{"id":1765,"date":"2014-06-08T20:33:28","date_gmt":"2014-06-08T19:33:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1765"},"modified":"2014-06-15T23:14:16","modified_gmt":"2014-06-15T22:14:16","slug":"besuch-in-fukushima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/besuch-in-fukushima\/","title":{"rendered":"Besuch in Fukushima"},"content":{"rendered":"<p><i>Montag, 09.06.2014, Heidelberg<\/i><\/p>\n<p><big>A<\/big>ls wir Ende April in Okinawa einliefen, sprach uns ein japanischer Segler an: In der neuesten Ausgabe von &#8218;KAZI&#8220; (der f&#252;hrenden japanischen Segelzeitschrift), sei ein Bericht &#252;ber die alte Freydis mit Bildern von ihr aus Fukushima. Und wie es auch da wieder hie&#223;: Sie w&#252;rde dort zu einem Denkmal werden.<\/p>\n<h3>Iwaki und das Wrack &#8211; ein Denkmal? <\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/DSCN0523.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/DSCN0523.jpeg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><big>D<\/big>as war der Anlass f&#252;r uns, vor dem R&#252;ckflug nach Deutschland noch einen Abstecher nach Iwaki zu machen, nach dem Wrack zu schauen und unsere Freunde zu besuchen: J&#252;rgen Oberb&#228;umer, der &#8218;Deutschen vom Dienst&#8220; (er lebt mit seiner japanischen Frau Mariko seit 30 Jahren in Iwaki), John Becker, Schriftsteller und Maler und Imai-San, Segler und Freydis-Fan.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6854.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6854.jpeg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor drei Jahren waren wir das letzte Mal in Fukushima gewesen: Unser Versuch, die havarierte Freydis von den Klippen in tiefes Wasser zu schleppen, war damals gescheitert. Ein paar Sachen hatten wir abgeborgen, aber wir mussten dem Seeschiffsregister in Cuxhaven melden, wie es im Juristendeutsch so sch&#246;n hei&#223;t: &#8218;Das Schiff ist ausbesserungsunf&#228;hig verloren&#8220;. Damit wurde es Eigentum der Bezirksregierung Fukushima. Sechs Monate sp&#228;ter lie&#223; sie das Schiff bergen, das in der Brandung auch nach zwei Taifunen nicht auseinander brechen wollte und dessen Mast noch stand. Daf&#252;r musste es zerschnitten und es musste sogar ein H&#252;gel oberhalb der Klippen abgetragen werden. Damit es nicht auf dem Schiffsfriedhof landete, spendeten wir &#8211; mit Unterst&#252;tzung unserer Freunde und Mitsegler &#8211; &#8364; 11.000 auf Anfrage von Tetsuo Komata von der Japanisch-Deutschen Gesellschaft Iwaki.<\/p>\n<p>Die eigentliche Bergung vor drei Jahren hatten wir nicht mehr miterlebt &#8211; der Bau der neuen Freydis (III) hatte uns viel zu sehr in Anspruch genommen.<\/p>\n<p>Vor gut einem Jahr bekam die Freydis prominenten Besuch: Cai Guo Quiang, der ber&#252;hmte chinesische Bildhauer, Maler und Aktionsk&#252;nstler, pr&#252;fte, ob sie f&#252;r ihn ein geeignetes Kunst-Objekt sei. Leider haben wir uns nicht mit ihm treffen k&#246;nnen &#8211; wir waren mit der &#8222;Neuen&#8220; Richtung Australien unterwegs. <\/p>\n<p>John Becker (K&#252;nstlername Bekka Jion) und seine Frau Michiko erwarteten uns am Bahnhof. Das Schicksal der Freydis hatte ihn zu einer Novelle inspiriert, dem letzten Band seiner Trilogie. Auf dem Cover prangt unsere von der Brandung gebeutelte Freydis. John und Michiko f&#252;hrten uns den H&#252;gel hinauf zur Schuh-ei Kohkoh Hochschule. <\/p>\n<p>Nun, da lag das Wrack also &#8211; von Schneidbrennern zweigeteilt, samt Mast und Rigg &#8211; wie wir es von Bildern her kannten (Herr Oberb&#228;umer und Herr Komata hatten sie uns nach dem Transport geschickt). Ein trauriger Anblick. Wehm&#252;tige Erinnerungen kamen in uns hoch, als wir durchs ausgeweidete Bootsinnere stapften: In der Bilge wuchs schon hier und da Gras und an einem Spant klebte noch eine Ein-Dollarnote, der Rest unserer damaligen, gut gef&#252;llten Bordkasse &#8211; alles pass&#233;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6946.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6946.jpeg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8222;Viel ist seitdem nicht geschehen&#8220;, so der neue Leiter der Hochschule, Herr Naohiro, den wir schon in Heidelberg kennen gelernt hatten. Die Pr&#228;fektur von Fukushima sei immer noch mit der Beseitigung der Sch&#228;den besch&#228;ftigt, die Erdbeben, Tsunami und Verstrahlung angerichtet haben. &#220;ber Gedenkpark und Denkmal sei deshalb noch gar nicht endg&#252;ltig entschieden worden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6882.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6882.jpeg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<h3>Infrastruktur und K&#252;stenschutz sind wichtiger<\/h3>\n<p><big>V<\/big>erst&#228;ndlich: Am n&#228;chsten Tag zeigte uns Herr Imai &#8211; einer der Segler, die uns vor drei Jahren beim Abbergen von Winschen, Segeln und Tauwerk geholfen hatten &#8211; einen Teil des K&#252;stenstreifens. Weil er weder englisch noch deutsch spricht, begleitete uns May, Tochter von Herrn Oberb&#228;umer, den ganzen Tag und dolmetschte (sie ist in Japan aufgewachsen und hat Abitur in Deutschland gemacht). <\/p>\n<p>Wir konnten kaum glauben, was wir dort alles sahen: Milliardenbetr&#228;ge werden in Infrastruktur und K&#252;stenschutz investiert, um in Zukunft f&#252;r Tsunamis besser ger&#252;stet zu sein. Ein 400 Kilometer langer Betonwall ist am Entstehen. Der gro&#223;e Hafen von Onahama wird wieder aufgebaut, im Bau ist auch eine riesige Br&#252;cke &#252;ber den Hafen; viele Geb&#228;ude und Lagerschuppen sind bereits in Funktion.<\/p>\n<p>Mit Imai-San fuhren wir auch zur ehemals angrenzenden &#8218;Iwaki Sun Marina&#8220;, aus der die Freydis am 11. M&#228;rz 2011 herausgesp&#252;lt worden war. Die sch&#246;ne, gepflegte Marina war nicht mehr zu erkennen. Ihre  Geb&#228;ude waren geschleift und auf den ehemaligen Stellfl&#228;chen der Boote lagerten jetzt tausende von Tetrapoden aus Beton, die zur Verst&#228;rkung der Wellenbrecher dienen sollen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6952.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_6952.jpeg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die ganze K&#252;ste ist durch das Erdbeben 70 cm abgesackt, entsprechend werden alle Wellenbrecher und Betondeiche erh&#246;ht, so Imai-San. Angeblich soll auch die Marina wieder aufgebaut werden. Aber alles ist vage, auch f&#252;r die Menschen vor Ort. Japan ist eine Konsensgesellschaft &#8211; beschlossen wird in zahlreichen Aussch&#252;ssen und Gremien. Keiner weiss vorher, was am Ende wirklich geschehen wird.<\/p>\n<p>Wir besichtigten das gro&#223;e Aquarium, eine der Hauptattraktionen von Iwaki und Onahama. 200.000 Meerestiere waren damals krepiert, als die Pumpen ausfielen. Nun war es restauriert und strahlte im alten Glanz. <\/p>\n<h3>Beeindruckende Aufbauleistung<\/h3>\n<p><big>B<\/big>eeindruckend, geradezu ergreifend, was in den drei Jahren geschaffen wurde. W&#228;re da nur nicht die st&#228;ndige Bedrohung durch das benachbarte havarierte AKW Daiichi, ehemals eines der leistungsst&#228;rksten Kernkraftwerke Japans: Nach Expertenmeinung besteht nur wenig Aussicht auf Erfolg, die absolute Katastrophe zu verhindern &#8211; und die Menschen wissen das. Sie trauen nicht den Aussagen des Betreibers Tepco und der Regierung, die immer wieder wichtige Informationen zur&#252;ckhalten und die Probleme bagatellisieren und sie leben in st&#228;ndiger Angst, dass sich die Katastrophe ausweiten k&#246;nnte. Viele Familien, vor allem mit Kindern, <a href=\"http:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/2013\/10\/09\/fukushima-die-wahrscheinlichkeit-dass-die-rettung-gelingt-geht-gegen-null\/\">sind deswegen fortgezogen.<\/a><\/p>\n<h3>Verdr&#228;ngen oder aufarbeiten?<\/h3>\n<p><big>A<\/big>ber sie verdr&#228;ngen auch viel. Einer der nicht verdr&#228;ngt, ist J&#252;rgen Oberb&#228;umer. Er ist dabei, ein Buch abzuschliessen, das den 11. M&#228;rz 2011 und seine Folgen beschreibt: Die Folgen f&#252;r ihn und seine Familie, f&#252;r die Nachbarn und Freunde, f&#252;r die Menschen in der Region. Und er benennt Fehler und Vers&#228;umnisse der Betreiberfirma Tepco und der Japanischen Regierung, stellt beide schonungslos an den Pranger.  <\/p>\n<p>An der Stelle, an der wir vor drei Jahren mit vereinten Kr&#228;ften durch die Brandung zur Freydis geschwommen waren, um noch zu retten, was m&#246;glich war, &#252;berreichte uns Herr Imai nun zwei Teller, die er sp&#228;ter nach dem Ausschlachten der Freydis sicher gestellt hatte. Er freute sich sehr, als wir sie auf seinen Wunsch f&#252;r Herrn Oberb&#228;umer und ihn signierten zur Erinnerung an den heutigen Tag, der auch noch sein Geburtstag war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_7003.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2014\/06\/IMG_7003.jpeg\" width=\"640\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<h3>Die Bedrohung bleibt<\/h3>\n<p>Nur zwei Tage waren wir in Fukushima und sp&#252;rten intensiv die Bedrohung, die von Erdbeben, Tsunami  und AKW ausging. Auf der R&#252;ckfahrt nach Tokio waren wir uns einig, dass wir uns und die neue Freydis dieser K&#252;ste im n&#228;chsten Jahr nicht noch einmal aussetzen w&#252;rden. Die Reise nach Norden werden wir auf der anderen relativ sicheren Seite Japans, der Westseite von Honshu, &#252;ber das Japanische Meer fortsetzen.<\/p>\n<h2>Picasa<\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 09.06.2014, Heidelberg Als wir Ende April in Okinawa einliefen, sprach uns ein japanischer Segler an: In der neuesten Ausgabe von &#8218;KAZI&#8220; (der f&#252;hrenden japanischen Segelzeitschrift), sei ein Bericht &#252;ber die alte Freydis mit Bildern von ihr aus Fukushima. 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