{"id":4492,"date":"2017-08-08T12:12:34","date_gmt":"2017-08-08T11:12:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=4492"},"modified":"2017-10-17T09:27:38","modified_gmt":"2017-10-17T08:27:38","slug":"am-kritischen-punkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/am-kritischen-punkt\/","title":{"rendered":"Am kritischen Punkt"},"content":{"rendered":"<p><em>Cambridge Bay (69\u00b007N und 105\u00b003W), den 7. August 2017<\/em><\/p>\n<p>An unsere Freunde und Mitsegler,<\/p>\n<p>Ihr Lieben,<\/p>\n<p>haben an der kleinen Pier von Cambridge Bay festgemacht. Wenn Nome das &#8222;Basislager&#8220; war, von dem aus alle Yachten starten, die von West nach Ost durch die NWP wollen, so kann man Cambridge Bay als das &#8222;letzte Lager unter dem Gipfel&#8220; bezeichnen.<\/p>\n<p>Nach \u00fcber 3.300 Seemeilen seit unserem Aufbruch vor 2 1\/2 Monaten auf Kodiak n\u00e4hern wir uns nun den kritischen Bereichen der Nordwest-Passage, also der Victoria Sta\u00dfe, der James Ross Stra\u00dfe, dem Larsen Sund, der Franklin Stra\u00dfe, dem Peel Sund und der Bellot Stra\u00dfe. Sie sind alle nach der aktuellen Eiskarte des Canadian Ice Service noch vollkommen dicht mit Eis, also 9+, d.h. die Konzentration liegt zwischen 9 und 10 Zehntel. Unter diesen Bedingungen haben wir nicht die Spur einer Chance, einen Weg durch das Eis zu finden.<\/p>\n<div id=\"attachment_4494\" style=\"width: 1332px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/eiskarte.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4494\" class=\"size-full wp-image-4494\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/eiskarte.gif\" alt=\"Eiskarte 06.08.2017\" width=\"1322\" height=\"1000\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4494\" class=\"wp-caption-text\">Eiskarte vom 6. August 2017<\/p><\/div>\n<p>Heute im Laufe des Tages erfolgt ein Teil-Crewwechsel: Frank und Hartmut treten die Heimreise an, Thilo und Folkmar sto\u00dfen mit dem Flieger zu uns. Wir sind dann insgesamt wieder zu acht.<!--more--><\/p>\n<p>Sobald unsere Neuen an Bord sind, werden wir Kriegsrat halten: In Cambridge Bay abwarten, bis das Packeis aufbricht? Durch den Queen Maud Golf und die Simpson Stra\u00dfe bis Gjoa Haven, zwei Tagesreisen entfernt, k\u00f6nnen wir segeln, vielleicht sogar noch ein bisschen weiter bis zu dem kleinen Ort Taloyoak. Aber danach ist guter Rat teuer. \u00dcbrigens verbrachte Amundsen in Gjoa Haven bei der ersten Durchquerung der NWP zwei Winter, bevor er seine Durchquerung fortsetzen konnte.<\/p>\n<p>Immerhin &#8211; es ist Sommer in der Arktis und die Zeit arbeitet f\u00fcr uns. Aus den vielen Berichten von Seglern, die vor uns durch die Nordwestpassage gesegelt sind, wissen wir, dass sich die Eissituation schnell, unvorhersehbar und grundlegend \u00e4ndern kann. Also kein Grund, den Mut zu verlieren. Aber nat\u00fcrlich ein Grund zu besonderer Vorsicht, denn da, wo heute freies Wasser ist, kann morgen schon dichtes Packeis sein.<\/p>\n<p>Von Kodiak bis Cambridge Bay hatten wir \u00fcberwiegend gute Bedingungen und das n\u00f6tige Quentchen Gl\u00fcck, das man einfach dazu braucht. Am kritischsten war die Situation in der Beaufortsee zwischen Point Barrow, der Nordwestecke von Alaska und Barter Island, dicht vor der kanadischen Grenze: Das Packeis war stellenweise so dicht, dass an ein Durchkommen nicht zu denken war. Deshalb lavierten wir dicht unter Land &#8211; das flache Ufer in Sichtweite und das Echolot st\u00e4ndig im Blick &#8211; bei einer Wassertiefe von 2 bis 5 Meter.<\/p>\n<p>Zu unserer \u00dcberraschung begegneten wir am Eisrand dem Einhandsegler Yvan Bourgnon mit seinem kleinen Katamaran, der bereits ein paar Tage vor uns aus Nome ausgelaufen war. Wir segelten eine Weile nebeneinander, unterhielten uns und fotografierten uns gegenseitig. Dann trennten sich unsere Wege und erst in Lee von Herschel Island trafen wir uns wieder, wo wir gemeinsam einen Sturm unter Landschutz abwarten wollten.<\/p>\n<p>Hier, in Cambridge Bay, trafen wir als zweite Yacht ein: Vor uns nur die italienische Maxi-Yacht PLUM, die uns unterwegs \u00fcberholt hatte, weil wir Zwischenstops auf Herschel, in Tuktoyaktuk, Pearce Point Harbor und auf Camping Island eingelegt hatten, Orte, die f\u00fcr uns besonders interessant waren.<\/p>\n<p>Wo wohl der &#8222;verr\u00fcckte&#8220; Supermann Yvan steckt? Und wo die anderen Yachten, die mit uns und nach uns aus Nome aufgebrochen sind? Wir wissen es nicht. Wir hoffen, dass sie ebenfalls gut vorankommen. Das Wetter ist wechselhaft und launisch: Nicht immer treffen die Vorhersagen von &#8222;Wetterwelt&#8220; ein, die wir t\u00e4glich mit unserem Satelliten-Telephon empfangen.<\/p>\n<p>In den seltenen Orten, an denen wir Internet-Zugang haben, erhalten wir Eure lieben und interessierten Mails und danken Euch herzlich daf\u00fcr. Ihr werdet verstehen, dass wir sie im Moment nicht alle einzeln beantworten k\u00f6nnen, aber das holen wir nach!.<\/p>\n<p>Haltet uns die Daumen, dass wir auch den n\u00e4chsten, besonders prek\u00e4ren Bereich der Passage schaffen!<\/p>\n<p>Seid herzlich gegr\u00fc\u00dft<br \/>\nHeide &amp; Erich und die Crew<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cambridge Bay (69\u00b007N und 105\u00b003W), den 7. August 2017 An unsere Freunde und Mitsegler, Ihr Lieben, haben an der kleinen Pier von Cambridge Bay festgemacht. 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