Sieben Kap-Hornier auf dem Weg nach Alaska

© Google Earth

Kushiro, den 23.Juni 2015

An unsere Freunde und Mitsegler

Die neue Crew ist vor zwei Tagen eingetroffen und die Vorbereitungen für den vor uns liegenden Törnabschnitt sind fast abgeschlossen. Wir haben uns noch einen zweitägigen Ausflug in den Akan-Nationalpark genehmigt: Dabei verbrachten wir die Nacht dort, wo wir schon vor fünf Jahren Freundschaft mit der Inhaberin geschlossen haben und seitdem mit ihr in Kontakt über Email stehen: im Riokan von Yuko Nonaka, am Fuß des aktiven Vulkans Meakandake. Ein Riokan ist ein traditionelles japanisches Hotel mit eigenem großzügigem Gemeinschaftsbad (Onsen) und typisch japanischem Essen. Schuhe werden am Hoteleingang ausgezogen; Yukata (Freizeit-Kimono aus Baumwolle) im Haus und außerhalb getragen. So hat die Crew noch ein wenig Japan mitbekommen.

Letzter Ausflug…

Heute fahren wir zum Io Zan. Und anschließend an den Kusharo-See, wo wir auf einem Trail durch vulkanisches Gelände wandern, das heisst an vielen vulkanischen Phänomenen vorbeikommen wie Fumarolen, Schlammlöchern, Schwefelbächen etc. Krönender Abschluss der kleinen Hokkaido-Runde wird ein Bad im vulkanisch beheizten Pool am See.

Morgen mittag sind wir hoffentlich auf See,…

…das heißt, wenn uns der Wetterbericht von „Wetterwelt“, den wir zur Sicherheit angefordert haben, keinen Strich durch die Rechnung macht.

Vor uns liegt mit Sicherheit der anspruchsvollste Törn seit wir vor drei Jahren mit der neuen Freydis in Deutschland gestartet sind. Wir rechnen damit, dass die Fahrt nach Attu, der ersten Insel der Aleutenkette, etwa zwei Wochen dauert. Weitere zwei Wochen haben wir eingeplant für den Besuch weiterer Inseln bis Dutch Harbor.

Auf dem Weg zu den Aleuten und entlang der Aleutenkette werden uns Stürme, Kälte, Nässe und vor allem Nebel erwarten. Das Trysegel ist bereits auf einer separaten Schiene am Mast angeschlagen. Außerdem haben wir am Heck das erste Mal unseren Jordan-Drogue montiert, sodass wir ihn bei Bedarf (schwerem Sturm) schnell einsetzen können.

Ein neuer Schleppanker

Jordan Drogue, das ist ein Schleppanker, der aber nicht nur aus einem, sondern aus vielen kleinen, hintereinander geschalteten, Schleppankern besteht und das Boot senkrecht zu den anrollenden Brechern hält. Das Boot wird im Sturm verlangsamt, das heißt, es kann nicht mehr ungebremst beschleunigen, wenn es die Wellenhänge hinunter rauscht und somit nicht mehr in die nächste Welle einbrechen. Es kann auch nicht mehr querschlagen und überrollt werden.

Theoretisch!

Die neue Crew

Außer uns beiden setzt sich die Crew wie folgt zusammen:

  • Erhard, seit 1990 ist er regelmäßig auf unseren Extremtörns dabei.
  • Jochen, auch er ist seit 1990 häufig mit uns gesegelt ist, etwa ums Kap Hoorn, das Kap der Guten Hoffnung und auf vielen anderen Abschnitten.
  • Udo gab sein Debut 1995 auf der Reise über die Tasmansee mit dem längsten Sturm, den wir mit der Freydis II je abzureiten hatten, danach Kap Hoorn und Feuerland, Hawaii, die Aleuten und der Golf von Alaska.
  • Hans, ebenfalls Kap Hoornier, war in den letzten zehn Jahren schon etliche Male mit uns unterwegs.
  • Ulrike ist der einzige Neuling an Bord, aber auch sie war schon am Kap Hoorm und in der Antarktis, außerdem bringt sie Erfahrung aus dem Nordpolarmeer mit.

Kleiner Rückblick

Als wir das Japanische Meer verließen und durch die Tsugaru Straße (die Meerenge zwischen Honshu und Hokkaido) im Pazifik beim Ansteuern von Hokkaido den 40. Breitengrad überschritten, kamen wir schlagartig von der subtropischen Zone in die Zone stürmischer Westwinde. Innerhalb weniger Stunden sank die Wassertemperatur von 20° auf 9°C, und die Roaring Forties meldeten sich mit ihrem ersten Sturm. Nach einer unangenehen Nacht, schafften wir es gerade noch rechtzeitig vor der Kaltfront in die Bucht von Hakodate einzulaufen.

Obwohl uns die Wetterküche Hokkaidos immer wieder in Angst und Schrecken versetzte – meist kam nachts starker Wind auf, und die Wellen schlugen das Boot gegen die Pier, dreimal mussten wir es verlegen – haben wir den Aufenthalt hier wieder sehr genossen. Natürlich waren wir auch wieder auf dem Mount Hakodate mit dem sagenhaften Blick auf die schöne Stadt. Und wir besuchten Matsumae, eine alte Stadt aus der Ezo-Zeit mit vielen Sehenswürdigkeiten: vor der Meiji-Zeit hieß Hokkaido „Ezo“ und Matsumae war die einzige Stadt auf Hokkaido.

In wenigen Stunden verlassen wir Japan…

…das wir trotz unseres persönlichen Verlustes in Fukushima in toller Erinnerung behalten. Internet haben wir erst wieder in vier Wochen in Dutch Harbor – also bis dahin!

Herzliche Grüße

Heide und Erich

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