Das Ende der Kinderkrankheiten

Nagasaki, den 31. Oktober 2014

Hallo Freunde,

der Monat ist um, morgen treten wir den Rückflug nach Deutschland an. Die Freydis bleibt bis zum April nächsten Jahres in der Obhut der Sunset Marina.

Unser umfangreiches Arbeitsprogramm haben wir bis zum letzten Punkt abgearbeitet. Alles hat geklappt. Das verdanken wir nicht zuletzt unserem Freund Thilo, seit 35 Jahren unser Chefmechaniker, und unserem Bordelektronik-Spezi Hermann Christians.

Der »Segen« moderner Technik

GPS, Radar, elektronische Selbststeueranlagen, UKW und andere Navi-Messgeräte, die wir mit der Freydis II in Fukushima verloren haben, hatten über 20 Jahre ihren Dienst getan, ohne zu schwächeln. Von den neuen vernetzten Systemen kann man das nicht sagen. Es gab seit unserem Start in Leer vor gut zwei Jahren ständig Probleme: Entweder sie arbeiteten nicht einwandfrei oder sie fielen aus.

Elektrik und Elektronik an Bord sind komplizierter geworden, heute reichen weder Grundkenntnisse aus dem Physikunterricht noch jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit diesen Geräten (z.B. Radar, UKW, Autosteuerung, Limas+Regler, Echolot, Sumlog, Windmesser, GPS etc.) zum Verständnis der stark vernetzten Systeme aus. Nichts ist wirklich besser geworden, nur viel komplizierter und anfälliger. Die Betriebsanleitungen zu lesen, ist der blanke Horror. Und das nur für den Zweck der Steuerung der Systeme eigens angeschaffte Laptop macht auch keinen langlebigen Eindruck.

Ok. – Es funktioniert jetzt wieder alles

Aber wenigstens funktioniert nun wieder alles einschließlich der Wind- und Wellengeneratoren, die einem Schwelbrand in Rabaul zum Opfer gefallen waren.

Wir erklären also hiermit das Ende der Kinderkrankheiten unserer neuen Freydis.

Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich zeigen. Unser Ziel für 2015 ist Kodiak in Alaska. Spätestens dann werden wir berichten, ob es geklappt hat.

Damit ist die Arbeit auf der Freydis aber noch nicht zuende. Ein Schiff auf Weltreise muss regelmäßig überprüft und gewartet werden. Einen kleinen Eindruck von dem, was uns in Japan das nächste Mal (Checkliste für 2015) erwartet, findet Ihr im vorangegangenen Blog-Beitrag. Aus diesem Grund reisen wir auch bereits am 15. April an, dann können wir nämlich in Ruhe das Schiff auf den neuen Abschnitt vorbereiten.

Neue Eindrücke von Japan

In den letzten 4 Wochen haben wir unsere Arbeit mehrmals unterbrochen, um unsere Kenntnisse von Land und Leuten zu vertiefen. Ziele waren außer Nagasaki etwa die Stadt Hirado (darüber haben wir schon kurz berichtet) und die Halbinsel Shimabara mit ihren vielen vulkanischen Aktivitäten.

Angeregt durch einen umfassenden Bericht in der Zeitschrift „MARE“ haben wir gestern mit einem Touristenschiff Hajima oder Gunkanjima (Battleship-Island) besucht. Diese Ruineninsel liegt vor der Bucht von Nagasaki und gehört zum Weltkulturerbe: Auf ihr wurde fast 100 Jahre lang Kohle unterseeisch abgebaut;

„Die Insel wirkt, als sei sie einem apokalyptischen Manga entsprungen und wurde als Kulisse…im James-Bond-Film SKYFALL (2012) genutzt.“

Zitiert aus Lonely Planet JAPAN.

Hiroshima

Vor allem aber war unser Anliegen ein Besuch von Hiroshima. Und wie in Nagasaki, waren es auch dort zuerst die Gedenkstätten an die Atombomben-Explosion, die wir aufsuchten – den „Atombombendom“, eines der wenigen Gebäude – ehemals Industrie- und Handelskammer –, das nach dem 6. August 1945 noch erkennbar war, und das, obwohl die Bombe direkt darüber explodiert war und alle Menschen darin getötet hatte; dann den Friedenspark mit der Flamme des Friedens (sie soll erst dann gelöscht werden, wenn die letzte nukleare Waffe der Welt zerstört wurde) und weiteren Gedenkstätten wie dem Friedensmuseum oder dem Kinderdenkmal. Besonders bewegend für uns – und natürlich kam uns da auch Fukushima wieder in den Sinn – war die unterirdische Gedenkhalle, an deren Ausgang Fotos von Überlebenden gezeigt und deren Geschichten zu hören waren, so wie sie sie erzählt hatten.

Aber wir hatten auch andere Ziele in dieser heute so internationalen, lebensprallen Stadt: Ein Ausflug zur kleinen Insel Miyajima wurde zum krönenden Abschluss mit unzähligen Fotos von dem herrlich-bunten Schrein und von seinem großen zinnoberroten torii (Schreintor), das bei Flut auf dem Wasser zu treiben scheint, das aber auch bei Niedrigwasser einen grandiosen Anblick bietet. „Der Schrein zählt zu den drei schönsten Motiven des Landes und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe“ (Lonely Planet).

Törnplan 2015

Den Törnplan 2015 findet Ihr auch gleich vorne auf dem Blog. Für den Törn IV/2015 von Dutch Harbor nach Kodiak entlang der Alaska-Halbinsel haben sich so viele gemeldet, dass wir die Strecke mit Crew gleich dreimal segeln könnten.

Aber auf den Törns I + II entlang der Japanischen Westküste sind noch etliche Plätze frei.

Dabei ist Japan mit seinen Menschen und Kulturen eine Offenbarung, ein echter Geheimtip. Nur ganz wenige Yachten finden den Weg hierhin. Ausnahmslos alle berichten begeistert von ihren Erfahrungen im Land der aufgehenden Sonne. Mai und Juni sind die besten Monate und wir laufen verlockende Ziele auf unserem Weg über das Japanische Meer und an der Südküste von Hokkaido an.

Strahlung?

Seit Fukushima führen wir einen Geigerzähler mit. In Tokyo oder Nagasaki zeigt er weniger an als die Hälfte der Strahlendosis in Heidelberg: Tschernobyl!

Herzlich grüßen Euch
Heide & Erich

Picasa

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