Bürokratie auf Japanisch

Noch kein erfreuliches Ergebnis aus Fukushima

Am 7. Juni, vor 6 Wochen, kam in Japan Schwung in die Bergung der FREYDIS. Wir waren, wie Ihr wißt, ganz euphorisch. Jetzt sind wir nur noch verhalten optimistisch: Die FREYDIS und die japanischen Behörden kämpfen immer noch jeder für sich. Die FREYDIS, dass sie nicht zum Wrack wird, die Behörden um die richtige Lösung. Ein ungleicher Kampf, den die FREYDIS verlieren wird. Und wir hoffen immer noch, dass keine weiteren Forderungen auf uns zukommen aus einem sogenannten „öffentlich rechtlichen Störungsbeseitigungsanspruch“.

Wir würden gerne vier Monate nach Fukushima zu einem Abschluss kommen, aber es soll wohl nicht sein.

Heute morgen kam eine Mail aus Fukushima, die uns zu diesem Blogbeitrag inspirierte.

Heute, am 17. Juli, meldet sich nach längerer Abstinenz Herr xxx mit folgender Frage:

Hallo Herr und Frau Wilts!

Was gibt es Neues von der „Freydis“?
Ich hoere gar nichts mehr seit der Herr Kamata da engagiert ist!
Viele Gruesse,

Ihr
xxx

Unsere Antwort vom Tage:

Lieber Herr xxx,

über 1 Monat hat das Frage- und Antwortspiel mit Herrn Kamata gedauert, der sich im Auftrag der Präfektur eingeschaltet hatte, und wir haben alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Was er eigentlich bezweckte, hat er nicht gesagt, ist uns aus dem Dialog auch nicht klargeworden.

Jetzt meldet sich vor drei Tagen die Präfektur auf englisch – nochmals 4 Fragen, die wir alle schon beantwortet haben. Meine Frau, der das Schiff offiziell gehört, hat Meldung gegenüber dem Amtsgericht Cuxhaven gemacht, dass das Boot unrettbar verloren ist. Es ist jetzt aus dem Schiffsregister gestrichen und gehört ihr nicht mehr. Jeder, der will, kann nun die traurigen Reste an sich nehmen.

Unsere Haftpflichtversicherung wird für irgendwelche angerichtete Schäden oder Bergungskosten nicht aufkommen, da kein Verschulden unsererseits vorliegt.

Zu holen ist bei uns nichts. Unsere kleine Charterfirma „Segelabenteuer FREYDIS GmbH + Co KG“ ist durch den Verlust der FREYDIS hoffnungslos überschuldet. Wenn meine Frau ihre Ansprüche gegenüber der Firma geltend machen würde, müsste ich als Geschäftsführer der KG zum Amtsgericht und Konkurs anmelden.

Der einzige Lichtblick sind enge Freunde, die uns bei der Finanzierung und dem Ausbau der Schale helfen, die wir preisgünstig erwerben konnten (der Kasko hatte schon einige Jahre rumgestanden).

Wir sind durch die dauernde Fragerei ohne greifbares Ergebnis frustriert und beunruhigt. Wir wissen nicht, was uns erwartet: Wird die FREYDIS nun ein Denkmal für die deutsch-japanische Freundschaft oder aber müssen wir noch mit Schadensersatzforderungen aus Japan rechnen, weil die FREYDIS wegen ihrer überaus soliden Bauweise als einzige von 150 Yachten den Tsunami in der Iwaki-Sun-Marina überstanden hat und jetzt aus den Klippen abgeborgen werden muss ??

Schade – als Sie sich vor 6 Wochen gemeldet hatten, keimte in uns Hoffnung auf ein gutes Ende auf.

Das ist der derzeitige Stand.

Als wir im März letzten Jahres auf Chi Chi Shima den ersten japanischen Hafen anliefen, hatten wir eine geschlagene Woche von morgens bis abends mit der japanischen Bürokratie zu tun. Aber alle waren ohne Ausnahme korrekt, hilfsbereit und guten Willens. Und danach war Japan ein Traum, fast zu schön, um wahr zu sein – bis Fukushima.

Wir bleiben Optimisten. Wie heisst es doch? „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

Ihre H+E Wilts

Hat man Worte?

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