{"id":1731,"date":"2014-06-02T06:32:53","date_gmt":"2014-06-02T05:32:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1731"},"modified":"2014-06-11T08:08:07","modified_gmt":"2014-06-11T07:08:07","slug":"ende-der-pechstrhne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/ende-der-pechstrhne\/","title":{"rendered":"Ende der Pechstr\u00e4hne?"},"content":{"rendered":"<p><i>Montag, 02.06.2014, 18:13:07 :: Heidelberg<\/i><\/p>\n<h3>Der letzte T\u00f6rn in dieser Saison. Von Okinawa nach Nagasaki<\/h3>\n<p><b><i>Ende der Pechstr\u00e4hne?<\/i><\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5091.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5091.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><center><i><span style=\"color: #606060;\">Okinawa: Die restaurierte Burg<\/span><\/i><\/center><big>D<\/big>reimal m\u00fcssen wir nach Naha, der Hauptstadt von Okinawa, 10 km von der Marina Ginowan entfernt, um die &#8222;permits&#8220;, die Genehmigungen, f\u00fcr den Besuch der n\u00e4chsten Inseln einzuholen, die alle &#8222;closed ports&#8220; sind. So viel Papierkram f\u00fcr nichts!<\/p>\n<p>Viele Inseln liegen auf dem Wege von Okinawa nach Nagasaki und sie haben keine einzige Marina, nur kleine, gut befestigte Fischerh\u00e4fen und gesch\u00fctzte Ankerbuchten &#8211; genau das, was wir lieben! Wir w\u00fcrden sie gerne alle anlaufen, aber weil wir mit Crew segeln und nur drei Wochen Zeit haben, treffen wir eine Auswahl.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_4871.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_4871.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><center><i><span style=\"color: #606060;\">Okinawa: Das gr\u00f6sste Aquarium der Welt<\/span><\/i><\/center><\/p>\n<h3>Erichs Geburtstag<\/h3>\n<p>An Erichs Geburtstag trudelt die neue Crew ein. Wir sind zu siebt: Au\u00dfer uns beiden kommt Lore, unsere erfahrenste Mitseglerin. Schon auf vielen Freydis-T\u00f6rns war sie dabei. Mit ihrem Mann Peter segelt sie seit Jahren auf eigenem Kiel in Nordnorwegen. Andrea und Horst aus Freiburg sind nach 2012 und 2013 das dritte Mal auf der neuen Freydis, auch sie sehr erfahren. Erstmals an Bord ist der r\u00fcstige und souver\u00e4ne Klaus aus Graz (mit eigener Segelyacht im Mittelmeer und beruflicher Japan-Erfahrung). Last not least Christof, der als Ersatzmann von Klaus Boehe kommt, dessen neue Yacht von der Werft einen Monat fr\u00fcher geliefert wird. Christof stammt aus Dortmund und ist gro\u00dfer Fan von Borussia &#8211; &#8222;Schwarz-Gelb sind alle meine Sachen&#8220; ist sein Slogan &#8211; und es stimmt sogar. An Bord gibt es Kaffee und Kuchen. Dann muss das Geburtstagskind arbeiten: drei Stunden mit Patrick zusammen an den neuen Selbststeueranlagen.<\/p>\n<p>Am Abend laden wir in ein Spezialit\u00e4ten-Restaurant ein. Mit von der Partie sind auch wieder Patrick und Sohn Kaiken. Und w\u00e4hrend wir uns die Fladen aus allerlei Meeresfr\u00fcchten und Gem\u00fcse schmecken lassen, die vor uns auf einer im Tisch eingelassen Herdplatte gebruzzelt werden, erz\u00e4hlt Patrick aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen seiner 20-j\u00e4hrigen Japan-Erfahrung und sorgt damit zus\u00e4tzlich f\u00fcr Stimmung und auch f\u00fcr Einstimmung der Neulinge auf das Land des L\u00e4chelns.<\/p>\n<h3>Das neue Grosssegel<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5166.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5166.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das neue Gro\u00dfsegel aus HongKong ist zum Gl\u00fcck auch rechtzeitig eingetroffen. Lore und Andrea \u00fcbernehmen das Ann\u00e4hen der Mastrutscher ans Segel. Am Nachmittag besucht die Crew Naha. Erich und Patrick sind den ganzen Tag wieder mit den Selbststeuer-Anlagen besch\u00e4ftigt: Bei der ersten bringen sie den neuen Hebel am Ruderschaft an, und f\u00fcr die zweite, die an der Steuerkette angreift, installieren sie einen neuen Motor.<\/p>\n<p>Wir klarieren aus, zahlen die Liegegeb\u00fchr in der Marina (55.000 Yen, also ca. 420 Euro f\u00fcr 20 Tage) und sind startbereit. Doch schlechtes Wetter verz\u00f6gert das Auslaufen um einen Tag.<\/p>\n<h3>Amami-O-Shima<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5205.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5205.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><center><i><span style=\"color: #606060;\">Zamami-Nationalpark<\/span><\/i><\/center>Eigentlich wollen wir direkt nach Amami-O-Shima, aber der Wind bl\u00e4st seit Tagen stark von vorn. Also \u00e4ndern wir den Kurs: Die Insel Zamami ist Nationalpark und nur 30 Seemeilen von Okinawa entfernt. Nach vier Segelstunden in sehr kabbeliger Stromsee \u2013 Wind gegen Strom (Kuroshio oder Japanstrom) \u2013 liegen wir dort im sicheren Hafen an der Pier.<\/p>\n<h3>Neues Grosssegel<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5304.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5304.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Erich ist zufrieden: Das neue Gro\u00df steht prima und ist von viel besserer Qualit\u00e4t als das Vorige. Und nach all dem Einsatz an Kraft und Kosten tut\u00b4s wenigstens eine der Selbsteueranlagen (bei der zweiten spinnt die Elektronik, verweigert trotz eines neuen Motors noch immer ihren Dienst). Vorerst steuern wir per Hand, denn die Neuen sollen sich erst einmal mit dem Rudergehen vertraut machen.<\/p>\n<p>In der ersten Nacht Sturmb\u00f6en. Wir verst\u00e4rken die Vor- und Achterleinen. Auch tags\u00fcber immer wieder Regenb\u00f6en bei unseren Inselm\u00e4rschen und Strandg\u00e4ngen. In der zweiten Nacht auflandiger Wind. An der Betonpier wird es ungem\u00fctlich. Vergeblich warten wir auf Winddrehung. Um 10.00 Uhr entschlie\u00dft sich Erich zu einem schnellen Man\u00f6ver, blo\u00df weg von der Pier!<\/p>\n<p>Die 160 Meilen nach Norden zum Amami-Archipel m\u00fcssen wir uns bei 6-7 von vorne mit drei Reffs im neuen Gro\u00df und kleiner Fock, hart erarbeiten. Drei Wachen, Wechsel alle drei Stunden. F\u00fcrchterliche Bolzerei. Allgemeines Aufatmen, als wir am n\u00e4chsten Tag gegen Mittag den West-Eingang erreichen und schlie\u00dflich in der tiefen und ruhigen Bucht von Kakeroma-jima (Pos: 28\u00b0O7, 26 N und 128\u00b016,88 E ) ankern, die uns Patrick als &#8222;Hurricanhole&#8220; empfohlen hat. Er kennt das Archipel wie seine Westentasche.<\/p>\n<p>Christof, der die Tage zuvor unentwegt von Borussia und Schwarz-Gelb schw\u00e4rmte (und uns damit schon geh\u00f6rig auf den Geist ging) kommt ziemlich kleinlaut den Niedergang hoch: &#8222;Leute&#8230; zw\u00f6lf Stunden in der Koje, nichts gemacht und schaut mich an wie blass ich bin! Borrusia Dortmund ist mir\u00a0\u00a0s\u00a0o\u00a0w\u00a0a\u00a0s\u00a0\u00a0von egal!&#8220; Darauf Erich, frei nach Wilhelm Busch: &#8222;Zwei Tage war der Christof krank, jetzt lacht er wieder, Gott sei dank.&#8220;<\/p>\n<p>Zugegeben, Christof ist nicht gerade ein Segel-Ass, aber er sorgt f\u00fcr gute Stimmung an Bord und ist sogar auf eigenen Wunsch eine Eins-A menschliche Sp\u00fclmaschine. Nach Spaghetti Bolognese \u2013 Klaus erscheint in seinem neuen Jukata (leichtes Freizeitkimono) am Tisch \u2013, ausgiebigem Abwasch und einer ruhigen Nacht, ist auch Christof wieder auf dem Damm und in gl\u00e4nzender (Schwarz-Gelb-)Laune. Seinen Spitznamen hat er schon weg: Rudi Bor\u00fcssel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5348.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5348.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><center><i><span style=\"color: #606060;\">Wilde Str\u00e4nde auf Amami<\/span><\/i><\/center>Der Wind hat nachgelassen. Wir verlegen die Freydis in den Hafen von Konya, einem gr\u00f6\u00dferen Ort auf Amami-O-Shima, Japans drittgr\u00f6\u00dfter vorgelagerter Insel. Sie hat jede Menge toller Buchten, ist \u00fcppig bewachsen und ihre Landschaft erinnert uns an Feuerland, fehlen nur die Pinguine und Robben. Daf\u00fcr legen an den Str\u00e4nden Gr\u00fcne-, Karett- und Loggerhead-Meeresschildkr\u00f6ten ganzj\u00e4hrig ihre Eier ab. Auch wurden in diesem Jahr von Dezember bis April ca 200 ! Buckelwale vor der Insel gesichtet. Naturschutz und Whale-watching werden gro\u00df geschrieben auf den Inseln, weiter drau\u00dfen aber sollen schon die Walf\u00e4nger lauern, wie wir von Patrick h\u00f6rten. Sp\u00e4ter, in Iwaki, wird uns in einem der g\u00e4ngigen Sushi Restaurants ganz selbstverst\u00e4ndlich auch Walfleisch angeboten.<\/p>\n<p>Apropos Inselfauna: Vor einigen Jahren entdeckten Sch\u00fcler ein Tier im Mangrovenwald, das sie nicht kannten. Sie jagten es und fingen es schlie\u00dflich ein. Es war ein eineinhalb Meter langes Salzwasser-Krokodil, das wohl mit der warmen Str\u00f6mung des Kuroshio die Insel erreichte. Dabei gibt es genug endemisches Getier: K\u00e4fer, V\u00f6gel, Fr\u00f6sche, M\u00e4use etc. Leider auch giftige Vipern, die Habus. Laut Patrick hatte die Regierung bis vor einigen Jahren noch umgerechnet 40 $ f\u00fcr eine erlegte Habu gezahlt. Patrick konnte auf diese Weise ein h\u00fcbsches S\u00fcmmchen einfangen. Auch wenn sie recht scheu sei, sollten wir tunlichst aufpassen, wohin wir treten.<\/p>\n<h3>Amami<\/h3>\n<p>Erstaunlich auch die Flora von Amami: Die vielen wilden Lilien am Wegesrand! Und erst die Baumfarne &#8211; so gro\u00dfe sah ich nicht einmal in Neuseeland! Das Denkmal f\u00fcr einen Hund, das wir an der K\u00fcstenstra\u00dfe entdecken &#8211; er soll es geschafft haben, schwimmend die n\u00e4chste Insel zu erreichen &#8211; hat nichts zu tun mit Naturschutz, erz\u00e4hlt aber von der Tierliebe der Bewohner. Offensichtlich haben sie auch Sinn f\u00fcr Romantik. Das schlie\u00dfen wir aus der Wahl der Musikst\u00fccke, die aus den \u00fcberall angebrachten Lautsprechern dr\u00f6hnen und den Feierabend ank\u00fcndigen: Das eine mal ist es Franz Schuberts &#8222;Heider\u00f6slein&#8220;, das andere mal Beethovens &#8222;Ode an die Freude&#8220;.<\/p>\n<p>Keinen Sinn f\u00fcr Romantik hat dagegen das Wetter: Wieder gegen an mit drei Reffs im Gro\u00df &#8211; und das gleich 170 Seemeilen weit! Wen wundert\u00b4s da noch, dass wir die einzige Gast-Yacht sind in dem kleinen Fischereihafen Anbo von Yakushima! Auf den ersten Blick gibt es auch gar keinen Platz f\u00fcr uns &#8211; alles belegt mit Fischerbooten. Doch dann taucht Takenobu auf, ein junger Fischer, der sogar gut Englisch spricht, und verhilft uns doch noch zu einem guten Liegeplatz an der Pier. Christof schenkt ihm eine Gedenkm\u00fcnze &#8211; na, von wem schon &#8211; von Borussia, aber mit K\u00f6lner Dom darauf.<\/p>\n<h3>Yakushima: Weltnaturerbe<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5453.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5453.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Plackerei hat sich gelohnt: Yakushima ist eine grandiose Insel &#8211; ja vielleicht die sch\u00f6nste, die wir je besucht haben. Sie geh\u00f6rt zum Unesco-Weltkulturerbe und ist bei japanischen Touristen sehr beliebt.<br \/>\nWir fahren durch eine atemberaubende Landschaft mit 2000 Meter hohen Bergen und zerkl\u00fcfteten Gipfeln, besuchen kleine, gepflegte Ortschaften, \u00fcberqueren auf langen H\u00e4ngebr\u00fccken tiefe saftig-gr\u00fcne Schluchten, wandern durch dichte Urw\u00e4lder mit bis zu 3000 Jahre alten (Yakusugi) Zedern und haben beim Stop an einer Ausflugsh\u00fctte unsere Freude an touristen-freundlichen Rehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5667.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5667.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>An den Nachmittagen entspannen wir in hei\u00dfen Felsen-Thermalb\u00e4dern (Onsen) mit Blick aufs Meer, speisen abends echt japanisch in kleinen Restaurants und schlafen in den N\u00e4chten tief und gut. Richtige Ferientage!<\/p>\n<h3>Io Shima<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5801.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5801.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zur Insel Io Shima haben wir endlich einen ruhigen T\u00f6rn ohne unangenehme Wetter-\u00dcberraschungen. Die \u00dcberraschung ist die Insel selbst: War Yakushima schon eine tolle Insel, so setzt Io Shima noch einen obendrauf an Dramatik und Einmaligkeit. Schon von weitem winkt der 700 Meter hohe Vulkan mit Rauchfahnen aus vielen \u00d6ffnungen und Ritzen, und beim Ansteuern sind wir urpl\u00f6tzlich von rostrotem, schlammigem Wasser umgeben, in dem (&#8222;schau dir das mal an!&#8220;) gro\u00dfe Algenteppiche gleicher F\u00e4rbung wie Netzwerk treiben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5809.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5809.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie h\u00e4ngen sich an die Freydis, die zu unserem Entsetzen bald lange Schleppen hinter sich her zieht. Vor allem umwickeln sie ihren Propeller, sodass das Man\u00f6vrieren immer schwerer wird. (Ursache der Wasserf\u00e4rbung und vielleicht auch des Algenwuchses ist die extrem eisenhaltige Erde der Vulkanh\u00e4nge, die bei Regen mit dem Wasser ins Meer gesp\u00fclt wird und Teile der Insel mit einem roten Saum umgibt.) Erst nach einigen Anl\u00e4ufen schaffen wir\u00b4s an die Pier des kleinen Hafens, der auch hier zu einer Festung gegen Taifune und Tsunamis ausgebaut ist.<\/p>\n<p>Io Shima: Was f\u00fcr ein Kontrast zu den anderen Inseln! Im Gegensatz zu Yakushima ist hier nichts los. Die Insel erscheint wie verwunschen, wie im Dornr\u00f6schenschlaf. Stille, wir sehen wenige betagte Bewohner, entdecken einen winzigen Laden (er f\u00fchrt aber kein Brot; die Menschen hier essen so etwas nicht), viele Schreine und ein kleines Minschuko mit wenigen Zimmern in der N\u00e4he des Hafens. Nur die eigenen G\u00e4ste k\u00f6nnen hier verk\u00f6stigt werden. Viel wichtiger f\u00fcr uns: es gibt WiFi. Am n\u00e4chsten Morgen sitzen wir alle im Treppenhaus und beantworten unsere Emails.<\/p>\n<p>Die Internet-Anbindung in Japan ist \u00fcberall hervorragend. Kein Hotel, kein Minschuko ohne kostenfreies Internet. In anderen L\u00e4ndern ist solcher Komfort meist die Ausnahme.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5897.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_5897.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als erstes steuern wir jedoch nach der Ankunft die Onsen an, die wir schon von Bord aus am Fu\u00df des Vulkans erkennen konnten. Dort empf\u00e4ngt uns eine erstaunliche Szenerie: Tiefgr\u00fcn wie Smaragde leuchten die Wasserbecken in einer erstarrten Lavawelt in Schwefelgelb, Wei\u00df und Ziegelrot. Davor meilenweit rostrotes und giftgr\u00fcnes Meer mit einzelne hohe Lavafelsen darin wie Zahnruinen in einem riesigen Maul.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu einigen Bewohnern, die es auch in hei\u00dfere Becken schaffen, bleiben wir im &#8222;k\u00fchlsten&#8220; &#8211; alles andere w\u00e4re der sichere Herztod. Die gr\u00fcne Farbe stammt \u00fcbrigens vom Algenbewuchs des Vulkangesteins. Der starke S\u00e4uregehalt des Wassers offenbart sich mir leider erst, als ich es mir versehentlich in die Augen reibe. Blind wird aber nur mein Perlmuttschmuck, den ich nicht abgenommen habe.<\/p>\n<h3>Und pl\u00f6tzlich Heidelberg!<\/h3>\n<p>Wegen der begrenzten Unterkunft finden sich trotz Japans &#8222;Goldener Woche&#8220; nur eine Handvoll japanischer Touristen aus Tokyo ein. Als die F\u00e4hre mit ihnen einl\u00e4uft, wird getrommelt, was das Zeug h\u00e4lt. Kopf der kleinen Trommlergruppe ist Aya Yokoyama, eine junge Japanerin (aha, es gibt auch ein paar junge Leute hier), die mit ihrem Mann eine Rinderfarm betreibt (sch\u00f6ne, wohlgen\u00e4hrte schwarze Rinder; wir sehen sie sp\u00e4ter oben am Kraterhang) und die in ihrer Freizeit trommelt. Sie sei gerade von einem Trommelkurs aus der Sahara zur\u00fcck, radebrecht sie auf Englisch. Wir staunen wieder mal: Da sind wir nun in einem der einsamsten Winkel Japans mit Menschen, die noch nach ihrer alten Kultur zu leben scheinen und dann das: Eine ganz moderne, weitgereiste Gruppe von Musikern! Und als wir h\u00f6ren, dass sie vor einem Jahr in Heidelberg gastiert und das Schloss besichtig hat, sind wir sprachlos. Aya freut sich, zeigt uns stolz die Trommeln, die ihre Gruppe aus Afrika mitgebracht hat; und da es hier keine Leihwagen gibt, organisiert sie ruck zuck einen Kleinbus und zeigt uns die Insel.<\/p>\n<p>Io Shima ist nicht nur eine stille, sondern auch eine karge Insel, \u00fcberzogen nur von einem drei bis sechs Meter hohen Bambus-&#8222;Wald&#8220;, in den ab und zu ein Fu\u00dfpfad f\u00fchrt, oft weit hinein, nie hindurch. Man kommt sich darin vor wie ein Zwerg im Getreidefeld oder wie in einem Labyrinth \u2013 <i>lost in bamboo!<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6322.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6322.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Erich schie\u00dft Fotos. Andrea und ich m\u00fcssen stillstehen bis die Belichtung passt. In meinen Bermuda-Shorts bin ich auch Zielscheibe ausgehungerter Moskitos. Haut\u00e4rztin Andrea ist in voller Montur: &#8222;Hier soll\u00b4s doch die Japanische Encephalitis geben, die von M\u00fccken \u00fcbertragen wird. Bist Du geimpft?&#8220; Sch&#8230; nein!<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter googeln wir uns schlau: Virus-Reservoir sind vor allem &#8222;Reisanbau und Schweinezucht&#8220;. Beides gibt\u00b4s nicht auf der Insel. Beruhigend.<\/p>\n<h3>Bambussprossen\u2026<\/h3>\n<p>Wieder an Bord, \u00fcberreichen uns Bewohner eine gro\u00dfe T\u00fcte voller Bambussprossen. Sie werden noch am selben Abend gekocht und gegessen, und sie schmecken vorz\u00fcglich. Auf dieser Insel kann man sich schlank essen, ein ganzer Wald steht zur Verf\u00fcgung. In jedem Hafen kommt jemand und schenkt uns Fisch oder Gem\u00fcse. Andrea und ich sind \u00fcbrigens die Meisterk\u00f6che an Bord: Sogar das Monsterst\u00fcck eines Riesenkraken, das uns ein Fischer schenkte, wurde mutig von uns gemeistert und zum kulinarischen Hit auf der Reise.<\/p>\n<h3>\u2026und Algen<\/h3>\n<p>Sch\u00f6nstes Wetter. Vor dem Auslaufen muss Erich allerdings erst einmal tauchen und die Freydis von ihren Algenb\u00e4rten befreien. Und dann ist es so, wie Segeln auch sein kann: einfach herrlich! Gleichm\u00e4\u00dfiger, achterlicher Wind schiebt die Freydis mit Gro\u00df und ausgebaumter Genua nach Norden bis ins Ziel: Nagasaki.<\/p>\n<h3>Nagasaki<\/h3>\n<p>In Nagasaki haben wir in der &#8222;Sunset Marina&#8220; fest gemacht. Unsere Mitsegler helfen alle noch zwei Tage, die Freydis aufzuklaren und zu vert\u00e4uen. Die Taifunsaison naht. Vorsorglich bringen wir auch 50 Meter Reservekette zur gegen\u00fcberliegenden Pier aus und au\u00dferdem legt der Skipper das Schiff zus\u00e4tzlich in Ketten, in die er ausgediente Autoreifen als Ruckd\u00e4mpfer einbaut.<\/p>\n<p>Rudi Borr\u00fcssel w\u00e4scht bis zum Schluss unverdrossen ab. Er bekommt dabei aber auch oft Unterst\u00fctzung beim Abtrocknen und Einr\u00e4umen. Bevor er die Heimreise antritt, kauft er noch einen Kimono f\u00fcr sich. In den Farben &#8211; wie k\u00f6nnte es anders sein &#8211; Schwarz-Gelb.<\/p>\n<h3>Der T\u00f6rn ist zu Ende<\/h3>\n<p>Am 21. Tag heisst es im Logbuch: Heute Morgen ist die Crew von Bord gegangen. Nicht nur f\u00fcr uns war dieser letzte T\u00f6rn ein wundersch\u00f6nes Finale einer \u00e4u\u00dferst schwierigen Segelsaison. Alle waren begeistert. Lore ins Logbuch: &#8222;Friedliches Segeln unterm Sternenhimmel als Abschluss eines rundum gelungenen T\u00f6rns in die japanische Inselwelt mit einer F\u00fclle von Eindr\u00fccken!&#8220; Und Klaus im Email aus Tokyo, wo er noch ein paar Tage bei Freunden verbringt: &#8222;&#8230; Ich habe die Zeit mit Euch sehr genossen und bedanke mich f\u00fcr Eure professionelle und herzliche\u00a0 F\u00fchrung des T\u00f6rns.&#8220;<\/p>\n<p>Im Oktober werden wir wieder auf der Freydis sein, um Wartungs- und \u00dcberholungsarbeiten durchzuf\u00fchren. Und vielleicht, wenn das Wetter es zul\u00e4sst, segeln wir einen Abstecher zur Insel Tsushima, von der es nur noch ein Katzensprung nach Korea ist.<\/p>\n<p>Bevor wir nach Deutschland zur\u00fcckfliegen, wollen wir noch die Reste unserer alten Freydis in Fukushima besuchen. Dar\u00fcber berichte ich im n\u00e4chsten Blog.<\/p>\n<p>Heide<\/p>\n<h2>Picasa-Alben<\/h2>\n<h3>Okinawa<\/h3>\n<h3>Zamami Shima<\/h3>\n<h3>Omami O Shima<\/h3>\n<h3>Yakushima<\/h3>\n<h3>Io Shima<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 02.06.2014, 18:13:07 :: Heidelberg Der letzte T\u00f6rn in dieser Saison. Von Okinawa nach Nagasaki Ende der Pechstr\u00e4hne? 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