{"id":5112,"date":"2018-09-07T07:38:18","date_gmt":"2018-09-07T06:38:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=5112"},"modified":"2018-09-09T10:53:28","modified_gmt":"2018-09-09T09:53:28","slug":"gruesse-vom-polarkreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/gruesse-vom-polarkreis\/","title":{"rendered":"Gr\u00fc\u00dfe vom Polarkreis"},"content":{"rendered":"<p>Freunde,<\/p>\n<p>lang ist&#8217;s her, dass wir uns gemeldet haben, und es mehren sich die Anfragen, wo wir sind und wie es uns geht.<\/p>\n<p>Nun, die <span class=\"ship-name\">Freydis<\/span> hat ihr Ziel erreicht. Wir liegen im kleinen Hafen von Isafj\u00f6rdur im Nordwesten Islands, keine 30 Meilen vom Polarkreis entfernt. Unsere letzte Crew hat vor wenigen Tagen die Heimreise angetreten, nachdem sie uns noch kr\u00e4ftig beim Vorbereiten des Bootes geholfen hat, das hier \u00fcberwintern wird.<\/p>\n<p>Der letzte T\u00f6rn von Julianeh\u00e5b\u00a0nach Island hatte es in sich: Vor einem Jahr hatten wir in den Erl\u00e4uterungen zum T\u00f6rnplan geschrieben:<\/p>\n<p><em> &#8222;T\u00f6rn IV ist sehr anspruchsvoll: Im ersten Teil bleiben wir in den Fjorden und Sunden S\u00fcdgr\u00f6nlands, baden in der einzigen hei\u00dfen Quelle Gr\u00f6nlands auf der Insel Unartoq und durchqueren den Prins Christian Sund, damals wie heute ein Highlight mit seinen Gletschern, Fjorden, Gebirgsz\u00fcgen und kleinen Siedlungen. Der zweite Teil dieses T\u00f6rns f\u00fchrt vom Ausgang des Prins Christian Sundes 600 Meilen \u00fcber die Irminger See nach Reykjavik auf Island \u2013 ein echter Hochseet\u00f6rn. Wenn m\u00f6glich, d.h. wenn g\u00fcnstige Wind- und Eisverh\u00e4ltnisse dies zulassen, machen wir einen Umweg \u00fcber Ammasalik (Tasiilaq) an der Ostk\u00fcste Gr\u00f6nlands.&#8220;<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_5120\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_4126-e1536303435375.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5120\" class=\"size-large wp-image-5120\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_4126-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5120\" class=\"wp-caption-text\">In den hei\u00dfen Quellen von Unartoq<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_5119\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_3155-e1536303456681.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5119\" class=\"size-large wp-image-5119\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_3155-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5119\" class=\"wp-caption-text\">Eisberge in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Gr\u00f6\u00dfen<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_5121\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/P8191664-e1536303414213.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5121\" class=\"size-large wp-image-5121\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/P8191664-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5121\" class=\"wp-caption-text\">So einen roten Eisberg hab ich noch nie gesehen!<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_5132\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_4621-e1536486628203.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5132\" class=\"size-large wp-image-5132\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_4621-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5132\" class=\"wp-caption-text\">H\u00e4ufig lavierten wir im Nebel um Eisberge herum<\/p><\/div>\n<p>Das Baden in den hei\u00dfen Quellen auf der Insel Unartoq war ein seltener Genuss in Gr\u00f6nland, entsprechend lange haben wir es ausgekostet, bevor wir weitergesegelt sind zur kleinen Eskimo-Siedlung Augpilatoq im Prins Christian Sund. Unsere unternehmungslustige Crew war Feuer und Flamme, als wir dort einen Abstecher zum Kap Farvel an der S\u00fcdspitze Gr\u00f6nlands vorschlugen. Dieses Kap liegt auf 60\u00b0 Nord und hat wegen der vielen St\u00fcrme, dem Packeisg\u00fcrtel und der vielen Eisberge einen noch schlechteren Ruf als das ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Kap Hoorn, das auf der S\u00fcdhalbkugel auf 56\u00b0 liegt und damit s\u00fcdliches Pendant vom Kap Farvel ist. Bei den Rahseglern hiess es deshalb jahrhundertelang: Wer ums Kap Hoorn segelt, darf ein Bein auf den Tisch legen, wer auch ums Kap Farvel gesegelt ist, darf beide darauf legen.<br \/>\nDass Kap Farvel weit weniger bekannt ist als Kap Hoorn r\u00fchrt daher, dass vor dem Bau des Panamakanals alle Schiffe, die vom Atlantischen in den Pazifischen Ozean (oder umgekehrt) wollten, wohl oder \u00fcbel ums Kap Hoorn mussten, denn die Nordwestpassage war wegen des vielen Eises kein Schifffahrtsweg (und ist es bis heute nicht). Kap Farvel dagegen wurde nur von wenigen Walf\u00e4ngern passiert, die in der Davisstra\u00dfe und Baffinbay Wale jagten.<\/p>\n<p>Zwar sind wir beide schon ein gutes Dutzend Mal ums Kap Hoorn gesegelt, aber bisher noch nie um dieses gef\u00fcrchtete Kap Farvel. Und nun d\u00fcrfen wir seit ein paar Wochen beide Beine auf den Tisch legen. Ein g\u00fcnstiges Wetterfenster erleichterte uns die Umrundung.<\/p>\n<div id=\"attachment_5117\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_2496-e1536301291780.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5117\" class=\"size-large wp-image-5117\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_2496-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5117\" class=\"wp-caption-text\">Kap Farvel erreicht<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_5118\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_2700-e1536303482319.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5118\" class=\"size-large wp-image-5118\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_2700-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5118\" class=\"wp-caption-text\">Im Reich der wei\u00dfen Riesen<\/p><\/div>\n<p>Statt nun von Kap Farvel den schnellen und direkten Weg nach Island zu nehmen, entschieden wir uns f\u00fcr die Route entlang der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Ostk\u00fcste nach Tasiilaq (Ammasalik) &#8211; ein Umweg, dazu vom Wetter und von der Navigation her deutlich anspruchsvoller, zumal der kalte Ostgr\u00f6nlandstrom gegenan steht und st\u00e4ndig mit Eisbergen, Growlern und Gletscher-Abbr\u00fcchen zu rechnen ist. Gute Ankerpl\u00e4tze sind rar, Nebel ist h\u00e4ufig. Belohnt wurden wir durch das Segeln an einer rauen, gebirgigen, vergletscherten K\u00fcste entlang. Eine einzigartige Szenerie und f\u00fcr uns alle ungeheuer eindrucksvoll.<\/p>\n<p>In Tasiilaq lebt seit Jahrzehnten der S\u00fcdtiroler Robert Peroni, ein bekannter Extremsportler und Bergsteiger, der zahllose Expeditionen in W\u00fcsten und in eisigen Gefilden durchgef\u00fchrt hat &#8211; international bekannt wurde er durch die Erst\u00fcberquerung des gr\u00f6nl\u00e4ndischen Inlandeises an seiner breitesten Stelle. In Tasiilaq betreibt er das Hotel &#8222;The Red House&#8220;, in dem er ausschlie\u00dflich Inuit besch\u00e4ftigt. Wir hatten das Gl\u00fcck, ihn dort anzutreffen und mit ihm beim typisch gr\u00f6nl\u00e4ndischen Abendessen zu plaudern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Passage von Tassiilaq\/Gr\u00f6nland nach Isafj\u00f6rdur\/Island \u00fcber die D\u00e4nemarkstra\u00dfe hatten wir vorsorglich eine ganze Woche veranschlagt. Also reichlich Zeit f\u00fcr die 360 Meilen &#8211; so jedenfalls dachten wir. Dann aber kam der 7-Tages-Wetterbericht von Wetterwelt in Kiel. Herr Taxwedel, der uns auch schon in den letzten Jahren in kniffligen Situationen (von Japan zu den Aleuten und durch die Nordwestpassage) beraten hat, analysierte die heraufziehenden Sturmtiefs und kam am 24. August zu folgender Einsch\u00e4tzung:<br \/>\n<em>&#8222;Kommentar\/Empfehlung: Die heute f\u00fcr Sonntag bis Dienstag prognostizierte Starkwind\/Sturmlage ist ein echtes Hindernis f\u00fcr eine gesunde T\u00f6rnplanung. Alle Optionen sind durchgetestet worden, aber es deutet sich KEINE M\u00f6glichkeit an, ohne E-\/NE-Sturm nach Island in den kommenden Tagen \u00fcberzusetzen. Insbesondere ein T\u00f6rn zum Zielhafen Isafj\u00f6rdur erscheint aus heutiger Sicht fast nicht machbar, denn abschlie\u00dfend steht sehr lange noch starker Nordwind.&#8220;<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_5122\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Wetterkarte_vom_28._August_2018-e1536303397224.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5122\" class=\"size-large wp-image-5122\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Wetterkarte_vom_28._August_2018-1024x596.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"373\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5122\" class=\"wp-caption-text\">Mehrere Sturmtiefs zum Abschluss der Reise<\/p><\/div>\n<p>Der Flieger unserer Mitsegler von Rejkjavik nach Deutschland ging jedoch schon eine Woche sp\u00e4ter. Was also tun? Wir schlugen das Trysegel und die Hahnepot f\u00fcr unseren Jordan Drogue (Sturm-Reihentreibanker) an und entschlossen uns, sofort auszulaufen in der Hoffnung, mit diesem ungew\u00f6hnlichen Schlag an der K\u00fcste entlang weiter nach Nordosten dem anr\u00fcckenden Sturmtief auszuweichen und an H\u00f6he zu gewinnen, um sp\u00e4ter nicht gegen st\u00fcrmische Winde aufkreuzen zu m\u00fcssen.<br \/>\nGestern sind wir nun gl\u00fccklich in Isafj\u00f6rdur\/Island angekommen nach einer abenteuerlichen Fahrt \u00fcber die D\u00e4nemarkstrasse. Unsere Taktik war aufgegangen &#8211; auch wenn ausgerechnet im spannendsten Moment &#8211; wei\u00df der Himmel, warum &#8211; keine Wetterdaten von &#8222;WetterWelt&#8220; mehr durchkamen. Um das anr\u00fcckende Sturmtief zu umgehen sind wir dann in gro\u00dfem Bogen an der gr\u00f6nl\u00e4ndischen K\u00fcste durch massenhaft Gletschereis und Eisberge bis an die Packeisgrenze gelaufen. Dabei haben wir den Polarkreis (66\u00b034&#8217;N) zum zweiten Mal in diesem Jahr \u00fcberschritten (das erste Mal auf der Westseite Gr\u00f6nlands s\u00fcdlich der Disko Bay). Wir sind sogar bis \u00fcber den 68. Breitengrad gesegelt.<\/p>\n<p>Bei aufkommendem Schwerwetter konnten wir damit zuletzt den Kurs auf Isafj\u00f6rdur gerade anliegen &#8211; mit drei Reffs im Gro\u00df und stark verkleinerter Sturmfock. Die Selbststeuer-Anlage hat mit lautem Knacken ihren Geist aufgegeben, wie der Zufall es wollte, als wir das dritte Mal \u00fcber den Polarkreis gingen &#8211; der Motor war aus dem Fundament gebrochen! Per Hand wurde weitergesteuert &#8211; wir hatten prima Mitsegler. Bauchschmerzen haben uns schlie\u00dflich noch die in den Karten eingezeichneten Tiderips (Stromschnellen) vor dem Eingang des angesteuerten Fjords bereitet, zumal wir Springtide hatten. Aber es ging ganz gut &#8211; nur ein einziger Brecher lief \u00fcbers Deckshaus. Als wir bei Einbruch der Dunkelheit endlich das Kap Straumnes umsegelt hatten und in der ersten Bucht vor Anker lagen, herrschte gro\u00dfe Euphorie.<br \/>\nDie direkte Entfernung \u00fcber die D\u00e4nemarkstrasse von Tasiilaq nach Isafj\u00f6rdur betrug 358 Meilen. F\u00fcr uns wurden es durch den Umweg 492 &#8211; also fast 150 sm mehr!<\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrige Saison begann f\u00fcr uns Ende des Winters in der Disko Bay und endet nun mit dem Einsetzen der Herbstst\u00fcrme in Island. Sie war spannend und interessant f\u00fcr uns bis zum Schluss. Nun brauchen wir noch zehn Tage, um die <span class=\"ship-name\">Freydis<\/span> winterfest zu machen. Zu unserer Beruhigung haben wir einen guten Liegeplatz im kleinen Hafenbecken zugewiesen bekommen.<br \/>\nWir bedanken uns bei allen, die in diesem Jahr mit uns Freud und Leid geteilt haben.<\/p>\n<p>Auf Wiedersehen!<br \/>\nHeide &amp; Erich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freunde, lang ist&#8217;s her, dass wir uns gemeldet haben, und es mehren sich die Anfragen, wo wir sind und wie es uns geht. Nun, die Freydis hat ihr Ziel erreicht. 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