Die Freydis liegt in der Iwaki Sun Marina…

…und wir sind wohlbehalten zurück in Deutschland.

An unsere Freunde und Mitsegler

Unserem Fernziel, ein 2. Mal nach Alaska zu segeln, sind wir in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein ganzes Stück näher gerückt, ziemlich genau 7.000 Meilen. Zur Zeit liegt die Freydis (als einzige ausländische Yacht) in der Iwaki Sun Marina in Onahama, etwa 100 Meilen nördlich von Tokio an der Ostküste von Honshu. Sie schwimmt am Steg, steht leider nicht an Land. An der ganzen Küste gibt es keinen Travellift, der mehr als 20 t hebt. Mit doppelten Leinen und zusätzlichen Ketten haben wir sie nun gegen mögliche Taifune gesichert und der Hafenmeister, Herr Takeaki Sakamoto, hat sie bis zu unserer Rückkehr unter seine Fittiche genommen.

San Diego – Hawaii

Am Silvestermorgen starten wir in San Diego, zwei Tage später als geplant. Mitseglerin Anja und ich kamen als letzte. Beide waren wir als Folge des Flugzeugattentates über Detroit im verschneiten Chicago festgehalten worden. Zum Glück hatte ich zusammen mit Heide das Schiff bereits im September drei Wochen lang für die Überfahrt nach Japan fit gemacht. So war die Freydis schnell auslaufbereit: Nur noch Wasser und Diesel bunkern, Frischproviant einkaufen (San Diego ist ein Eldorado für frisches und preiswertes Obst und Gemüse), Segel anschlagen, kurze Einweisung und auf ging´s.

Zuerst halten wir mit raumen Winden nach Süden auf die mexikanische Insel Guadalupe zu, anschließend wählen wir einen südwestlichen Kurs und schwenken dann auf dem nördlichen Wendekreis nach Westen. In der Erwartung, daß wir ähnliche Wetterbedingungen vorfinden wie vor vier Jahren, als wir im gleichen Monat dieser Route gefolgt waren, hatte ich die Crew auf eine schnelle Reise in strammem NE-Passat vorbereitet: mit gerefften Segeln wollten wir nach Hawaii rauschen.

El Niño stiehlt uns den Wind

Aber diesmal kommt es anders: Das Wetterphänomen „El Nino“ des Südpazifiks hat auch hier auf der Nordhalbkugel seine Hand im Spiel. Ein ausgedehntes Hoch mit schwachen Luftdruckgegensätzen beschert uns wochenlang schwache und mittlere Winde. Der erhoffte stramme Passat weht viel weiter südlich, der Umweg in Richtung Äquator würde sich für uns nicht lohnen.

Nach einer Woche ist die sechsköpfige Crew aufeinander eingespielt und macht das Beste draus: Die „großen Lappen“ sind angesagt. Mit häufigen Blister- und Spinnakermanövern versuchen wir die schwere Freydis auf Trab zu halten; bei Flaute muß die Maschine nachhelfen. Vier Wochen lang, bis zum Zielhafen auf Kauai, erleben wir nicht ein einziges Mal mehr als fünf Windstärken, dafür aber gelegentlich hohe Dünung von weiter nördlich vorbeiziehenden Stürmen.

Am 19. Tag erreichen wir ausgeruht und wohlgenährt (unsere Köche haben sich immer wieder übertroffen) den Einklarierungshafen Hilo auf Big Island. Hier wartet schon ein ostfriesisches Empfangskommitee auf uns, die Eltern von Anja, unserer Jüngsten an Bord, und Ewerts Freundin, die noch die restlichen 300 Meilen bis Kauai mitsegeln will. Drei Tage gönnen wir uns für die interessante Vulkaninsel Hawaii (Big Island), dann laufen wir an Honolulu vorbei nach Nawiliwili auf Kauai, wo dieser schöne Törn endet.

Hawaii – Midway – Japan

Die Dimensionen des Pazifik setzen uns immer wieder aufs Neue in Erstaunen: Die von San Diego nach Hawaii zurückgelegte Strecke entspricht bereits einer Atlantiküberquerung, aber der weitaus größte Teil des Pazifik liegt noch vor uns. Wir waren seit dreißig Jahren immer wieder auch große Ozeanpassagen zu zweit gesegelt. Eingedenk vieler schöner und meist unbeschwerter Reisen waren wir uns auch diesmal bei der Planung schnell darüber einig, daß wir die 4.000 Meilen von den Hawaii-Inseln über das Midway-Atoll nach Japan zu zweit wagen. So brauchen wir auf niemanden Rücksicht zu nehmen, können über unsere Zeit beliebig verfügen. Lediglich zum Start des ersten Crewtörns in Japan müssen wir rechtzeitig in Chichi Shima sein.

Die Segelanweisungen für die Reise von Hawaii nach Japan sind eindeutig, sowohl, was den günstigsten Abfahrtstermin angeht als auch den empfohlenen Kurs. Bei der Festlegung des Starttermins müssen wir berücksichtigen, daß die Winterstürme in Japan von November bis April dauern und die Haupt-Taifunsaison von Mai bis Oktober. Also ist die Abfahrt so zu planen, daß wir in Japan eines der beiden kleinen „Zeitfenster“ erwischen, entweder Ende April/Anfang Mai oder Ende Oktober/Anfang November. Wir entschieden uns für das Zeitfenster im Frühling, denn wir wollten zur Kirschblüte in Japan sein und nicht zu Beginn des Winters mit seinen eisigen Winden aus Sibirien.

Nicht gefolgt sind wir den Vorschlägen aus den Segelanweisungen allerdings bei der Festlegung der Route. Die sehen nämlich zuerst einen südlichen Kurs vor in Richtung Äquator, weil der NE-Passat im Winterhalbjahr weiter im Süden beständiger ist. Denn wir wollen das auf dem Wege nach Japan liegende Midway-Atoll besuchen, das wir bereits vor vier Jahren angelaufen sind, damals auf dem direkten Weg nach Alaska. Midway, auf halber Strecke zwischen Kalifornien und Japan (daher sein Name), ist ein auf der Erde einzigartiges Naturreservat, in dem u.a. ein halbes Jahr lang von Dezember bis zum Juni über zwei Millionen Seevögel brüten, davon 1,5 Millionen Laysan- und Schwarzfußalbatrosse.

Heide hat für das Magazin SEGELN zwei Reportagen geschrieben, die wir diesem Brief beifügen bzw. in einem Weiteren Beitrag hier veröffentlichen. Sie werden in den nächsten Heften von SEGELN mit Bildern von der Reise erscheinen.

Arbeitstitel:

  1. Teil: Midway Atoll – ein Vogelparadies im Müllstrudel
  2. Teil: Zur Kirschblüte in Japan

Wer Interesse hat: Bitte per Email melden!

Zum guten Schluß oder Auf ein Neues

Wir sind von Japan, von dem Land und seinen Menschen, begeistert. Sechs Wochen waren wir dort, jetzt wollen wir Mitte August zurückfliegen und unsere Eindrücke vertiefen. Zuerst werden wir fünf Wochen mit dem Wagen den Nordosten Honshus und die nördlichste Insel Japans, Hokkaido, bereisen. Danach kommt die Freydis dran. Nach Pflege und Instandsetzung folgt ein Zwei-Wochen-Törn im Herbst zur Zeit der Laubfärbung entlang der Nordostküste Honshus, die wir bis dahin ja schon mit dem Wagen erkundet haben. Natürlich beziehen wir auch die Matsushima Bucht ein mit ihrer außergewöhnlichen Szenerie, die zu den drei schönsten Ansichten Japans zählt. Besuchen wollen wir ebenfalls den Rikuchu-Kaigan Nationalpark und, wenn Interesse bei unseren Mitseglern vorhanden ist, mit dem Leihwagen einen Abstecher zum Towada Hachi-mantai NP (eine der letzten Wildnisse Japans mit Vulkanen, dampfenden Geysiren, brodelnden Schlammteichen) unternehmen. Zielhafen des Törns ist voraussichtlich die Hafenstadt Muroran auf Hokkaido, wo die Freydis den Winter über liegen wird.

Wer kommt mit?

Auf dem Zwei-Wochen-Törn vom 3. bis 16. Oktober von Onahama (IWAKI) nach Muroran/Hokkaido würden wir uns über Mitsegler aus Euren Reihen freuen.

Eine kleine Anregung von uns: Es bietet sich an, diesen Segeltörn mit weiteren eigenen Japan-Aktivitäten zu verbinden (eventuell auch mit Partner). Von dieser Möglichkeit haben unsere Mitsegler auf den letzten beiden Törns ausnahmslos Gebrauch gemacht und sind vor oder nach dem Törn noch auf eigene Faust oder mit einer Reisegesellschaft (MEIER´S WELTREISEN) unterwegs gewesen.

Schließen möchten wir diesen Brief mit einem Dank an unsere Mitsegler der letzten Törns (nach Hawaii und in den Japanischen Inseln) für ihren Einsatz und für ihre angenehme Gesellschaft. Es war uns ein Vergnügen!

Seid herzlich gegrüßt

Dr. Heide & Dipl.-Kfm. Erich Wilts

Untere Büttengasse 3
D-69121 Heidelberg

Phone: +49- 6221-47 37 24
Fax:     +49 6221-438 60 99
Mobil:   +49 175–5227 201
Email:  wilts[[at]]freydis.de
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