{"id":1714,"date":"2014-04-16T23:38:41","date_gmt":"2014-04-16T22:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1714"},"modified":"2014-04-18T14:41:35","modified_gmt":"2014-04-18T13:41:35","slug":"der-80-jhrige-der-auf-die-freydis-stieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/der-80-jhrige-der-auf-die-freydis-stieg\/","title":{"rendered":"DER 80-J&#196;HRIGE, DER AUF DIE FREYDIS STIEG"},"content":{"rendered":"<p><i>Okinawa, den 16. April 2014<\/i><\/p>\n<h2>Guam<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/04\/IMG_4403 Kopie.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/04\/IMG_4403 Kopie.jpg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><big>D<\/big>er neue JEFA-Motor der Selbststeueranlage war inzwischen eingetroffen. Hin zum Zoll und ausl&#246;sen. Nach drei Stunden hatten wir ihn sogar schon eingebaut und angeschlossen und der Probelauf war zufriedenstellend. Wir konnten uns auf eine bequeme Weiterreise nach Okinawa freuen. Die harte &#220;berfahrt von Chuuk nach Guam steckte uns immer noch in den Knochen.<\/p>\n<p>Unsere beiden Mitsegler waren eingetroffen. Eigentlich wollten wir zu f&#252;nft nach Japan, aber, wie bereits berichtet, war Andreas bereits in Chuuk nach den Erlebnissen mit dem Taifun desertiert. <\/p>\n<p>Nun also zu viert. Au&#223;er uns beiden noch der fitte und hochsee-erfahrene 72-j&#228;hrige Klaus, von Beruf Kapit&#228;n und Reeder &#8211; letztes Jahr hatte er seine &#8222;Thetis&#8220; in den Philippinen verloren, als die Maschine kurz nach dem Start in einer Riffpassage aussetzte; Ursache: verdreckter Diesel. Und es kam der nicht minder fitte 80-j&#228;hrige Wolfgang an Bord, von Beruf Ingenieur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/04\/IMG_4531.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/04\/IMG_4531.jpg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kurz vor Weihnachten hatte seine Frau angerufen und gefragt, ob noch ein Platz auf den T&#246;rns nach Japan frei sei. Sein 80ster Geburtstag st&#252;nde an und die Familie wollte ihn mit dieser Reise &#252;berraschen. Einen 80-j&#228;hrigen Mitsegler hatten wir noch nie an Bord, also vorsichtige Gegenfrage: &#8222;Ist er denn fit daf&#252;r und welche Segelerfahrung hat er?&#8220; Antwort: &#8222;Er ist seit Jahrzehnten leidenschaftlicher &#8222;Anita&#8220;-Segler und war in diesem Jahr noch auf einem dreiw&#246;chigen T&#246;rn dabei. &#8222;Wolfgang berichtete, als er uns ein paar Tage sp&#228;ter mit seiner Frau besuchte, dass er seine erste &#8222;Anita&#8220;-Reise bereits 1969 angetreten hatte. Die Oldtimer Yacht &#8222;Anita&#8220;, ein 12er, ist ca 24 Meter lang und wurde bis vor 2 Jahren ohne Hilfsmotor gesegelt. Sie ist eine Legende und ein Garant f&#252;r gute Seemannschaft. Wir hatten bereits etliche ihrer Crews auf fr&#252;heren Reisen der Freydis mit.<\/p>\n<p>Wolfgang war unser Mann.<\/p>\n<h2>Selbststeuerung? Tr&#228;um&#8216; weiter&#8230;<\/h2>\n<p><big>A<\/big>ls wir Apra Harbor auf Guam verliessen, erwartete uns draussen ein starker bis st&#252;rmischer NE-Passat. Wir hatten zwei Reffs ins Gro&#223;segel gebunden und steuerten in der ruppigen See auf der Schelfkante die ersten Stunden per Hand, damit die beiden &#8222;Neuen&#8220; an Bord sich einsteuern und an die Schiffsbewegungen gew&#246;hnen konnten. Dann schalteten wir die Autosteuerung ein und lie&#223;en uns ein Auslauf-Bier schmecken. Doch toll, wieder so einen eisernen Gustav zu haben!<\/p>\n<p>Nach ca 1 Stunde drang starkes Knacken aus der Achterkammer, zun&#228;chst vereinzelt, dann immer h&#228;ufiger. Beunruhigt bauten wir die Verschalung wieder ab, auf der Suche nach der Ursache. Und da sahen wir sie: Die Schubstange der Selbststeuerung war dabei, den Ruderquadranten auseinander zu nehmen, die Schwei&#223;n&#228;hte rissen Zentimeter f&#252;r Zentimeter. Werftchef Matzerath hatte die Schubstange am daf&#252;r viel zu schwachen Quadranten der Seilsteuerung befestigt, statt am Ruderschaft einen separaten Hebelarm anzubringen. Die Fachleute von Simrad hatten das auf den Probefahrten zwar moniert und Matzerath hatte daraufhin eine Stelle am Quadranten verst&#228;rkt, aber &#8211; wie sich nun herausstellte &#8211; v&#246;llig unzureichend. Fachleute!<\/p>\n<p>Aus der Traum von einer gem&#252;tlichen &#220;berfahrt mit automatischem Steuermann. Ergebnis: Bis Okinawa war wieder Steuern per Hand angesagt: Jeder von uns drei M&#228;nnern ging zwei Stunden Ruder und hatte dann 4 Stunden Freiwache. Tag und Nacht, Tag f&#252;r Tag. Heide, diesmal von diesem Joch entbunden, sprang bei Segelman&#246;vern ein und versorgte uns &#8211; bei der groben See wurde das Arbeiten in der Komb&#252;se zum schwerer Job. Bei halbem Wind mit 20 &#8211; 35 knoten, also 5 &#8211; 7 Bft., waren wir alle gefordert. Nach zweist&#252;ndigem konzentrierten Rudergehen gab es nicht mehr viele freie Valenzen.<\/p>\n<h2>Ein Ungl&#252;ck kommt selten allein<\/h2>\n<p><big>A<\/big>ls sich am Abend des ersten Tages ein schwarzes Wolkendach &#252;ber den Himmel zog, beschlossen wir, f&#252;r die Nacht vorsorglich das dritte Reff ins Gro&#223; zu binden. Beim Fieren des Falls und Herunterholen des Segels zog sich pl&#246;tzlich ein meterlanger Riss durchs obere Drittel des Segels. Wir konnten es kaum fassen, das Segel war nirgendwo h&#228;ngen geblieben. Wir dachten, wir k&#246;nnten das n&#228;hen, sobald sich die See beruhigt und setzten &#8211; auf der daf&#252;r angebrachten separaten Schiene &#8211; vor&#252;bergehend das Try (das erste Mal &#252;brigens auf der neuen Freydis). &#160;<\/p>\n<p>Dort blieb es jedoch 1.385 sm bis Okinawa stehen, denn als wir den Riss und noch weitere Risse und L&#246;cher untersuchten, stellten wir fest, dass wir das schwere 480gr Tuch wie Papier zerrei&#223;en konnten. Reparieren war v&#246;llig sinnlos. <\/p>\n<p>Von unterwegs riefen wir &#252;ber unser Sat-Phone Lee Sails in Flensburg an, reklamierten das Segel und bestellten ein neues nach Okinawa. Das soll noch in dieser Woche eintreffen. Herr Zill, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer von Lee Sails Deutschland, hielt das f&#252;r einen &#8222;Materialfehler des Tuchherstellers&#8220;, so einen Fall habe er noch nie gehabt. Hoffentlich hat er recht! <\/p>\n<p>1.385 Seemeilen unter Trysegel und &#8211; abh&#228;ngig vom Wind &#8211; mit Genua oder Fock: Es gab keine Alternative zum Trysegel. Da der starke Wind durchhielt, kamen wir trotzdem z&#252;gig voran. Einmal drehten wir bei st&#252;rmischem Wind nachts bei. Bei anderer Gelegenheit konnten wir die Genua ausbaumen.<\/p>\n<h2>Japan erreicht<\/h2>\n<p><big>A<\/big>m 5. Tag erreichten wir unser erstes Etappenziel, die s&#252;d&#246;stlichste Ecke Japans: Okino-Tori-Shima. Riff oder Insel? &#8211; Das ist hier die Frage. Eigentlich ein Riff, das eine Lagune umschlie&#223;t und das bei Hochwasser komplett &#252;bersp&#252;lt wird, aber die Japaner sind dabei, mit Schuten herbeigeschaffte Erde und Steine soweit aufzusch&#252;tten, dass das Riff bei Hochwasser 10 cm herausschaut &#8211; mit vielen rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen: Mit einer Insel (k&#252;nstlich oder nicht) beanspruchen sie 200 Meilen Fischereischutzzone, Sch&#252;rf- und Bohrrechte etc..<\/p>\n<p>Uns interessierte aber mehr, ob wir in die Lagune gelangen konnten, um uns dort vor Anker ein wenig von den Strapazen zu erholen. Zwei Stunden sondierten wir, gaben dann aber auf. Durch den Starkwind, es blies 35-40 Knoten, war die See auch in der Lagune zu unruhig, die Riffpassage zu gef&#228;hrlich. Wir drehten in der Nacht nicht weit davon bei und schliefen endlich einmal aus.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp&#228;ter erreichten wir die n&#228;chste japanische Insel, Oki-Daito-Shima &#8211; ein kleiner kahler Korallenhaufen, dreieckig, Kantenl&#228;nge ca. 1000 Meter. Wir ankerten in Lee und badeten im kristallklaren Wasser. Gerne h&#228;tten wir den Flecken betreten, aber ein Saumriff hielt uns davon ab. In Lee war die See leidlich ruhig, wir konnten das erste Mal Gro&#223;segel und Ruderquadranten gr&#252;ndlich inspizieren. Telefonate mit unseren Freunden in Deutschland schlossen sich an: die n&#228;chste Crew w&#252;rde Ersatzteile nach Okinawa mitbringen.<\/p>\n<p>Unter Try und Fock I liefen wir weiter zur ersten bewohnten japanischen Insel: Minami-Daito-Shima. Der Hafen z&#228;hlt zu den &#8222;Closed Ports&#8220; von Japan. Wir hatten keine Genehmigung, aber zu unserer Erleichterung lie&#223;en sich keine Beh&#246;rdenvertreter blicken. Als wir den Fischern im kleinen Hafen der Insel das zerrissene Gro&#223;segel zeigten, waren wir willkommen. Im einzigen Hotel der Insel konnten wir sogar einen Leihwagen mieten und die Insel erkunden. Wir genossen die japanische K&#252;che und feierten unseren Landfall.<\/p>\n<p>Ein Tief mit Sturmb&#246;en und Gewitter zog in der Nacht &#252;ber die Insel und wir waren froh, in einem sicheren Hafen zu liegen.<\/p>\n<p>Wie wir Okinawa erreichten und was wir dort erlebten, dar&#252;ber berichten wir in der n&#228;chsten Rundmail. <\/p>\n<p>Es gr&#252;&#223;en Euch herzlich<br \/>\nHeide &#38; Erich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okinawa, den 16. April 2014 Guam Der neue JEFA-Motor der Selbststeueranlage war inzwischen eingetroffen. Hin zum Zoll und ausl&#246;sen. Nach drei Stunden hatten wir ihn sogar schon eingebaut und angeschlossen und der Probelauf war zufriedenstellend. 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