{"id":2047,"date":"2015-10-25T12:30:36","date_gmt":"2015-10-25T11:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=2047"},"modified":"2015-10-29T09:42:26","modified_gmt":"2015-10-29T08:42:26","slug":"auf-der-blauwasser-barfussroute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/auf-der-blauwasser-barfussroute\/","title":{"rendered":"Auf der Blauwasser-Barfussroute"},"content":{"rendered":"<p><i>Sonntag, 25.10.2015, Heidelberg<\/i><\/p>\n<p><i>Dies ist der ungek\u00fcrzte, ungeschminkte Text, der dem Essay von Heide zugrunde liegt, das die YACHT in Heft 5 \/2014 ver\u00f6ffentlichte: Es ist ein Res\u00fcmee der ersten zwei Jahre seit unserem Start mit der neuen FREYDIS in Leer\/Ostfriesland im Juli 2012.<\/i><\/p>\n<p>Die gek\u00fcrzte &#8211; f\u00fcr deren Leser der YACHT leicht &#8222;gegl\u00e4ttete&#8220; &#8211; Fassung erschien in der Yacht (5\/2014) unter dem Titel:<\/p>\n<h2>&#8222;Einst Abenteurer, heute Touristen&#8220;<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2015\/10\/IMG_0593 .jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2015\/10\/IMG_0593 .jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Am Strand der Pinieninsel, Neukaledonien<\/p><\/blockquote>\n<p><big>D<\/big>as Bild vom Segler hat sich gewandelt:<\/p>\n<p>Wenn wir fr\u00fcher irgendwo einliefen, kamen oft wildfremde Menschen ans Boot, fragten, ob wir ihre Waschmaschine benutzen wollten, boten uns an bei ihnen zu duschen, luden uns zum Essen ein, zeigten uns ihre Farm, ihre Insel, ihr Land. Das ist heute nicht mehr \u00fcblich.<\/p>\n<p>Das Ansehen normaler Fahrtensegler hat in dem Ma\u00dfe abgenommen, in dem die Welt geschrumpft ist. Die letzten Winkel sind entdeckt, die Meere leergefischt, die Str\u00e4nde verschmutzt und die K\u00fcsten infolge des Klimawandels von Katastrophen heimgesucht. Wer kann da noch Geschichten h\u00f6ren von sch\u00f6ner heiler Welt des Segelns, von Freiheit und Wildnis \u00e1 la Jack London? Freude macht meist nur noch Konsum, Luxus, gehobene Lebensart. Wenn schon Weltumsegeln, dann bitte mit den Annehmlichkeiten, die man zuhause auch hat.<\/p>\n<p>Alles muss elektrisch, elektronisch, hydraulisch funktionieren; aber dass man auf See auf sich selbst gestellt ist, wird dabei vergessen. Generator muss her, Waschmaschine, Sp\u00fclmaschine, K\u00fchlschrank, Mikrowelle, Klimaanlage, Wasseraufbereiter, Fernseher&#8230; vom elektronischen Kartenplotter und dem ganzen Navi-Klimbim will ich gar nicht reden. Dabei kann man davon ausgehen, dass alles irgendwann ausf\u00e4llt &#8211; und das meist noch im falschesten Moment. Dann wird auf alles geschimpft, nur nicht an die eigene Nase gefasst. Wenn aber all die sch\u00f6nen Dinge wegfielen, w\u00e4re das Meer wieder leer.<\/p>\n<p>Dabei lernt man doch gerade beim Segeln mit wenig auszukommen &#8211; lernt wie wenig man im Grunde zum Leben braucht. Aber heute hat man das Gef\u00fchl: Je mehr desto besser.<\/p>\n<h3>Kommerzialisierung des Segelsports<\/h3>\n<p>Wie gesagt, heute sind Segler keine bunten V\u00f6gel mehr, denen man spontan die Freundschaft anbietet und f\u00fcr deren Geschichten man sich begeistert. Heute sind Segler Touristen, eine besondere Art von Touristen, das schon, aber eben Touristen. Und so werden sie auch behandelt.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde ist der Segelsport &#8211; und damit meine ich auch das Fahrtensegeln &#8211; viel st\u00e4rker kommerzialisiert und reglementiert als fr\u00fcher: Ankerpl\u00e4tze sind meist eingeschr\u00e4nkt, abgesteckt, oft \u00fcberf\u00fcllt oder mit &#8211; nat\u00fcrlich kostenpflichtigen &#8211; Murings zugepflastert. Fast \u00fcberall gibt es Marinas: wenige sind wie Zeltpl\u00e4tze, eher spartanisch ausgestattet, viele &#8211; auch in Karibik und Franz\u00f6sisch Polynesien &#8211; mit Pool, Service, Gastronomie und allen Annehmlichkeiten eines gehobenen Hotelbetriebs.<\/p>\n<p>Weltumsegelungen werden heute mundgerecht von Experten geplant und geebnet, und manchmal auf silbernem Tablett serviert: Gruppen von Luxusyachten etwa. Immer wieder begegneten wir auf dieser Reise ((2013) Oysters in allen Gr\u00f6\u00dfen: Wohlorganisiert schipperten sie auf ihrer World-Rally durch Karibik und S\u00fcdsee von Marina zu Marina, an jedem neuen Ziel umsorgt und umworben und von den Veranstaltern mit Preisen geehrt. Das f\u00f6rdert Gruppend\u00fcnkel und Klassenbewu\u00dftsein, Abgrenzung und Ausgrenzung unter Seglern.<\/p>\n<h3>\u00dcberf\u00e4lle, Abzocke<\/h3>\n<p>Geld spielt also auch beim Segeln eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Manchmal hat man als Segler sogar das Gef\u00fchl, man ist unter die R\u00e4uber gefallen: Man wird gnadenlos abgezockt und sogar betrogen. Die Karibik, neuerdings sogar die St. Blas Inseln, sind abschreckende Beispiele. Auf den Galapagos geht es nicht viel anders zu.<\/p>\n<p>\u00dcberf\u00e4lle auf Yachten vor St. Margarita veranlassen viele Segler auch der venezolanischen Festlandsk\u00fcste fern zu bleiben. Auf unserem Ankerplatz, wo wir vor acht Jahren noch Hunderte von Yachten antrafen, lagen jetzt nur noch zwei oder drei; auf Porvenir &#8211; Einklarierungsinsel der St. Blas-Inseln &#8211; wurden wir regelrecht zur Ader gelassen; und selbst das zur Weltstadt gemauserte Panama (beeindruckende Wolkenkratzer und Shopping-Malls), blieb eine R\u00e4uberh\u00f6hle: Raub\u00fcberf\u00e4lle auf Yachten dort sind das eine, Abh\u00e4ngigkeit von korrupten Agenten der Kanal-Beh\u00f6rde das andere. Von der Anmeldung bis zur Passage dauerte es wieder einmal ca. drei Wochen &#8211; verbunden mit hohem b\u00fcrokratischem Aufwand und noch h\u00f6heren Geb\u00fchren, die von Jahr zu Jahr &#8211; wir fuhren das dritte Mal durch den Panamakanal, nach 1982 und 2004 &#8211; kr\u00e4ftig steigen. Mit den unvermeidlichen Liegezeiten in den Marinas k\u00f6nnen das schnell mal 2000 \u20ac werden. Aber nach Ozeanien (in die S\u00fcdsee) g\u00e4be es sonst nur den Umweg \u00fcber Kap Hoorn oder die Nordwestpassage.<\/p>\n<p>Und die Galapagos? Als Yachtie kann man sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass man drei der Inseln \u00fcberhaupt anlaufen darf; denn es gab Zeiten, da waren Yachten strikt ausgeschlossen, es sei denn man nahm einen teuer bezahlten einheimischen F\u00fchrer an Bord.<\/p>\n<p>Damals, vor 30 Jahren, durften wir nach Punta Ayora auf der Hauptinsel St. Cruz. Diesmal mussten wir in San Christobal einklarieren. F\u00fcr die B\u00fcrokratie &#8211; sie dauerte zwei Tage, brachte uns insgesamt 14 Beamte der verschiedensten Beh\u00f6rden an Bord und kostete uns eine ganze Stange Geld, rund 1.400 Dollar &#8211; entsch\u00e4digte uns das brodelnde Tierleben und die besondere Sch\u00f6nheit der einmaligen Natur dieser Inseln. Sie begeisterte uns wie bei unserem ersten Besuch vor 30 Jahren. Allerdings droht auf den drei stark bewohnten Inseln mit inzwischen \u00fcber 30.000 Einwohnern den Tieren und der urspr\u00fcnglichen Landschaft in absehbarer Zeit das Aus: Der ungebremste Zuzug von Festland-Ekuadorianern h\u00e4lt unvermindert an, und es wird wie verr\u00fcckt gebaut.<\/p>\n<p>Indirekt Schuld daran ist der Tourismus &#8211; Menschenmassen aus aller Welt str\u00f6men herbei, um Melvilles &#8222;islas encantadas&#8220; (&#8222;verwunschene Inseln&#8220;) zu bestaunen. Das ist verst\u00e4ndlich, hat aber auf den bewohnten Eilanden eine Art Goldgr\u00e4berstimmung ausgel\u00f6st. Eine r\u00fchmliche Ausnahme macht Floreana: Dort hat die deutsche Pioniersfamilie Wittmer schon vor vielen Jahren erreicht, dass weder gebaut noch investiert werden darf. Die Insel ist deshalb so &#8222;verwunschen&#8220; geblieben &#8211; das hei\u00dft geheimnisvoll sch\u00f6n und wild &#8211; wie einst.<\/p>\n<h3>Tourismus und Bankenkrise<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2015\/10\/87. IMG_3806 Kopie.jpeg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/bilder\/2015\/10\/87. IMG_3806 Kopie.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir nahmen uns viel Zeit f\u00fcr diese Inseln, lie\u00dfen uns samt Crew von einer kleinen Agentur eine individuelle Reise mit hervorragendem F\u00fchrer zusammenstellen (St. Cruz, Floreana, Isabela).<\/p>\n<p>Auf St. Cruz besuchten wir nat\u00fcrlich auch die Angermeyers. 5 Br\u00fcder der Familie waren 1933 die ersten Siedler auf der Insel und haben sich unter unvorstellbar harten Bedingungen eine Existenz aufgebaut. Karl und seine Frau Marga, sowie Gus, hatten wir noch pers\u00f6nlich kennengelernt. In unserem Haus in Heidelberg h\u00e4ngt das Bild an der Wand, das Karl damals f\u00fcr uns von der Insel gemalt hat &#8211; in Ermanglung von Pinseln mit den Fingern. Die Skurrilit\u00e4ten-H\u00f6hle am Ufer, in der wir Gus oft antrafen, ist nun Teil eines Restaurants, das sein Sohn betreibt. Abgesehen davon gibt es im Ort noch viele weitere Restaurants, Pensionen, Hotels und Boutiquen. Von der Einsamkeit des Pionierlebens keine Spur mehr. Auch die schwarzen Leguane, die sich auf dem Dach von Karls Haus sonnten und die W\u00e4nde herunter kletterten, wenn er sie mit Reis f\u00fctterte, sind verschwunden.<\/p>\n<p>In den Touristen-Hochburgen Franz\u00f6sisch Polynesiens dagegen war es schon immer etwas teurer die Ferien zu verbringen. Dennoch str\u00f6mten die Touristen. Nun aber hat die Globalisierung diese Inseln auch auf andere Weise ereilt: Infolge der Wirtschaftskrise sind nicht nur Touristen ausgeblieben (vor allem amerikanische), auch Perlen werden weit weniger verkauft. Hotels und Resorts auf Tahiti, Moorea und Bora Bora stehen leer und verfallen, und der R\u00fcckgang der Perlindustrie f\u00fchrte zur Schlie\u00dfung vieler Perlfarmen. Besonders fatal wirkt sich das auf den kleinen Inseln aus, auf denen es sonst keine Arbeit gibt.<\/p>\n<p>Jedenfalls waren wir sehr erstaunt, dass man auch im allerletzten Atoll noch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu sp\u00fcren bekommt. Menschen haben kein Einkommen mehr, verlassen ihre Insel oder werden wieder zu Selbstversorgern. Die Touristenstr\u00f6me reagieren schnell; sie werden umgelenkt auf preiswertere Ziele.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns ist Franz\u00f6sisch Polynesien im Gegensatz zu Atlantik und Karibik noch immer grandios. Die l\u00e4ssige Lebensart hat etwas Beruhigendes und Vers\u00f6hnliches. Das &#8222;Menschliche&#8220; wiegt dort viel st\u00e4rker. Unsere Erinnerungen sind deshalb auch \u00fcberwiegend personengebunden, und die Natur ist eine zauberhafte Kulisse: un\u00fcbertroffen f\u00fcr uns Fatu Hiva &#8211; fast zu sch\u00f6n um wahr zu sein\u2026<\/p>\n<p>In manchen Besucherk\u00f6pfen spukt jedoch auch heute noch das &#8222;S\u00fcdsee-Klischee&#8220; der Pioniere. Aber die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realit\u00e4t klafft heute mehr denn je auseinander. Tagelang nur einsame Inseln, umgeben von Gew\u00e4ssern voller Haie, \u00fcbers\u00e4t von Insektenstichen (Nonos, Moskitos), schwei\u00df\u00fcberstr\u00f6mt in feucht-hei\u00dfem Klima, ohne Aussicht auf eine griechische, italienische oder spanische Kneipe &#8211; ja, vielleicht ohne eine einzige Zigarette &#8211; f\u00fcr manche ein Alptraum.<\/p>\n<h3>Auch f\u00fcr uns hat sich vieles ver\u00e4ndert<\/h3>\n<p>Auch f\u00fcr uns haben sich viele Dinge auf dieser Reise ge\u00e4ndert: Wenn wir zum Beispiel nach den alten Freunden fragten, nach den Menschen, die wir damals auf unseren Wegen durch die Inselwelt kennen gelernt hatten, so hie\u00df es oft: &#8222;They passed away&#8220; (&#8222;Sie sind verstorben&#8220;).<\/p>\n<p>Uralte Kulturen hatten sich in wenigen Jahren radikal ver\u00e4ndert &#8211; etwa auf Palmerston\/Cook Inseln oder auf Tanna\/Vanuatu. Sie haben sich der modernen Welt angepasst und den Bed\u00fcrfnissen der Besucher. Statt Bastr\u00f6ckchen und Nambas wird auf Tanna jetzt Kleidung getragen (&#8222;fr\u00fcher hatte wir keine Kleider, deshalb der Bast &#8211; nun bekommen wir sie aus China.&#8220;) Und statt Sushi oder Lap Lap aus Fisch und Kokosnuss, gibts nun Mehl und Zucker als Importware: Stanley in Port Resolution\/Tanna an Bord der Freydis: &#8222;Ich will Kuchenbacken lernen&#8220;. Tauschhandel mit Yachten ist so gut wie out, und Gastfreundschaft nicht mehr so ausgepr\u00e4gt. Man baut Resorts, will etwas verdienen, ein Auto kaufen. Handys haben schon die meisten. Nur Steckdosen sind noch Mangelware in den H\u00fctten. Deshalb kommen die Fischer in ihren Einb\u00e4umen zu uns zum Aufladen der Batterien &#8211; zum Gl\u00fcck noch in Einb\u00e4umen! Fernseher flimmern bisher nur in der Hauptstadt.<\/p>\n<p>Die Religion, das Spirituelle, spielt nicht mehr die gro\u00dfe Rolle. Hier hat die Zeit der Globalisierung und Aufkl\u00e4rung geradezu eine Revolution ausgel\u00f6st. &#8222;John Frum, ja ja, ich wei\u00df, ich habe in Neukaledonien gearbeitet.&#8220; Man l\u00e4chelt \u00fcber den Glauben der V\u00e4ter, den diese bei unserem letzten Besuch vor 14 Jahren noch mit solcher Inbrunst vorgetragen und verteidigt haben.<\/p>\n<p>Manchmal kamen wir uns vor wie aus einer anderen Zeit, kannten uns nicht mehr aus, trauerten Vergangenem nach.<\/p>\n<p>Treten wir in die Fu\u00dfstapfen der vielen Yachties, die \u00fcber Jahrzehnte segeln, und feststellen: Es ist alles stetig schlechter geworden? Ja und nein. Das ist nicht anders als bei den Tausenden von Alpinisten, die heutzutage den Mt. Everest besteigen.<\/p>\n<p>Zugegeben &#8211; wenn man einmal absieht von der verbesserten Navigationstechnik und vom Schutz und Komfort in den neuen Marinas &#8211; so haben sich die Bedingungen f\u00fcr Segler meist verschlechtert. Man muss \u00fcber vieles hinwegsehen, vieles meiden, vielem ausweichen. Das ist auch f\u00fcr uns desillusionierend und beeintr\u00e4chtigt den Spa\u00df an vielen Dingen. Aus diesem Grund sind wir w\u00e4hlerischer geworden, bevorzugen Ziele, die weniger frequentiert sind, und dort finden wir meist auch Menschen mit gleichen Anspr\u00fcchen und gleichen Anliegen &#8211; Gleichgesinnte: Das hei\u00df nicht, dass wir uns nicht mehr fremden Menschen, fremden Kulturen und fremdem Gedankengut \u00f6ffnen. Denn das inspiriert uns ja gerade.<\/p>\n<p>Abgesehen von neuen Segelfreunden wie Rosi und Peter und Anne und Markus von den deutschen Yachten Rainbow und Flow, von Laura und Jan von der d\u00e4nischen Yacht Anaconda, die uns auf der Reise begegnet und mit denen wir uns immer wieder trafen, gab es auf Neukaledonien ein Wiedersehen mit unseren alten Segelfreunden Hannelore und Christian Eckhoff von der Donella und dem dort ans\u00e4ssigen Radiologen und Segler Marc Joel von der Savannah. Durch ihn lernten wir die Teilnehmer der Expedition kennen, die die Wracks der La Perouse-Schiffe auf Vanikoro geortet und Reste der Ausr\u00fcstung geborgen hatten (s. &#8222;Inseln jenseits der Zeit&#8220;). Der Kapit\u00e4n dieser Mannschaft, der schon unz\u00e4hlige Wracks rund um die Erde lokalisiert und wahre Sch\u00e4tze gehoben hat, f\u00fchrte uns pers\u00f6nlich durchs Museum. Besonderes Glanzst\u00fcck: Der goldverzierte Knauf des La P\u00e9rouse-Degens &#8211; aber in meiner Begeisterung schweife ich schon wieder ab\u2026<\/p>\n<p>Also meine, unsere, Begeisterung f\u00fcrs Segeln und das Drum und Dran ist ungebrochen\u2026 Und auch im n\u00e4chsten Leben werden wir wahrscheinlich, wenn es dort nichts Besseres gibt &#8211; Segeln.<\/p>\n<h3>Noch ein Wort zum Wetter<\/h3>\n<p>Es war mehr als untypisch. Von der Ems bis Lissabon hatten wir Wind von vorn, weil das Islandtief monatelang nicht an seiner \u00fcblichen Stelle lag, sondern 1000 Meilen s\u00fcdlicher \u00fcber Irland. Und die Atlantik\u00fcberquerung von Lissabon \u00fcber die Kapverden in die Karibik brachte statt des erwarteten Nordostpassats \u00fcberwiegend umlaufende Winde und Flauten: Zun\u00e4chst hielt der tropische Sturm &#8222;Nadine &#8220; von Madeira aus auf die portugiesische K\u00fcste zu und dann bestimmte wochenlang der riesige Hurrikan &#8222;Sandy&#8220;, der New York heimsuchte, das gesamte Wettergeschehen des Nordatlantiks.<\/p>\n<p>Die Strecke von den Galapagos zu den Marquesas (\u00fcber 3000 Seemeilen) wurde schon von vielen Seglern als die sch\u00f6nste Passatstrecke auf den Weltmeeren beschrieben: Unter ausgebaumter Genua bzw. Doppelfock waren sie bei stetigen mittleren Passatwinden, tags unter hei\u00dfer Sonne und blauem Himmel mit wei\u00dfen Passatw\u00f6lkchen, nachts unterm Sternenzelt, von den Wellen gewiegt worden. Gesegelt waren sie mit Hilfe von Selbststeueranlagen und hatten h\u00f6chstens ein- bis zweimal pro Woche die Segelstellung leicht korrigiert.<\/p>\n<p>Nichts von alle dem erfuhren wir hier, als 1999 El Nino uns das Leben schwer machte: st\u00e4ndig wechselnder Wind zwischen 4 und 8 Bft., verbunden mit Winddrehungen von 30 bis 40 Grad. Meist liefen wir unter gerefften Segeln und waren Tag und Nacht auf dem Sprung zu Man\u00f6vern.<\/p>\n<p>Diesmal (2013) hatten wir zu Beginn kaum Wind, oft sogar totale Flaute. Immer wieder musste die Maschine herhalten. Dann nistete sich ein Tiefdruckgebiet in der ITC (Kalmenzone) ein und brachte uns eine Woche b\u00f6ige Walzen und Regen, Regen und Walzen. Wir liefen 7 bis 9 Knoten \u00fcber Grund &#8211; ein wilder Ritt mit drei Reffs im Gro\u00dfsegel bei dem wir zeitweise per Hand steuerten und unser Gl\u00fcck weiter s\u00fcdlich suchten. Nach zwei Wochen stellte sich endlich, wenn auch unbest\u00e4ndig, Passat aus \u00f6stlicher Richtung ein.<\/p>\n<p>Res\u00fcmee in Bundaberg: Auf den 17.000 Meilen seit unserem Aufbruch in Deutschland hatten wir nicht zwei Tage gleichm\u00e4\u00dfigen Wind!<\/p>\n<p>Heide Wilts, im Dezember 2013<\/p>\n<p><b>Links:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"AUF DER BARFUSSROUTE_2015-10-25.pdf\">Dieser Artikel zum Herunterladen<\/a> (PDF, 90 kB)<\/li>\n<\/ul>\n<p><big><i>Nachtrag:<\/i><\/big><\/p>\n<p>2015.10.28, 19:01 :: Holger Jacobsen hat uns einen Kommentar hinterlassen, den wir gerne weitergeben m\u00f6chten:<\/p>\n<blockquote><p>Von: Holger Jacobsen<br \/>\nBetreff: Mit der Freydis von Pol zu Pol &#8211; Kontakt: Artikel &#8222;Einst Abenteurer, heute Touristen&#8220;<br \/>\nDatum: 27. Oktober 2015 13:52:08 MEZ<br \/>\nAn: wilts@freydis.de<\/p>\n<p>Betreff:<br \/>\nArtikel &#8222;Einst Abenteurer, heute Touristen&#8220;<\/p>\n<p>Nachricht:<br \/>\nHallo,<\/p>\n<p>Hier ist der Holger von der DHARMA BUM III. Ich wollte Euch nur sagen,<br \/>\ndass ich mit dem Artikel &#8222;Einst Abenteurer, heute Touristen&#8220; &#8211; trotz<br \/>\nder h\u00e4ufigen Gegenstimmen &#8211; au\u00dferordentlich \u00fcbereinstimme. Habe ihn<br \/>\nleider erst jetzt gelesen. Ich bin 1981 nach Shanghai, habe dann ab<br \/>\n1982 in Taiwan gelebt und war 1987 das erste Mal im eigentlichen<br \/>\nS\u00fcdpazifik, 1994 &amp; 1995 das zweite Mal und 2007 bis 2009 das dritte<br \/>\nMal. Ich glaube den Unterschied kann nur der wirklich beurteilen, der<br \/>\nihn selbst miterlebt hat.<\/p>\n<p>Einige sehen das Yachtieleben eben als Lebensstil, w\u00e4hrend andere<br \/>\nmehr segelnde Touristen sind. Ich w\u00fcrde mich sehr freuen, wenn wir<br \/>\nuns irgendwo irgendwann einmal pers\u00f6nlich treffen w\u00fcrden!<\/p>\n<p>PS: Irgendwas stimmt nicht mit der Kommentarfunktion<\/p>\n<p>Viele liebe Gr\u00fc\u00dfe von Holger Jacobsen (\u6c5f\u6d69\u54f2), Yeh Liping &amp;<br \/>\nAurora Ulani Jacobsen<\/p><\/blockquote>\n<h2>Picasa<\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag, 25.10.2015, Heidelberg Dies ist der ungek\u00fcrzte, ungeschminkte Text, der dem Essay von Heide zugrunde liegt, das die YACHT in Heft 5 \/2014 ver\u00f6ffentlichte: Es ist ein Res\u00fcmee der ersten zwei Jahre seit unserem Start mit der neuen FREYDIS in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/auf-der-blauwasser-barfussroute\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[24,41,14],"tags":[],"class_list":["post-2047","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisebericht","category-torns","category-veroffentlichung"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2047","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2047"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2047\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2101,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2047\/revisions\/2101"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}