{"id":1941,"date":"2015-05-26T10:30:12","date_gmt":"2015-05-26T09:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1941"},"modified":"2015-05-26T11:10:00","modified_gmt":"2015-05-26T10:10:00","slug":"chaostage-auf-der-freydis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/chaostage-auf-der-freydis\/","title":{"rendered":"Chaostage auf der Freydis"},"content":{"rendered":"<p>\n\t<i>Dienstag, 26.05.2015, 11:07:20 MESZ<\/i>\n<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2015\/05\/IMGiP4_04302.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2015\/05\/IMGiP4_04302_640.jpg\" width=\"640\" alt=\"Stand: 17.05.2015\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<h3>Ihr Lieben,<\/h3>\n<p>Ein sch\u00f6ner und erlebnisreicher T\u00f6rn n\u00e4hert sich seinem Ende als wir am sp\u00e4ten Nachmittag in unseren Zielhafen Kashiwazaki einlaufen. Diese 70.000-Einwohner-Stadt liegt 70 Kilometer von Niigata entfernt. Wir haben diesen Ort gew\u00e4hlt, weil wir durch den Taifun &#8222;Noul&#8220; auf Tsushima in unserer T\u00f6rnplanung in Verzug geraten sind.<\/p>\n<p>Bereits am n\u00e4chsten Tag werden unsere Mitsegler hier von Angeh\u00f6rigen abgeholt. Vorher wollen wir aber noch alle gemeinsam &#8222;Klar Schiff&#8220; machen.<\/p>\n<p>Vor dem Hafen \u00fcberrascht uns ein dr\u00f6hnender Empfang durch die Coast Guard, die uns mehrmals mit dem Hubschrauber umkreist. \u00dcber AIS weiss sie, wer wir sind. Sie verfolgt offensichtlich unsere Route, denn wir erhielten unterwegs mehrmals Aufforderungen auf Englisch \u00fcber AIS, die Fischerei-Schutzonen zu beachten, d.h. gen\u00fcgend Abstand zum Land zu halten, und uns erreichten auch Warnungen vor Untiefen und Kursempfehlungen bei der Hafeneinfahrt nach Kashiwazaki. Diese Art der Betreuung auf See war f\u00fcr neu und ein wenig kam das Gef\u00fchl auf: &#8222;Big brother is watching you&#8220;.<\/p>\n<p>Der kleine Hafen bietet nicht viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr uns anzulegen. Schlie\u00dflich entscheiden wir uns f\u00fcr eine Pier, die jedoch, wie sich herausstellt, f\u00fcr Fischerei-Notf\u00e4lle reserviert ist. Die Offiziellen wollen uns verlegen, aber wohin? Wir sollen in eine Marina in der N\u00e4he, aber dort hat man keinen Platz f\u00fcr Boote unserer L\u00e4nge, und im Hafen gibt es nur Kaimauern f\u00fcr Fischerboote. Also d\u00fcrfen wir erst einmal bleiben, wo wir sind.<\/p>\n<p>Im Hotel Misaki ganz in unserer N\u00e4he, werden wir unsere gesammelten Abf\u00e4lle los, bekommen einen Stadtplan und erste Informationen, wo was zu finden ist: Post, Supermarkt, Onsen, Rent a Car. Von der Cafeteria des Hotels genie\u00dfen Mitsegler Peter und ich den Blick \u00fcber den Hafen mit der roten Freydis. Ich nippe an einer Tasse hei\u00dfem &#8222;cocoa with milk&#8220; und lade unsere Emails herunter, Peter s\u00fcffelt sein Bier und ruft seinen Cousin an, der an einer nicht weit entfernten Universit\u00e4t eine Professur f\u00fcr kreatives Filmen hat, und der ihn morgen abholen wird. Abends Abschiedsessen an Bord.<\/p>\n<h3>Tag 1 \u2013 Ungl\u00fcck und Unheil<\/h3>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen werden wir am Kai f\u00fcr Notf\u00e4lle selbst zum Notfall. Denn als wir alle Mann dabei sind, das Boot zu reinigen und den Motor anwerfen, um f\u00fcr den Staubsauger Strom zu erzeugen, ert\u00f6nt pl\u00f6tzlich die Alarmsirene. Die \u00d6ldruck-Anzeige steht auf null. Der Motor wird sofort abgeschaltet.<\/p>\n<p>Uns trifft der Schlag: Im Maschinenraum gro\u00dfe Schweinerei, 15 Liter Maschinen\u00f6l tropfen von W\u00e4nden und Decke in die Bilge! Erich flucht und h\u00e4lt die Ursache in der Hand: Am Hochdruckschlauch, der von der Maschine zum \u00d6lfilter f\u00fchrt, hat sich eine Pressung gel\u00f6st. Er nimmt den Schlauch ab. \u00dcber Internet muss in Deutschland ein Ersatzteil bestellt werden. Was uns aber vor allem beunruhigt, ist der Gedanke, dass die Maschine m\u00f6glicherweise Schaden genommen hat. Immerhin vergingen einige Sekunden, bis sie abgeschaltet war. Dann h\u00e4tten wir n\u00e4mlich ein gro\u00dfes Problem.<\/p>\n<p>In dieser Phase erscheinen pl\u00f6tzlich an die 20 Beamte vor unserem Boot: Hafenbeh\u00f6rde, Polizei, Immigration, Customs, Coast Guard. Wir werden ins Hafengeb\u00e4ude zitiert und dort ist es nicht die umst\u00e4ndliche, aber immer freundliche Einklarierungsprozedur, die uns bisher in jedem Hafen Japans erwartete, sondern dieses Mal entpuppt sich das Treffen als ein Verh\u00f6r mit ernsten Gesichtern und schneidenden Fragen, die von unserem Mitsegler Peter zwar so gut wie m\u00f6glich \u00fcbersetzt, und von uns so gut wie m\u00f6glich beantwortet werden, aber nicht zur vollen Zufriedenheit der Beamten, die ein immer ernsteres und verbisseneres Gesicht aufsetzen.<\/p>\n<p>Was uns in Jahrzehnten noch nie passiert ist: Erich, als Skipper wird aufgefordert, das Logbuch vorzulegen, sie wollen unsere Angaben zur Reiseroute \u00fcberpr\u00fcfen. Bei mir kommt Sorge auf, die Angelegenheit k\u00f6nnte eskalieren, denn nun wird auch Erich immer gereizter, zumal er starke Zahnschmerzen hat. Zum Gl\u00fcck trifft Fumiko ein, die japanische Frau unseres Mitseglers Dietmar. Ihr gelingt es, in ruhiger und sachlicher Weise die Wogen zu gl\u00e4tten und alle Ungereimtheiten auszur\u00e4umen: Die Beamten hielten uns wohl f\u00fcr Illegale oder wegen unseres l\u00e4ngeren Tsushima-Aufenthaltes (nur 40 Meilen von S\u00fcdkorea entfernt) f\u00fcr Schmuggler; schlie\u00dflich sind S\u00fcd- und Nordkorea und auch Russland und China nur einen Katzensprung entfernt. Die Formalit\u00e4ten werden nun freundlich erledigt, und als die Beamten von unserem Problemen im Maschinenraum h\u00f6ren, ist im Nu ein Mechaniker zur Stelle, der sich den Schaden ansieht &#8211; vor allem wohl, um sicher zu stellen, dass kein \u00d6l in den Hafen flie\u00dft (was f\u00fcr die Sauberkeit japanischer H\u00e4fen spricht).<\/p>\n<p>Nachmittags verlassen unsere Mitsegler mit ihren Angeh\u00f6rigen die Freydis. Anschlie\u00dfend hetzen wir ins Hotel Misaki &#8211; dem einzigen Ort, an dem wir Internetzugang bekommen. Dort bespricht Erich \u00fcber Skype mit unserem Freund Thilo in Ostfriesland unser Problem. Fotos des Schlauches samt Verbindungsst\u00fccken schicken wir ihm \u00fcber <i>WhatsApp<\/i>. Er will einem der Mitsegeler der n\u00e4chsten Crew einen Ersatzschlauch mitgeben. Aber es ist sehr fraglich, ob die Zeit daf\u00fcr reicht.<\/p>\n<p>Nach einem anstrengenden Marsch am Abend in die Innenstadt zum Proviantkauf wollen wir noch einmal nach Deutschland telefonieren. Auf der Suche nach dem iPhone stellen wir das Boot auf den Kopf und rufen uns dann vom Hotel Misaki aus selbst an, um es zu lokalisieren &#8211; doch alles vergeblich.<\/p>\n<h3>Tag 2 in Kashiwazaki<\/h3>\n<p>Am Morgen beratschlagen wir gerade, wie wir hier zu einem neuen Schlauch kommen, als pl\u00f6tzlich zwei M\u00e4nner &#8211; Takahashi-San und ein befreundeter Techniker &#8211; vor der Freydis stehen. Ob wir Hilfe br\u00e4uchten? Sie schauen sich den Schaden genau an, f\u00fchren diverse Telefonate und nehmen den Schlauch mit. Sie wollen ihn reparieren lassen. Das ist wieder einmal typisch Japan!<\/p>\n<p>Wir machen uns derweil auf die Suche nach dem verlorenen iPhone, klappern Hotel und Supermarkt ab und landen schlie\u00dflich bei der Polizei, denn ein Fundb\u00fcro gibt es nicht.<\/p>\n<p>Kaum sind wir mittags wieder an Bord, kehrt Takahishi-San mit einem einwandfrei reparierten Schlauch zur\u00fcck. Erich montiert ihn sofort, f\u00fcllt die 15 Liter \u00d6l wieder auf und startet den Motor. Er springt sofort an und surrt wie eine N\u00e4hmaschine. Wir atmen auf. Wir haben Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck gehabt, dass der Schaden nicht auf See, sondern im Hafen passiert ist.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte Erich wegen der Zahnschmerzen l\u00e4ngst zum Arzt gemusst. Aber der Sturkopf schluckt Tabletten und beginnt mit der S\u00e4uberung des Motorraums. Ich mache mich w\u00e4hrenddessen noch einmal systematisch auf die Suche im Boot nach dem verschwundenen iPhone. Nachdem ich schon fast die Hoffnung aufgegeben habe, durchforste ich ein letztes Mal unsere Rucks\u00e4cke. Und siehe da: Im doppelten Boden von Erichs Rucksack werde ich f\u00fcndig. Hurra &#8211; wieder ein Problem gel\u00f6st!<\/p>\n<p>Aber ein neues wird immer offensichtlicher: Erichs Backe schwillt an. Er kann vor Schmerz kaum schlafen. Meine Geduld ist zu Ende: Wir m\u00fcssen zum Zahnarzt!<\/p>\n<h3>Tag 3, Samstag<\/h3>\n<p>Um 9 Uhr morgens f\u00e4hrt Takahashi-San den schmerzgeplagten, \u00fcbern\u00e4chtigten Erich und mich zum zahn\u00e4rztlichen Wochenend-Notdienst. Mit dem Zahnarzt klappt die Verst\u00e4ndigung auch ohne Worte. Es wird ger\u00f6ntgt, gebohrt und plombiert, und nach einer Stunde wird der Patient mit Tabletten gegen Schmerz und Entz\u00fcndung entlassen. F\u00fcr&#8217;s Erste.<\/p>\n<p>Optimisten, die wir sind, lassen wir uns zum &#8222;Rent a Car&#8220; kutschieren und buchen f\u00fcr die kommenden drei Tage einen Leihwagen. Am Nachmittag bringen wir den Maschinenraum auf Hochglanz. Aber dann nehmen wir unseren geplanten Abstecher in die Japanischen Alpen in Angriff.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nHeide &#038; Erich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, 26.05.2015, 11:07:20 MESZ Ihr Lieben, Ein sch\u00f6ner und erlebnisreicher T\u00f6rn n\u00e4hert sich seinem Ende als wir am sp\u00e4ten Nachmittag in unseren Zielhafen Kashiwazaki einlaufen. Diese 70.000-Einwohner-Stadt liegt 70 Kilometer von Niigata entfernt. 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