{"id":1956,"date":"2015-08-01T10:24:51","date_gmt":"2015-08-01T09:24:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1956"},"modified":"2015-08-01T11:10:45","modified_gmt":"2015-08-01T10:10:45","slug":"auf-biegen-und-brechen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/auf-biegen-und-brechen-teil-1\/","title":{"rendered":"Auf Biegen und Brechen (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>\n\t<i>Freitag, 31.07.2015, 20:18:00 UTC :: Unalaska<\/i>\n<\/p>\n<p><i>Zwei von unserer neuen Crew sind bereits an Bord, die anderen treffen in zwei Stunden ein. Heide hat den Text gerade noch fertig stellen k\u00f6nnen. Wie wir von hier aus Rundmails loswerden sollen, wissen wir noch nicht, denn die Verbindung ist einfach zu schlecht. Vielleicht haben wir heute Nacht Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Bilder dazu werden wir sp\u00e4ter einf\u00fcgen.<\/i><\/p>\n<h2>TEIL I: Von Japan nach Alaska<\/h2>\n<p><big>G<\/big>estern trat die Crew die Heimreise an. Jetzt haben wir eine Woche Zeit, um den n\u00e4chsten T\u00f6rn vorzubereiten. Die neue Crew trifft wie immer einen Tag fr\u00fcher ein, damit sie sich noch ein wenig umschauen und eingew\u00f6hnen kann, bevor es losgeht &#8211; diesmal am 1. August.<\/p>\n<h3>Reparaturarbeiten\u2026<\/h3>\n<p>Uns stehen noch einige Reparaturen bevor: Ein Leck im Motork\u00fchlsystem muss gedichtet werden, ein weiteres im Watermaker und noch eines in der Wellendichtung. Crewmitglied Hilke bringt die neue UKW-Zentraleinheit mit den von Simrad programmierten amerikanischen Wetterkan\u00e4len, die eingebaut werden muss. Wir sind auf die Wetterberichte dringend angewiesen, denn das Wetter \u00e4ndert sich hier sehr schnell radikal. Au\u00dferdem muss Erich die Vergaser der Au\u00dfenborder neu einstellen, da die Zweitakter stottern.<\/p>\n<p>Die neuen Halterungen der beiden Wassergeneratoren haben zwar gehalten, aber die kreischenden Ger\u00e4usche, die immer noch auftreten, obwohl beide vom Hersteller in England \u00fcberpr\u00fcft wurden, werden durch die Gummipuffer nicht v\u00f6llig absorbiert: Das Ger\u00e4usch nervt weiterhin. Auf halber Strecke nach Attu sind die Generatoren dann ausgefallen &#8211; vermutlich ein Defekt in der Elektronik. Au\u00dferdem hat einer der beiden Windgeneratoren seinen Dienst eingestellt (Lagerschaden?). Der Ursache werden wir erst in Kodiak auf den Grund gehen und evtl. den Motor mit nach DL nehmen.<\/p>\n<h3>\u2026Putzen und Einkaufen\u2026<\/h3>\n<p>Dazu kommen die \u00fcblichen Reinigungsarbeiten und Provianteink\u00e4ufe. Im \u00f6rtlichen Supermarkt (Safeway) bekommt man (fast) alles, aber sehr teuer wegen des langen Schiffs- bzw Luft-Transportes. Zwischen Dutch Harbor und Kodiak gibt es keine M\u00f6glichkeit einzukaufen, deshalb m\u00fcssen wir f\u00fcr drei Wochen und 8 Leute planen. Unterwegs geht uns hoffentlich mal ein Heilbutt an die Angel, sonst m\u00fcssen wir Lachs- und Heilbutt-Fischer anhauen.<\/p>\n<h2>Und nun zum T\u00f6rnverlauf<\/h2>\n<p><big>E<\/big>rich und ich hatten uns auf diesen T\u00f6rn intensiv vorbereitet und es war gut, dass die beiden Japant\u00f6rns voran gingen, durch sie waren wir bereits gut im Training. Und als die neue Crew in Kushiro eintraf, waren die Verproviantierung f\u00fcr 5 Wochen und die restlichen Arbeiten am Schiff abgeschlossen. Dadurch konnten wir noch zwei Tage mit den \u201eNeuen\u201c in den Nationalpark fahren, damit sie wenigstens ein bisschen von Japan mitbekamen. Au\u00dferdem war es Ulrike aus Berlin, die ihren Flieger verpasst hatte und mit zweit\u00e4giger Versp\u00e4tung an Bord eintraf, dadurch m\u00f6glich, noch zuzusteigen.<\/p>\n<h3>Das Wetter spielt verr\u00fcckt<\/h3>\n<p>Was das Wetter angeht, so spielte es \u201everr\u00fcckt&#8220; &#8211; wie so oft in den letzten vier Jahren. Statt der erwarteten Westwinde mit gelegentlichen St\u00fcrmen, hatte sich \u00fcber der Beringsee ein festsitzendes Hoch entwickelt, das die Tiefs weit nach S\u00fcden abdr\u00e4ngte und uns zwei Wochen nord\u00f6stlichen Wind zwischen 4 und 7 Bft bescherte. Das bedeutete, Tag f\u00fcr Tag und Nacht f\u00fcr Nacht gegenanbolzen.<\/p>\n<p>Kaum hatten wir Hokkaido achteraus, nahm uns der kalte Kurilenstrom (um 5\u00b0C) in seine Arme &#8211; entsprechend kalt war auch die Luft. Und weil er mit St\u00e4rken zwischen 0,5 und 1,5 Knoten aus dem Ochotskischen Meer an den Kurilen vorbei nach S\u00fcden flie\u00dft, kamen wir trotz mitlaufender Maschine nur langsam voran. Ja, wir traten quasi auf der Stelle und nach einer Woche waren wir alle ziemlich frustriert. Ein Ausbrechen nach Osten war nicht m\u00f6glich, weil der Wind weiter \u00f6stlich noch zunahm und Wind und Strom uns nach S\u00fcdosten dr\u00fcckten, also weg von unserem Ziel Attu (der westlichsten Insel der Aleuten). \u00dcber unser Iridium-Handy beratschlagte Erich mehrfach mit Herrn Taxwedel von Meeno Schraders \u201eWetterwelt\u201c in Kiel, was zu tun sei, um unsere Lage zu verbessern. Er riet uns nach einer Woche zu einem Befreiungsschlag nach Norden. Und so gelangten wir nach h\u00e4rtester Kreuz bis zur 12 Meilen Grenze von Kamtschatkas S\u00fcdspitze und begannen dann mit dem Schlag auf Steuerbordbug nach Osten. Der Vorhersage von \u201eWetterwelt\u201c entsprechend, lie\u00df der Wind an St\u00e4rke langsam nach und drehte \u00fcber Nord nach Nordwest. Nach 10 Tagen konnten wir unser Ziel anliegen und kamen schnell voran. Zwei Tage sp\u00e4ter rauschten wir raumschots und dann sogar vor dem Wind unter ausgebauter Genua mit 8-9 Knoten auf Attu zu, und am 14. Tag liefen wir dort in die Massacre Bay ein. Zur\u00fcckgelegt hatten wir 1.543 Seemeilen.<\/p>\n<p>Seit unserem Start hatten wir mit wenigen Unterbrechungen Nebel und auch Attu sichteten wir erst auf eine Entfernung von 500 Metern. Zu Beginn der Reise hatten wir den Blitz im Masttop eingeschaltet, aber die Birne gab ihren Geist schon nach 10 Stunden auf. Danach mussten wir uns auf das AIS verlassen und hofften, dass in der Nebelsuppe keine Fischerboote ohne AIS herumgeisterten. (Die deutsche Yacht SuAn mit Gabi und Lutz war erst vor wenigen Wochen mit einem japanischen Fischerboot zusammengestossen und liegt nun entmastet in der Bayside-Marina von Yokohama).<\/p>\n<p>An der harten Kreuz war die Arbeit in der Komb\u00fcse f\u00fcr mich nicht nur eine Qual, sondern oft unm\u00f6glich. Wir drehten deshalb zu den Mahlzeiten bei. Alle genossen diese Ruhepausen, bevor der Ritt anschliessend weiterging.<\/p>\n<p>Zu leiden hatten vor allem wir beide, da die Bolzerei in unseren Kojen im Vorschiff kaum auszuhalten war. Beide zogen wir uns einen l\u00e4dierten R\u00fccken zu. In der h\u00e4rtesten Phase unseres Ritts Richtung Kamtschatka zog Erich nachts ins Deckshaus und versuchte dort auf dem Backbordsofa zu schlafen, w\u00e4hrend ich in seine Unterkoje zog, in der es nicht ganz so holperig war wie in der Oberkoje.<\/p>\n<p>Dass wir trotz der widrigen Umst\u00e4nde alle Attu in guter Verfassung erreichten, lag wohl daran, dass<\/p>\n<ol start=\"1\">\n<li>das Wachsystem funktionierte. Nach 4-st\u00fcndiger Wache gab es 8 Stunden Freiwache &#8211; genug, um sich zu regenerieren.<\/li>\n<li>der automatische Steuermann unerm\u00fcdlich seinen Dienst tat und die Wachg\u00e4nger ganz entscheidend entlastete. Statt bei eiskaltem Gegenwind am Ruder zu stehen, konnte der Ruderg\u00e4nger im Cockpit im Schutz des Deckshauses sitzen und Segelstellung, Windex, Windanzeige, Geschwindigkeit und Kompass kontrollieren und nicht zuletzt Ausguck halten. Der zweite Wachg\u00e4nger war innen im Deckshaus und behielt das AIS im Auge. Jede halbe Stunde wechselten die beiden einander ab.<\/li>\n<li>die Ebersp\u00e4cher Warmluft-Heizungen von Zeit zu Zeit daf\u00fcr sorgten, dass die Temperaturen im Schiff ertr\u00e4glich blieben und Kleidung und Decken nicht klamm wurden.<\/li>\n<li>die Kreuzeigenschaften der Freydis mit herunter gelassenem Schwert gut waren &#8211; deutlich besser, als bei der alten Freydis; und dass unsere Neue an der Kreuz auch wesentlich trockener segelte als die Alte.<\/li>\n<\/ol>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=1958\">Weiter zu <big>Teil 2 &#9166;<\/big><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 31.07.2015, 20:18:00 UTC :: Unalaska Zwei von unserer neuen Crew sind bereits an Bord, die anderen treffen in zwei Stunden ein. Heide hat den Text gerade noch fertig stellen k\u00f6nnen. 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