{"id":1718,"date":"2014-04-18T09:10:28","date_gmt":"2014-04-18T08:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1718"},"modified":"2014-04-24T05:56:29","modified_gmt":"2014-04-24T04:56:29","slug":"1718","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/1718\/","title":{"rendered":"FREYDIS IN OKINAWA"},"content":{"rendered":"<p><em>Okinawa, den 19. April 2014<\/em><\/p>\n<h3>Wo ist nur die Sonne geblieben?<\/h3>\n<p><big>S<\/big>ie brannte doch immer erbarmungslos vom Himmel; wir haben sie gehasst und uns die Seele aus dem Leib geschwitzt. Und nun, 70 Meilen vor Okinawa, die ganze Nacht Regen, kalte Luft aus dem Norden. Abschied von Badeanzug und T-Shirt, stattdessen flie\u00df-gef\u00fcttertes \u00d6lzeug.<\/p>\n<p>Und das Baro schon wieder am Fallen. Erich spricht \u00fcber Satellit mit Jochen in Deutschland: Ein Tief ziehe s\u00fcdlich von uns durch, bringe uns n\u00f6rdliche Winde, keinen Sturm. KEINEN STURM!<\/p>\n<p>Ich freue mich auf Okinawa, auf eine Marina mit ihren Annehmlichkeiten. Ich freue mich auf Japan. Jemand hat uns eine Mail geschickt und gefragt warum wieder Japan. An der Tsunami-Gefahr habe sich doch nichts ge\u00e4ndert. Nein, nichts. Aber es zieht uns mit Macht dorthin, wo unsere alte Freydis liegt. Wir wollen wissen, was aus ihr geworden ist.<\/p>\n<h3>Endlich in Okinawa!<\/h3>\n<p><big>E<\/big>ndlich in der Marina von Ginowan (nahe der Hauptstadt Naha). Die erste Marina seit wir vor drei Monaten in Bundaberg\/Australien gestartet sind. Das Sumlog zeigt 21.807 Seemeilen &#8211; also haben wir seit Deutschland eine Strecke zur\u00fcckgelegt, die dem Erdumfang entspricht.<\/p>\n<p>Unsere beiden Freunde bleiben noch ein paar Tage an Bord. Klaus fliegt \u00fcber Hongkong und setzt sich bei Lee Sails f\u00fcr unser Gro\u00dfsegel ein. Wolfgang, unser 80-j\u00e4hriger, h\u00e4lt es sogar noch 10 Tage bei uns aus. Er platzt vor Unternehmungslust, die anstrengende Reise hat ihm nichts anhaben k\u00f6nnen, er ist so fit wie stets, badet am kleinen Strand, f\u00e4hrt im Bus dahin und dorthin, besucht Museen und Sehensw\u00fcrdigkeiten, und abends streift er durchs n\u00e4chtliche Okinawa oder man findet ihn in der Eisdiele des Supermarktes.<\/p>\n<p>Okinawa: Auf den ersten Blick nicht das Ziel unserer Tr\u00e4ume. Auf der Fahrt zum B\u00fcro der Immigration viele Kilometer nichts als Asphalt und Beton: Stadt reiht sich an Stadt \u2013 allein Naha hat \u00fcber 320.000 Einwohner \u2013 , ein Sammelsurium moderner Geb\u00e4ude unterschiedlicher Baustile \u2013 sofern man \u00fcberhaupt von Stil reden kann. Kein Hauch von Japan\u2026 Alles neu, amerikanisiert, an jeder Ecke ein McDonalds, Starbucks, Kentucky Fried Chicen\u2026 nirgends etwas Altes, Historisches \u2013 alles weggefegt vom Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Seine Bewohner sind nicht nur Japaner, sondern vor allem auch Ryukyu mit ihrer eigenen Kultur, daneben Chinesen und Amerikaner &#8211; amerikanische Veteranen wie unser Bootsnachbar aus Puerto Rico, der jetzt als Tauchlehrer arbeitet &#8211; insgesamt eine Multikulti-Gesellschaft. Dazu viele Touristen aus Korea, Taiwan, Hongkong.<\/p>\n<p>Auf den Stra\u00dfen fast nur kleine Kastenw\u00e4gen, funktionsgerecht, platzsparend, mit kleinen R\u00e4dern, gebaut zwar von den gro\u00dfen japanischen Automarken, aber in Deutschland unbekannt, nicht dagegen &#8222;Rushhour&#8220; und &#8222;Stop and Go&#8220;.<\/p>\n<p>Erst auf den zweiten Blick entdecken wir interessante und gem\u00fctliche Ecken, den kleinen, sehr sauberen Badestrand kaum hundert Meter von uns entfernt, enge Gassen, ein altes T\u00f6pferviertel, Museen, Shops, M\u00e4rkte, Kneipen, Speisen, eine Festung der fr\u00fcher hier herrschenden Dynastie. Und nat\u00fcrlich die Menschen.<\/p>\n<h3>Minderwertiges Material, Schweizer Wertarbeit\u2026<\/h3>\n<p><big>P<\/big>atrick begr\u00fc\u00dft uns auf japanisch. Eigentlich ist er Schweizer, lebt aber seit 20 Jahren in Japan und war zweimal mit Japanerinnen verheiratet. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Yacht-\u00dcberf\u00fchrungen und -Reparaturen. Er gibt uns nicht nur viele wertvolle Tipps f\u00fcr die Weiterreise, sondern verschafft uns auch Einblick in Land und Leute. Eine gute Tat im Maschinenraum der Freydis: Hier leckt es irgendwo. Patrick nimmt das ganze Seewasserfilterystem samt Rohren und Ventilen auseinander und entdeckt fehlende Dichtungen und einen korrodierten Filtertopf aus minderwertigem Edelstahl der Marke Vetus. Nach ein paar Stunden ist alles wie neu.<\/p>\n<p>Erich ist begeistert.<\/p>\n<h3>\u2026Japanische Besucher<\/h3>\n<p><big>A<\/big>uch vier Japanische Segler besuchen uns an Bord. Sie haben im Segelmagazin &#8222;Kazi&#8220; von uns gelesen.Von ihnen erfahren wir endlich auch Neuigkeiten von Hiki, der uns so selbstlos in Iwaki\/Onahama bei der Bergung einiger Teile der Freydis half (obwohl Japan 50% mehr Bewohner hat als Deutschland, staunen wir immer wieder, wie gut man sich hier untereinander kennt). Wir hatten einige Zeit nichts mehr von Hiki geh\u00f6rt und waren in Sorge. Nun erfahren wir, dass sein Boot auf einem T\u00f6rn nach San Diego von einem Wal gerammt wurde und sank. Die Crew wurde von der japanischen Luftwaffe mit einem Wasserflugzeug gerettet.<\/p>\n<p>Auf der Schnellstra\u00dfe im Osten der Insel entlang nach Norden immer wieder Schilder mit den H\u00f6henangaben fr\u00fcherer Tsunamis \u2013 10 Meter, 20 Meter \u2013 die ein beklemmendes Gef\u00fchl in uns ausl\u00f6sen. Was bleibt nach einer solchen Monsterwellen von der Insel noch \u00fcbrig? Str\u00e4nde oder Ufer sind kaum zu sehen, nur Mauern und Wellenbrecher. Nicht umsonst liegen die meisten Hotels und Resorts auf der Westseite \u2013 zum Gl\u00fcck auch die Marina. Armes katastrophen-gebeuteltes Japan. Wie verstrahlt der Fisch ist, den wir hier bekommen, wei\u00df keiner.<\/p>\n<h3>Fukushima?<\/h3>\n<p><big>K<\/big>ein Thema hier, eher &#8222;sch\u00f6ne heile Welt&#8220;. Am Abend ein gro\u00dfartiges, sage und schreibe, einst\u00fcndiges Feuerwerk (soll 1 Million $ gekostet haben), das an dem kleinen Badestrand (die Freydis hatte einen Logenplatz!) gez\u00fcndet, von Verdi, Luis Armstrong, den Beatles und Geisha-Gesang untermalt und vom Fernsehen \u00fcbertragen wurde.<\/p>\n<p>Und auf der Halbinsel an der Westseite geistern im weltgr\u00f6\u00dften Aquarium mehrere Walhaie, Riesenmantas und weiteres Meeresgetier hinter dicken Glasw\u00e4nden. Im gepflegten Park davor drehen Delphine und Wale \u2013 vollendet dressiert \u2013 ihre Pirouetten u.a. im Rhythmus eines \u2013 ebenso vollendet \u2013 auf Japanisch gesungen und gejodelten, aber unverkennbar deutschen Alpenliedes.<\/p>\n<h3>Strassenkarten, Prospekte?<\/h3>\n<p>&#8222;Gomen nasei&#8220; (&#8222;tut mir leid&#8220;) sagt die Dame in der Touristeninformation: Sie kann uns keinen Prospekt von der Insel und auch keine Stra\u00dfenkarte in englischer Sprache geben, alles nur auf Japanisch, auch nicht zu kaufen. Von wegen Amerikanisierung! Ist das Fremdenfeindlichkeit? Japan, vor allem Okinawa, will die Amerikaner los werden. Wer mag schon Besatzer, noch dazu so viele Jahre und auf so kostbarem Land? Geplant ist die Verlegung eines Truppenteils von 6.000 Mann nach Guam. Doch ausgerechnet jetzt rasselt China mit dem S\u00e4bel wegen ein paar Inseln. Da ruft man die Amerikaner wieder als Besch\u00fctzer. Ab und zu donnern Jets \u00fcber uns hinweg, sonst h\u00f6ren und sehen wir aber wenig von den GIs. Sie leben in ihren eigenen durch Z\u00e4une und Mauern gesicherten Vierteln, nicht anders als in Deutschland auch.<\/p>\n<h3>Drei Wochen Okinawa<\/h3>\n<p>Nun sind wir schon fast drei Wochen hier. Die Insel war kein Highlight, aber die Pause hat uns gut getan. In zwei Tagen r\u00fcckt die neue Crew an. Wir haben inzwischen die Permits f\u00fcr eine Reihe vielversprechender Inseln (allesamt &#8222;Closed Ports&#8220;) auf dem Weg nach Nagasaki und Hiroshima bekommen. Wir sind startbereit!<\/p>\n<p>Frohe Ostern w\u00fcnschen wir Euch.<\/p>\n<p>Herzlich<br \/>\nHeide und Erich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okinawa, den 19. April 2014 Wo ist nur die Sonne geblieben? Sie brannte doch immer erbarmungslos vom Himmel; wir haben sie gehasst und uns die Seele aus dem Leib geschwitzt. 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