{"id":112,"date":"2010-11-11T12:16:15","date_gmt":"2010-11-11T10:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=112"},"modified":"2013-10-21T20:15:35","modified_gmt":"2013-10-21T19:15:35","slug":"japanreise-teil-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/japanreise-teil-iii\/","title":{"rendered":"Japanreise Teil III"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Kaiser hat gewunken<\/strong><\/p>\n<p>Vor zwei Tagen sind wir auf dem Fuji-san, Japans heiligem Berg, herum geklettert. Bis zur siebten oder achten Station &#8211; 3000 Meter hoch &#8211; haben wir\u00b4s geschafft. Danach ging uns die Puste aus und die m\u00fcden Gelenke und Knochen sp\u00fcren wir noch heute. Aber es war sehr sch\u00f6n, das Herbstlaub f\u00e4rbte sich gerade, toll!<\/p>\n<p>Nun werden wir noch ein paar Tage Tokyo und Kyoto besuchen, das restliche Geld verprassen, was hier nicht schwer f\u00e4llt, denn alles ist s\u00fcndhaft teuer (Deutschland x 2 bis x 5!)<\/p>\n<p>Nun bin ich in Tokyo und schrecklich erk\u00e4ltet, nehme Vibramycin und hoffe, dass es mir morgen besser geht. Aki Sakamoto, unser liebenswerter und hilfsbereiter Manager in der Iwaki Sun Marina, hatte sich zwei Tage frei genommen, um uns durch Tokyo zu f\u00fchren: Wir haben allerlei Schreine und Tempel besucht und waren nat\u00fcrlich auch am Kaiserpalast. Dort kamen pl\u00f6tzlich zwei von Schimmelreitern eskortierte Prunkkutschen die Br\u00fccken herunter gefahren: Was f\u00fcr ein Zufall und was f\u00fcr ein Vordergrund f\u00fcr den Palast! Erich hat nat\u00fcrlich wild fotografiert. Nur ein paar Leutchen waren da und sie haben sich alle verbeugt, als die Karosse vorbeifuhr. Ich ragte wie eine Fahnenstange heraus und habe gewinkt. Und da hat sich doch tats\u00e4chlich jemand in der Kutsche vorgebeugt und huldvoll zur\u00fcck gewinkt: \u201eDer Tenno!\u201c, hauchte der Ordnungsh\u00fcter. Aki war v\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen. Und die Mutter von Ko, unserem \u201eEasy Rider\u201c aus Hokkaido, eine 79-j\u00e4hrige Dame aus alter Samurai-Familie, versicherte sp\u00e4ter, das sei unglaublich und br\u00e4chte mir ganz sicher gro\u00dfes Gl\u00fcck. Ich hoffe es!<\/p>\n<p>Bei Kos Mutter waren wir gestern eingeladen. Sie hat s\u00e4mtliche Lieder von Marlene Dietrich auf DVD und auch Lili Marleen von Lale Anderson etc. und hat uns auch selbst einiges mit geschulter Stimme und auf d e u t s c h vorgesungen. Ko hat sich ein bisschen geniert, aber wir fanden\u00b4s toll &#8211; auch das Essen: Gebackener Aal auf Reis und Gem\u00fcse, danach kleine Marzipan-T\u00f6rtchen.<\/p>\n<p>Morgen muss ich unbedingt wieder fit sein. Mr. Hiki, Event-Manager und Direktor des humoristischen Theaters in Tokyo (eine Art Kabarett) will uns zusammen mit seinem Englisch-sprechenden Kommunikationsboss durchs Edo-Museum begleiten, anschlie\u00dfend in Yokohama-Chinatown einige Skurrilit\u00e4ten zeigen, darunter das kleinste Aquarium der Welt, das er selbst kreiert hat, und dann mit uns Essen gehen.<\/p>\n<p>Wie wir Mr. Hiki kennen gelernt haben? Ganz einfach: Er ist Segler und tr\u00e4umt von einer Reise in die Antarktis. Eigens aus Nagasaki ist er per Flugzeug zu unserem Vortrag angereist. Mr. Suzuki, ein Freund Mr. Hikis, und einige andere Segler in der Iwaki Sun Marina hatten uns gebeten ein paar Bilder von unserer Antarktis-Segelreise zu zeigen. Weil in ganz Iwaki kein Diaprojektor mehr aufzutreiben war, hatte Mr. Suzuki extra daf\u00fcr in Tokio einen neuen gekauft. Die Bilder haben wir \u00fcbrigens auf Englisch kommentiert, und Aki hat es ins Japanische \u00fcbersetzt. Danach gab es eine Einladung in einem Restaurant in Izumi: Fisch und anderes Meeresgetier in allen Variationen, gekocht, gegrillt, paniert, roh &#8211; zum Gl\u00fcck nicht mehr lebendig \u2013 und nat\u00fcrlich auch Fleisch, Tempura (in Teig gefrittetes Gem\u00fcse), Reis, S\u00fc\u00dfkartoffeln, und, und, und, zu guter Letzt auch noch S\u00fc\u00dfes zum Nachtisch. Wir konnten alles nur probieren, es war einfach zu viel.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte Aki auch hier wieder einen anstrengenden Job, der ihm kaum Zeit zum Essen lie\u00df. Denn so gebildet die G\u00e4ste auch waren (viele von ihnen hatten ein Hochschulstudium absolviert) &#8211; nur einer konnte sich mit uns auf Englisch verst\u00e4ndigen. Es gab Fragen zu unseren Segelreisen, zu Deutschland., man wollte unsere Meinung \u00fcber Japan wissen, \u00fcber das Essen hier etc. Auch politische Themen wurden angeschnitten: Etwa, welchen Grund wir s\u00e4hen, dass Deutschland so gut mit seinen Nachbarn auskommt, Japan aber so viele Probleme mit den seinen hat. Es war nicht immer ganz einfach die Fragen zu beantworten.<\/p>\n<p>Aber es wurde auch viel gelacht. Zum Beispiel, als Mr Hiki uns die etwas seltsame Frage stellte, was das Allerwichtigstes sei, das er auf eine Segelreise in die Antarktis mitnehmen sollte, und ich ohne zu \u00fcberlegen antwortete: \u201eeine Frau!\u201c Zum Schluss waren alle G\u00e4ste satt, m\u00fcde und zufrieden. Ein sch\u00f6ner Abend ging zu Ende, wenn auch mit gewaltigem Wolkenbruch. Auf dem Weg zum Boot wurden wir klitschnass.<\/p>\n<p>Erich musste heute ohne mich zum \u201eYasukini\u201c Schrein pilgern, der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die seit 1854 Gefallenen der Kriege mit Korea, China, Russland und Amerika, einschlie\u00dflich der rechtskr\u00e4ftig verurteilten Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch der Tiere, zum Beispiel der Pferde, die im Krieg umkamen, wird hier gedacht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Erich vor Ort war, wurde der Schrein von Veteranen, Witwen und ganzen Familien in hoch offizieller Kleidung besucht: M\u00e4nner im schwarzen Anzug, Frauen im traditionellen Kimono und die Kinder festlich herausgeputzt. Der Tenno besucht den Schrein nicht mehr, seit die Kriegsverbrecher dort liegen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens traf Erich im Bus auf dem Weg dorthin einen chinesischen Gesch\u00e4ftsmann aus Honkong, der wissen wollte, ob die Japaner zu Erich auch so unfreundlich seien. Er sei zum zweiten Mal in Japan und habe nun endg\u00fcltig genug davon. Er war auch schon in Heidelberg, dort hat es ihm besser gefallen. Die Amerikaner seien auf dem absteigenden Ast, wie auch die Japaner. Erich meinte, dass China heute so gut dastehe, l\u00e4ge nicht zuletzt daran, dass Deng-Xiao-Ping in G\u00f6ttingen studiert habe. Der etwas selbstgef\u00e4llige Chinese hat nur gelacht.<\/p>\n<p>Soviel f\u00fcr heute von den Asien-Korrespondenten H+E.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kaiser hat gewunken Vor zwei Tagen sind wir auf dem Fuji-san, Japans heiligem Berg, herum geklettert. Bis zur siebten oder achten Station &#8211; 3000 Meter hoch &#8211; haben wir\u00b4s geschafft. 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