals dar\u00fcber nachgedacht, die schwere Stahlyacht gegen ein modernes Boot zu tauschen?<\/p>\n\n\n\n<p>Erich: \u201eNoch vor 20 Jahren, als wir das erste Mal in die Antarktis gesegelt sind, gab es weder Satellitennavigation, noch hatten wir Radar an Bord \u2013 das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen &#8211; aber wir navigierten noch wie zu Cooks Zeiten! Als wir vor 12 Jahren wieder auf die Gro\u00dfe Reise gingen, haben wir uns GPS und Radar angeschafft: Auf beides w\u00fcrden wir nicht mehr verzichten wollen. Sie machen die Navigation problemloser und sicherer. Tatsache ist aber auch, dass dadurch etwas Entscheidendes verloren gegangen ist. Die Navigation ist heute keine Kunst mehr, wie sie es tats\u00e4chlich fr\u00fcher war \u2013 gewachsen aus viel \u00dcbung und langj\u00e4hriger Erfahrung. Sie ist entzaubert. Das Gl\u00fccksgef\u00fchl und der Stolz, wenn man sein Ziel genau dort auftauchen sah, wo man es erwartete, stellen sich heute nicht mehr ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p>Interview mit Heide und Erich Wilts&nbsp;7.05. 2017<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>33. Sie sind jetzt seit 6 Jahren mit Ihrer neuen \u201eFreydis\u201c unterwegs. Sie sind, ganz grob skizziert, 2012 und 2013 auf der sogenannten Barfu\u00dfroute in die S\u00fcdsee bis nach Australien gesegelt, 2014 von Australien nach Japan und 2015 von Japan \u00fcber die Aleuten nach Alaska, wo Sie im vergangenen Jahr das Revier weiter erkundet haben. Was waren die Highlights auf Ihrer neuerlichen Weltumsegelung, der mittlerweile 8., zu der Sie ja traditionell 2012 in Leer gestartet sind ?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>31. Tats\u00e4chlich gab es mehrere H\u00f6hepunkte: etwa zu Beginn die Fahrt auf der &#8222;Stehenden Mastroute&#8220;. Unter Maschine ging es \u00fcber die holl\u00e4ndischen Kan\u00e4le und das Ijsselmeer bis Ijmuiden&nbsp;am Eingang zum Nordseekanal, der Amsterdam mit der Nordsee verbindet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jahrzehnte hatten wir in unserem Heimatrevier mit der FREYDIS die West- und Ostfriesischen Inseln besucht und waren dabei dutzende, ja hunderte Male durchs Watt gesegelt, aber noch nie &#8222;\u00fcber Land&#8220;. Das war etwas Neues f\u00fcr uns. F\u00fcr uns ging es &#8222;hoch auf dem roten Boot&#8220; und wenig behelligt von widrigen Winden durch die holl\u00e4ndische Landschaft mit ihren vielen Windm\u00fchlen und schmucken kleinen Ortschaften.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere H\u00f6hepunkte waren die Durchsegelung des S\u00fcdpazifik mit seinen traumhaften S\u00fcdseeinseln und liebensw\u00fcrdigen Bewohnern, oder die Archipele Melanesiens und Mikronesiens im Nordpazifik, die uns zum Teil noch v\u00f6llig unbekannt waren. Etwas ganz Au\u00dfergew\u00f6hnliches &#8211; allerdings in negativer Hinsicht &#8211; waren f\u00fcr uns die Taifune, die uns auf dem Weg nach und auch in Japan das F\u00fcrchten lehrten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>35. Was ist aus der alten \u201eFreydis\u201c geworden, die Sie ja vor 6 Jahren beim Tsunami in Japan verloren haben? Sie sollte ja ein Denkmal werden?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>35. Viel ist seitdem nicht geschehen. Das zweigeteilte Wrack liegt samt Mast und Rigg noch auf dem H\u00fcgel vor der Hochschule &#8211; so wie wir das von den Fotos her kennen, die uns der damalige Vertreter der Hafenbaubeh\u00f6rde in der Pr\u00e4fektur Fukushima, nach dem Transport geschickt hatten. Wie uns der neue Leiter der Hochschule, dessen Vorg\u00e4nger wir schon in Heidelberg kennen gelernt haben, best\u00e4tigte, ist die Pr\u00e4fektur noch immer mit der Beseitigung der Sch\u00e4den besch\u00e4ftigt, die Erdbeben, Tsunami und Verstrahlung angerichtet haben. \u00dcber Gedenkpark und Denkmal ist deshalb noch gar nicht endg\u00fcltig entschieden worden. Verst\u00e4ndlich: Infrastruktur und K\u00fcstenschutz sind wichtiger.<\/p>\n\n\n\n<p>30. (Die Nordwestpassage ist der fast 6000 Kilometer lange Seeweg, der n\u00f6rdlich des amerikanischen Kontinents den Atlantischen Ozean mit dem Pazifischen Ozean verbindet.). Sie gilt als Mount Everest des Segelns.&nbsp;<em>Selbst Langfahrt-Ikone Jimmy Cornell scheiterte 2014 beim Versuch, den Seeweg n\u00f6rdlich von Kanada in Ost-West-Richtung zu befahren, noch am allzu hartn\u00e4ckigen Eis. Er musste seinen Plan nach wochenlanger Wartezeit vor der gr\u00f6nl\u00e4ndischen und nordwest-kanadischen K\u00fcste aufgeben, da das Eis den Weg nicht freigab.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz Klimawandel und verbesserter Wetter- und Eisvorhersage bleibt die Durchquerung der Nordwest-Passage ein gro\u00dfes Abenteuer und ein Wagnis. Zur Bew\u00e4ltigung geh\u00f6ren auch weiterhin hoher pers\u00f6nlicher Einsatz, Ausdauer, Mut, Leidensf\u00e4higkeit &#8211; und nicht zuletzt auch Frustrationstoleranz, denn es wird nicht alles so laufen, wie geplant. Wir glaubten, dass wir diese Voraussetzungen mitbrachten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir mit unserem Boot bereits in Alaska sind \u2013 die Freydis befindet sich auf der Insel Kodiak im Golf von Alaska \u2013 werden wir die NWP in West-Ost-Richtung \u2013 also von Kodiak\/Alaska nach Nuuk, der Hauptstadt Gr\u00f6nlands- in Angriff nehmen. Eine gewaltige Strecke, die wir in dem kurzen arktischen Sommer bezwingen m\u00fcssen. Wir haben sie in vier Abschnitte unterteilt, wobei uns jeweils sehr erfahrene Mitsegler begleitet haben. So konnten wir die Belastungen auf mehrere Schultern verteilen und schnell vorankommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte uns das Eis nicht passieren lassen, w\u00e4ren wir gezwungen gewesen, ein Jahr vielleicht irgendwo unter extremen Bedingungen zu \u00fcberwintern &#8211; Im schlimmsten Fall h\u00e4tte das Eis die Freydis zerquet. Dieses Risiko mussten wir eingehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>3xx. Auf Ihrem T\u00f6rn wurden Sie wettertechnisch von der Firma \u201eWetterwelt\u201c in Kiel beraten. Die geh\u00f6rt n\u00e4mlich Dr. Meeno Schrader aus Leer, dem f\u00fchrenden Wetterexperten in Deutschland. Er ber\u00e4t viele prominente Segler.&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erich: Das stimmt. Meno Schrader und ich kennen uns vom Seglerverein Leer. Sein Gro\u00dfvater war mein Volksschullehrer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beide haben in Kiel mit ihm die Einzelheiten f\u00fcr die Wetterbegleitung auf unserer Reise \u00fcber Satelliten-Telefon besprochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Iridium-Handy konnten wir in der Nordwestpassage nicht nur genaue Eis-Informationen erhalten, sondern wurden auch rechtzeitig vor gef\u00e4hrlichen Wetterumschw\u00fcngen gewarnt. Man tappt nicht mehr blind in eine Falle, sondern kann rechtzeitig sichere Ankerpl\u00e4tze aufsuchen oder Legerwall-Situationen vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Woher nehmen Sie den Ansporn, das alles noch auf sich zu nehmen?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir uns immer noch f\u00fcr solche Unternehmungen begeistern. Und noch haben wir auch die Kraft dazu.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Was macht die Gesundheit. Frau Dr. Wilts, Sie sind ja zwischenzeitlich auch am R\u00fccken operiert worden? Und Sie Herr Wilts bekamen einen Herzschrittmacher vor Ihrer letzten Gr\u00f6nlandreise?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heide: Das waren f\u00fcr uns schlimme Zeit, vor allem auch auf den letzten Reisen an Bord f\u00fcr mich. Aber nun ist alles gut. Wir hoffen beide, dass wir weiterhin gesund bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 50 Jahren segeln wir \u00fcber die Ozeane &#8211;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>immer zusammen, immer ein Team &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>durch dick und d\u00fcnn<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n\n\n\n<p>Warum es uns immer wieder in die Extremgebiete zieht und nicht in tropische und subtropische Reviere? Die S\u00fcdsee z.B., in der wir uns einige Jahre aufgehalten haben, bringt eine Seite in uns zum Klingen, die sich nach Entspannung, Heiterkeit, unbeschwertem Leben sehnt: nach W\u00e4rme, Sonne, Palmenstr\u00e4nden, schillernden Lagunen, freundlichen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Herzenslandschaft ist die S\u00fcdsee jedoch nicht: Das sind auch weiterhin die Antarktis. die subantarktischen und antarktischen Eilande, und das Nordpolarmeer, Alaska, Gr\u00f6nland. Spitzbergen, Island. Immer wieder zieht es uns dorthin, mit der gleichen \u201cLeidenschaft\u201d, die Bergsteiger auf Gipfel treibt, und genau wie diese, sind wir bereit, daf\u00fcr \u201cLeiden\u201d auf uns zu nehmen. Im Vergleich zur \u201cBarfu\u00dfroute\u201d ist Segeln in hohen Breiten gewiss in erh\u00f6htem Ma\u00df mit Unw\u00e4gbarkeiten und Strapazen verbunden, erf\u00fcllt uns daf\u00fcr aber auch mit neuer Lebenskraft und befriedigt uns zutiefst.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich hat sich im Laufe der Jahre unsere Einstellung zum Segeln ge\u00e4ndert: W\u00e4hrend zu Beginn sportliche Ambitionen und eine Mischung aus Neugier und Abenteuerlust im Vordergrund standen, so sind es nun vor allem die wundervollen Naturerlebnisse. Denn zu unserem eigenen Erstaunen war es uns mit dem kleinen Boot m\u00f6glich, sie selbst an den entlegensten Winkeln der Erde aufzusp\u00fcren \u2013 ja, viele w\u00e4ren auf andere Weise gar nicht oder nur schwer zu erreichen gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>43 Warum haben Sie die Nordwestpassage gew\u00e4hlt?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>43 Hunderte Male sind wir in den letzten Jahrzehnten gefragt worden, ob wir nicht durch die Nordwest-Passage segeln wollen. Immer haben wir abgewehrt. Unser Argument: F\u00fcr uns hatte das nichts mit guter Seemannschaft zu tun, es war einfach ein Gl\u00fccksspiel. Die Yacht kann vom Packeis eingeschlossen werden &#8211; dann gibt es kein Entrinnen. Sobald der Wind das Eis zusammenschiebt, wird das Boot zerdr\u00fcckt, egal aus welchem Material und wie stabil es gebaut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wollen wir hier gar nicht auf all die Dramen eingehen, die sich im Laufe von 300 Jahren in der NW-Passage abgespielt haben (Franklin-Expedition, die Trag\u00f6dien der Suchschiffe, die vielen Katastrophen danach), sondern nur einige Beispiele aus j\u00fcngerer Zeit erw\u00e4hnen, die belegen, wie gef\u00e4hrlich und unberechenbar das Packeis f\u00fcr Yachten sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dann haben sich die Bedingungen durch den Klimawandel ge\u00e4ndert: Die Eiskappe auf dem Nordpolarmeer hat sich drastisch verringert. Deshalb kann man heute mit Geschick und Geduld im kurzen arktischen Sommer diesen Seeweg nehmen, ohne Gefahr zu laufen, vom Eis eingeschlossen zu werden. Sollten die ber\u00fcchtigten Engstellen Peelsound und Bellotstra\u00dfe vom Eis doch verschlossen sein, besteht die M\u00f6glichkeit, abzuwarten auf sicheren Pl\u00e4tzen wie Gjoa Haven (wo Roald Amundsen zwei Jahre 1903 bis 1905) oder in Cambridge Bay.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Satellitennavigation und insbesondere das Satellitentelefon haben das Risiko auf diesem Seeweg f\u00fcr uns stark verringert. Bereits in den letzten Jahren haben wir im Nordpazifik \u00fcber Iridium-Handy in prek\u00e4ren Situationen Informationen von \u201eWetterwelt\u201c in Kiel erhalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>in Melanesien vor Guam, wo sich uns \u2013 v\u00f6llig ungew\u00f6hnlich f\u00fcr die Jahreszeit \u2013 ein Taifun in den Weg gestellt hatte, als auch&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>ein Jahr sp\u00e4ter auf der Reise von Japan zu den Aleuten, wo uns wochenlang anhaltender Starkwind von vorn zu einem Umweg \u00fcber Kamtschatka zwang.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Sat-phone k\u00f6nnen wir nicht nur genaue Eisinformationen erhalten, sondern werden auch rechtzeitig vor gef\u00e4hrlichen Wetterumschw\u00fcngen gewarnt. Man tappt nicht mehr blind in eine Falle, sondern kann rechtzeitig sichere Ankerpl\u00e4tze aufsuchen oder Legerwall-Situationen vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kam, dass wir \u00fcber eine jahrzehntelange Erfahrungen mit Packeis verf\u00fcgen. Dabei ist unser oberster Grundsatz: Sich nicht einschlie\u00dfen lassen, sondern unter allen Umst\u00e4nden eine R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Trotz Klimawandel, trotz verbesserter Wetter- und Eisvorhersage bleibt die Nordwest-Passage eine gro\u00dfe Herausforderung, ein gro\u00dfes Abenteuer und ein Wagnis: Zur Bew\u00e4ltigung geh\u00f6ren auch weiterhin hoher pers\u00f6nlicher Einsatz, Ausdauer, Mut, Leidensf\u00e4higkeit &#8211; und auch Frustrationstoleranz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>45 Tage sind wir auf engstem Raum mit Crew unterwegs und m\u00fcssen miteinander auskommen. Das ist erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht einfach und fordert von allen Beteiligten viel gegenseitigen Respekt und Toleranz.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf fr\u00fcheren langen Reisen &#8211; die l\u00e4ngste mit einer Crew dauerte 1994 10 1\/2 Wochen von S\u00fcdafrika \u00fcber die Inseln am Rande der Antarktis nach Fremantle\/Australien \u2013 haben wir es trotz der Enge und vieler Strapazen gemeinsam geschafft, nicht nur kameradschaftlich miteinander umzugehen, sondern auch freundschaftlich und fr\u00f6hlich. Das ist auch diesmal unser erkl\u00e4rtes Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Gute Seemannschaft ist in den polaren Regionen in besonderem Ma\u00dfe gefordert: Wir segeln in einer Natur, die menschenfeindlich ist. Uns erwarten schlechtes Wetter, Nebel, Regen, Sturm, Temperaturen um den Gefrierpunkt, Str\u00f6mungen und Untiefen. Auch mit GPS und Radar wird die Navigation schwierig, insbesondere da die Seekarten ungenau sind \u2013 Abweichungen von mehr als f\u00fcnf Seemeilen sind keine Seltenheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit nur wenigen Ausnahmen, wie z.B. in Cambridge Bay, m\u00fcssen wir uns in der arktischen Wildnis selbst Ankerpl\u00e4tze suchen, die Schutz bieten. Landg\u00e4nge sind mit dem Risiko verbunden, Eisb\u00e4ren zu begegnen, die \u2013 anders als die Grizzlys im Golf von Alaska \u2013 auch Jagd auf Menschen machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>44. F\u00fcr solche Extremreisen brauchen Sie aber auch ein gutes Boot!&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der FREYDIS (III) verf\u00fcgen wir \u00fcber eine Yacht, die uns f\u00fcr die Reise in besonderer Weise geeignet erschien. Der Konstrukteur Reinke hat sie eigens f\u00fcr unsere expeditionsartigen Reisen konzipiert. Ein Alurumpf mit dreifachem Boden und aufholbarem Schwert, das Boot extra verst\u00e4rkt an vielen Stellen des Rumpfes, der Aufbauten, des Riggs und der Beschl\u00e4ge. Er hat dieser speziellen Version f\u00fcrs Eis den Namen 16 M ICE, gegeben. Trotzdem: Auch die Version ICE (EIS) ist kein \u201eEisbrecher\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen haben wir mit ihr \u00fcber XXXX Seemeilen zur\u00fcckgelegt \u2013 unter oft schwierigen Bedingungen. Die Kinderkrankheiten sind ausgemerzt und f\u00fcr die anstehende Reise haben wir sie besonders ausger\u00fcstet \u2013 auch f\u00fcr eine 12-monatige \u00dcberwinterung im Norden Kanadas oder Gr\u00f6nlands.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>5) Fragw\u00fcrdige Rekordjagd?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einen Rekord aufzustellen war nie unser Anliegen. Wie denn auch? Wir sind nur die Nr 114 der Segelyachten, die in den letzten Jahrzehnten durch die Nordwest-Passage gegangen sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste nach Roald Amundsen (1903 bis 1906) war 1977 der Belgier Willy de Roos, der einhand mit seiner 13 Meter langen Ketsch WILLIWAW die Nordwest-Passage bezwang. F\u00fcr diese Leistung erhielt er die Blue Water Medal, die h\u00f6chste Auszeichnung des Cruising Club of America.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Deutsche, der es versucht hat, war 1990 Clark Stede. Er ist mit seiner ASMA durchgekommen, allerdings das entscheidende St\u00fcck \u201eHuckepack\u201c auf einem Eisbrecher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Danach passierte Arved Fuchs mit seiner Dagmar Aaen zweimal die NW-Passage, 1993 von Ost nach West und 2003 bis 2004 von West nach Ost (mit \u00dcberwinterung in Cambridge Bay).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr will der Schweizer Yvan Bourgnon mit einem sechs Meter langen Sportkatamaran durch die Passage.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Rekordfahrten, die auch als solche von vornherein geplant sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dagegen hatten wir nur auf eine anspruchsvolle, abenteuerliche und m\u00f6glichst wenig spektakul\u00e4re Durchquerung der Nordwestpassage gehofft &#8211; und darauf, dass alle Teilnehmer nicht nur gesund in Gr\u00f6nland ankommen, sondern sich auch gerne an diese gemeinsame Unternehmung erinnern. Und das haben wir auch mehr oder weniger erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>1. SEIT WANN SEGELN SIE ZUSAMMEN?<\/p>\n\n\n\n<p>2. WARUM HABEN SIE SICH EIN GR\u00d6\u00dfERES BOOT ZUGELEGT?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>3. WELCHES BOOT WOLLTEN SIE IMMER MAL SEGELN?<\/p>\n\n\n\n<p>4. WIE IST DER NAME IHRES BOOTES?<\/p>\n\n\n\n<p>5. IHR LIEBSTES SEGELREVIER?<\/p>\n\n\n\n<p>6. WIE VIELE TAGE IM JAHR VERBRINGEN SIE AUF DEM WASSER?<\/p>\n\n\n\n<p>7. IHR LIEBLINGSHAFEN?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>8. IHRE LIEBSTE HAFENBAR?<\/p>\n\n\n\n<p>9. DER BESTE DRINK ZUM SONNENUNTERGANG?<\/p>\n\n\n\n<p>10. MIT WEM W\u00dcRDEN SIE GERNE EINMAL SEGELN?<\/p>\n\n\n\n<p>11. WELCHE EIGENSCHAFTEN SCH\u00c4TZEN SIE AN IHREN MITSEGLERN AM MEISTEN?<\/p>\n\n\n\n<p>12. DREI DINGE, DIE IMMER AN BORD SEIN SOLLTEN?<\/p>\n\n\n\n<p>13. WAS IST AN BORD V\u00d6LLIG \u00dcBERFL\u00dcSSIG?<\/p>\n\n\n\n<p>14. GIBT ES EINEN SEGLER, DER SIE BEEINDRUCKT HAT?<\/p>\n\n\n\n<p>15. DAS BESTE SEGELBUCH?<\/p>\n\n\n\n<p>16. WAS BEDEUTET SEGELN F\u00dcR SIE?<\/p>\n\n\n\n<p>1. Seit dem Tag vor 50 Jahren, als wir uns in Norderney kennen gelernt haben. Erich hatte ein Finn.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Wir hatte Tr\u00e4ume. Aus der Ein-Mann-Jolle wurde eine Zwei-Mann-Jolle und dann lie\u00dfen wir auf einer kleinen Werft in Leer eine Reinke-Schale aus Stahl fertigen, die wir dann nach unseren Bed\u00fcrfnissen ausbauten. Erich kann die Geschichte erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Wir haben uns immer so ein Boot gew\u00fcnscht, wie wir es jetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>4. \u201eFreydis\u201c nach der Tochter von Erich dem Roten. Sie war Skipperin auf der f\u00fcnften Expedition der Wikinger in die Neue Welt vor rund 1000 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Das ostfriesische Wattenmeer bei Ebbe und die Antarktis und Arktis, aber nicht bei Sturm.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Fr\u00fcher mehr \u2013 bis zu neun Monaten, in den letzten Jahren vier bis 5 Monate.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Egal wo und in welchem Land, immer da, wo wir freundlich aufgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>8. Die Hafenbars im Outback von Australien, da trifft man die urigsten Typer<\/p>\n\n\n\n<p>9. F\u00fcr Erich ein Bier, f\u00fcr mich frischer Saft.<\/p>\n\n\n\n<p>10. Erich: mit Marilyn Monroe, Heide: mit James Cook.<\/p>\n\n\n\n<p>11. Humor und Verantwortungsgef\u00fchls:<\/p>\n\n\n\n<p>12. Eine funktionierende Toilette, eine Herdflamme und ausreichend Proviant.<\/p>\n\n\n\n<p>13. Titel<\/p>\n\n\n\n<p>14. Am meisten James Cook, der im Pazifischen Ozean so viele Inseln entdeckte und kartografierte.<\/p>\n\n\n\n<p>15. Inspiriert haben uns zwei B\u00fccher ganz besonders: \u201eGefangen im Eis\u201c von Tristan Jones und \u201eIce Bird\u201c von David Lewis.<\/p>\n\n\n\n<p>16. Segeln ist f\u00fcr uns eine Leidenschaft, die leider manchmal Leiden schafft.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><em>A) Sie sind auch nach Japan gesegelt, wie hat man Sie dort empfangen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>B) Wie hat sich das Segeln im Laufe ihres Lebens ver\u00e4ndert? Wie gehen Sie mit diesen Ver\u00e4nderungen um? Wie f\u00fchlen Sie sich dabei?&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>C) Was war die Erkenntnis, die sie aus Ihren Reisen in die Antarktis und in die Arktis gezogen haben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dass man diese Regionen und alle Tiere darin unbedingt vor industrieller Ausbeutung sch\u00fctzen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>A)We took a very uncommon route to Japan via Midway Atol, passed Minami Tori-Shima and reached at last Chichi-Shima. After clearance we visited with&nbsp;<em>Freydis<\/em>&nbsp;several other Ogasawara- and Izu-Islands. We had some bureaucratic problems, because these islands, except Chichi-Shima, are closed ports for foreign yachts. But the officials of Japan Coast Guard and Customs were indeed very friendly and helpful. As the understanding was difficult &#8211; we do not speak japanese &#8211; we got support from Hitomi Hongo, Professor of Ethnology in Yokosuka, who studied some semester in Tuebingen\/Germany. This was our very first contact with Japan.<\/p>\n\n\n\n<p>In the meantime we stood more than four month in Japan and we travelled a lot: especially in the north of Honshu and Hokkaido, but also to big touristic aims such as Nikko, Tokio, Kyoto, Kamakura, Shimoda and last not least, Fujisan. The summary of our experiences we made: Japan is a fantastic aim for voyaging: many sided \u2013 big cities and little remote villages, as well as overwhelming cultural heritage and unique National Parks. Fascinating impressions we will not forget.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>But the most we appreciated is to feel the interest and the care of japanese people. Wherever we came in contact with them we enjoyed their politeness and friendliness. The language barrier between us was not a real barrier and easily to break down: with gestures, facial expressions and little keywords like \u201cdozo\u201d, \u201cdomo\u201d, \u201cgomen nasai\u201d, \u201ckonnichiwa\u201d \u2026&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>But we too have to add: we are visitors for only a limited time and came as tourist&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>in this country. Perhaps we have seen only the sunny sides. A longer stay may correct our restricted visibility to a more complex sight. But we have visited so many nations, that we see it very optimistic and relaxed.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>B) we have to consider many different points, for example:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>a.) the development of hull, rig, sail, ropes, fittings and other equipement on deck an under deck &#8211; cabin, galley, engine-room.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>b.) the extraordinary increasing of sailing yachts:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>because of technical progress: new and better materials and new production-processes ( mass-production of plastic-boats);&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>because of growing leisure-time;<\/p>\n\n\n\n<p>because the number of charter basis and charter-boats are growing dramatically;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>because the handling of boats is much more simple;<\/p>\n\n\n\n<p>The bad result of the increasing sailing-boat numbers are:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>crowded anchor places,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>reduction of freedom-of-movement due to regulations&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>total commercializing.<\/p>\n\n\n\n<p>c.) the consequent separation of racing- yachts and cruising-yachts.<\/p>\n\n\n\n<p>d.) the progress and changing in navigation:<\/p>\n\n\n\n<p>When we started with ocean cruising in the early 60th., we had no other nautical means than explorer James Cook, 200 years before: sextant, chronometer, tables, compass, log, founding-lead, nautical charts, pilots.<\/p>\n\n\n\n<p>Erich worked with the old semiversus method, Heide some years later learned to use HO-249 tables,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nowadays GPS, radar, electronic maps and chart plotters are common nautical equipment.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In the past the exact navigation was an art, today it is a simple handicraft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>e.) in communication:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>in former times we had only a megaphone, now VHF, Short wave, email and sat-phone.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>f.) in management style and leadership g.) the emancipation and participation of women on board of sailingboats.<\/p>\n\n\n\n<p>h.) the equipment for security and to prevent collisions.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Today we have radar, active radar-beacons like \u201cSeamee\u201d, AIS-System, Epirb.<\/p>\n\n\n\n<p>i.) the new mental dimension in the age of globalisation: the world is shrinking because of round the world information (internet, television, flights, Sat-telephone etc.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Our response to changing sailing world conditions:<\/p>\n\n\n\n<p>We are adventurers but we are always eager to avoid unnecessary risks. To sail round Antarctica, and to sail in wintertime from California to Japan ist enough risk we think. Our boat therefore is always equiped best possible with modern means.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>13.)&nbsp;<em>Could you let me know the digest of Antarctica.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">On one side we got very quick the strong feeling that in this region men are only tolerated, that they cannot survive from themselves &#8211; they need the umbilical cord to civilisation. That every penguin is superior to them and that at least in Antarctica men are not the peak of evolution.<\/h1>\n\n\n\n<p>On the other side we felt the uniqueness and vulnerability of this nature, obliging men to respect and protect it.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>For us Antarctic regions were not only challenge and marvellous sailing-scenery. The contact with animals, which had not seen men before and were without any inhibition, was a really heart-touching and unforgettable experience.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>And this is not only our opinion, but also that of our friends, whom we take on this risky voyages most of the time on board to share the great adventures with us.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gek\u00fcrzter Brief an Herrn Sandmeyer:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind keine Esoteriker auf der Suche nach Wellness-Oasen oder nach dem Paradies (zu oft benutztes Wort) &#8211; genauso wenig wie wir vor der Zivilisation fl\u00fcchten. Segeln, wie wir es betreiben, ist harte Arbeit. Aus eigener Kraft fremde und vor allem eisige Gestade aufsuchen, erfordert Leidenschaft, Kenntniss, Erfahrung, Verantwortungsgef\u00fchl, Durchhalteverm\u00f6gen &#8211; ja manchmal eine ganze Portion Leidensf\u00e4higkeit. Und dennoch, wir lieben unsere Unabh\u00e4ngigkeit und an Bord ist deshalb auch alles einfach gehalten, sodass wir es meist selbst reparieren k\u00f6nnen. Wir verzichten bewusst auf Luxus, der heute schon fast zum Standard einer Yacht geh\u00f6rt wie Dusche, Mikrowelle, Waschmaschine, Klimaanlage, Watermaker oder Bugstrahlruder. Wir haben auch keine Hilfe durch Hydraulik oder elektrische Winschen (au\u00dfer f\u00fcr den Anker).<\/p>\n\n\n\n<p>Was uns die ganzen Jahre treibt, ist etwas wie Neugier, Wissensdurst, Abenteuerlust. Mit dem geistigen \u201eLohn\u201c, den wir zur\u00fcck bekommen, sind wir hoch zufrieden, sonst w\u00fcrden wir das alles nicht machen. In unseren Berufen hatten wir unbefristete Arbeitsstellen, ich als Radiologin in der Klinik, Erich bekleidete eine Managerposition. Wir haben in diesen Berufen genauso hart, flei\u00dfig und erfolgreich gearbeitet wie danach an Bord. Irgendwann hatte Erich genug davon, Jahr f\u00fcr Jahr das Verm\u00f6gen seiner Gesellschafter zu mehren. Wir gaben beide unsere Karrieren auf f\u00fcr diese Art zu leben. Wir haben es nicht bereut. Selbst jetzt machen wir weiter, nachdem der Tsunami unsere Freydis in Fukushima zerst\u00f6rt hat. Wir rappeln uns wieder auf, bauen an einem neuen Boot, wohl wissend, dass wir das Geld, das von unserer Altersversorgung abgeht, nie mehr verdienen k\u00f6nnen. Wir sind fast 70.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein Aspekt zu den Inseln: Die Urspr\u00fcnglichkeit ist das eine, die Begegnung mit ungew\u00f6hnlichen Menschen das andere. Was hatten wir nicht f\u00fcr wertvolle Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Couleur und Nationalit\u00e4t. Viele von ihnen habe ich in meinen B\u00fcchern beschrieben. Und manche Freundschaften dauern bis heute an. Die guten Erfahrungen \u00fcberwiegen bei weitem. Nat\u00fcrlich gibt es auch einmal schlechte wie die mit dem Prinzipienreiter auf Tristan da Cunha. Aber das wird mehr als wettgemacht durch die gro\u00dfz\u00fcgige Gastfreundschaft und die vielen Willkommensbezeugungen an anderen Orten. Auch der Einblick in v\u00f6llig fremde Kulturen wie auf Melanesien oder in Japan hat unser Leben bereichert.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig haben wir auf Abschitten unserer Reise erfahrene Mitsegler an Bord, aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden; zum einen erm\u00f6glichen sie uns manchmal erst das Anlaufen entlegener Inseln, indem sie uns helfen die Schwierigkeiten zu meistern; zum zweiten teilen sie die Erlebnisse mit uns und beteiligen sich an der Finanzierung der Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe B\u00fccher und Artikel f\u00fcr Zeitschriften, Erich macht Fotos, die pr\u00e4miert und von vielen Magazinen ver\u00f6ffentlicht wurden. Darauf sind wir stolz und ich w\u00e4re froh, wenn das in ihrem Text etwas mehr als nur Erw\u00e4hnung finden w\u00fcrde\u2026..<\/p>\n\n\n\n<p><br>&#8230;&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die haarstr\u00e4ubende Reise&nbsp;durch Melanesien und Mikronesien sowie durch die japanische Inselwelt nach Nagasaki. Ein Leben lang hatten wir es geschafft, Wirbelst\u00fcrme zu vermeiden. Auf dem Abschnitt von Australien nach Nagasaki bekamen wir es gleich mit sechs !! zu tun, davon zwei der Kategorie V. Das war schon sehr abenteuerlich, als wir mit Hilfe von Iridium + WETTERWELT dicht am Zentrum von FAXAI auf unsere Chance warteten, nach Guam zu segeln, sie aber nicht bekamen. Folge: Wir mu\u00dften unsere Crew (darunter Praxis\u00e4rzte) auf einer S\u00fcdsee-Insel absetzen und das Schiff zu zweit ohne Selbststeuerung nach Guam pr\u00fcgeln &#8211; auf der R\u00fcckseite des abziehenden Taifuns FAXAI. Wir beide gesundheitlich angeschlagen &#8211; ich mit schwerer Entz\u00fcndung im Bein und t\u00e4glichen Heparinspritzen und Antibiotika und Heide mit schwerem Schulter-Arm Syndrom. In 36 Stunden 600 Meilen &#8211; die gr\u00f6\u00dfte Anstrengung, an die wir uns erinnern. Aber der n\u00e4chste Sturm von vorne war im Anmarsch und erwischte uns gerade noch bei der Einfahrt in die riesige Lagune von Guam. Und dann die Reise von Guam nach Nagasaki unter Trysegel und Genua, weil das Gro\u00df zerri\u00df &#8211; wieder ohne Selbststeuer, weil die von uns in Guam neu eingebaute Anlage den Quadranten zerlegte\u2026Also das war schon sehr spannend und sehr ungew\u00f6hnlich und viel Seemannschaft&nbsp;&nbsp;sah sich das&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier also der verbesserte Text:<\/p>\n\n\n\n<p>40 Jahre hatten es Heide und Erich geschafft, Wirbelst\u00fcrme zu vermeiden. Doch auf ihrem Weg von Australien durch die Inselwelt Melanesiens und Mikronesiens nach Japan bekamen sie es, trotz g\u00fcnstigstem Wetter-Timing, gleich mit mehreren Taifunen zu tun (darunter zwei der Kategorie V). Sie brachten das Boot in Gefahr und versetzten die Mannschaft in Angst und Schrecken. Im Kampf gegen die Elemente, der vor allem in der Taktik des Ausweichens und Abwartens erfolgreich war, geriet der T\u00f6rnplan durcheinander. Das Seglerpaar musste seine Crew vorzeitig auf einer S\u00fcdseeinsel absetzen&nbsp;und das Schiff zu zweit und ohne Selbststeuerung, die schon ausgefallen war, durch die gewaltige Altsee des abziehenden Taifuns Faxai nach Guam pr\u00fcgeln: in&nbsp;36&nbsp;Stunden 600 Meilen, denn der n\u00e4chste Sturm war bereits im Anmarsch. Er erwischte sie gerade noch in der Einfahrt zur Lagune von Guam. Gl\u00fccklich den St\u00fcrmen auf offener See entronnen, werden sie an Bord von einer Giftschlage in Atem gehalten. \u00dcberraschungen eher kultureller Natur h\u00e4lt die Weiterreise nach Okinawa und Nagasaki f\u00fcr das Seglerpaar Seglerbereit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INTERVIEW, das wir der YACHT 2019 nach unserer R\u00fcckkehr gegeben haben. Themenkomplex: 1. Wie lange segelt ihr bereits zusammen? Und wie seid ihr zum Segen gekommen? 1. Seit wir zusammen sind (1969) &#8211; fast 50 Jahre! 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