{"id":1699,"date":"2014-03-14T03:18:38","date_gmt":"2014-03-14T02:18:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1699"},"modified":"2015-01-22T10:14:45","modified_gmt":"2015-01-22T09:14:45","slug":"hurra-wir-leben-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/hurra-wir-leben-noch\/","title":{"rendered":"HURRA, wir leben noch"},"content":{"rendered":"<p><i>Guam, den 14. M\u00e4rz 2014<\/i><\/p>\n<h3>Hallo Freunde,<\/h3>\n<p>beginnen wir mit einem Dank an unsere Freunde Thilo und Jochen, die uns aus der Ferne wieder einmal beigestanden haben. Ihr erinnert Euch: Kurz vor Rabaul waren aus bisher nicht gekl\u00e4rter Ursache die vier Verbraucherbatterien und die dazu geh\u00f6rige Lichtmaschine ausgefallen. Bis Rabaul mussten Starterbatterien und -lichtmaschine deren Aufgabe, das Bordnetz zu speisen, \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><center><i><span style=\"color: #606060;\"><a href=\"https:\/\/picasaweb.google.com\/102768368050024841171\/HurraWirLebenNoch?authuser=0&amp;authkey=Gv1sRgCLWyorDHgqHLJg&amp;feat=directlink\">Picasa<\/a><\/span><\/i><\/center><\/p>\n<h3>Ersatzteile\u2026<\/h3>\n<p><big>I<\/big>n Rabaul bekamen wir zum Gl\u00fcck vier neue japanische S\u00e4urebatterien und in buchst\u00e4blich letzter Minute brachten unsere Mitsegler Barbara + Thomas eine neue Lichtmaschine aus Deutschland mit, die Thilo dort samt Regler und Riemenscheiben organisiert hatte.<\/p>\n<h3>\u2026und Feueralarm<\/h3>\n<p><big>E<\/big>lektriker und Schweisser der Firma <i>Island Shipping<\/i> unserer Freunde J\u00fcrgen und Kessia Ruh aus Rabaul halfen beim Einbau. Dabei l\u00f6sten sie leider diverse Kurzschl\u00fcsse aus, die zum Brand im Trafokasten der Wind- und Wassergeneratoren in der Achterpiek f\u00fchrten. Ein herber Verlust f\u00fcr uns. Keine alternative Energie mehr aus Wind und Wasser. K\u00fcnftig waren wir allein auf die Lichtmaschinen am Motor und &#8211; im Notfall &#8211; auf die beiden Honda-Benzingeneratoren angewiesen.<\/p>\n<h3>Und endlich ein Traumt\u00f6rn<\/h3>\n<p><big>V<\/big>or uns lag ein T\u00f6rn durch die Inselwelt Mikronesiens nach Guam zur besten Jahreszeit im Nordostpassat, der nach allen Informationen sehr gleichm\u00e4\u00dfig wehen soll (\u00fcber 90%). Die Wahrscheinlichkeit eines tropischen Sturms in den Monaten Dezember bis April ist trotzdem nicht ganz auszuschliessen. Wir mussten nur noch ein kurzes St\u00fcck mit Maschinenunterst\u00fctzung durch den Kalmeng\u00fcrtel \u00fcber den \u00c4quator, dann konnte das pure Segelvergn\u00fcgen beginnen.<\/p>\n<p>Jochen Terjung, Fluglotse i.R., langj\u00e4hriger Mitsegler und Freund aus D\u00fcsseldorf, versorgte uns \u00fcber Satphone mit den Wetterberichten aus dem Internet, zu dem wir an Bord keinen Zugang haben.<\/p>\n<p>Im Hintergrund verfolgten ebenfalls Dr. Meeno Schrader und Sven Taxwedel von Firma &#8222;WetterWelt&#8220;\u00a0in Kiel\u00a0das Wettergeschehen, um uns mit Wetterinfos und Rat beizustehen, f\u00fcr den Fall, dass es kritisch w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Irrfahrten<\/p>\n<p><big>B<\/big>is zu unserem ersten Ziel, den Green Islands, die noch zu Papua-Neuguinea geh\u00f6ren, ging auch alles gut. Auf dem Weg zum n\u00e4chsten Atoll Nuguria gab es die ersten b\u00f6sen \u00dcberraschungen: St\u00fcrmische Winde aus Nordwest, n\u00e4chtliche Sturmb\u00f6en, drei Reffs im Gro\u00df und Patenthalsen.<\/p>\n<p>Die Nuguria Inseln unter diesen Bedingungen anzulaufen, war viel zu gef\u00e4hrlich. Also auf zum n\u00e4chsten Atoll, Kapingamarangi. Auf dem Weg dahin wieder n\u00e4chtliche B\u00f6en, diesmal in Orkanst\u00e4rke, wieder aus der falschen Richtung. Sechs Stunden lagen wir beigedreht, dann ging der Wind langsam zur\u00fcck auf 5-6 Bft. Aber wir konnten das Atoll nicht mehr anliegen und die schmale Einfahrt w\u00e4re auch zu riskant gewesen. Also auf zum n\u00e4chsten Atoll, dem weiter n\u00f6rdlich gelegenen Nukuoro.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst hatte unser Wetterfrosch Jochen auf unsere Bitte als Experten Sven Taxwedel von Meeno Schrades &#8222;WetterWelt&#8220; hinzugezogen. Beide kannten unsere Ziele und unseren Zeitplan und berieten uns die n\u00e4chsten zwei Wochen. An manchen Tagen standen wir bis zu viermal mit Ihnen in Verbindung.<\/p>\n<p>In Nukuoro lag au\u00dfer uns die deutsche Yacht &#8222;La Gitana&#8220; vor Anker. Michaela und Volker wollten nicht wie wir nach Guam, sondern Richtung Westen \u00fcber Yap und Palau nach Singapur. \u00dcber vier Wochen warteten sie bereits auf Winde aus dem \u00f6stlichen Quadranten, aber das Wetter &#8222;spielt verr\u00fcckt&#8220;.<\/p>\n<p>Sie kannten sich in diesem Seengebiet bestens aus, gaben uns wertvolle Tipps. Von einem Besuch Wenos, der Hauptinsel in der Chuuk Lagune, die wir eigentlich als n\u00e4chstes besuchen wollten, rieten sie ab (&#8222;Wegen hoher Kriminalit\u00e4t, unfreundlichen, schikan\u00f6sen und korrupten Beamten h\u00e4lt sich dort keine Yacht mehr auf.&#8220;).<\/p>\n<h3>Und noch ein Orkantief dazu<\/h3>\n<p><big>A<\/big>uf ihre Empfehlung und nach R\u00fccksprache mit unseren Wettergurus in Deutschland liefen wir weiter nach Norden in Richtung Oroluk-Atoll. 60 Meilen vor unserem Ziel kam dann die niederschmetternde Nachricht aus Deutschland, dass sich im Nordwesten von uns auf 9\u00b0 Nord und 148\u00b0 Ost ein Orkantief ausbildete, zu dem wir geb\u00fchrend Abstand halten sollten, mindestens 100 bis 200 Seemeilen. Dieses Orkantief bliebe vermutlich noch zwei Tage station\u00e4r, um danach schnell nach Norden oder Nordwesten weiterzuziehen. Unsere Gurus konnten aber nicht ausschliessen, dass das Tief vor\u00fcbergehend nach Osten, also uns entgegen ziehen w\u00fcrde. Chuuk sollten wir deshalb nicht anlaufen, es k\u00f6nnte zur Falle werden.<\/p>\n<p>Wir hielten auf das Tief zu, das uns den Weg nach Guam versperrte, drehten bei und warteten einige Tage darauf, das es nach Norden wandert. Aber der Orkan blieb station\u00e4r, der Kerndruck vertiefte sich sogar, die Seen wurden immer h\u00f6her, der Radius des Tiefs immer gr\u00f6\u00dfer. Dann wurde FAXAI zum Taifun eingestuft \u2013 ein Schock f\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p>Inzwischen war die Zeit knapp geworden. Der erste Flieger unserer Mitsegler nach Deutschland ging bereits am 8. Februar in der Fr\u00fche, so dass wir zu rechnen anfingen: Als wir am 3. in der Fr\u00fche immer noch kein gr\u00fcnes Licht aus Deutschland bekamen, gaben wir auf und entschlossen einstimmig, zur\u00fcck nach Chuuk zu laufen, damit unsere Mitsegler von dort einen Flieger nach Guam nehmen konnten, um ihre Anschlussfl\u00fcge nach Deutschland zu erreichen.<\/p>\n<h3>Hospitalschiff Freydis<\/h3>\n<p><big>L<\/big>\u00e4ngst war die gute Urlaubsstimmung dahin. Mitsegler Mini lag eine Woche mit Fieber in der Koje, Heide versorgte ihn \u00e4rztlich und k\u00fcmmerte sich um sein Wohlbefinden. Sie selbst litt unter einem schmerzhaften Schulter-Arm-Syndrom. Minis Ruderwache \u00fcbernahm der Skipper, der aber ein entz\u00fcndetes und geschwollenes Bein hatte, das das Rudergehen f\u00fcr ihn zur Tortur machte. Sven und Andreas waren seekrank, kamen nur zur Wache an Deck und verschwanden dann wieder in der Koje.<\/p>\n<p>In diesen turbulenten Tagen waren Barbara und Thomas unsere gr\u00f6\u00dfte St\u00fctze \u2013 ruhig, besonnen, immer bereit, mit anzufassen.<\/p>\n<p>Eine weitere Nacht in der aufgeregten See blieb uns erspart: Gerade noch rechtzeitig bei Einbruch der Dunkelheit konnten wir in der Abdeckung einer kleinen Insel in der Chuuk-Lagune vor Anker gehen.<\/p>\n<p>Andreas brachte beim Abendessen den ersten Toast auf den Skipper und seine Frau f\u00fcr die gute Schiffsf\u00fchrung und sichere Landung aus. Wir schreiben das, weil es uns nach all den Sorgen, \u00c4ngsten und Strapazen sehr gut getan hat.<\/p>\n<p>Wie zu erwarten, war die Einklarierungsprozedur \u00e4tzend, aber nach zwei Tagen hielt Heide die Ein- und Ausklarierungspapiere in der Hand.<\/p>\n<p>Unsere Crew musterte ab, alle hatten sie einen Flug nach Guam gebucht. Zu unserer \u00dcberraschung ging auch Andreas von Bord, der uns eigentlich nach Japan begleiten wollte.<\/p>\n<h3>Zu zweit nach Guam<\/h3>\n<p><big>A<\/big>uf uns beide kam eine schwierige Aufgabe zu: Beide Selbststeueranlagen waren ausgefallen, eine neue sollten wir erst in Guam bekommen. 600 Meilen nonstop zu zweit nach Guam per Hand steuern, das heisst st\u00fcndlicher Wechsel am Ruder, ein Joch, das Heide mit l\u00e4dierter Schulter und ich mit einer Infektion im Bein zu tragen hatten. Alle acht Stunden spritzte Heide mir Heparin, um einer Thrombose vorzubeugen (wie sonst nur auf unseren Interkonti-Fl\u00fcgen) und dazu nahm ich hochdosiert Penicillin gegen die Entz\u00fcndung.<\/p>\n<p>Der Wetterbericht war g\u00fcnstig, das erste Mal auf der ganzen Reise. Ein Wetterfenster mit Nordwinden zwischen 10 und 20 Knoten. Nach einem weiteren vergeblichen Versuch, eine der ausgefallenen Selbststeueranlagen doch noch in Gang zu bringen, liefen wir aus.<\/p>\n<p>Zweimal t\u00e4glich drehten wir eine halbe Stunde bei, um gemeinsam zu essen, und in der Nacht noch einmal 4 bis 5 Stunden, um zu schlafen.<\/p>\n<p>Am Montagnachmittag erreichten wir Apra Harbor auf Guam, vier Tage nach unserem Aufbruch in der Chuuk Lagune. Das g\u00fcnstige Wetterfenster, das uns Jochen vorausgesagt hatte, ging in der Einfahrt von Apra abrupt zuende. Von einer Minute zur anderen st\u00fcrmte es und sch\u00fcttete vom Himmel. Die Sicht war gleich null.<\/p>\n<h3>Geschafft<\/h3>\n<p>595 Seemeilen in 74 Stunden &#8211; das war neuer Freydis-Rekord!<\/p>\n<p><big>D<\/big>ankbar und erleichtert ankerten wir vor dem Marianas Yacht Club, wo uns schon die Zollbeamten erwarteten und uns z\u00fcgig einklarierten (wir waren in Amerika!). Erst dann konnten wir unsere Wunden lecken und fielen in erholsamen Schlaf.<\/p>\n<p>Es gr\u00fc\u00dfen Euch herzlich<br \/>\nHeide &amp; Erich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guam, den 14. M\u00e4rz 2014 Hallo Freunde, beginnen wir mit einem Dank an unsere Freunde Thilo und Jochen, die uns aus der Ferne wieder einmal beigestanden haben. 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