{"id":7057,"date":"2021-10-22T21:57:45","date_gmt":"2021-10-22T20:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/?p=7057"},"modified":"2021-11-13T14:07:42","modified_gmt":"2021-11-13T13:07:42","slug":"5-500-meilen-auf-arktischem-kurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/5-500-meilen-auf-arktischem-kurs\/","title":{"rendered":"5.500 Meilen auf arktischem Kurs"},"content":{"rendered":"\n<p><em>R\u00fcckblick auf die Saison 2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An unsere Freunde und Mitsegler,<\/p>\n\n\n\n<p>vor einigen Tagen sind wir aus K\u00e4rnten zur\u00fcck gekommen &#8211; zwei Wochen Wellness hatte uns Heide nach unserer R\u00fcckkehr aus Island verordnet &#8211; mit sich als Kur\u00e4rztin. Hatten wir n\u00f6tig und ist uns auch gut bekommen. Vormittags wandern in luftiger H\u00f6he, nachmittags relaxen in Thermen und Sprudelwasser und abends gepflegt essen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/el_volcan_y_la_colada_saul_santos-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/el_volcan_y_la_colada_saul_santos-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7059\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/el_volcan_y_la_colada_saul_santos-1.jpg 999w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/el_volcan_y_la_colada_saul_santos-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/el_volcan_y_la_colada_saul_santos-1-768x511.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 999px) 100vw, 999px\" \/><\/a><figcaption>(c Saul Santo) <br>Nach dem Ausbruch: Im Vordergrund die Marina Tazacorte, in der wir 8 Monate gelegen haben. Dort, wo im Hintergrund die gl\u00fchende Lava ins Meer flie\u00dft, wurde die Finca von Rolande und Federico, auf der sie ihr Domizil hatten, begraben.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_4878_2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_4878_2-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7060\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_4878_2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_4878_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_4878_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_4878_2.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Vor dem Ausbruch:  Da war die Welt noch in Ordnung<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ja, Ihr k\u00f6nnt noch mit uns rechnen, auch wenn es in diesem Jahr ein paar Mal sehr eng wurde.  Nicht lange, nachdem wir den Hafen unserer Lieblingswanderinsel La Palma Anfang Juni verlassen hatten, ist auf dem Bergr\u00fccken Cumbre Vieja der schlummernde Vulkan erneut ausgebrochen (der letzte Ausbruch liegt genau 50 Jahre zur\u00fcck). Er w\u00fctet derzeit immer noch &#8211; und sogar von Tag zu Tag heftiger. Schon die blo\u00dfe Vorstellung, dass wir bei seinem Ausbruch noch in der Marina von Tazacorte gelegen h\u00e4tten, ist gruselig: Da verliert man 2011 seine geliebte Yacht in einem Jahrhundert-Tsunami in Japan, baut eine neue Yacht und riskiert diese genau 10 Jahre sp\u00e4ter bei einem Vulkanausbruch erneut in einer scheinbar bombensicheren Marina.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere hatten nicht so viel Gl\u00fcck: Wie es den Yachten in der Marina Tazacorte ergangen ist, haben wir noch nicht in Erfahrung gebracht, aber inzwischen sind schon \u00fcber zweitausend Anwesen auf La Palma zerst\u00f6rt, f\u00fcr viele der Betroffenen eine pers\u00f6nliche Katastrophe. Auch unser langj\u00e4hriger Trans-Ocean-St\u00fctzpunktleiter auf La Palma, Federico Ulrich und seine Frau Rolande, die nicht weit weg von der Marina wohnen, konnten sich zwar in Sicherheit bringen, aber ihre Finca mit all ihrem Hab und Gut wurde unter der Lava begraben. Sie schrieben uns heute:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ja wir sind betroffen und haben alles verloren. Die letzten 4 Wochen gleichen einem Horrorfilm. Jetzt verhandeln wir mit Versicherungen und Beh\u00f6rden. <br>Besitzen noch unseren Gel\u00e4ndewagen, ein paar Kleider, unsere 2 Fellnasen (gemeint sind ihre Hunde) und 2.200 m2 Lava von 20m Dicke, in der alles bei 1240 Grad eingeschmolzen ist.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Verein Trans-Ocean will ihnen helfen und hat eine Hilfsaktion gestartet. Jeder kann sich  daran beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist der 25. Oktober 2021. Unser letzter Eintrag auf unserem Blog stammt vom 3. Mai des Jahres. Das ist lange her. Nicht, dass wir unter Schreibfaulheit litten, aber die Segelsaison 2021 hat uns weit mehr gefordert als erwartet &#8211; es lief in diesem Jahr nicht alles nach Plan.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte uns zu Beginn der Saison jemand erkl\u00e4rt, dass wir in diesem Jahr gleich zweimal nach Gr\u00f6nland und zweimal nach Island segeln und dann noch einmal Island rund, dann h\u00e4tten wir ihn f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt. Aber wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: \u201c\u2026 erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!\u201c Und das alles wegen eines Virus, der die Welt immer noch in Atem h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wir in diesem Jahr in 3 Monaten unter oft schwierigsten Bedingungen 5 \u00bd tausend Meilen gesegelt sind \u2013 was gar nicht unsere Absicht war \u2013 lest Ihr in diesem Blogbeitrag.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Tor zur Welt<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Kanarischen Inseln sind f\u00fcr uns seit 4 Jahrzehnten das Tor zur Welt: Von hier aus sind wir 1981 Rund S\u00fcdamerika und das erste Mal in die Antarktis gesegelt. In den Jahren darauf ein paar Mal in die Karibik und ins Nordpolarmeer nach Gr\u00f6nland und Spitzbergen. Auch unsere zwei Weltumsegelungen von 1990 bis 2002 nahmen von hier ihren Ausgang. Darauf folgten von 2004 bis 2018 ausgedehnte Reisen in die S\u00fcdsee und in den Nordpazifik. Nun, 2020, tr\u00e4umten wir davon, am Ende unseres Seglerlebens noch ein letztes Mal in den S\u00fcdatlantik zu segeln, Abschied zu nehmen vom Kap Hoorn und unserer Schicksalsinsel Deception am Rande der Antarktischen Halbinsel, die wir dreimal in unserem Leben besucht hatten. In ihrem Kratersee machten wir am 12. Januar 1982 unseren ersten Landfall in der Antarktis, auf ihr \u00fcberwinterten wir 1992 und \u00fcberlebten nach einem Schiffbruch zu Beginn des Antarktischen Winters 8 Monate in einer Noth\u00fctte. Zu ihr kehrten wir 1998 zur\u00fcck und vollendeten hier unsere 7-j\u00e4hrige Antarktisumrundung.<\/p>\n\n\n\n<p>Da gibt es auch noch ein paar Glanzlichter auf dem Weg, einsame und unbewohnte Inseln, die wir immer schon, oder wieder, besuchen wollten, wie die zu Norwegen geh\u00f6rende vergletscherte Vulkaninsel Bouvet auf dem 55. Breitengrad im S\u00fcdatlantik. Sie gilt laut Wikipedia \u201e<em>\u2026als das am weitesten abgelegene St\u00fcck Land \u00fcberhaupt<\/em>\u201c und ist uns schon deswegen einen Besuch wert. Dazu reizt uns ganz besonders ein nochmaliger Besuch S\u00fcdgeorgiens und der S\u00fcdlichen Sandwichinseln mit ihren aktiven Vulkanen am Rande der Antarktis. Zwei der 11 vergletscherten Vulkaninseln (Candlemas und Zavodovski) hatten wir 1993 aufgesucht. Nirgends auf der Welt erlebten wir solche Dramatik und ein so unglaublich reiches Tierleben, aber auch nirgends war das Anlanden so schwierig und gef\u00e4hrlich gewesen.<br>Dort durften wir die Welt noch in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit, ihrer grandiosen Sch\u00f6nheit, erleben. Obwohl das &#8222;unbekannte S\u00fcdland&#8220; schon lange entdeckt war, f\u00fchlten wir uns hier oft wie Entdecker.<br>Als wir im letzten Herbst an die Planung und Ausarbeitung gingen, versch\u00e4rfte sich die Corona-Situation ab September pl\u00f6tzlich und unerwartet dramatisch. Ihr erinnert Euch: Die dritte Welle war im Anmarsch mit viel t\u00fcckischeren Virusvarianten aus Brasilien, S\u00fcdafrika, Indien und anderen Erdteilen &#8211; und kein Gegenmittel in Sicht. Was das f\u00fcr uns bedeutete war klar:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus der Traum einer Reise zum S\u00fcdland.<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir waren sehr entt\u00e4uscht, mussten uns damit abfinden, dass wir wahrscheinlich auf Jahre nicht nach S\u00fcdamerika und S\u00fcdafrika segeln konnten. Alle Pl\u00e4ne wurden Makulatur. Nun lagen wir in der Marina Tazacorte auf La Palma und fragten uns, wie es weitergehen soll. Wer unsere Leidenschaft f\u00fcr extreme Reviere kennt, den wird es nicht wundern, dass wir ein Revier als Ersatz w\u00e4hlten, das f\u00fcr uns ebenfalls verlockend und unter den gegebenen Umst\u00e4nden erreichbar schien: Gr\u00f6nland und Island.<br>Noch warteten wir ab. Als sich jedoch bis Weihnachten keine Besserung abzeichnete, disponierten wir um, erstellten einen neuen T\u00f6rnplan und machten ihn im Kreis unserer Mitsegler publik. Schnell konnten wir aus einer Vielzahl von Interessenten f\u00fcr diese Etappen die Crews zusammenstellen. Es war auch kein Problem, dass die \u00fcblichen Crewtreffen in Heidelberg wegen Corona ausfallen mussten, weil die meisten Mitsegler bereits in fr\u00fcheren Jahren mit uns unterwegs gewesen waren.<br>Zwei Wochen vor Beginn der Reise flogen wir nach La Palma. Nach einem neuen Unterwasseranstrich auf der Werft und den \u00fcblichen Eink\u00e4ufen im Supermarkt waren wir startklar.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_0924_10_2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_0924_10_2-953x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7068\" width=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_0924_10_2-953x1024.jpg 953w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_0924_10_2-279x300.jpg 279w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_0924_10_2-768x825.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_0924_10_2.jpg 1124w\" sizes=\"(max-width: 953px) 100vw, 953px\" \/><\/a><figcaption>Tazacorte: Nachbars Katze sagt \u201eFarewell und Goodbye&#8220;<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Auf nach Gr\u00f6nland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gut 2 \u00bd Wochen haben wir f\u00fcr den ersten Abschnitt von La Palma nach Horta auf der Azoreninsel Fajal veranschlagt. Es wurde ein \u201eGute-Laune-T\u00f6rn\u201c. Wir waren zu siebt, verstanden uns gut, es wurde abwechselnd gekocht und \u2013 nachdem die Seekrankheit \u00fcberwunden war &#8211; viel gelacht. Der best\u00e4ndige Nordostpassat wehte zwar schr\u00e4g von vorn, aber so, dass wir gut vorankamen und mehrt\u00e4gige Stops auf den Azoreninseln Santa Maria und Sao Miguel einlegen konnten &#8211; mit Besuch unserer Wiesbadener Freunde Ellen und Volker Christmann auf ihrem sch\u00f6nen Ferien-Domizil. Leihwagen waren dort leicht zu bekommen, da sich die Zahl der Touristen wegen Covid in Grenzen hielt. Lediglich beim Einklarieren auf Santa Maria mussten wir einen Tag in Quarant\u00e4ne, bis das Ergebnis unseres PCR-Tests festlag: wie erwartet negativ, da wir alle geimpft waren. Der einzige Wermutstropfen des T\u00f6rns war die schlechte Leistung der deutschen Nationalmannschaft auf der WM, deren Spiele wir uns im ber\u00fchmten Caf\u00e9 Sport in Horta ansahen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-1024x660.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7070\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-1024x660.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-768x495.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-1536x990.jpg 1536w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0006-2048x1320.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Horta: K\u00fcnstler am Werk<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7071\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG0039-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Das Shrimshow-Museum \u00fcber dem ber\u00fchmten Peter Caf\u00e9 Sport<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In Horta hatten wir wieder ein paar Tage Pause und bereiteten uns auf den n\u00e4chsten Abschnitt vor, der uns nonstop nach Gr\u00f6nland f\u00fchren sollte. \u00dcber den ganzen Nordwest-Atlantik ging es nun vom 38. bis \u00fcber den 60. Breitengrad \u2013 laut GPS betrug die Luftlinie 1.485 Seemeilen. Einen Zwischenstopp in St. John&#8217;s, Neufundland &#8211; wie in den Jahren 1986 und 1988 &#8211; hatten wir schon bei der Planung verworfen: das Risiko m\u00f6glicher Komplikationen wegen Corona schien uns zu gro\u00df. Au\u00dferdem wollten wir die Neufundlandb\u00e4nke, auf denen man mit pottendichten Nebel rechnen muss und bei Sturm die H\u00f6lle los ist, lieber weitr\u00e4umig umsegeln. Auch um die S\u00fcdspitze Gr\u00f6nlands, Kap Farvel, wollten wir diesmal wieder einen gro\u00dfen Bogen machen. Dieses Kap, sagen Experten, sei gef\u00e4hrlicher zu umrunden als das ber\u00fcchtigte Kap Hoorn: zum einen wegen der St\u00fcrme, zum anderen wegen des Packeises und der Eisberge, die mit dem Ostgr\u00f6nlandstrom auch in den Sommermonaten um die S\u00fcdspitze driften, besonders wenn noch Nebel dazukommt. Schon vielen Schiffen ist Kap Farvel deshalb zum Verh\u00e4ngnis geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Strecke von Horta bis nach Gr\u00f6nland hatten wir drei Wochen eingeplant, gingen aber davon aus, dass wir sie in zwei Wochen schaffen konnten: Ein Irrtum! Wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht.<br>WetterWelt aus Kiel prophezeite nichts Gutes: Zwischen dem 42. und 48. Breitengrad lag ein ausgedehnter Tiefdruckkomplex, ein Randtief nach dem anderen zog von West nach Ost und ein Ende der St\u00fcrme war einfach nicht absehbar. Und ein Hurrikan zog gerade an der Ostk\u00fcste der USA nach Norden. Ob wir da unbeschadet durchk\u00e4men, war mehr als ungewiss. Rat von WetterWelt: Wir sollten das Auslaufen um einen Tag vorziehen \u2013 das w\u00fcrde unsere Aussichten erh\u00f6hen, vielleicht durch eine kurzzeitig sich bildende L\u00fccke an den Tiefs vorbeizukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Crew war zum Gl\u00fcck bereits vollz\u00e4hlig an Bord. Der Frischproviant war eingekauft, die Crew eingewiesen: das Sturmgro\u00dfsegel (Trysegel) auf der zweiten Mastschiene untergeschlagen, die Hahnepot f\u00fcr den Sturmtreibanker am Heck befestigt, und der 150 Meter lange Jordan Drogue (Serien-Treibanker) lag griffbereit achtern in der Backskiste. Mit zwei Reffs im Gro\u00df und gereffter Fock liefen wir am 30. Juni, einen Tag eher als geplant, aus dem Hafen von Horta.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7076\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210726_170834-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>(5 Fotos von Gundolf Oertwig) <br>3 Wochen Starkwind und Sturm von Horta nach Gr\u00f6nland<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7075\" width=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_20210630_112241-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><figcaption>Marcus und Renate in der Komb\u00fcse<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.31.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.31-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7073\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.31-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.31-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.31-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.31.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Land voraus: Kap Farvel, die S\u00fcdspitze Gr\u00f6nlands<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.47.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.47-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7074\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.47-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.47-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.47-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-07-22_17.33.47.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/P8241950.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/P8241950-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7072\" width=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/P8241950-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/P8241950-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/P8241950-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/P8241950.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Segelbedingungen waren rau, st\u00e4ndig Starkwind schr\u00e4g von vorne. Aber der Crew wuchsen schnell Seebeine, nach zwei Tagen war die Seekrankheit bei den dreien, die es erwischt hatte, \u00fcberwunden. Wir hielten uns ans Dreiwachen-System der Berufsschifffahrt: 4 Stunden Wache, 8 Stunden Freiwache. Mahlzeiten wurden wachen-weise zubereitet, wobei Renate und Marcus die Hauptk\u00f6che waren. Wenn es allzu ruppig wurde, drehten wir zu den Mahlzeiten bei.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Tage kamen wir gut voran. Hoch am Wind war bereits gut ein Drittel der Gesamtstrecke zur\u00fcckgelegt, als unsere Gl\u00fccksstr\u00e4hne abrupt endete: \u201e<em>\u2026Die Tiefdruckaktivit\u00e4t von Neufundland her rei\u00dft in den kommenden Tagen nicht ab, die Entwicklungen bergen gr\u00f6\u00dfere Unsicherheiten, was die Routenfindung nicht gerade leicht macht. Wir m\u00fcssen weiterhin im engmaschigen Austausch bleiben, um schnell auf die aktuellen \u00c4nderungen reagieren zu k\u00f6nnen\u2026<\/em>\u201c, hie\u00df es am 5. Juli im Routingupdate von WetterWelt.<br>Und wenig sp\u00e4ter: \u201e<em>Dann aber zieht ein ausgedehntes Sturmtief \u00fcber die Labradorsee nach NE und sorgt f\u00fcr einen breiten Bereich mit Sturm. Entgegen der Vorhersage vor zwei Tagen zieht das Tief nun deutlich weiter im Norden durch. Somit m\u00fcssen wir die Strategie \u00e4ndern und nun weiter im S\u00fcden bleiben.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit unserem Iridium-Satellitentelephon luden wir t\u00e4glich die GRIB-Daten von WetterWelt herunter, sodass wir auch ohne das Routing gut im Bilde waren. Aber bei der manchmal schwierigen Interpretation der Daten sind die Wetterprofis im Vorteil. Verzichten wollten wir auf ihren Rat nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir ohne jegliche Information \u00fcber die Weltmeere segelten und das Wetter so nehmen mussten, wie es kam. Das Abwettern von St\u00fcrmen war deshalb in Seegebieten, wie wir sie gerade befuhren, an der Tagesordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hurrikan ELSA, mit dessen Ausl\u00e4ufern wir es zu tun bekamen, stellte laut Wikipedia \u201e<em>\u2026einen neuen Rekord f\u00fcr den sich am schnellsten bewegenden Hurrikan auf<\/em>\u201c und er richtete auf seinem Weg nach Norden schwere Sch\u00e4den an der Ostk\u00fcste der USA und Kanadas an. Erst am 9. Juli schw\u00e4chte er sich etwas ab, degenerierte zum posttropischen Sturm, querte die Labradorsee und zog weiter die ostgr\u00f6nl\u00e4ndische K\u00fcste hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sich rasant n\u00e4hernde Orkantief h\u00e4tten wir noch vor wenigen Jahrzehnten voll abbekommen. Nun aber gab uns WetterWelt in den folgenden Tagen Koordinaten von Wegepunkten, die uns au\u00dferhalb der Reichweite des Orkantiefs hielten. Der Jordan Drogue lag griffbereit im Cockpit, aber wir waren froh, dass wir das gute St\u00fcck, vor allem aber uns selbst und unser Schiff schonen konnten.<br>Zwar war es \u00e4rgerlich, dass wir mit drei Reffs im Gro\u00df und Sturmfock zun\u00e4chst wieder nach S\u00fcden ausweichen und dann tagelang beidrehen mussten, denn dadurch haben wir kostbare Meilen verschenkt, aber immer noch besser, als einer enormen See und den Brechern eines ausgewachsenen Orkans ausgeliefert zu sein.<br>Vier Tage ging das so, dann endlich schw\u00e4chte sich das Tief ab und wir konnten wieder auf Nordkurs gehen, allerdings unter betr\u00e4chtlicher Bolzerei, unter der vor allem der Skipper in seiner Vorschiffskoje zu leiden hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-13-um-13.45.22.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"624\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-13-um-13.45.22-1024x624.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7209\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-13-um-13.45.22-1024x624.jpeg 1024w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-13-um-13.45.22-300x183.jpeg 300w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-13-um-13.45.22-768x468.jpeg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-13-um-13.45.22.jpeg 1083w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Dank WetterWelt vermieden wir die Begegnung mit Hurrikan ELSA, allerdings  hatte uns der Vollkreis am 50. Breitengrad ziemlich genau eine Woche gekostet.  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Ziemlich genau eine Woche hatte uns der Vollkreis gekostet. Der guten Stimmung an Bord tat das erstaunlicherweise nicht den geringsten Abbruch. Alle waren sich bewusst gewesen, dass der T\u00f6rn hart werden kann und nahmen die Unbequemlichkeiten und die vielen Man\u00f6ver mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit hin. Und unsere K\u00f6che gaben ihr Bestes.<\/p>\n\n\n\n<p>14. Juli auf 54\u00b015&#8217;N und 41\u00b0W: Als Marcus seine Wache antritt, empf\u00e4ngt ihn ein siebenstimmiger Chor mit einem Geburtstagsst\u00e4ndchen. Chorleiter Heiko hatte ohne sein Wissen einen Canon mit uns einge\u00fcbt. Anschlie\u00dfend gab es ein opulentes Champagnerfr\u00fchst\u00fcck und eine Torte mit Kerzen und der Aufschrift \u201eFREYDIS\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wettergott gab keine Ruhe \u2013 wir hatten ein schlechtes Jahr erwischt: Eigentlich wollten wir im gro\u00dfen Bogen westlich am Kap Farvel vorbei, konnten aber hoch am Wind den erforderlichen Kurs nicht halten, sondern wurden immer weiter nach Osten versetzt. WetterWelt k\u00fcndigt uns einen weiteren schweren Sturm an, der uns am 18. Juli erreichen w\u00fcrde. Wir sollen alles dransetzen, vorher im Osten von Kap Farvel unter Landschutz zu kommen. Wir erinnern uns an die PAGAN (ein Stagsegelschoner aus Stahl) unseres Segelkameraden Reinhard Schmitz, die am Kap Farvel am 8. September 2001 im Sturm durchgekentert ist, ebenso wie vor ihm die SOLVEIGH IV (eine HR 42) mit Rollo und Angelika Gebhard. Und wir erinnern uns daran, wie 1987, ein Jahr nachdem wir im gro\u00dfen Bogen ums Kap nach Gr\u00f6nland gesegelt waren, die deutsche Yacht SEUFEL VI (eine Maramu von Amel) mit Skipper G\u00fcnter Gassner nach Gr\u00f6nland segelte, zu dicht ans Kap kam und dort vom Packeis eingeschlossen und zerquetscht wurde. Die beiden Segler hatten sich aufs Eis gerettet und konnten in buchst\u00e4blich letzter Minute vom Rettungshubschrauber abgeborgen werden. Dass es auch f\u00fcr viel gr\u00f6\u00dfere Schiffe gef\u00e4hrlich werden kann, belegen die Katastrophen der TITANIC und der HANS HEDTHOFF. Hier war 1959 die speziell f\u00fcr arktische Bedingungen gebaute und als unsinkbar geltende HANS HEDTHOFF nach der Kollision mit einem Eisberg im Orkan untergegangen, keiner \u00fcberlebte. Es war damals nach der TITANIC die zweitgr\u00f6\u00dfte Katastrophe der zivilen Seefahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren schon \u00fcber ein Dutzend Mal um Kap Hoorn gesegelt, hatten aber Kap Farvel auf fr\u00fcheren Reisen stets gemieden, mit einer Ausnahme: 2018, in einer kurzen Pause zwischen zwei St\u00fcrmen, wagten wir uns aus der Deckung und umrundeten am 13. August das Kap von West nach Ost.<\/p>\n\n\n\n<p>Eile war geboten, die Maschine lief mit, wir wollten nicht in der N\u00e4he des Kaps vom Sturm \u00fcberrascht werden. Am 17. Juli nimmt der Wind vor\u00fcbergehend ab. Wir reffen aus, das erste Mal seit Horta. Um 6:00 morgens haben wir eine hervorragende Sicht auf das K\u00fcstengebirge Gr\u00f6nlands, das noch ca. 60 Meilen entfernt war. Riesige Eisberge kamen in Sicht. Wir testen unser Radar: Nicht alle Eisberge waren auf dem Radarschirm sichtbar. Am sp\u00e4ten Abend kam Nebel auf und der Wind legt wieder zu, nun auf 30 kn aus Nordost. Also erneut zwei Reffs ins Gro\u00df und Fock verkleinern. Verdammt! Kurz vorm Ziel noch einmal Stress. Nach Mitternacht drehen wir 8 Seemeilen vor dem Kap bei. Die Gefahr ist zu gro\u00df, dass wir mit einem Eisberg oder einem der zahlreichen Growler kollidieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen bessert sich die Sicht. Ein unglaubliches Ambiente umgibt uns: Hohe, schroffe Berge, Eisbergunget\u00fcme und gro\u00dfe Packeisschollen. Wir nehmen Kurs auf das Kap Farvel und entscheiden uns f\u00fcr den Sund, der westlich von Kap Farvel ins Gebirge f\u00fchrt. Diesen Sund haben wir vor drei Jahren in umgekehrter Richtung befahren. Als wir am fr\u00fchen Morgen in ihn einbiegen, wissen wir, dass wir nun keinen Sturm mehr f\u00fcrchten m\u00fcssen &#8211; wir haben es geschafft!<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter, am 20. Tag der Reise, erreichen wir nach einer Fahrt durch die spektakul\u00e4ren Fjorde und Sunde SW-Gr\u00f6nlands unseren Zielhafen Qaqortoq (Julianeh\u00e5b). Seit La Palma haben wir 3.007 Meilen zur\u00fcckgelegt, seit Horta laut Sumlog 2.153 Meilen \u2013 fast 700 Meilen mehr als der direkte Weg, den das GPS anzeigte. Klar, wir hatten viel gekreuzt und einen gro\u00dfen Kreis gefahren, um einem Ex-Hurrikan auszuweichen. Die sturmbedingten Umwege hatten uns gefordert, aber die Crew war auch nach dreiw\u00f6chigem Nonstop noch in bester Verfassung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"535\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq-535x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7079\" srcset=\"https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq-535x1024.jpg 535w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq-157x300.jpg 157w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq-768x1470.jpg 768w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq-803x1536.jpg 803w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq-1070x2048.jpg 1070w, https:\/\/www.freydis.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/2021-Toern-II_Horta-Quaquortoq.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/a><figcaption>(c Siegfried Lettmann) Route Horta &#8211; Qaqortoq<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst hatten wir uns \u00fcber Funk und Satellitentelefon bei der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Beh\u00f6rde angek\u00fcndigt. Im Hafen sind wir die einzige Yacht. Wir hatten Einschr\u00e4nkungen wegen der strengen Ma\u00dfnahmen der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Regierung gegen die Ausbreitung des Virus bef\u00fcrchtet. Doch weil wir nicht nur alle geimpft, sondern vor unserer Ankunft drei Wochen auf dem Meer unterwegs waren, entfielen Quarant\u00e4ne und PCR-Tests. Es gab keinerlei Einschr\u00e4nkungen, wir konnten uns frei bewegen, durften mit der Freydis sogar die sensiblen Ortschaften an der Ostk\u00fcste anlaufen. Unser Seglergl\u00fcck schien perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Qaqortoq war eine einw\u00f6chige Pause geplant und Crewwechsel vorgesehen. Die Fl\u00fcge unserer Mitsegler (bis auf Gundolf, der auch auf dem n\u00e4chsten T\u00f6rn angeheuert hatte) gingen von hier aus zur\u00fcck nach Deutschland, und die n\u00e4chste Crew sollte in den n\u00e4chsten Tagen via Island anr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann der Paukenschlag: Als wir zu mittern\u00e4chtlicher Stunde das erste Mal seit Horta wieder Internetverbindung haben, erfuhren wir, dass die Crew, deren Ankunft wir erwarteten, in Island festsa\u00df. ICELANDAIR hatte s\u00e4mtliche Fl\u00fcge unserer Mitsegler von und nach Gr\u00f6nland \u2013 immerhin ging es dabei um zwei T\u00f6rns! \u2013 gecancelt. Entsprechend waren die R\u00fcckfl\u00fcge unserer derzeitigen Crew ebenfalls storniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt war guter Rat teuer!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es weiter geht, k\u00f6nnt Ihr n\u00e4chste Woche im zweiten Teil lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckblick auf die Saison 2021 An unsere Freunde und Mitsegler, vor einigen Tagen sind wir aus K\u00e4rnten zur\u00fcck gekommen &#8211; zwei Wochen Wellness hatte uns Heide nach unserer R\u00fcckkehr aus Island verordnet &#8211; mit sich als Kur\u00e4rztin. 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