Ein Gruß aus der letzen Wildnis Amerikas

Hallo Freunde,

unsere Crew traf im Laufe des 16. Mai ein: Unser alter Freydis-Mitsegler Erhard hatte diesmal Schwierigkeiten beim Einchecken in der Schweiz. In seinem Handgepäck fand die Security Munition 5,45×37 für eine Kalaschnikow 74, sowie Munition für ein Gewehr AK 47 und für eine „Sphinx“-Pistole 9mm. Die Beamten hat das „gar nit gfreit“. Aber Erhard ist Präsident des CCSSG (Combat Club Schießzentrum St.Gallen) und konnte glaubhaft versichern, dass er seinen Rucksack sonst zu Schießübungen mitnimmt und nur vergessen hatte, die Munition herauszunehmen. Die Beamten ließen Gnade walten, schließlich sind die Schweizer ein Volk unter Waffen, allzeit bereit feindliche Angriffe abzuwehren.

Julia, unsere jüngste Mitseglerin, hatte nicht so viel Glück beim Einchecken in Frankfurt: bei der Schmauchspuren-Kontrolle löste ihr Rucksack Sprengstoff-Alarm aus. Julia: „Alles war Rot auf dem Bildschirm!“ Was an dem Rucksack faul war, ließ sich nicht klären. Die Beamten vermuteten, dass es mit der Imprägnierung zusammenhängt. Erst nach eingehender Untersuchung aller Gepäckstücke ließ man Julia wieder „laufen“.

Natürlich haben wir keine Gewehre an Bord! Aber Pfefferspray ist auch eine wirksame Waffe im Bärenland. Jeder von uns ist, außer mit Glöckchen und Pfeifen, auch stets mit einer großen Dose davon ausgerüstet. Um bei den Bären gegebenenfalls raschen Zugriff darauf zu haben, hatte Lore sie in Geographic Harbor entsichert in ihre Jackentasche gesteckt. Als sie sich bückt, um Wasserkresse zu ernten, geht das Ding plötzlich los – mit großem Erfolg: Alles brennt – Augen, Nase, Rachen, Lippen, Hände – ein wahrer Keuchhusten bricht bei uns aus und dazu noch Übelkeit. Und am Ende der Reise macht sich Lore berechtigte Sorgen wegen des Pfeffersprays, der in ihrer Tasche gelandet ist und Sprengstoff-Alarm auslösen könnte.

Soviel zu den „bombigen“ Erfahrungen und Erlebnissen auf dieser Reise.

An Bären war der Fjord diesmal nicht so ergiebig wie sonst (nur 10 Bären promenierten am Strand in zwei Tagen) Kein Wunder, die Muscheln sind noch zu klein zum Ernten, und im Fluss ist der Lachs noch nicht angekommen. Kecke Otter strampelten dicht am Boot vorbei und Weißkopfadler flogen Patrouille über die Bucht.

In der Sukoi Bucht entdeckte Heinz einen Bären 10 Meter über mir, Heide, auf einer Klippe. Als er mir zurief, verschwand er. Der Skipper war derweilen am Ufer Fender-fündig geworden – drei Stück schleppte er an.

Switgard, die in Kodiak ansässige Biologin, die uns nach GEO-Harbor begleitete, wurde in der Hallo Bay an ein Fischerboot übergeben, das in der Nacht nach Kodiak zurückfuhr. Kaum war sie dort an Bord, kam der Fisch in Massen. Die Fischer behaupteten deshalb, sie habe ihnen Glück gebracht.

Sonne und grandiose Panoramafahrten in den Fjorden und an den Gletscher-Abbruchkanten sorgten für Hochstimmung an Bord, während auf den Eisschollen Robbenfamilien an uns vorbeitrieben. Allerdings stellten wir im Vergleich zu unseren vergangenen Besuchen einen eklatanten Rückzug der Gletscher fest.

Vorher (2006)

Vorher (2006)

Nachher (2016)

Nachher (2016)

Nachher (2016)

Nachher (2016)

Wir hatten nicht nur schönes Wetter, sondern auch Kälte, Regen, Wind bis 40 Knoten. Und in einigen Buchten konnten wir uns kaum retten vor blutrünstigen Moskitos.

Entspannung in Seldovia, einem hübschen Dorf, das nur auf dem Luft- oder Wasserweg erreicht werden kann, haben wir sehr genossen.

Und nun, in Seward, haben wir den Vorposten der Zivilisation in dieser letzten Wildnis Amerikas erreicht: Direkt neben uns legen täglich riesige Kreuzfahrtschiffe an, made in Papenburg – da haben die die Otter und Seelöwen im Hafen was zu gucken!

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PS: Unsere Segel-Novizin Julia hat sich zwar viel Segler-Latein angeeignet und tapfer geschlagen, sich aber dem finalen Knotentest (12 Knoten waren von der Schiffsführung gefordert) dann doch verbal entzogen.

In wenigen Tagen geht es mit neuer Crew in den Prince William Sound.

Herzliche Grüße
Heide+Erich

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